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Zur Judcnfrnqe.

Von Pfarrer H a r t w a n n -Schlächtern.

(Fortsetzung.)

Wir haben vorhin schon hingewiesen auf den Ueber iimth, den die Juden im 9. Jahrhundert im heutigen Frankreich den Christen gegenüber an den Tag legten. Im 12. Jahrhundert ist es daselbst nicht anders. Vielmehr waren die Juden geradezu eine Gefahr geworden für das Land, sodaß Ludwig VII. von Frankreich im Jahre 1146 den berühmten Abt Pier von Clugny (Petrus den Ehrwürdigen) um Rath fragte, was man gegen die unerhörte Bereicherung der Juden durch Ausbeutung des Landvolks beginnen solle, worauf derselbe antwortete: Ich rathe nicht dazu, die Juden zu tödten, sondern sie auf eine entsprechende Art zu strafen und ihnen das, was sie auf betrügerische Weise gewonnen haben, wieder zu entziehen. . . . Denn nicht durch ehrlichen Ackerbau, nicht durch irgend ein nützliches Gewerbe machen sie ihre Scheunen voll Getreide, ihre Keller voll Wein, ihre Kisten voll Gold und Silber, als v i c l in e h r durch das, was sie betrügerischer Weise den Leuten entziehen, durch das, was sie insgeheim vön den Dieben kaufen, indem sie so die kostbarsten Dinge für den geringsten Preis sich zu verschaffen wissen."

Diese Zeugnisse aus demfinstern" Mittelalter mögen genügen, um darzuthun, daß es auch schon damals eine Iudenfrage gab, daß die Juden nicht so harmlos und unschuldig waren, wie Viele heutzutage meinen, und daß sie nicht lediglich ihrer Neligio''n wegen verfolgt wurden es müßte denn sein, daß der Wucher und die Ausdeuttulg derChrislxn bei den Juden zur Religion gehören.

Treten wir ein in die neue Zeit, die mit der Reformation beginnt, so finden wir, daß die Juden die Alten geblieben sind und daß die Judenfrage noch nicht aus der Welt geschafft ist. Hören wir das Zeugniß eines Mannes, der wie kein zweiter ein Mann des Volkes war, weil er aus dem Volke hervorgegangen, der wie kein zweiter sein Volk liebte, der wie kein zweiter ein Auge hatte für alles leibliche und geistliche Elend seines Volkes das Zeugniß D r. M a r t i n Luther's! Wir haben s. Z. ein ernst richtendes Wort vernommen von Luther über die grausamen Juden­verfolgungen und fanden eS ganz selbstverständlich, daß Luther wie überhaupt jeder Christ die Ver- lolgungen nicht billigen konnte, wir hoben aber auch zugleich hervor, daß Luther deshalb doch nicht blind war gegen das Treiben der Juden. Damals glaubte ich Luthers Ansicht über die Juden verschweigen zu sollen, jetzt' aber, wo ich einen geschichtlichen Ueberblick gebe über die Judenfrage, darf das Urtheil des Mannes nicht fehlen, der als Repräsentant der be­ginnenden Neuzeit dasteht und ich stehe deshalb nicht Pi, einige Aussprüche Luthers über die Juden und über deren Treiben hierherzusetzen auch auf die Gefahr hin, daß Luther nun auch unter dieIn den Hetzer" gerechnet wird. Er hat ein Buch geschrieben:Von 6en IüdeN und ihren Lügen" und ein anders: V o in S ch e in H a m p h or a s." Darin deckt er die ganze Schlechtigkeit der damaligen Juden auf und geht auf's Schärfste dagegen vor. Unter Anderem sagt er: "Ein Jud steckt so voller Abgötterei und Trügerei, als zehn Kühe Haare haben." Wenn Leute wie Luther solche derben Aeußerungen über die Juden vernehmen ließen, so wollten sie gewiß damit nicht alle Juden Neffen. Gewiß hat es auch damals edle und ehren- werthe Juden gegeben und von Luther grade wissen wir, daß er selbst mit Juden verkehrt, daß er Juden, vawcnilich gebildete, gelehrte Juden in seinem Hause empfangen und sie auch selbst besucht hat, indem tr bei der (Übersetzung des Alten Testaments gar Manchmal ihren Rath einholte. Er hat mit solchen Äußerungen offenbar die Juden im Auge, die lediglich a i c Ausbeutung des Volkes, den Wucher zu ihrem Gewerbe gemacht hatten. Das geht wenigstens aus folgenden Worten hervor:Wenn ein Dieb

Hilden stilet, so muß er henken, raubt er auf der Fraßen, so ist der Kopf verloren. Aber ein Jüde, wenn er 10 tünnen Goldes stilet und raubet durch '^>ien Wucher, so ist er lieber, denn Gott selbst"

.... Kein Volk unter der Sonne ist geiziger, als sie sind gewest, noch sind und immerfort bleiben, wie man siehet an ihrem verfluchten Wucher." In seinenTisch­reden" hat er einmal das Treiben der Wucherjudett in der drastischsten Weise also geschildert:Der Jude ist nicht ein Teutscher, sondern ein Täuscher, nicht ein Welscher, sondern ein Fälscher, nicht ein Bürger, sondern ein Würger." Luther macht auch Vorschläge zur Lösung der Judenfrage, die wohl keinem Juden gefallen dürften, die ich als unzeitgemäß auch nicht mittheilen will. Nur den einen, überaus praktischen und auch für unsere Zeit beherzigenswerthen Vorschlag will ich den Lesern nicht vorenthalten, nämlichden Juden Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken und Spindel in die Hand zu geben, damit sie auch ihr Brot verdienen im Schweiße ihres Angesichtes." So Luther!

Indessen könnten manche Juden von heute, könnten Aufgeklärte",Gebildete des 19. Jahrhunderts" auf­treten und sagen:Jene Zeugnisse machen auf uns keinen Eindruck; denn sie stammen ja von Theologen her, von Leuten mitVorurtheilen und Uebertreibungen" und sind vomreligiösen Fanatismus eingegeben". Wohlan so mögen die Herren auch Urtheile aus der Feder von au fgeklärten, freisinnigen und frei­geistigen Männern hören. Lassen wir zuerst Kant reden, den größten Philosophen aller Jahrhunderte! In seiner 1798 erschienenenAnthropologie in pragma­tischer Hinsicht" sagt er:Die unter uns lebenden Palastiner sind durch ihren Wuchergeist seit ihrem Exil^ auch was die größte Menge betrifft, i n den nichtunbegründetenRuf desBetrugs g e- f o m m e n " Im weiteren Verlauf redet dann Kant von den Judenals von einer Nation, deren bei Weitem größter Theil keine bürgerliche Ehre suche, dagegen diesen Verlust (der bürgerlichen Ehre) durch die Vortheile der Ueberlistung des Volkes, unter dem sie Schutz finden, ersetzen wolle.

Sehr bemerkenswerth sind auch die Urtheile Fichte's, des großen Philosophen, dem gewiß Niemand religiösen Fanatismus wird vorwerfen können, da er ja sogar als Atheist angeklagt war. Er hat schon vor 70 Jahren die Emancipation der Juden energisch bekämpft. Er bezeichnet die Juden alsNation", als einenStaat im Staate", sodaß sie sich eines doppelten Schutzes erfreuen dürften, einmal des Schutzes des allgemeinen Staatsbürgers und dann noch des Schutzes des jüdischen Sonderstaats. Daher komme es auch sagt Fichte daß manjede Autorität, selbst den König und die christliche Religion eher angreifen dürfe als einen Juden." Ich frage: ist es heute in dieser Beziehung anders? Majestätsbeleidigungen, Verhöhnungen der christlichen Religion wer macht sich etwas daraus? Wie viele Zeitungen nehmen davon Notiz? Wagt es aber Jemand, auf die Gefahr des modernen Judenthums Hinzuweisen, wagt es Jemand, das wucherische Treiben so vieler Juden aufzudecken sofort erhebt sich auf der ganzen Linie der jüdischen und judenfreundlichen Presse das Geschrei vonJudenhetze",Intoleranz",Schmach des 19. Jahrhunderts". Alles, was dem Christen theuer und heilig ist, darf in den Koth gezogen werden, aber daS Judenthum ist das geheiligte Noli nie tangere (das Rühr-mich-nicht-an). In seinenBeiträgen zur Berichtigung der Urtheile über die französische Revo­lution" sagt Fichte wörtlich:Fast durch alle Länder von Europa verbreitet sich ein mächtiger Staat, der mit allen anderen im beständigen Kriege lebt und fürchterlich schwer auf die Bürger drückt, es ist das Judenthum," hebt dann im Weiteren hervor, wie sich das Judenthumzu dem den Geist für jedes edle Gefühl tödtenden Kleinhandel und Wucher (jetzt freilich auch Großhandel) verdammt habe" und sagt dann sehr treffend:Man kann es täglich sehen, daß in einem Staate, wo der unumschränkteste König mir meine väterliche Hütte nicht nehmen darf, wo ich gegen den allmächtigsten Minister mein Recht erhalte, m i ch doch jeder Jude, dem eS ein fällt, ungestraft aus geplündert. Das Alles seht ihr mit an und könnt es nicht leugnen und ihr redet zpckersüße Worte von Toleranz, Menschenrechten und Bürgeircchten! Ihnen Bürgerrechte zu geben, dazu sehe ich kein Mittel, als daS, in einer Nacht ihnen Allen die Köpfe abzu- schneiden und andere aufzusetzen, in denen

jauch nicht Eine jüdische Idee steckt. Um uns vor ihnen zu schützen, dazu sehe ich wieder kein anderes Mittel, als ihnen ihr gelobtes Land zu erobern und sie Alle dahin zu schicken." Sv schrieb einfrei­sinniger, freigeistiger, aufgeklärter" Mann des 19. Jahr­hunderts im Jahre 1815 und erklärte sich damit aufs Entschiedenste gegen die Emancipation des Judenthums (d. h. gegen Ertheilung voller Bürgerrechte an die Juden). Würde nicht dieser Fichte demfinstern Mittel alter' alle Ehre machen? Gehört er nicht auch unter dieDunkelmänner" früherer Jahrhunderte ? O diese Intoleranz!

(Fortsetzung folgt.)

Berichtigung. Im vorigen AufsatzZur Judenfrage" muß ei gleich am Anfang heißen:Wird Israel das ihm verheißene Heil erkennen", statt «»erkennen; sodann weiter unten zweimal: Wenigen wird es bekannt sein-, statt: Weniger.

Deutsches Reich.

Berlin. Die jüngsten Jahre haben in Folge verschiedener Vorgänge im wirthschaftlichen Leben und auf dem Geld­märkte ein fortdauerndes Sinken des Zinsfußes hcrvor- gerufen und es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Ent­wickelung sich noch weiter fortsetzt. In Folge dieser Gestaltung der Dinge auf dem Geldmärkte haben eine große Anzahl von Staaten und Kommunen eine Er­weiterung der von ihnen kontrahirten Anleihen in nie­driger verzinsliche mit großem Erfolg zur Durchführung gebracht. So hat der preußische Finanzminister in Fortsetzung früherer gleicher Operationen vor kurzer Zeit einen sehr großen Betrag 4proz. Eisenbahnanleihen verstaatlichter Bahnen gekündigt und den Inhabern der­selben Z^proz. Konsols offerirt. Auch zablreiche Städte haben in Bezug auf die von ihnen angenommenen An­leihen einen gleichen Weg eingeschlagen. Es kann wohl nicht bestritten werden, daß das Sinken des Zinsfußes einen wesentlichen Einfluß auf die wirthschaftliche Lage des Volkes ausüben muß. Die kleinen Kapitalisten, die in Folge sparsamer, solider Wirthschaft sich eine Summe erspart haben, um in ihrem Alter sorgenfrei leben zu können, werden durch die Zinsherabsetzungen auf das schwerste betroffen, da durch die letzteren ihre Rente sehr geschmälert wird. Das Gleiche ist bei den Wittwen und Waisen der Fall, welche auf ein kleines Kapital angewiesen sind Auch die milden Stiftungen, welche einen großen Theil ihrer Gelder in den konvertirten Staatspapieren angelegt haben, werden gleichfalls in erheblichem Maße in Mitleidenschaft gezogen. Die Zinsumwandlungen bringen es mit sich, daß ein großer Theil jener Kapitalisten, welche sich mit einem so nie­drigen Zinssätze, wie ihn die einheimischen Staatspapiere erbringen, nicht Zufrieden geben wollen oder können, ihr Geld in fremdländischen, weniger sicheren Papieren, als es die heimischen Staatspapiere sind, anlegen. Der große Erfolg, welchen die Einmissionen ausländischer Werthe in den jüngsten Jahren in Deutschland zu ver­zeichnen gehabt haben, ist nicht zum wenigsten auf diesen Umstand zurückzuführen. Aber trotz aller der Nachtheile, welche die Zinsherabsetzungen mit sich bringen, ist dem Staat kein Vorwurf darüber zu machen, daß er, was ihm vertragsmäßig zusteht, von denselben Gebrauch macht zur Verbesserung seiner Finanzlage. Der Staat hat nicht das Interesse einzelner Bevölkerungskategorien, sondern dasjenige der gesummten Bevölkerung zu wahren. Ob, wie gesagt, das Fallen des Zinsfußes sich weiter fortsetzt oder ob wieder ein Steigen desselben eintritt, das läßt sich nicht im Voraus sagen. Es ist dies abhängig von der weiteren Entwickelung, welche sich auf wirthschaftlichem und finanziellem Gebiete vollzieht.

Hannover. Den Kaisermanöverv in Hannover werden die MilitärbcvoUmächtigteu von Rußland, Japan, Frankreich, Oesterreich, Italien und der deutschen Bun- deSstaaten beiwohnen. Von Fürstlichkeiten werden an­wesend sein Prinz Albrecht von Preußen als Schieds­richter, die Großherzoge von Hessen und Oldenburg, die Erbgroßherzoge von Weimar und Oldenburg, die Prinzen Karl von Schweden, Balduin von Flandern, Max von Baden, der Fürst von Lippe, Prinz Georg von Sachsen und der Großfürst-Thronfolger von Ruß­land. Als Gast des Kaisers wird auch Herr Krupp aus Essen den Manövern beiwohnen.

Baden. Die Rede, welche der Großherzog von Bade»