marken ihre Gültigkeit verlieren, ist noch nicht getroffen.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 30. Juli. Neulich berichteten wir, daß auf manchen mit Getreide bestandenen Aeckern die Aehren abgefressen würden und man die Mäuse im Berdacht habe, diesen Schaden anzurichten. Ein »eurer Beobachter hat jedoch bemerkt, daß nicht Mäuse, sondern der in diesem Jahre massenhaft auftretende Getreide Laufkäfer (Zabrus gibbus) diesen Schaden verursacht. Der Käfer kommt des Abends aus seinem Versteck, ersteigt den Halm und nagt die Nacht hindurch an der Aehre, an welcher man ihn früh beini Morgengrauen noch sitzen sehen kann. Für die Zukunft ist Fruchtwechsel zu empfehlen, wo z. B. in diesem Jahre Korn stand, pflanze man im nächsten Jahre Klee, Kartoffeln oder Hülsenfrücht. Die Larven des Käfers finden keine Nahrung, gehen ein und man kann in 2—3 Jahren die Felder wieder in altgewohnter Weise bestellen.
§— In den Straßen unserer Stadt herrscht gegenwärtig jeden Abend eine große Finsterniß. Keine Laterne beleuchtet dem Heimkehrenden den Weg. Abgesehen von einem etwaigen Unglücksfall, möchte doch der Be- lcuchtungsinjpector bedeuten, daß, wenn unsere Stadt als Luftcurort einer rosigen Zukunft entgegensieht, sie vor allen Dingen ihr Licht leuchten lassen muß, anstatt die Laternen im Spritzenhaus vor Regen und Frost zu schützen.
3 — Bon einem Freunde unserer Stadt wurden dieser Tage 16 Wegweiser auf dem Acisbrunnen, in der „dicken Hecke", in dem „Ohl" und auf dem „Eich- Holz" angebracht, so daß diese herrliche Waldtour Dom Bahnhof sowohl, als auch Dom FelsenkeUer aus von einem jeden Fremden leicht ausgciührl werden kann. Hoffen wir, daß dieses Beispiel Nachahmung findet und unsere schönen Waldungen auf diese Weise den Fremden immer zugänglicher gemacht werden. Gleichzeitig empfehlen wir diese Wegweiser dem Schutze des Publikums.
— Die Schwalben fangen bereits an, sich in Gesellschaften zu sammeln, ein Zeichen, daß sie bald nach Süden ziehen wollen.
* — Versetzt wurde der Gerichtsdiener L o o s in Orb an das Amtsgericht zu Rosenthal. Auf sein Nachsuchen wurde entlassen vom 1. August d. J. ab der Vollziehungsbeamte E b e r t zu Orb.
— In der neulichen Generalversammlung des land- wirthschastlichen Centralvereins kam auch die jetzt vielfach erörterte Frage des Kontraktbruches der Arbeiter zur Verhandluug und gab dem anwesenden Herrn Oberpräsidenten Grafen zu Eulenburg Veranlassung, in die Debatte einzugreffen. Derselbe ertlärte: Ich verkenne in keiner Weise, daß dies einer der schwierigstell Uebelstände ist, mit dessen Beseitigung man sich vielfach beschäftigt hat, ohne bis jetzt die Lösung zu finden. Da Wesentlichste ist aus dcm Wege der Selbsthülfe zu erreichen, indem sich die Landwirthe dahin einigen, feinen Arbeiter anzunehmen, der sich nicht darüber ausweisen kann, daß er den vorherigen Dienst rechtmäßig verlassen hat.
— Der Widerstand gegen einen Waldeigenthümer, Forst- oder Jagdberechtiglen oder einen von diesen bestellten Aufseher in der rechtmäßigen Ausübung seines Rechts, gleichviel ob ihm dieses Recht in Folge seiner erwähnten Eigenschaft oder überhaupt zustcht, ist nach einem Urtheil des Reichsgerichts, 2. Strafsenats, vom 5. April d. Js. aus §. 117 des Slr.-G.-B. zu bestrafen. Auch erstreckt sich der besondere Schutz des 8- 117 des Str.-G.-B. für den Waldeigenthümer rc. auch auf die außerhalb der zu schützenden Forste, aber innerhalb seiner gesetzlichen Äefugmß erfolgte Handhabung seines Forstschutzrechts.
— Der heutigen Nr. liegt für die Abonnenten in der Stadt Schlüchtern und für diejenigen auswärtigen Abonnenten, welche das Blatt durch unsere Zeitungsboten zugestellt erhalten, ein Heft, oetitelt: „Warners medizinische Brochüre" bei, woraus hierdurch ausmerffam gemacht wird.
L. Romsthal, 29. Juli. Herr Telegraphenassistent A. Schmidt, ein geborener Romsthaler, Sohn des pensionierten Herrn Obcr,örsters Schmidt daselbst, war in den Vorjahren während des Aufenthaltes des Fürsten Bismarck zu Bad Kissingen Telcgraphenbeainter desselben. In diesem Jahre wurde ihm Der höchst ehrende Auftrag, dieses Amt bei Ihrer Majestät der Kaiserin während der Dauer des Aufenthalts derselben dort zu versehen. Ihre Majestät verlieh bekanntlich bei ihrem Weggange aus Kissingen verschiedenen Persönlichkeiten Auszeichnungen. Auch Herr Schmidt wurde mit einer solchen bedacht; er erhielt eine sehr werthvolle goldene Uhr mit schwerer goldener Kette.
s Schwarzenfels, 28. Juli. Das hiesige Schöffengericht hatte einen Wirth in Strafe genommen, weil er am 7. Januar d. Js. Gäste über Die Feierabend- stunde hinaus in seinem Lokal geduldet habe. Gegen dieses Urtheil legte der Angeklagte Berufung ein und behauptete, der Vorfall sei am 6. Januar passiert, er sei aber seiner Ansicht nach straflos, da Die Herrcu einen geschlossenen Verein, das Casino genannt, bilöeteii und für diesen kein Feierabend besteht. Die Hanauer Strafkammer sprach ihn denn auch in ihrer Sitzung am 25, d. M. auf Grund von Zeugenaussagen kostenlos frei.
Gudensberg. Am 23. d. M. verschied in der medizinischen Klinik zu Marburg Herr Gutsbesitzer Chr. Nöll aus Gudensberg, Landtagsabgeordneter und langjähriges Mitglied des Kommunallandtags, im Alter von 62 Jahren in Folge eines Herzleidens. Die Kunde von dem Dahinscheiden dieses so geschätzten Mannes, welcher ein bewährter Anhänger und Förderer der konservative» Partei war und sich großen Ansehens erfreute, wird weitere Kreise schmerzlich berühren.
Alnser Krie^erverbands-Ieft.
(Schluß.)
Montag, den 8. Juli:
Gegen 9 Uhr Morgens versammelten sich im Hessischen Hof die Theilnehmer an dem Ausflug nach der Stecket- burg. Das Wetter, welches von früh Morgens an zu Regen neigte, hatte sich bis 10 Uhr soweit aufgeklärt, daß die Abfahrt erfolgen konnte. Es nahmen Theil 35 Fremde und Vereinsmitglieder und war leider die Aussicht auf der Steckelburg durch starke Bewölkung beeinträchtigt.
Vormittags 10 Uhr begann die Morgenmusik, deren je eine dem Herrn Vorsitzenden des Kriegervereins Schlüchtern, dem Herrn Seminarlehrer Acht, als Dank für seine zutreffende Wetterprognose, und der Fräulein Mina Weitzel, für ihre vortreffliche Darstellung der Germania, gebracht wurde.
Vormittags 11 Uhr fand Concert auf dem Festplatz statt, welches bis 1 Uhr währte.
Nachmittags 3 Uhr nahmen Concert und Tanz seinen Anfang und war der Besuch des Festplatzes, gleichwie am Sonntag, ein sehr starker. Das Leben und Treibe» hatte, da die meisten Fremden unsere Stadt wieder verlassen, heute mehr den Characler eines localen Volksfestes.
Abends 7 Uhr brächte der Kriegerverein seine Fahne unter Vorantritt der Musik nach der Wohnung seines Vorsitzenden.
Concert und Tanz hielten noch zahlreiche Festtheil- nehmer bis über Mitternacht zusammen und mag Manchem das Ende des Festes zu früh gekommen sein.
Es erübrigt schließlich nur noch hervorzuheben, daß das Fest, wie ja auch aus unserem Bericht ersichtlich, in allen seinen Theilen einen höchst befriedigenden Verlauf genommen hat. Namentlich herrschte unter den auswärtigen Festtheilnehmern nur eine Stimme der Anerkennung über das vortreffliche Gesammt-Arrangement aller festlichen Veranstaltungen, über die unermüdliche Thätigkeit sämmtlicher Festausschüsse, sowie aller Krieger- vereinsmitglieder, endlich über das freundliche Entgegenkommen unserer ganzen hiesigen Einwohnerschaft.
Von Seiten des Verbandsvorstandes, sowie von zahlreichen bei dem Fest beseitigten Vereinen und einzelnen Personen sind denn auch dem hiesigen Kriegerverein schriftlich Kundgebungen zugegangen, welche sich über den Verlauf und das Gelingen des Festes in der ehrendsten Weise aussprechen, so daß wir mit größter Genugthuung auf das Fest zurückblicken können.
Herr Photograph Freund ist daher auch vielseitigen Wünschen eutgegengekommen, indem er vom Festzug mehrere Moment-Aufnahmen angefertigt, auch sind bet genanntem Herrn Photographische Abbildungen des Festplatzes, sowie des Germania Wagens erhältlich, wodurch es jedem Festtheilnehmer möglich gemacht ist, sich in Form dieser Bilder ein bleibendes Andenken an unser Kriegerverbandsfest zu sichern. W.
3m Verflachte.
Erzählung von Karl Schwell in g
(Fortsetzung.)
„Da haben wir es, Huldringen!" rief der Kamerad lachend. „Na, nur ganz ohne Gene; wir waren daranf gefaßt, Verehrter! Wer so nachdrücklich auf den Mar- schallsstab losgeht wie Sie, hat natürlich keine Zeit |ür ein paar lose Vögel übrig. Ihr würdiger Haus- unD Stall-Intendant wird uns schon hinausleuchten. Gute Rächt, Herr Kamerad!"
Weilmann erröthigte flüchtig, er verbeugte sich wie vorhin, während die beiden jungen Herrn, der junge Offizier immer lauter lachend, hinausgingen. Sein Begleiter hatte, als er sich umgewendet, ein impertinentes Gesicht geschnitten.
Weilmann's Diener war ein sogenannter Einsteher. In der Armee, welcher Beide augehörten, galt das SteUvertrelerwesen. Michael AsmuS hatte daher sechs bis sieben Mal als Stellvertreter eines reichen Muttersöhnchens kapitulirt und sich dadurch, sowie als Aufwärter bei Offizieren ein kleines Vermögen verdient. Er zählte bereits über vierzig und stand mit seiner wuchtigen, wenn auch nicht großen Gestalt recht selbstbewußt da.
„Michel," sagte der Lieutenant, „gehe den beiden Herrn unbemerkt nach und sich zu, wo dieselben bleiben. Dann laß Dir die Schlüssel zu der Gartenpforte vom Wirthe geben und melde Dich laut an, wenn Du wieder zu mir herein willst."
Der Diener nickte nur mit dem Kopse und ging davon
Weilmann verschloß die Thür hinter ihm, und dachte noch einen Augenblick nach und befreite seinen schönen Schützling aus dem Nebenzimmer.
Der Lieutenant hatte nur über zwei Räumlichkeiten zu gebieten. Luise hatte deshalb ihren Aufenthalt in dem Schlafzimmer des jungen Mannes nehmen müssen. Es war ihr gelungen, die frühere Angst von sich zu schütteln; doch an Stelle derselben war jetzt jungfräuliche Verlegenheit oder Scham getreten. Ihr Gesicht glühte; sie wagte nicht das Auge zu dem jungen Manne auf' zuschlagen.
„Beruhigen Sie sich völlig, mein Fräulein," sagte Weilmann, die junge Dame zum Sopha führend, „ich werde jetzt feinem Fremden weiter meine Thür öffnen."
„Waswerden Sie von mir denken, Herr von Weilmann?" flüsterte Lüste fast schluchzend.
„Ich denke nur, mein Fräulein!" erwiderte der Lieutenant, „daß Sie aus irgend einem Grunde der Hilfe oder M Schutzes bedürftig waren und diesen bei mir suchten. Nichts natürlicher als das! Waren denn die beiden Herren, welcher hier gewesen sind, Ihre Verfolger?"
'„Das fant ich mir nicht denken —!" sagte Luise. „Nein, ich glaube nicht —! Einen Offizier habe ich überhaupt nicht in der Nähe bemerkt!"
„Nun, dem Kameraden Würg traue ich auch die Belästigung einer, Dame nicht zu," erklärte Weilmann. „In Bezug auf den anderen Herrn bin ich nicht so sicher! Er hat nicht den besten Ruf. Jedenfalls habe ich wohl vorläufig güt gethan, die Herren so abzufertigen, wie es geschehen ist. Doch darf ich vielleicht Näheres über die Gefahr wissen, in welcher sie Sie sich befunden haben, oder vielleicht noch befinden?"
Luise bedeckt ihr Gesicht milden Händen und ließ den Kopf nackt vorne sinken.
„Wie soll ich nur Worte finden, um Alles richtig därzuslcllen!" flüsterte die junge Dame. „Ich habe mich unvorsichtiger Weise in eine schreckliche Lage gebracht."
„Sie sprechen ja zu einem Freunde," erklärte Weilmann, „und ich darf auch noch hinzufügen, zu einem treuen, aufrichtigen Freunde."
„Ich weiß es," erwiderte Luise, indem sie durch Thränen einen Blick zu dem jungen Manne emporwarf, Ich bin deswegen auch so grenzenlos unglücklich während der Nacht gewesen. Ich habe es bitter bereut, Sie gestern so schwer gekrault zu haben."
„Ach nicht doch, Fräulein Luise," sagte der Lieutenant abwehrend und tröstend, „Siewarenein wenig heftig — ; sagen wir, wenn Sie es wollen, meinetwegen auch launenhaft —; zum ersten Male seit wir uns kennen, muß ich jedoch hinzufügen. Aber so schwer war Die mir dadurch zngcfügle Kränkung nicht, wie Sie dieselbe jetzt darzustellen versuchen. Doch das führt uns ja gänzlich von unserem eigentlichen Gesprächsgegenstande ab, mein Fräulein — !"
„O, nein nein!" rief Luise heftig. „Dieunglückliche Stimmung, in der ich mich befand, hielt auch bis Mittag an. Da besam ich ein Billet; ein Knabe gab es ab und sagte es sei ihm auch kenne er ihn nicht einmal, wenn er ihn auch nicht nennen möchte. Die Adresse trug indessen die Züge Ihrer Handschrift, und ich war daher glücklich über den Empfang eines Billets von Ihnen. Ich las es und ward dadurch in meiner Annahme nur noch bestärkt."
„Aber mein Gott!" rief der Lieutenant erstaunt, „ich habe ja kein Billet an Sie geschickt, mein Fräulein!"
„Jetzt bin ich auch davon überzeugt," erklärte Luise, „doch heute Mittag war meine Freude zu groß, um Zweifel auskommen zu lassen. Das Billet verlangte von mir, mich um halb neun Uhr auf dem Denkmals-- Platze an der Ecke einzufinden weil man — ich glaubte, Sie — mich rivthwendig zu sprechen hatte. Ich dachte an nichts, als Sie wieder zu sehen, ich erwartete wegen meines Benelfinens von gestern Abend gescholten zu werden; id^mollte es ruhig hinnehmen, um nach dieser verdienten Strafe Ihre Verzeihung zu erlangen. Von diesen Gedanken erfüllt kam ich heute Abend der an mich gestellten Forderung nach —."
Der Lieutenant von Weilmann stand verwundert und etwas rathlos da. Wenn er die Sache genau nahm so hatte ihm Fräulein Luise Reuser soeben eine Siebes erklärung gemacht.
„Aber — aber — mein Fräulein," brächte er unsicher hervor, „ich hatte ja kein Recht, Ihnen Vorwürfe zu machen und Sie keine Veranlassung, meine Verzeihung nachzusuchen. Eine Berichtigung Jhrerfrüheren irrthümlichen Meinungsäußerungen hätte sich ja leicht in anderer Weise bewerkstelligcu lassen. Und wie ich sollte dazu gekommen sein, ein abendliches, geheim z" haltendes Stelldichein von Ihnen zu verlangen, während, ich Sie zu jeder Zeit im eigenen Hause sehen und sprechen konnte?"
„Ach Gott!" schluchzte die junge Dame. „Was taucht nicht alles in dem Gehirn eines sich selbstquälenden Mädchens auf. Ich glaubte ja, daß Ihre verletzte Ehre Sie zu dem Gelübde getrieben haben könne, nie mehr unsere Schwelle zu überschreiten —"
Weilmann mußte trotz der unbehaglichen Lage, ü« bei sich beide Personen befanden, lächeln. So zartfüh'