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SchluchternttMung

Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

M 71.

Samstag, den 7. September

1889.

Gewiß nicht! Sondern um zu zeigen, daß die damaligen Juden nicht diearmen" Juden, nicht dieharm­losen" Juden, nicht diegeduldigen Lämmer" waren, wie so viele Humanitätsduseler des 19. Jahr­hunderts anzunehmen geneigt sind. Zeigen muß ich aber auch, daß man kein Recht hat, jene Judenver­folgungen dem Christenthum als solchem in die Schuhe zu schieben. Denn wo wenig oder gar kein Christenthum ist, da darf man ihm auch nichts aufbürden wollen, und durch mehrere Jahrhunderte des Mittel- alters hindurch war es in der That mit dem Christen­thum schlecht bestellt und man spricht in dieser Beziehung nicht mit Unrecht von einemf insteren Mittel- a l ter". Denn eine Zeit, in der das Licht des Evan­geliums unter den Scheffel gestellt war, in der man wie Melanchthon erzählt und wie er es noch mit eigenen Ohren gehört hat statt über das Evangelium über die Sitten lehre des alten Heidnischen Welt- weisen Aristoteles predigte, in der ein Doctor de^ Theologie in Stuttgart auf der Kanzel den Ausspruch that:Wenngleich d i e B i b e l verloren ginge, fo hätte die Kirche an der Sittenlehre des Aristoteles genug" eine solche Zeit kann man wohl einefinstere" Zeit nennen. AVer an dem finsteren Himmel jener Zeit fehlte es nicht an glänzenden Sternen, die durch das Dunkel hindurchleuchteten, d. h. es fehlte nicht an Männern, welche Christum und sein Evangelium kannten, lehrten und auch darnach lebten. Ich will hier nur auf Einen Hinweisen, der von der katholischen Kirche heilig gesprochen ist, der aber auch als ein innig frommer Mann, als ein mächtiger Prediger von der evangelischen Kirche geschätzt wird, den man den letzten Kirchenvater heißt es ist der Abt Bern­hard von Clairvaux ('s 1153)., Ihn nenne ich als einen von denen, welche mit Wort und Schrift gegen die grausamen Judenverfolgungen auftraten. So auch die größten Päpste der römischen Kirche Gregor VII. (f 1073) und Junocens III. (f 1216) sie nahmen sich der Verfolgten in besondern Verordnungen an, ver­boten die gewaltsamen Bekehrungen der Juden und wiesen auf ihren Beruf hin, leibhaftige Beweise für die Wahrheit des Evangeliums zu sein bis zum Ende der Tage. Warum sucht man nun nicht das Christenthum da, wo es wirklich ist und immer nur da, wo es nicht ist? Also dem Christenthum als solchem können jene Judenverfolgungen nicht zugeschoben werden, oder man begeht einen Jrthum.

Ebenso begehen einen Jrrthnm diejenigen, welche meinen, die Juden hätten nie einen Anlaß gegeben zur Verfolgung, sondern sie seien lediglich ihrer Religio n wegen verfolgt worden. Wir werden jetzt Zeugnisse vernehmen, aus denen hervorgcht, daß der Wu ch e r g e i st damals schon den Juden in Fleisch und Blut über­gegangen war, und daß sie selbst ein gut Theil dazu beitrugen, daß die Erbitterung gegen sie immermehr wuchs und die I u d e n s r a g e stets auf der Tages­ordnung blieb. Peter Schwarz (1477) schreibt: Die Juden betrügen die Leute und verderben die Völker und brandschatzen die Länder mit Wucherei. Es gibt kein böser, listiger, geiziger, . . . betrügerischer Volk, welches keinen Glauben hält den Leuten." Man vergleiche damit das Treiben der heutigen Wucher- juden! Ein Zeitgenosse des Peter Schwarz: Schenk Erasmus zu Erpach schreibt 1487:DaS ist ein Rauben und Schinden des armen Mannes durch die Juden, daß es gar nicht mehr zu leiden ist und Gott erbarme. Die Juden-Wucherer setzen sich fest bis in den kleinsten Dorffen und wenn sie fünf Gulden borgen, nehmen sie sechsfach Pfand und nehmen Zinsen von Zinsen und wiederum Zinsen, daß der arme Mann kommt um Alles, was er hat." Meint man nicht, der Mann lebe in unserer ^it und schildere unsere heutigen Wucherjuden? Geiler von Kaysers- berg, ein berühmter Prediger in Straßburg (f 1510) sagt einmal sehr treffend:Sind denn die Juden besser als die Christen, daß sie nicht arbeiten mit ihrer Hände Werk? Stehen sie nicht unter dem Spruche Gottes: I m S ch w e i ß e D e i n e s Angesichtes sollst Du Dein Brod essen?" Mit Geld wuchern heißt aber nicht arbeiten, sondern Andere schinden int Müßiggang." Wie ist eS heute? Wohl ver­gießen die Wucherjuden manchen Schweißtropfen/ indem

Zur Judenfrage.

Von Pfarrer H ar t m a n n-Schlächtern.

Solange Israel sodann für sich, allein lebte im ge« lobten Lande, gab es keine Judenfrage, odn- viel* mehr es gab eine Judenfrage im höheren Sinn, die da lautete:Wird Israel das ihm verheißene Heil anerkenuen, den verheißenen Messias anuehmen?" Gott der Herr selbst hatte die Lösung dieser Frage in die Hand genommen. Was hatte Er lischt Alles an sein Volk gewendet, was nicht Alles an ihm gethan, um diese Frage zu seinem Heil zu lösen! Aber Israel | wollte seinen halsstarrigen, hartnäckigen Geist nicht ab- legen, darum war selbst Gott nicht im Stande, diese größte aller Judensragen nach Seinem Wohlgefallen zu lösen. Denn es waren doch nur Wenige im Volke, die sesthielten an den alten Verheißungen, die da warteten aufden Trost Israels", über das Volk im großen Ganzen aber mußte der erschienene Messias klagen: Ihr habt nicht gewollt." Gott aber zwingt | die Menschen nicht zur Annahme des Heils, E r v i e t e t es an, und wer es nicht ergreift im lebendigen Glauben und nicht ergreifen will, wer in Hochmuth und Selbstgerechtigkeit daS Heil von sich stößt, dem ist nicht zu helfen, dem kann auch Gott nicht helfen. Unb weil Israel bis heute das Heil in Christo Jesu ver­schmäht, so ist diese große Judenfrage bis heute noch nicht gelöst. Sie wird erst gelöst sein, wenn dieDecke Mosis" dem Volke Israel von den Augen genommen ist, wenn sie erkannt,in welchen sie gestochen haben".

Eine Judenfrage im gewöhnlichen Sinne sehen wir später wieder überall da auftauchen, wo Juden nach der Zerstreuung in anderen Ländern und unter andern Völkern verweilen. Als sie nämlich das Heil in Christo Jesu verworfen, als sie Christum gekreuzigt und bis Predigt der Apostel verschmäht hatten, als dann zur, Strafe dafür im Jahre 70 das Gericht über Jerusalem hereingebrochen und die Juden in alle Welt zerstreut wurden, da gaben sie alsbald überall, wohin sie kamen und wo sie länger weilten, Ursache zur Unzufriedenheit. Wohl ist es wahr:Israel hat viel leiden müssen, ist grausam verfolgt worden auch unter christlichen Völkern, und ferne sei es von mir, jene'Judenverfolgungen auch nur im Geringsten billigen zu wollen. Aber hervor­gehoben muß doch auch werden, daß die Juden überall da, wo sie die Macht hatten, auch die Christe« aufs Grausamste verfolgt haben. Jeder Christ kennt die Leiden und Verfolgungen, welche die ersten Christen­gemeinden in Jerusalem und in ganz Palästina von Seiten der Juden zu erdulden hatten, in denen ein Stephanus, ein Jakobus der geltere und Jakobus, der Gerechte, der Bruder *be£ Herrn, den Martyrertod er­litten; und jeder Christ weiß es auch, daß» die Juden es waren, die den Apostel Paulus gefangen nahmen und an die heidnische Obrigkeit auslieferten. Aber auch später haben die Juden ihren Haß gegen die Christen noch genugsam offenbart. So haben sie, als die Christen­heit von den Muhamedauern verfolgt wurde, mit diesen gegen die Christen zusammengestanden. Weniger wird es bekannt sein, daß bei dem Zuge der Muhamedaner gegen Jerusalem unter Omar I. die Juden 90 000 Christen mit vernichten halfen. Weniger wird es bekannt sein, daß im 6. Jahrhundert jener Jude Dhu Nowas, nachdem er sich zum Herrscher von Jemen in Arabien gemacht hatte, mit unerhörter Grausamkeit gegen die Christen wüthete. Auch später in Frankreich unter Ludwig dem Frommen (814840) entfalteten die Juden durch Reichthum und Bestechung gesichert und vom Hofe begünstigt einen unglaublichen Uebermuth gegen die Christen. Urkunden aus jener Zeit berichten uns, wie fit (die Juden) ihren jüdischen und heidnischen Knechten die Erlaubniß zur Taufe verweigerten, wie sie ihre christlichen Dienstboten zwangen, den Sabbath zu feiern, am Sonntag aber zu arbeiten und in den Fasten Fleisch zu essen; ferner, wie sie selbst Christum offen lästerten, die Kirche verhöhnten und christliche Sclaven an die Sarazenen verkauften. Der Bischof Agodard von Lyon bekämpfte sie energisch durch Schrift, Wort und That, aber er richtete nicht viel aus, weil der Hof sie brauchte und schützte.

Weßhalb sage ich das? Etwa um damit dieJuden- Verfolgungen des Mittelalters Seitens der Ehristen zu rechtfertigen und zu entschuldigen?

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sie von Ort zu Ort laufen, aber das Arbeiten im Schweiße des Angesichts lassen sie Andere für sich besorgen.

(Fortsetzung folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin. Betreffs der Reise des deutschen Kaiserpaares nach Italien wird aus Rom gemeldet, daß dasselbe am 15. d. Mts. nach Manza kommt und daselbst vier Tage verweilt. Am 20. d. geht die Reise nach Genua, wo sie das deutsche Geschwader erwartet. Von dort auf derHohenzollern" in Begleitung der Schiffe nach Neapel, wo ein Aufenthalt von drei Tagen vorgesehen ist. Das Kaiserpaar wird dort an Bord desHohen­zollern" übernachten und hat sich jegliche Festlichkeiten und Empfänge verbeten.

Aus allen Städten und Ortschaften Deutschlands liegen Meldungen über patriotische Feiern des Sedan- tages vor, welcher diesmal zum Theil schon am Sonn­tag begangen wurde.

Die Vorstellungen gegen das Schweineeinfuhr- Verbot sind, wie derVoss. Ztg." aus Schlesien ge­schrieben wird, nicht vergeblich gewesen. Der Re­gierungspräsident hat zunächst mit Ermächtigung des Landwirthschafts-Ministers gestattet, daß die bis zum 27. August an der Grenze angemeldeten Schweine aus Oesterreich auch über andere Stationen als Oderberg eingeführt werden dürfen, und es heißt, daß überhaupt die Einfuhr der Schweine aus Oesterreich für die Zu­kunft erleichtert werden soll, indem die Einfuhr nach vorausgegangener Untersuchung und zu sofortiger Ab- schlachtung gestattet wird.

Die Durchschnittspreise der wichtigsten Waaren waren & Juki d. J. weit höher als im vorigen Jahre. Die Preise für Weizen, Roggen und Hafer sind um rund 13, 20 bezw. 30 pCt. gestiegen, Schweinefleisch fast um 35 pCt., Kalbfleisch um 16 pCt., Rind- und Hammelfleisch um 8 pCt. Zurückgegangen sind die Kartoffelpreife.

Münster i. W , 2. September. Durch eine Kessel- explosion ist die Dampfmühle von Eduard Hölscher zerstört worden; der Besitzer, dessen Frau und Mutter wurden, am Msttagstisch sitzend, tödtlich verletzt, der Overmüller unter den Trümmern begraben, außerdem sind zwei Personen schwer, mehrere leicht verwundet, die umliegenden Häuser beschädigt.

Hamburg, 31. August. Eine transportable Kaffee­halle aus Papier ist vor einigen Tagen am äußersten Ende des Petersenquais errichtetund gleichzeitig eröffnet worden, da für die bei den dortigen Quaibauten be­schäftigten Arbeiter eine solche als Nothwendigkeit sich erwiesen hatte. Da die Aufführung eines massiven, diesem Zwecke dienenden Gebäudes nicht angänglich war, so hat man zu diesem, von dem verstorbenen Architekten Hallier empfohlenen System Zuflucht ge­nommen. Die Barake kam hier in Theilen zerlegt, in zwei Eisenbahnwagen an und wurde in wenigen Tagen ausgestellt. Die Wände bestehen aus einer doppelten, in Rahmen gespannten Papierschicht, deren innerster Theil gegen Feuer und deren äußerster gegen Feuchtigkeit inprägnirt ist; der letztere ist außerdem durch eine dünne Holzverschalung gegen Witterungs­einflüsse geschützt. Die Befestigungen der Wände und des Daches sind durch Haken und Scharniere bewerk­stelligt, so daß das Gebäude, falls der Platz, worauf es errichtet ist, zu anderen Zwecken verwendet werden soll, in kurzer Zeit abgebrochen und an einer anderen Stelle wieder ausgestellt werden kann. Die Speise- Halle hat eine Länge von 30 Meter bei einer Breite von 6 Meter und bietet für 150 Personen Raum. Für Beleuchtung der Halle wird durch zwölf Fenster in der Vorderfront, sowie durch vier Obertichte Sorge getragen. Die Heizung wird im Winter durch zwei freistehende Oefen beschafft. Die Baracke ist durch einen Korridor mit der 17 Meter langen und 6 Meter breiten Wirthschafts-Baracke verbunden, welche Küche, Aufdewahrungs- und Wohnräume enthält. Die Fertig­stellung dieser Volks-Kaffeehalle ist für etwa 15 000 Mark beschafft worden.

Tichirkau, 2. Sept. Eine hiesige Tagelöhnerfrau, 45 Jahre alt, gebar dieser Tage das drciundzwanzigste Kind. Die Frau schwebte in Lebensgefahr, jedoch er»