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M 76. Mittwoch, den 25. September 1889.
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„Zctltücklterner Zeitung" *^|
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Schlüchtern, im September 1889.
Die Redaction.
Der Kaiser im Manöver.
In militärischen Kreisen erregt es ein gewisses Aufsehen, daß bei den diesjährigen Kaisermaröveru von den bisher üblich gewesenen Bräuchen und Uebungen in mancher Hinsicht nicht unwesentliche Abweichungen stattgefunden haben. Namentlich hat es überrascht, daß von der früher gangbar gewesenen Gewohnheit, die Generalidee des Manövers schon einige Tage zuvor bekannt zu geben und darnach den einzelnen Führern die Ausarbeitung in Muße zu überlassen, Abstand genommen wurde und statt dessen erst im letzten Augenblick die ganze Anlage des Planes zur Kenntniß der Befehlshaber kam: eine Methode, die sich weit mehr dem Ernstfälle nähert, als jene früher gangbar gewesene. Erst zu einer Zeit, wo im Ernstfälle den Führern ihre Aufgabe bekannt werden wurde, wird denselben nur eine ganz allgem in gehaltene Generalidee mitgetheilt und steht es ihnen nun ganz frei, zu handeln, wie sie es für gut finden. Auch unser Kaiser bekam vom Chef des Großen Generalstabes erst am Abend vor dem Hauptmanöverlage in Hannover die Generalidee für die Nordpartei zugestellt, ohne zu erfahren, was die^Südpartei für Aufträge erhalten, und auch ohne zu wissen, wie stark dieselbe war. Als er um 11 Uhr aus dem Theater heimkehrte, machte er sich sofort an die Ausarbeitung der Verfügungen heran und noch in der Nacht wurden die bezügliche«« Befehle an die Truppen verschickt. Man schreibt in Bezug hierauf der „K. Ztg." aus Hannover den 16. Folgendes:
„Unser Kaiser nimmt seine Herrscherpslichten außerordentlich ernst, wenn es erlaubt ist so zu sagen: „der Dienst geht ihm über Alles". Eine seiner schwersten und verantwollichsten Pflichten wird es über kurz oder lang fein, die Millionen von Sti eitern, welche er im nächsten Kriege auf die Beine bringen muß, hinzn- führen, so Gott will, zum Siege und zum Ruhme des deutschen Vaterlandes. Und da will und wird der Kaiser selbst Führer und Leiter sein, und deshalb lernt und stndirt er unablässig und benutzt jede Gelegenheit, um sich zu vervollkommnen. Da wird den fürstlichen Und sonstigen Zuschauern kein prächtiges, sorgfältig vor- bereiletes militärisches Paradestück vorgeführt; so weit als möglich, wird Alles ernsten Verhältnissen angemessen. Welchen Anstrengungen sich der Kaiser dabei unterzieht, das ist schier unglaublich; sie sind weit größer, als sie im Kriege sein würden, wo keine schweren Repräsen- tationspflichten an den Feldherrn herantreten. Man vergegenwärtige sich nur gestern und heute: Gestern früh Vorträge, dann Gesangaufführung des hiesigen Douichors, Empfang der Abordnung der Universität Pöklingen, Feldgottesdienst, Vorträge, Audienzen, kurze Pause, Pferderennen, Prunkmahl der Provinzialstände, Theatervorstellung, und das Alles in ununterbrochener Reihenfolge. In aller Herrgottsfrühe ging es dann schon wieder hinaus. Und als die Spitzen der Nord- partei bald nach 9 Uhr mit den ersten Reitern des Feindes 3 Kilometer westlich Springe zusammenstießen,
hatte der Kaiser schon 35 Kilometer im Sattel zu- vückgelegt, nachdem er bis zum Sammelplatz der Ka- vallcriedivision gefahren war und in Linden den feierlichen Empfang der Bürgerschaft entgegengenommen hatte.«
Wie der Kaisir studiert und arbeitet, davon erzählt genannte Berichterstatter noch eine kleine Geschichte, ^ freilich mit dem Manöver selbst nichts zu thun hat.
Pijnz hatte er stets ein großes Interesse für die ^viegsakavemie bewiesen und ließ sich jedesmal im Frühjahr die Ausgaben für die Prüfungsarbeiten auS- olgen, die er dann ebenso, wie jeder andere Akademie- !chül<r, und zwar stets ausgezeichnet löste. Auch in mcscm Frühjahre ist er als Kaiser nicht hiervon ab*
gegangen und hat wie stets seine Arbeit den Lehrern zur Prüfung vorgelegt.
Die Leistungen der Kavallerie sind allen Berichten zufolge großartig gewesen. Die „Nordd. Allgem. Z." sagt in ihrem Manöverbericht: Die Kavallerie der vom Kaiser geführten Westpartei ritt Attacken von einer solchen Gewalt des Ansturms, daß selbst der Zuschauer von dem Eindruck derselben aufgeregt und mit fortge- rifsen wurde. Da gab es kein Halten und kein Hinderniß, so daß die gegnerische Kavallerie in Wirklichkeit überrannt und in Grund und Boden geritten worden wäre.
Roß und Reiter hatten bei dem großartigen Ka- valleriemanöver das denkbar Vortrefflichste geleistet. Trotz des Manövers erschienen die Regimenter der vereinigten Kavalleriedivisionen bei dem nun folgenden Parademarsch im Galopp in vorzüglicher Haltung. Daß der Kaiser die Kavall«riedivisionen, welche unter seiner Führung sich in so hohem Grade die Zufriedenheit ihres höchsten Kriegsherrn erwerben konnten, beim Parademarsch selbst vorbeuührte, darf gewiß auch als ein Dankesbeweis Se, Majestät gegen die schneidige vortreffliche Kavallerie aufgefaßt werden.
Deutsches Reich.
Berlin. Ueber eine Unterredung des Kaisers mit den Militärgeistlichen nach dem Feldgottesdienst am Sonntag in Hannover geht dem „Reichsboten" folgender Bericht zu: „Nach dem gestrigen Feldgottesdienst unterhielt sich der Kaiser längere Zeit mit den Militärgeistlichen Dr. Richter, Dr. Rocholl und Knoche, welche die kirchliche Feier geleitet hatten, in lebhaftem Gespräch; er drückte seine Befriedigung über das Erhebende der stattgehabten kirchlichen Feier aus. Ueberhaupt erwarte er den heilsamsten Einfluß auf die Herzen seiner Unterthanen durch die Pflege der Kirche und Schule. Freilich, Gott der Herr, könne selber am besten die Herzen der Menschen packen durch ernste Führungen, so hätten ihm die Leute der „Olga" erzählt, wie mächtig ihre Erlebnisse sie ergriffen und nach oben gerichtet hätten. Alsdann kam der Kaiser auf den Unterricht in den Schulen zu sprechen: er führte aus, daß der Geschichtsunterricht mehr Religion und Deutschthum betonen und auch die neuere Geschichte weil ausführlicher behandeln müsse. Die alten Völker zu kennen, wäre wohl schön, aber für unsere deutschen Sitten und zum Verständniß der Fragen der Gegenwart höchst nöthig, daß wir die Geschichte, namentlich die neuere und neueste Geschichte unseres eigenen Volkes, von Grund aus verständen. Daß die grundstürzenden Bestrebungen der Sozialdemokratie so viele Köpfe und Herzen verwirrten, käme daher, daß man in hohen wie niederen Schulen zu wenig die Verirrungen und Greuel der französischen Revolution und die gewaltigen Heldenthaten in den Befreiungskriegen zur Rettung des Vaterlandes den Kindern vorstellte. Er hoffe, daß auf diesem Gebiete die Jugend von früh au besser belehrt werde. Mit einem kräftigen Händedruck entließ er die Geistlichen, welche über die leutselige Art des Kaisers, namentlich über dessen großartige Anschauungen auf dem Gebiete des kirchlichen Lebens und der Schule, sehr erfreut waren."
— Wie der „Hann. Cour." meldet, soll der Kaiser wiederholt geäußert haben, daß er, wenn er die ihm in Hannover dargebrachten Huldigungen für den wahren Ausdruck der Empfindungen der Hannoveraner halten dürfe, geneigt sei, einige Zeit in jedem Jahre in Hannover zu residiren. Es würde das ein Entschluß von weittrogender Bedeutung sein. Hannover als eine Art zweite Residenz Sr. Majestät würde sicherlich in mehr als einer Hinsicht einen Umschwung erfahren.
— Im Fprst von Groß-Schönebeck wird der Kaiser
demnächst mehrere Pürschjagden abhalten. Er liebt dieses echt waidmännische Vergnügen mehr als die Treibjagden mit ihrem Massenmord. Der Kaiser schießt sehr ruhig und sicher und bedient sich dabei der Mauserbüchse. Im Forst von Groß-Schönebeck sind, dem „Bert. T." zufolge, 20 ungarische Hirsche, ein Geschenk des Kaisers von Oesterreich, ausgesetzt worden, darunter ein gewaltiger weißer Zwanzigender. Derselbe wurde von der Eisenbahn aus an starken Leitseilen geführt. Außerdem befinden sich in den großen Forsten zahlreiche starke Wanderhirsche, welche zur Brunstzeit von weit und breit herbeikommen.
— Die Liebenswürdigkeit und Leutseligkeit des entschlafenen Kaisers Friedrich ist zum Sprichwort geworden. Jeder weiß, wie gern er die Gelegenheit wahrnahm, einmal ohne Zeugen sich mit diesem oder jenem gemeinen Soldaten zu unterhalten; je drastischer die Antworten ausfielen, desto mehr freute sich „unser Fritz". Von Keinem aber ist seine Freundlichkeit auf eine härtere Probe gestellt worden, als von einem biedern Pommer, und das ging, wie man erzählt, so zu: König Wilhelm hatte sich mit seinem Sohn verabredet, in irgend einem der Palais zusammenzutreffen, um mit ihm gemeinsam von dort aus eine Ausfahrt zu unternehmen. An einem Seitenportal fährt der König vor, der Posten, ein Landsmann der berühmten Spickgänse, präsentirt und Se. Majestät verschwindet im Palais. Wenige Minuten später erscheint der Kronprinz. — „Ist Se. Majestät der König bereits im Palais?" fragt er den Posten. (Alle Wetter, denkt der Pommer, nun aber so höflich wie möglich geantwortet!) „Ja wohl, Königliche Hoheit, Papachen ist eben ringegangen." Schier starr vor Staunen schaut sich unser Fritz den Mann von oben bis unten an und sagt endlich: „Kerl! ist er betrunken?" Darauf der Pommer mit fester Stimme: „Ich habe ihm nix angemerkt, Königliche Hoheit." — Da hielt denn doch der Kronprinz ein näheres Eingehen auf die so delikate Angelegenheit nicht für gerathen; er entfernte sich mit einem freundlichen: „Ich danke!" Dann ließ er seiner Heiterkeit freien Lauf. Sein herzliches Lachen steckte den greisen, sonst so ernsten König mit an, so daß er scherzend vor seinem Sohne langsamen Schritt machte, um ihm zu beweisen, daß der Pommer auch wirklich die Wahrheit gesprochen.
Dresden, 19. Sept. Ein hiesiger Industrieller besichtigte im Aufträge mehrerer Groß - Kapitalisten die großen gewerblichen Anlagen in Radebeul in der nahe belegenen Lößnitz, um festzustellen, ob daselbst der Boden für ein großartiges Unternehmen zu finden sei. Es handelt sich dabei um nichts Geringeres, als ganz Sachsen mit elektrischem Licht zu versehen und zwar von bestimmten Centralpunkten aus, die immer in der nächsten Nähe von Kohlengruben sich befinden müssen. So soll im Plauenschen Grunde eine solche Centralstelle mit 5000 Pferdekräften angelegt werden, von welcher aus, ähnlich den Fernsprechanlagen, Drahtleitungen nach DreSden, Meißen und der Lößnitz geführt werden. Die Statuten der Gesellschaft sollen bereits eingereicht sein.
Hildcsheim, 20. Sept. In vergangener Nacht ist ein Theil des Biwaklagers bei Coppenbrügge in Brand geraten und dabei eine ganze Anzahl Mannschaften des Braunschweiger 92. Regiments mehr oder weniger schwer verletzt worden. Angeblich sind es 10—12 Mann, die schrecklich durch Brandwunden zugerichtet waren.
In der MilitärunterschlagungSgeschichte des Artilleriedepots in Mainz wird immer neues Material zu Tage gefördert. Unter der Aufsicht eines hohen Offiziers fand, nach der „Fr. Ztg.", in den Geschäftsräumen des verhafteten Wagnermeisters Müller abermals eine Haussuchung statt, wobei bedeutende Holzvorräthe und sonstige Materialien, die Eigenthum des Artillericdepots sind, mit Beschlag belegt und auf Wagen fortgefahren wur-