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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

Samstag, den 21. September

1889.

Bestellungen auf das 4. Quartal 1889 (October, November, December) der

MW-^dtfüKfiterner Zeitung" ^WW

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Schlüchtern, im September 1889.

Die Redaction.

Zum Schweineeinfuhrverbot äußert sich die in Breslau erscheinende Fachzeitschrift DerLandwirth" in folgender Keherzigenswerther Weise:

Den eigentlichen Hauptgedanken für das Einfuhr­verbot läßt man vielfach ganz außer Augen. Die deutsche Viehzucht, d. h. nicht die Schweinezucht, bei der ein Exportgeschäft für Deutschland von unter­geordneter Bedeutung ist, sondern die gesammte Rind­vieh- und Schafzucht soll endlich einmal von den lästigen, drückenden und immer ganz unvorbereitet ihr angelegten Fesseln befreit werden, die ihr alle 3 Jahre mindestens zwei Mal die durch Schweine importierte Maul- und Klauenseuche bereitet. England, unser Hauptabsatzort für Fettvirh, schließt in ganz berechtigtem Erhaltungs­trieb seine HäfeN gegen verseuchte Länder ab und er­reicht dadurch einen verhältnismäßig gesunden Stand seiner Viehherden, die ihm mehr am Herzen liegen, als die Deutschlands. Wie segensreich auch für Deutsch land derartige Absperrungen gegen verseuchte Länder und ein rigoroses EmH?eiten gegen die Seuche im eigenen Land gewirkt haben, beweist die immer seltener anstretende Lungenjeuche und die kaum noch geiürchlete Rinderpest. Man möge sich doch klar machen, wie das Nationalvermögen geschädigt wird, wenn Hunderte von Stücken Rindvieh todtgeschlagen und verscharrt werden und wie groß der Verlust der Landwirthe ist, wenn durch eine beerbe Treiderschweine einige Hundert Ge­höfte mit Klauenseuche heimgesucht" werden. Jeder Geschäftsverkehr muß dann auf diesen Gehöften stocken, keine Arbeitsochsen dürfen über die Gemeindegrenze, kein Mastvieh kaun verkauft werden, bis der Kreis­thierarzt die Sperre aufhebt. Allein der Verlust an Milch und das der Seuche folgende Verkalden kann bedeutende Summen verschlingen, und wenn der Händ­ler und der Fleischer den Termin der Mastviehabnahme nicht innezuhalten braucht und das Vieh 46 Wochen länger gemästet werden muß, ohne deshalb in seinem krankhaften Zustand fetter zu werden, da kräht kein Hahn danach; aber wenn jetzt einzelne Händler und Fleischer bei Lieferüngsübernahmen Geld verlieren, weil sie die Schweine etwas theurer als sonst bezahlen müssen, da wird natürlich an die große Glocke geschlagen. -Man wende uns nicht ein, daß es sich hier uth eine thatsächliche Roth von Fabrikarbeitern handle und dort um wohlhabende Laudwirthe. Die Landwirthe find im großen Durchschnitt in Deutschland nicht wohlhabend und der Großgrundbesitz hat mir einen kleinen Theil des Gesammtackers in der Hand. Die Maut- und Klauenseuche schädigt in allererster Reihe die Besitzer von ein und zwei Kühen und ein paar Schweinen; hier steht arm gegen arm, Arbeiter gegen Arbeiter. Bei dem Einfuhrverbot handelt es sich in erster Linie üur um die Erhaltung und die Sicherung des Ge- lvjlmes aus unserer gesummten Nutzviehhaltung, seine Unannehmlichkeiten müssen mit in Kauf genommen und von allen Bürgern des deutschen Staates in der kurzen Zeit des Ueberganges geduldig getragen werden."

Deutsches Reich.

Berlin. Die Wappen des Kaisers und der Kaiserin, ebenso der Reichsadler, die kaiserlichen Kronen u. s. f. sind nunmehr nach den Entwürfen deS Ober« Hofmeisters v. Mirbach vollständig neu festgestellt worden und weifest ganz erhebliche Abweichungen bezw. Richtigstellungen gegen früher auf. Es wird eine bild­liche genau ausgeführte Darstellung derselben veröffent-

werden. Die dazu erforderlichen 13 Blätter sind in Farben auSgeführt; der Druck und Verlag deS Werkes sind der auf heraldischem Gebiete bekannten Firma C. A. Starke in Görlitz übertragen worden.

Die Maul- und Klauenseuche ist trotz deS strengen Schweineeinfuhrverbols auf dem Berliner Sentralvieh-

Hof und auf dem Schlachthofe zu Leipzig konstatiert worden. Die Ausfuhr aus dem Berliner Centralviehhof wurde verboten und eine gründliche Reinigung daselbst vorgenommen.

Angesichts der enormen Steigerung der Kohlen- Preise von Seiten der Privat-Bergwerksbesitzer hat der Minister der öffentlichen Arbeiten die Verwaltungen der Staatsbergwerke angewiesen, sofern eine Erhöhung der Verkaufspreise für Steinkohlen und Braunkohlen den steigenden Selbstkosten entsprechend angezeigt erscheine, darin doch eine angemessene Zurückhaltung zu beobachten und sich von übertriebener Ausnutzung der zeitweilig günstigen Verhältnisse fern zu halten, selbst auf die Gefahr hin, daß unter diesen Umständen die Anforde­rungen an die Leistungsfähigkeit der betreffenden Staats­werke unverhältnismäßig gesteigert werden sollten.

* Durch den Erlaß des Ministers des Innern sind dnnHann. Cour." zufolge die Oberpräsidenten aufgefordert worden, sich nach Anhörung der Regierungs­präsidenten dahin zu äußern, ob ein Anlaß dazu vor- läge, die Befugniß zur Erhebung einer Hundesteuer bis zum Maximalbetrage von 20 Mark allen Gemein­den zu übertragen.

Haunover. Am Dienstag hat unter Leitung des Kaisers ein großes Kavallerie-Manöver stattgefunden. Der Kaiser führte 12 Regimenter Kavallerie, 3 reitende Batterien und 2 Pionierabtheilungen gegen den mar­kierten Feind, welcher etwas schwächer war und unter der Führung des Generallieutenants v. Krosigk, Chef des Militär-Reit-Jnstituts zu Hannover, stand. Es fanden glänzende Attacken ganzer Brigaden gegen In­fanterie nnd Kavallerie statt, wobei auch die Artillerie mit eingriff. Am Schluß des Manövers nahm der Kaiser sämmtliche 70 Schwadronen zusammen, um sie den versammelten fürstlichen Gästen im Parademarsch vorzuführen. Der russische Thronfolger wohnte dem Manöver in der Uniform des ihm verliehenen Westsäl. Husarenregiments Nr. 8 bei. Der Kaiser begab sich mit dem russischen Thronfolger vom Manöverfelde nach dem Jagdschloß Springe, wo der Monarch bis zum Schluß der Truppenübungen zu bleiben gedenkt.

Bei dem in Hannovers am jüngsten Sonntag abge­haltenen Rennen fand auch auf Befehl des Kaisers ein Aufstiegen von Brieftauben statt, zu welchem der Braunschweiger sowie der Hildesheimer Brieftauben- ZüchtepVerein eine größere Anzahl Tauben nach Hannover gesandt hatten. Die Braunschweiger Tauben wurden um 3 Uhr Nachmittags auf dem Rennplätze ausgelassen, und die ersten Thiere trafen 4 Uhr 14 Minuten in ihrer Heimath ein, wogegen die Hildes­heimer Segler erst 10 Minuten nach 3 Uhr die Frei- heik erlangten, jedoch schon um 3 Uhr 29 Minuten in größerer Anzahl in ihren Schlägen eintrafen. Sofort wurden nun von Hildesheim aus 2 Tauben, welche nach Hannover gehörten, mit Meldung versehen und fliegen gelassen, aber auch gleichzeitig auf dem Telegraphenamte eine Depesche gleichen Inhalts nach Hannover als dringend aufgegeben. Die Tauben fanden sich um 4 Uhr 10 Minuten inHannover wieder ein und wurden sofort zum Rennplatz geschasst, woselbst die Kaiserin dem kleinen gefiederten Luftboten die Meldung aus bet Hülse nahm, während der Kaiser dem Thierchen mit den anerkennenden Worten:Gut gemacht", das Gefieder streichelte. Große Heiterkeit erregte noch die dringende Depesche deS Telegraphen­amtes, welche fast eine halbe Stunde später eintraf.

Soudershausen. Der Vater des regierenden Fürsten von Schwarzburg-SonderShausen, S> D. Fürst Günther Friedrich Karl, ist am Sonntag Abend sanft ent­schlafen. Fürst Günther war am .24. September 1801 geboren und somit der älteste Fürst nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa, 45 Jahre j

hat er in Schwarzburg-Sondcrshausen regiert, bis er am 18. Juli 1880 die Regierung eines Augenleidens wegen, das zuletzt zu fast völliger Erblindung geführt hatte, an seinen ältesten Sohn, den Fürsten Karl Günther abgetreten hatte.

Darmstadt. Der frühere Benediktiner-Pater Dr. Ambros Söder, ein hochgebildeter Gelehrter, der zu­letzt mit dem Pastorat der Pfarrei Michaelsbuch in Niederbayern betraut worden war, hat vor einiger Zeit die Pfarrei verlassen und ist zum Protestantismus übergetreten. Trotzdem Dr. Söder von ultramontanen Blättern daraufhin für irrsinnig erklärt worden ist, erfreut sich derselbe in Beerfelden bei Darmstadt, wo er als zweiter Pfarrer angestellt worden ist, der besten Gesundheit an Leib und Geist.

Leipzig, 17. Scpt. Am vergangenen Sonntag sind im Riesengebirge die ersten Schneestürme aufgetreten; auch im Erzgebirge ist der erste Schnee gefallen.

Erfurt, 13. September. Vor der Strafkammer des hiesigen königlichen Landgerichts stand heute der Handlungsreisende Alfred Klemens Beuediktns Rose aus Bremen, des Betruges angeklagt. Der Genannte bereift; Ende vorigen Jahres im Auftrage der Firma Ferdinand Franz Meyer in Dresden, die thüringenschen Staaten, um Christbaumkonfekte rc. zu verkaufen. Röse suchte nur kleine Händler auf, Leute, welche vom kauf­männischen Geschäft nichts verstanden und sich desto eher übers Ohr hauen ließen. Der Angeklagte köderte seine Opfer zunächst durch elegante Proben, sodann trug er in die Schlußzettel viel höhere Waarenposten ein, als wirklich bestellt waren, so daß manche Empfängern statt einer Faktura über 10 Marksolche auf 180 Mark lautend erhielten. Endlich besamen die Käufer elende Waare, Bonbons, bei deren Genuß Unwohlsein entstand, während in vielen Düten gar nur Drathstifte, Gersten­körner, Streichhölzer, Kehricht rc. enthalten war. Wie gut dies Geschäft ging, erhellt aus dem Umstände, daß Röse nach seiner eigenen Angabe jährlich 9000, 11,000, ja sogar 13,000 Mark an Provision verdienen konnte. Modernes Raubritterlhum", charakterisirte der Rechts- anwalt treffend die betrügerischen Manipulationen RösrS sowie seines Chefs. Das Gericht erkannte Röse des Betruges im wiederholten Rückfalle für schuldig, und verurtheilte ihn zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren, einer Geldbuße von 1000 Mark nnd fünf­jährigem Ehrenverlust. Gegen den Inhaber der Firma, Ferdinand Franz Meyer in Dresden, ist ebenfalls das Strafverfahren eingeleitet.

Aus Naumburg a. S. wird demB. T." geschrieben: Eine liebenswürdige Antwort hat der Magistrat den Lehrern übermittelt, die sich wegen Gehaltsaufbesserung bittend an die Regierung gewandt hatten. Es heißt in den Schreiben:ES soll nicht weiter erörtert werden, ob und welche Querulanten unter den Beschwerdeführern sich befinden, welche überhaupt nicht zu befriedigen sein werden, selbst wenn ihnen die denkbar höchsten Be­soldungen gewährt würden. Dixsen werden wir nichts in den Weg legen, wenn sie anderswo das zu erreichen suchen, was ihnen hier nicht gewährt wird."---

In Ellrich a. H. haben die Stadtverordneten den merkwürdigen (?) Beschluß gefaßt, die dortige gewerb­liche Fortbildungsschule am 1. April k. J. aufzuheben. Als Grund wurde die durch den obligatorischen Unter­richt bedingte Störung in den Gewerbebetrieben und die zu strenge Handhabung der Schulzwangsbestimmnngen angegeben.

HildeSheim. Eine heitere Geschichte hat sich dahier in der vorigen Woche zwischen zwei Konkurrenten ab­gespielt und in der Stadt viel Heiterkeit erregt. Um die Kauflust der den Markt besuchenden Hausfrauen zu erregen, heftete einer der Ladeninhaber über eine Kol­lektion Haarbesen die Preisbezeichnung 90 Pfg., in der