abend und Montag der größte Theil der Metzger wieder auf die früheren Preise zurückging, dauert der Ansstand ungeschwächt fort. Einestheils will man den Metzgern eine Lehre geben, andertheils will man einzelne von ihnen, die sich in ungehöriger Weise über die Ausständigen aussprachen, zwingen, öffentlich Abbitte zu thun. Da sich die hiesige Bevölkerung bei Mehl- spcisen, Eiern, Rettigen, Käse rc. äußerst wohl befindet, dürften die Metzger gezwungen werden, alle Forderungen zu bewilligen.
In Hamburg hat vor Kurzem ein Streik der Brauerei-Gehülfen oder, wie sie dort noch genannt werden, der „Brauerburschen" stattgefunden. Nachdem dieser Streik beendet ist, hat die Mehrzahl der hiesigen Brauereien die Brauerburschen, welche sich an dem Streik betheiligt haben, gemaßregelt. Die Hamburger Arbeiter erklärten sich zum größten Theile mit den Gemaßregelten solidarisch und beschlossen, diejenigen Wirthschaften nicht zu frequentiren, in denen Bier aus den „geboykotteten" Brauereien verschänkt würde. Die Wirthe sollten entweder Bier aus den beiden Hamburger Brauereien beziehen, wo die Brauereigehülfen nicht gemaßregelt worden waren, oder aus auswärtigen Brauereien. Die Wirthe, welche mit dem Verlust ihrer Gäste aus dem Arbeiterstande bedroht waren, hielten eine Versammlung ab, aus der aber hervorging, daß die meisten von ihnen von den Brauereien abhängig waren. Es wurde zu dem Aushülfsmittel gegriffen, eine „Commission" einzusetzen; die Erklärung im Sinne der Arbeiterschaft ist aber nur von 33 Wirthen unter- zeichnet worden.
Hannover, 7. Aug. Der jüdische Kaufmann G. Neuberg zu Sarstedt bei Hildesheim, verheirathet und Vater mehrerer Kinder, hatte sein fünfzehnjähriges christliches Dienstmädchen gemißbraucht und ihr Schweigen durch eine in Gegenwart des Ortsgendarmen versprochene Summe von 300 Mk. erkaufen wollen. Einige Herren zu Hannover, welche davon erfahren hatten, brachten die Sache zur Kenntniß der Staatsanwaltschaft mit dem Bemerken, es schiene ihnen, als ob der Gendarm die Sache habe aus der Luft schaffen wollen. In Folge dieser Bemerkung waren sie der Beleidigung des Gen- darmen angeklagt und standen am 1. d. Bits. vor dem Schöffengerichte zu Hildesheim. Dasselbe sprach die Angeklagten aber kostenlos frei, da sie nur ein Recht, welches jedem Staatsbürger zustehe, in Anspruch genommen und berechtigte sittliche Interessen vertreten hätten.
Erfurt, 7. Aug. Auf schreckliche Weise kam gestern auf Arxmanns-Hof bei Erfurt ein 13jähriges Mädchen ums Leben. Das Kind gcrieth in die Trommel einer Dreschmaschine und kam als gräßlich verstümmelte Leiche wieder zum Vorschein.
Wartha i. d. Grafschaft Glatz, 9. August. Ein hiesiger Ackerbürger hat sein 15 Jahre altes Dienstmädchen, welches in Folge Kränklichkeit arbeitsunfähig war, durch Stockschläge und Fußtritte so mißhandelt, daß das Mädchen, wie die „Frankenstein-Münsterberger Zeitung" schreibt, in Folge dessen verstorben ist. Die Sezirung der Leiche hat stattgefunden; der Ackerbürger ist verhaftet.
Arnstadt. In einer fidelen Biergesellschaft wurde kürzlich die Frage aufgeworfen, wie weit wohl eine mit Luft gefüllte Gummiblafe, das bekannte Kinderspielzeug, fliegen werde. Zur Beantwortung der Frage wurden 3 solcher Blasen zusammengebunden und daran eine Postkarte befestigt, worauf die Bitte stand, nach Auffindung der Karte diese an den Absender zurückzuschicken. Jetzt ist nun diese Karte mit dem Poststempel Sal - münster (Kreis Schlüchtern). zurückgekommen.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 13. August. Aus den landwirthschaft- lichen Zöllen (lex Huene) entfallen, wie uns mitge- getheilt wird, für dieses Jahr auf den Kreis Schlüchtern 27,562 Mk. gegen 12,785 Mk. im Vorjahre.
* — In der Liste der Rechtsanwälte ist gelöscht worden der Rechtsanwalt Justiz-Rath Scheuch bei dem Landgericht in Hanau.
Salmünster 10. Aug. Der letzte Westwind scheint den Streike Bacillus auch in unser schönes Kinzigthal geweht zu haben. Am letzten Freitag wurden plötzlich die Kegeljungen unserer Garlenwirthschaft von der un- heimlichen Krankheit befallen und stellten mitten in der Arbeit ihre Thätigkeit ein. Dem Kegelklub blieb nichts übrig als nach Hause zu gehen. Dein Vernehmen nach soll bereits militärische Hülfe zugesagt sein, falls der Streike-Bacillus weiter um sich greifen sollte.
— Definitivem Vernehmen nach ist das Militär- Melde-Amt für Salmünster bestimmt und tritt mit dem 1. April 1890 in Kraft.
Vollmerz. Von der Strafkammer zu Hanau wurde ein'Gärtnergehilfe von hier zu einer empfindlichen Strafe verurtheilt. Derselbe hatte am 16. Februar beim Nachhausegehen aus dem Wirthshaus sich zuerst mit einem Burschen mit Schneebällen geworfen, dann aber denselben hinterlistig mit einem Lattenstück Überfällen und ihm eine gefährliche Wunde am Kopfe beigebracht. Aus Grund der §§ 223 und 223a. wurde der Angeklagte zu 5 Monaten Gefängniß und in die Kosten verurtheilt.
B 4/89.
In der Privatklage-Sache
1. des Bauers Conrad Schomann,
2. des Bauers Friedrich Schomann, beide aus Schwarzenfels und vertreten durch den Rechtsanwalt Henrichs in Schlüchtern, Privatkläger,
gegen
den Schneider CaSpar Schers in Schwarzenfels, Angeklagten,
wegen Beleidigung, hat das Königliche Schöffengericht zu Schwarzenfels am 14ten Juni 1889 für Recht erkannt:
Der Angeklagte ist der Beleidigung des Bauers Conrad Schomann zu Schwarzenfels schuldig und wird deshalb zu einer Geldstrafe von 10 Mark, an deren Stelle im Uubeitreiblichkeitsfalle eine zweitägige Gefängnißstrafe tritt, verurtheilt.
Dieser Theil des Urtheils ist auf Antrag des Beleidigten in der Schlüchterner Zeitung und zwar in demselben Theile und mit derselben Schrift, wie der Artikel, datiert Schwarzenfels, 8. April, in Nr. 29 des Jahrgangs 1889, bekannt zu machen.
Die Richtigkeit der Abschrift der Urtheilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urtheils bescheinigt.
Schwarzenfels, den 9. August 1889.
(L. 8 ) Geßler,
Gerichtsschrciber des Königlichen Amtsgerichts.
Langenfelbold, 7. August. Unser heutiger Laurentius- markt sollte leider einen traurigen Abschluß finden. Gegen 5 Uhr Nachmittags ertönten plötzlich Feuersignale und eine mächtige Rauchwolke verkündete sofort, daß im Hinterdorfe ein großes Schadenfeuer ausgebrochen sei. Zwei bis zum Dache gefüllte Scheunen standen in Flammen und was die Sache um so bedenklicher erscheinen ließ, war, daß ein scharfer Westwind wehte und daß die beiden Gebäude ganz nahe von Nachbarhäusern umgeben waren, ein Fall, welcher in unserem Orte nicht viel zu finden ist. Glücklicher Weise blieb das Feuer auf seinen Herd beschränkt. Vier Besitzer hatten ihre Ernte in die Scheune eingefahren, aber nur zwei davon sind versichert. Einem Nichtvei sicherten sollen ca. 38 Fuder Frucht vernichtet worden sein, ohne das Heu, welches in diesem Jahre so reichlich eingeheimst wurde. Der Schaden fällt der hiesigen Feuerversicherung znr Last.
Bockenheim, 8. August. Billige Aepfel werden in diesem Herbst -rar sein. In hiesiger Gegend fällt die Ernte in diesem Artikel sehr spärlich aus. Die Aepfel- preise sind in Folge dessen jetzt schon in die Höhe getrieben. Wie durch einen Makler mitgetheilt wird, hat die Firma A. Rakles 'in Bornheim die Ernte eines Hofgutes zu Mk. 16,50 per Malter angekauft.
Hersfeld, 9. August. Ein Pferdehändler aus dem Dorfe Erdmannsrode bei Hersfeld empfing heute Mittag eine Sendung junger Pferde, die in Wartburg am gestrigen Tage in einem Güterwaggon gemeinsam von ihm verladen waren und zum größten Theile vom Arolser Viehmarkt kamen. Als der Zug hier in Hcrs- feld eintraf und die Pferde ausgeladen werden sollten, zeigte es sich, daß alle 17 Stück verendet waren. Die Thiere hatten Schaum vor dem Maule und waren allem Anschein nach in dem für alle 17 Pferde viel zu engen Raume, in welchem obendrein für eine genügende Zufuhr frischer Lust nicht gesorgt war, erstickt. Wie es beißt, ist der Verlader der Pferde selbst schuld an dem Unfall. Der Gesammtschaden dürfte sich mindestens auf 4000 —5000 Mark belaufen.
Kassel. In Folge der Erbauung eines Schlachthauses in Kassel hatten mehrere dortige Metzger gegen die Stadt Entschädigungsprozesse angestrengt. Die Stadt hat natürlich in allen Prozessen gesiegt. — Nach den neuesten Anmeldungen zu den standesamtlichen Geburtsregistern soll die Einwohnerzahl Kassels die Ziffer 70000 erreicht haben.
Ausland.
England. Von der Größe der englischen Flotte kann man erst eine rechte Vorstellung gewinnen, wenn man erwägt, daß die 112 bei der Flottenschau zu Spithcad betheiligt gewesenen Kriegsschiffe nur einen Theil der brittischen Seemacht bilden. Es befinden sich nämlich außerdem noch im Mittelmeer 24, an den Küsten Amerikas 23, an den afrikanischen Küsten 10, zum Schutze Indiens 13, in den chinesischen Gewässern 22, in den australischen 8, sowie einige 20 Schiffe auf verschiedenen Stationen. Das wären außer jenen 112 noch über 120 Kriegsschiffe.
3m verfluchte. Erzählung von Karl Schwelling
(Fortsetzung.)
Am anderen Tage begab sich der Lieutenant dagegen zu einer Zeit, von der er wußte, daß der Commerzien- rath sie allein zu verbringen pflegte, nach den Fabrikanlagen hinaus. Ohne Luise erst zu sprechen, suchte er sofort den Vater auf.
Der Kommissionsrath empfing den stets gerne gesehenen Gast genau so freundlich und zuvorkommend, wie ge
wöhnlich, betrachtete ihn jedoch mit einem musternden Seitenblick. Weilmann entschuldigte sich, daß er gerade diese Zeit gewählt hätte, den Fabrikherrn anfzu- suchen, fügte jedoch hinzu, daß er eine wichtige Angelegenheit mit demselben zu besprechen habe, und bat schließlich, ihm Gehör zu schenken.
„Ueberflüssige Worte, lieber Freund!" erklärte der Fabrikant mit einem zweiten scharfen Seitenblick. „Ich stehe Ihnen zu Diensten. Doch erlauben Sie mir meine Cigarre bei mifcrtt Unterhaltung zu rauchen. Ich würde auch Ihnen eine solche anbieten, Bester, Doch dem Tragöden steht der Glimmstengel schlecht zu Gesichte, und daß Sie es auf jenen abgesehen haben, sehe ich bereits. Nehmen Sie Platz und lassen Sie hören, was Ihnen das Herz beschwert."
Beide Herrn setzten sich nebeneinander auf das Sopha.
Der Lieutenant begann seinen Vortrag damit, zu schildern, wie er sein Verhältniß zu dem Hause des Fabrikherrn aufgefaßt und bis zum gestrigen Tage angesehen hätte. Er schilderte die inneren Kämpfe, welche Luise wie er nothwendig hätten durchmachen müssen, und wie er zu der Ueberzeugung gekommen sei, daß ein solcher Zustand nicht länger andauern könne oder vielmehr dürfe, weshalb er den entschluß gefaßt habe sich nach und nach von dem Kommissionsrathe und von dessen Tochter zurückzuziehcu. Ein sonderbarer Zufall — ein nicht vorherzusehendes Ereigniß," fuhr Weil- mann dann fort, „hat uns jedoch überrumpelt, ich meine, Fräulein Luise und mich, und meine Vorsätze über den Haufen geworfen."
Reuser war dem Vertrage des Lieutenants ohne jedes Zeichen innerer Bewegtheit gefolgt. Erst als Weilmann die letzte Bemerkung machte, zeigte sich eine leichte Spannung in seinen Zügen.
„Nun, da bin ich doch neugierig," brummte er zugleich, „welcher Zufall das zu bewirken im Stande war!" —
Weilmann theilte hierauf das Abenteuer Luischen vom gestrigen Abende und das, was demselben folgte, mit.
Bei diesem Berichte des Lieutenants ging dein Fabrikherrn doch die Cigarre aus. Dergleichen hatte er sicher beim Beginn der Unterhaltung nicht erwartet.
„Das ist ja für unser Lühne eine tolle Geschichte," stieß Reuser heftig hervor, als Weilmann eine Pause machte. „Sie hat einen Hauch großstädtischer Kabale. Aber verschieben wir die Erörterung des Aergernisses bis auf später. Sie haben mir zunächst noch mehr über Luise z» sagen."
„Ja wohl, Herr Kommissionsrath," antwortete der Lieutenant, sich erhebend, nach dem, was ich bereits vorausgeschickt habe, bedarf es jedoch nur weniger Worte, Luisens und meine Wünsche zum Ausdruck zu bringen. Nachdem wir uns gestern Abend gegenseitig verständigt haben, faßten wir auf dem Wege den Beschluß, daß ich in kürzester Fi ist als Bewerber um die Hand Luisens bei Ihnen auftreten sollte. Ich thue dies hiermit, ohne Sie durch Versicherungen, Gelöbnisse oder dergleichen mir günstig zu stimmen den Versuch zu machen. Ihr Scharfblick hat mich längst durchschaut! Sie wissen, was an mir ist; Ihre Entscheidung wird für mich maßgebend sein. Im ungünstigen Falle werde ich mich bedauernd zurückziehen, Ihrer jedoch mit Verehrung und Dankbarkeit gedenken."
„Da sitze ich also in der Falle," rief der Fabrikherr in komischer Entrüstung. „Will ich nicht, wie ihr wollt, so verliere ich den mir fast unentbehrlich gewordenen Freund, das Mädchen wird sich krank härmen, und schließlich steht auch noch der Ruf desselben auf dem Spiele. Aber vor allen Dingen meinen Dank für Ihre Offenheit, und nun holen Sie auch nur selbst das leichtfertige Frauenzimmer herbei, damit ich demselben zunächst einmal gründlich in's Gewissen rede. So ganz leichten KaufcS sollt Ihr doch nicht davon kommen."
Weilmann lächelte, als er die den Liebenden günstige Stimmung des Vaters erkannte und eilte Hinans. Bald batauf kehrte er mit der verfärbten, verlegenen Luise zurück. *
„So!" rief der Commissionsrath in angenommenem barschen Ton der Letzteren entgegen, „das muß ich also an meinem verständigen, gegen den Vater stets offenen und ihm ganz vertrauenden Kinde. erleben — ! Dem nachsichtigsten der Väter niuß ein Schnippchen geschlagen werden, sobald die vertröste Liebe in's Spiel kommt —."
„Väterchen —," bat Luise und wollte sich dem Vater schmeichelnd nähern.
„Hat sich was zu Väterchen — I" rief jedoch der alte Herr abwehrend. „Dummheiten haben wir gemacht, und zwar recht große. Statt mir zu sagen: Sieh einmal, Papa, da will dieser Dragonerlieutenant, der mich alle Tage ungehindert sehen und sprechen kann, daß ich ihm bei Nacht und Nebel auf offener Straße ein Stelldichein gewähre, was sagst Du dazu —? Möchtest Du den jungen Herrn nicht ein wenig zurechtstutzen? — wird ohne Weiteres der Überbein noch zweideutigen Aufforderung iwügetommeu. Hs ist zu verlockend, im Geheimen seine Streiche zu mache»,