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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

Samstag, den 29. Juni.

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Bestellungen auf das 3. Quartal 1889 (Juli, August, September) der Schlüchterner Zeitung

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im Juni 1889.

Die Herausgeber.

Einige Gedanken über Bolkswirthschaft.

Von A s m u s Mahner.

(Fortsetzung.)

Aber da kommt jetzt ein Fräulein her und sagt: Lieber Asmus, ich möchte auch etwas für die Armen thun, hab aber nicht viel Geld, aber eine ganz passable Stimme. Warum soll ich denn nicht einmal in einem Concert mit meiner Stimme den Armen helfen?" Liebes Fräuleinchen, Sie sagen, Sie wollten etwas für die Armen thun, daS ist recht; Sie halten nicht viel Geld, das schadet nichts, der Asmus hat auch nicht viel; aber wenn Sie sagen, Sie hätten eine ganz passable Stimme Fränleinchen, Hand aufs Herz! das glauben Sie selber nicht. Sie glauben, Sie hätten eine ganz ausgezeichnete Stimme, und wenn die einmal beklatscht wurde, das wäre doch schön.Nein, das ist nicht wahr!" sagen Sie. Ja aber, liebes Fräu­leinchen, warum muß denn dann gerade gesungen werden für die Armen. Sie können doch außer Clavier- spielen und Singen gewiß noch andere Dinge. Wenn Sie z. B. den Armen einige praktische Handarbeiten machten?Das bringt aber nicht so viel ein wie ein Concert." Schadet auch nichts! Weniger mit Liebe und Freundlichkeit gegeben hilft mehr alsVieles, was nur so hin geworfen wird. Wenn aber Ihre Stimme eine gute ist, so singen S:e doch im Kreise Ihrer Freunde und Bekannten frisch und fröhlich und machen Sie ihnen und Sich dam t eine Freude und Erholung. Aber nur nicht durcheinander gemischt, was nicht zu einander paßt! Wenn Sie aber recht lernen wollen, wie eine Dame Ihres Standes wohlthätig sein kann und soll, dann halten Sie Sich die Zeitschrift Edelweiß", Frauenblätter zur Förderung evangelischer Liebeswerke. Expedition: Berlin SW., Oranienstraße 104. Senden Sie eine Postkarte an die Expedition mit Angabe Ihrer Adresse, so wird Ihnen das Blatt unentgeltlich jeden Monat zugestellt. Dieses Blatt kann alles viel feiner, besser und schöner sagen, als Asmus was freilich nicht viel heißen will.

Da ich aber nun einmal auf die Wohlihütigk.it der Frauen zu sprechen bin, so will ich nichts für ungut, meine Damen poch einen wunden Punkt berühren. Ihr und euere Kinder legt Kleider ab, die ihr dann an euere Dienstboten verschenkt, um ihnen damit eine Wohlthat zu erweisen.Nun, ist das vielleicht auch nicht recht?" O ja, daß ihr es thut, ist recht, aber es kommt auf dasWie" an. So, wie ihr die Kleider abtegt, dürft ihr sie durchaus nicht schenken. So haben sie wohl für eine Dame oder für eueren kleinen Liebling gepaßt, aber so passen sie nicht für einen Dienstboten oder dessen Angehörige. Daß euere Dienstboten, bie euch vor den Augen herumgehen, sie nicht so tragen dürfen, leidet ihr schon von selbst nicht aus welchen Gründen, will ich weiter nicht untersuchen. Aber da ist z. B. eine Dame, die schenkt ihrem Dienstmädchen den abgelegten Hut ihres Töchterchens, weil das Mädchen zu HauS in seinem Dorfe noch jüngere Geschwister hat. Der schön aufgeputzte Hut kommt zu Hause an, es ist große Freude über die gute Schwester und die gute Herrschaft; und nun bekommt ihn das Kind auf, wie er da ist. ^DaS Kind läuft im Dorfe herum, wie ber bunte Hund; die Erwachsenen halten sich darüber aus Und lachen; die Altersgenossen deS Kindes bewundern und beneiden eS; es selbst wird hochmüthig; und wenn die Eltern-Narren genug sind und etwas Geschmack haben, dann wird nicht etwa der Hut nach der übrigen Kleidung eingerichtet, sondern die übrige Kleidung nach dem Hut, und einGeschäftsmann", der diese und jene Lumperei für theueres Geld aufschmußt, ist gleich bei der Hand. WWn'S der Vater nicht haben will, dann thut'- die Mutter heimlich, derGeschäftsmann" borgt ja, S» wird unvermerkt der Grund zu allerlei

Unheil gelegt. Seht ihr, was diese Wohlthätigkeit stiftet! Der geschickten Hand jener Dame wäre es ein Leichtes gewesen, die feine Garnitur von dem Hute abzutrennen und für ein paar Pfennige ein einfaches Band darum- zuschlingen, wodurch all das Unheil vermieden worden wäre. Das ist nur ein Beispiel statt vieler.

VI.

Die Nummer V ist etwas lang gewesen, weil ich mich darin mit Damen unterhalten mußte, und das dauert bekanntlich immer etwas länger. Dafür soll diese Nummer aber um so kürzer werden. Man hat außer der sogenannten Wohlthätigkeit noch andere Krücken, mit denen man den Leuten auf die Beine helfen will. Das sind die öffentlichen Kassen, bei denen man Geld borgen kann. Es ist aller Ehren werth und gewiß schon ein Fortschritt zur Besserung, wenn man sich bemüht, durch solche Kassen, wo alles ordentlich und ehrlich zugeht, den Wucherern, die in gewisserloser Weise den, der in der Noth steckt, aussaugen, das Handwerk zu legen. Solche Kassen sind bei uns die Landeskreditkaffe, die Kreiskasse, die Sparkasse, der Vorschußverein. Aber diese Kassen haben bei all ihren guten Seiten doch eine sehr schlimme Seite. Sie verleiten nämlich gar oft den, der sie benutzt, zu demselben Irrthum, zu dem die Krücke den Lahmen verleitet, daß er nämlich glaubt, er könne wieder auf den Beinen stehen und gehen, und in Wirklichkeit ist er doch noch lahm und kann ohne die Krücke nichts ausrichten. Das will sagen: Viele Leute sind so kurzsichtig und meinen, wenn sie Geld aus diesen Kassen geborgt haben, dann wäre ihnen geholf-m, das geborgte Geld gehörte wirklich ihnen; und in Wahrheit ist es ihnen doch nur zur Verwaltung gegeben, und sie müssen es wieder einmal abliefern.Ja," sagt Einer, wenn die Leute so dumm sind und mit dem geborgten Geld wieder schlecht wirthschaften, dann kann doch die Kasse nichts dazu; das liegt an den Leuten." Ganz recht! Die Kasse kann nichts dazu; aber sie könnte etwas dagegen. Wenn ein Arzt eine Arznei verschreibt, dann schreibt er nicht nur die Dinge auf, die in dieselbe kommen sollen, sondern er giebt auch eine Anweisung, wie sie gebraucht werden soll:M. D. 8. Stündlich einen Theelöffel voll" oder dergleichen. Die Kasse, welche die wirthschastlicheu Schäden heilen will, müßte dasselbe thun. Wie wir das verstanden wissen wollen, werden wir demnächst zeigen, wenn wir auf die Be­sprechung derRaiffeisenschen Kassen" kommen. Daß ein solches Verfahren die Landeskreditkasse oder auch nur die Kreiskasse einschlagen könnte, verbietet sich schon deshalb, weil diese Kassen viel zu ausgedehnt sind und deshalb ihre Patienten gar nicht genau genug kennen, um ihnen zur Arznei auch die entsprechende Gebrauchsanweisung geben zu können. Das ist ein Hauptmangel dieser Kassen, und darum können sie nie leisten, was geleistet werden muß. Manchem sind sie freilich ein Segen geworden, weil er einen verständigen Gebrauch davon machte, aber einer großen Zahl wurden sie zum Fluch, weil sie in leichtsinniger Weise Hypothek auf Hypothek häuften und dann Alles verloren. Darum hat der Volksmund nicht so ganz unrecht, wenn er von einerLandeskaputkasse" redet. Aber der Vernünftige denkt anders. Wir wollen nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und das Alte nicht wegwerfen, ehe wir etwas besseres Neues haben aber wir wollen auch nicht denken: Es hat ja seither gegangen, es mag so weiter gehen; sondern wir wollen arbeiten, daß wir etwas Besseres, Bollkommneres erhalten; dann wird das alte Mangelhafte von selbst überflüssig werden. Bis jetzt ist es immer noch besser bei der Lanoeskredil- kasse zu borgeu, als einem Wucherer und Halsabschneider sich in die Hände zu geben. Zu dem besseren Neuen möchte daS Folgende, wenn möglich, ein Wegweiser sein.

Ueber das Borkommen der Blutlaus im Amtsbezirk Salmünster berichtet Herr Lehrer Sell in Sarrod wie folgt:

Den vom Kreisausschuß des Kreises Schlüchtern mir ertheilten Auftrag, die Aprelbäume im Amtsbezirk Salmünster (Städte ausgenommen) zu untersuchen, habe ich in der Zeit vom 15. Mai bis heute zur Ausführung gebracht und erlaube ich mir, über das Ergebniß nach­stehend gehorsamst Bericht zu erstatten.

Der Amtsbezirk Salmünster umfaßt folgende Ort­schaften: Dorfgemeinden Ahl, Eckardroth mit Stöckhof, Kerbersdorf mit Baiersmühle, Klesberg, Neustall mit Ober- und Unterüllerichsberg, Romsthal, Rabenstein, Rebsdorf, Sarrod mit Salzmühle, Ulmbach, Uerzell mit Dielhof, Dielmühle, Wannhof und Waltersmühle, Weiler Schmitlmühle, Gemeinde Wahlert.

Zur Ausführung der Revision habe ich 16 volle Tage gebraucht. Die Blutlaus war vorhanden in

den

Gemarkungen:

R o m s t h a l

an

171

Eckardroth

an

53

Wahlert

an

19

Ahl

an

10

Kerbersdorf

an

22

Bäumen

Im nördlichen, hochgelegenen Theile des Amtsbezirks habe ich weder die Blutlaus selbst, noch Spuren ihrer Verwüstung angetroffen.

Die Vertilgung der Läuse an den oben bezeichneten Bäumen, sowie die Reinigung der verdächtigen Apfel­bäume ist sofort im Einvernehmen mit den betreffenden Herren Bürgermeistern unter meiner Leitung nach dem von Hoher Königl. Regierung empfohlenen Verfahren in gründlichster Weise vollzogen werden.

Nachstehend erlaube ich mir einige Wahrnehmungen, zu denen ich beim Revisionsgeschäft gekommen, gehor­samst vorzubringen: Die meisten Niederlassungen des gefährlichen Thieres fanden sich in tiefgelegenen, dumpfen Gärten und Baumstücken, wo der Luftzutritt durch die dicht stehenden, schattigen Bäume oder durch angrenzende Gebäude und Böschungen gehindert ist. Auch die in Pflanzengärten stehenden, mit reichlicher Nahrung be­günstigten Bäume schienen die bevorzugten Heimstätten der Läuse zu sein. Auch habe ich wahrgenommen, daß die starken Hochstämme der sogen. Sauer- und Stroh- üpfelbäume mehr heimgesucht werden, als zarte, edles Obst tragende Bäume.

Sehr vereinzelt fand sich die Blutlaus an jungen Stämmchen und an solchen Bäumen, die (nach Angabe der Besitzer) mit Kalk und Jauche bestricken waren.

Eine große Anzahl von Bäumen, die mit der in der Anweisung empfohlenen Flüssigkeit gestrichen waren, habe ich nach 8tägiger Zwischenzeit noch einmal gründlich untersucht und gefunden, daß nicht nur die Läuse ver­tilgt, sondern auch andere Thiere, als Ameisen, Raupen, Käfer rc. von bannen gezogen sind. Die sämmtlichen Besitzer von Bäumen, an denen die Blutlaus gefunden wurde, habe ich über die Gemeingefährlichkeit des Thieres belehrt und ihnen durch eine Loupe die Läuse selbst und ihr Zerstörungswerk veranschaulicht. Diese Mühe fand ich reichlich dadurch belohnt, daß die anfangs von Borurtheilen befangenen Leute die Fürsorge Hoher Königlicher Regierung jetzt erst einsehen uno dankbarst begrüßen. Dadurch, glaube ich, ist der Kampf gegen die Blutlaus wesentlich gefördert, da die Baumbesitzer das Nachsehen in den Obstgärten nun sicher nicht ver­säumen werden.

(Fortsetzung folgt.)

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 26. Juni. Bei der heute stattgehabten Ersatzwahl zum Abgeordnetenhaus«: für den 13. Kasseler Wahlkreis (Schlüchtern-Gelnhausen) wurde nach amtlicher Feststellung Landrath v. Riedesel-Gelnhausen (deutsch- conservativ) mit 117 von 204 abgegebenen Stimmen gewählt. Der Gegenkandidat, Landesbau - Jnspector Wohlfarth-GelnHausen (natlib.), erhielt 86 Stimmen.