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Z. ,Vou As in u s M-a h u e r^.
. ^Fortsetzung.)
„StaatLhiilfe uad Selbsthülfe haben sich gegcnscstig- zu er.gäuzcn und zwcckmäfug zu verbinden,." sagt mjt Reckst...die „Boss. Ztg,". Aber wir haben, ja bisher noch - M picht Hon)Sdtbsthülfe geredet, sondern immer nur davon, daß. Andere, den Hulfsbcdürftigcn helfen sollen. Und ein Freund des Verfassers, dem_derselbe für mancher gutx- Anregung bönfbert ist-.' schreibt ihm u
„Liehirr Herr Msthuer! S1e:äuerde-u un Verläufe Ihrer Auseioaudxrfi'tzungen gewiß noch .auf die Mhülse zu sprechen kommen, die ju dc.u porliegemdeu.,Frugen an die Spitze;zu stellen, ist: Die -durch »Einwirkung .Don- Volksf.s.euwpeu angerrgte,'dutchdic^staatstche Gesetzgebung und VerwAtung geschützte..SelbsthÄfe, Die-Selhsthülfe, die itj^her EdkeunEfr. daß die Noth eine gemeinsame ist, ich- dhm,-cheb<Migen GefühlFFäch wenn ein Glied leidet,,.alse^leihem auch bei.zufritdenftellender, eigener Lage, Zusammenschluß mit den StanVeSgenossen fucht und findet ütldfchh.dieseurMsäivinenschlliß stark i.st gegen die die Noth- herbefsühcüden und auspeutendeu Mächtä." Warum ichabe ich nun IM er noch nicht von der Selbst- hülfe gerkde^? - DfshaE weil Mieder Ansicht..dich haß sich .der. gtvßo. Haufch der. HülsSbedürstig-cn gar- nicht selbst helfen kaum . Wchytelu Freupd scheint fin Gründe derselhc.n Ansicht zu sein, .ävenn. er-sagt, daß die Selbst- Hülse ,pon sVolfsfrouicheu angitegt. .sei. Solche Volks- freunde aber. zchzrWÄxtP.ünd- ihmtt die Wege zu ebnen, dazu wollen diese Artikel beitragen; Es-usl .unter: gewöhnlichen Umständen .ganz undenkbar, daß r W in einem - Dorfe, welches fiit /.Großvaters Zeiten eine Domäne., der Wucherer ist, Ttu 1 HpEirter Bauer,,auf- treten sollte', um seine Staüdesgxuoffen zu einer kräftigen Setbsthülfe zu sammtln.‘ Das ist Aufgabe Anderer, und diesen'Äjre Ausgabe klar- za..machen, ist Asinus' Absicht? -HstS glazibt'er am. besten--dadurch zu erreichen, daß er aus die vvthändene Nolh hiltwies. — -'Da fällt mir eben ein-Zeitängsan'sschnist in die' Hand, wo es svlgrndermafm' heißt: „Zur S k q 11 st i:f des Elends. Das heute (Anfangs Juni) erschienene Amtsblatt für Stadt und Landkreis FraiiksUct enthält nicht weniger als fünf löeftinntmafbiUi^ Pslizeiprüsidiums über aufgesundene Leichen von Selbstmördern» die ihrem Namen und Mr -PerDnlichteif' nach' lunbckannt sind. Zuerst cin(älwä(6Ejäkn'iger Mann, am Bischofsweg im Stadtwald, erhängt gefunden - in den Taschen ein buntes Taschentuch und ein Geldbsutel- ghne Inhalt. Dann die aus dem $2ain:.gi^ eines' cä. »Üjährigrn BkauUäS, »W beffen fTäschen' ein ledernes Portemonnaie Mit . eineii^ Psepnig -. JnhM. sich vyrsaud. Dann die Leiche eine-s .Sr-lbstmörders -durch Erschießen, ist dessen Taschen eine 'hölzerne, f^fri^ Cigärreuspitze M pne lange" Talmi-Uhrkelte phue Uhr. Kein Gelds Däniff die Leiche- einer ca< 36jährigen Fraueusperson, Keländet aus. der Mdda/ bei Rödelheim. Mchts in den Taschen, —■• Endstch die Leiche x.istes pcrljäftlrißmä^ig. reichen Selbst'- MÜrMs von W-^SG'JahreNs gelüudet unterhalb Kaub am Wein, dessen Tpsche ein.Poktemounaje ipit zusamMN 16 NZ. 66 Pfg. enthielt. — Bon »bieten fünf haben offenbar, drei ihrem Leben aus reiner Noth ein Ende gewacht." -
Nun sagt.man wohl: „Die Noth ist jedenfälls großen- kheils eine selbstoerschnlbete gewesen." Aber wer Avp lagt, det t51 tt"’e'nlfveDer- ’-^tf) sincht öeN'.Htten Apfletit durch solche Dinge verderben-.lassen,, ober.erkennt unsere modernen Erwirbsverhältnisfi nicht, welche eine rechnnngs- MäßigZestzusMende Anzahl.der porhäp-enen Mischen beim besten Willen zu« Feiern verdamust. Bor, 60 Jahren rief Eärlyle, ein engsischer Schi'i.slsteller, s seinen Landslruten zu: . „Ihr utüifjt entweder sich Äfvrm sorgen oder 600 OOHcMKsMe'p "' Reih upd, Gliey ftdtieir^inb
tticderschicßcn." Das klingt sonderbar, und äst doch goldene Kalb tanzte, .wo noch feine tärserliche Bvtfchast wahr. Ein Beifpiel mag das zeigen. Por Einführung1 den StaatssocialiSmuS proctamirt hatte, wo es noch der mechanischen WeWhlb'arbeiMen- iii'-Meerans'-nnd Modesache der Herren war, socialpolitische Reden zu Glauchau'ch» 3ltHo Handwebsliitsie,- an denen SÜ-bss halten, — da hatStöcker sqZalpolitische Thaten gethan. PWM Personen beschäftigt' waren. Im Jahr 1880 (Fortsetzung folgt.)
waren nur noch 3194 Handwebstühle im Gange neben 3,807 Mchanisch.cn Stühlen. An letzteren waren etwa 5 7ÖO Personen beschäftigt. An die 50000 Menschen verloren allein in der Weberei ihr Brod. Oder ein einfacheres Beispiel! In Schlächtern ist ein Handwerks- nwnn, der zu seiner Arbeit einen Gesellen nöthig hätte. Er kauft sich aber eine Maschine für — nun, sagen wir 500 Mk. Dieselbe kostet ihn bei 4% Zinsen das ganze Jahr über 20 Mk. Er kann damit seine Arbeit vollständig u-id bequem liefern, ist von Niemand abhängig und spart viel Gesellenlohn. Aber der Gesell, den er beschäftigen könnte, ist brodlos. Was soll derselbe anfangen? Sich todtschießen? -— „Nein, etwas Anderes ergreifen." Ja, er- hat aber nichts anderes gelernt, und zudem gcht's in anderen Zweigen grad' nach derselben Melodie Mit solchen wohlfeilen Ausflüchten wie: „Die Noth ist selbstverschuldet" kommt man also heute nicht mehr durch. Freilich soll damit nicht leichtsinnigen Patronen das. Wort geredet werden, bate sich selbst ins Unglück stürzen und dann anderen .die Schuld geben. So sagte mir vor einiger Zeih ein Säufer, der Alles durchgebracht hatte, als ich ihm über sein Saufen Vorhalt machte: ) „Die Juden sind dran schuld." ,Jckh fragte ihn,' ob die Juden auch daran schuld, .seien, daß er jeden Pfennig verschnapse und seine arme Frau malträtire. Solchen Kerls will Asmus natürlich-, nicht beistchen. Aber wir müssen uns doch klar werden, daß unsere wirthschaftlichen Verhältnisse so faul sind, daß sie zusammenzubrechen drohen. Auch dürfen wir uns nicht dabei beruhigen, daß bei uns die Verhältnisse noch ziemlich gesunde und gute sind. Auch bei uns ist Brennstoff genug vorhanden. Und wenn in den großen Verkehrscentren das Feuer der Social- revolution ausbricht, so wird ein Präriebrand entstehen, der auch in unserer Gegend den vorhandenen Brennstoff ergreift, wenn wir es nicht machen, wie die Trapper. Wenn dieselben einen.Präriebrand kommen sehen, dann suchen sie wenigstens, den Platz, wo sie. sich befinden, von Brennstoff zu säubern, indem sie das vorhandene Gras austaufen und, ein Gegenfeüer anlegen. Heiß wird's ja immer noch, wenn das Feuer herankommt, aber die Flamme verzehrt sie doch nicht. So wirds .auch gehen in dem großen Präriebrand, der uns bevor- steht: Die Leiber, derer, die sorglos dahinleben, die die Augen zumachen vor dem, was kommt, wird man nach dem Brand verkohlt daliegen sehen; wo aber ein Gegen- fener ängezündet ist, da wirds zwar. Heiß werden, aber es wird doch nicht das Leben kosten. Darum zündet ein Gegenfeuer an, welches den aufgehäuften Brennstoff verzehrt. Dieses Gegenfeuer kann aber nichts anderes fein als streunende Liebe. Wer soll aber damit den Anfang machen? Niemand sonst als die berufenen Hüter des heiligen Feuers der Liebe, die Christen. Das Christenfhum ist wohl nicht von dieser Welt, aber es ist f ü r diese Welt. So wie t4bie gräßlichen Nöthe des Alterthums: Sclaverei, Frauenentchrung, Kinder tödtung siegreich überwunden hat, so wird es auch unser heutiges Heidenthum, welches ebenso wie das des Alterthums Sclaverei, Prostitution und Elend, schlimmer als der Tod, im Gefolge hat, siegreich überwinden,, wenn seine Träger dies, wollen. Daß das Christenthum heute noch diese weltüberwindende Kraft hat,, hat der Welt ein vielgcschmähtcr und vielgerühmter Mann gezeigt — Stecker, • Dieser Mann ist eine der gewaltigsten Erscheinungen unserer Zeit. Man mag über ihn denken, wie man will, - das. muß ihm jeder lassen, daß er Einer der Ersten war,. der die sociale Noth klar erkannte, und daß er der Ei ste war,. der ihr mikEinseyung seiner ganzen Persönlichkeit auf Leben und Tod zu Leibe ging. Ein solcher Mann, der seine ganze Existenz für eine gute Sache einsetzt, kann natürlich nicht ieifetreten und hat viele Ecken und Kanten, an denen sich mancher. BildungSphilister, der immer schön vorsichtig geht, stoßen mag. Es kommt in solchen Fragen, welche Stöcker psackisch zu lösen versucht,, nicht auf.das Beiwerk an,
sondern auf den Kern, und der ist bei Stöcker echt. Mag .er sich in feinen Mitteln irren, in -seinen Zielen irrt er sicher nicht. In einer Zeit, wo noch alles um# goldene Kalb tanzte, wo noch keine kaiserliche Botschaft
Lokales und Provinzielles.
*Schlüchtern, 11. Juli. Versetzt: die Wegebau- Aufseher Kahler von Mottgers nach Steinau und Schleich von Steinau nach Schwarzenfels.
*— Die Direktion der Landeskreditkasse zu Cassel nimmt Veranlassung, unserer treulichen Notiz betreffend den hohen Zinsfuß der Landeskreditkasse, mit nachfolgender Zuschrift an uns entgegen zu treten:
„Die in Nr. 51 der Schlüchterner Zeitung unter dem 29. Juni d. I. veröffentlichte Mitlheiluug über den Zinsfuß der Darlehen aus der Landeskreditkasse beruht auf Unwahrheit. Die Landeskreditkasse hat schon seit 1. September v. I. keine Darlehn zu 4 ’/a pCt., sondern nur solche zu 4 pCt. ausgegeben, und sie hat, abgesehen von einem Theile der Ablösungsdarlehen, die Zinsen aller früher zu 4'/, pCt. aus der. Landeskreditkasse erborgten Darlehen auf 4.pCt. herabgesetzt.
- Cassel, 10. Juli 1889.
Die Direktion der Landeskreditkasse. Lotz.
Hierzu bemerken wir, daß in einer uns vorgelegenen Schuldurkunde vom 30. April 1889 für die Landes- kreditkafse zu Cassel, welche freilich aus anderen Gründen nicht zur Perfektion gekommen ist, da die betreffenden Erborger die Priorität nicht beschaffen konnten, es deutlich heisst: „Wir versprechen dieses Kapital mit 41/2 pCt. jährlich zu verzinsen".
* — Die heute, Freitag Abend, stattfindende Mond- finsterniß beginnt um 8 Uhr 18 Min. und endigt um 10 Uhr 30 Min. Die Mondscheibe wird zur Hälfte verfinstert sein.
*— Der heutigen Nummer. liegt ein Prospekt über „Henriette Davidis Kochbuch" bei, worauf wir unsere Leserinnen aufmerksam machen.
*— Am 14. Juli wird in unseren Kirchen eine Cotlecte für unser Landesdiakonissenhaus erhoben. Bon Jahr zu Jahr entfaltet sich dasselbe kräftiger, sodaß jetzt außer im Diakonissenhaus selbst in unserem Lande 52 Schwestern auf 20 Stationen und 26 Arbeitsfeldern thätig und 13 Kleinkinderschulen vom Diakonissenhaus« besetzt sind. Gegen 8000 Erwachsene und Kinder, welche wegen Krankheit oder aus einem anderen Grunde Pflege, Schutz und Hilfe bedurften und fast alle nicht zu den reichen Leuten gehören, haben im letzten Jahre die Segnungen des Diakonissenhauses und des Liebesdienstes seiner Schwestern genossen. Wir brauchen bei dieser Sachlage unsere Leser wohl nicht erst darauf hinzuweisen, daß eine Unterstützung des Diakonissenhauses eine, gute Sache fördern heißt. Wohl aber wallen wir erwähnen, daß nach dem Bericht vom Jahre 1888 das Diakonissenhaus, trotz seiner 70—80 Schwestern, immer noch sehr unter großem Schwestermangel zu leiden hat und daß für Dills Jungfrauen dort noch Gelegenheit vorhanden ist, ihre Kräste im Dienste der christlichen Liebe zu bethätigen.
Gclnhausen, 10- Juli. In den Gemeinden Birstein und Hellste in des Kreises. Gelnhausen ist die Maul- unb Klauenseuche ausgebrochen.
Kassel. Der XXVII. Berbandstag der hessischen Vorschuß- und Kredit-Vereine wird Donnerstag den 18, Juli und Freitag den 19. Juli hier im Palais-Restaurant abgehalten werden. . Die Anwaltschaft der deutschen Genossenschaften wird durch den Anwalt Herrn Fr< S ch e n k-Berlin vertreten sein. Der diesjährige Ber- baudstag ist von der größten- Wichtigkeit, da es sich vornehmlich um Abänderung der Statuten der einzelnen Vereine nach dem neuen Genossenschaftsgesetz handelt.
— Der Handelsminister hat an die Handelskammern einen Erlaß gerichtet, in welchem die Aufmerksamkeit auf Gassens Kunst-Kaffee gerichtet wird. Die zuständigen Behöl den sind veranlaßt worden, darauf zu achten, daß, im Falle der Verwendung dieses künstlichen Kaffee- bohnenfabrikats zu betrügerischen Zwecken auf Grund des § 10 des Nahrungsmittelgesetz eingeschritten werde.
— Die Ernte-Aussichten in dem Regierungsbezirk Cassel: die Wintersaaten stehen überall sehr gut. Die Sommersaaten, Halm wie Hackfrüchte, haben sich günstig . entwickelt, soweit sie aber in den nassen Boden des Aprils gelangt waren, lassen sie zu wünschen übrig. . Die Ernteausßchken sind nach dem jetzigen Stande sowohl für die Winterung, wie für die Sommerung gute, an zahlreichen Stellen sogar ausgezeichnete. Roggen