Tages-Ereignisse.
Schlüchtern. (Erfreulich für Postbeamte.) Einem Theil der vielgeplagten Stephansjünger ist nun endlich auch eine wohlverdiente Arbeitserleichterung zu Theil geworden. Staatssekretär Dr. v. Stephan hat nämlich angeordnet, daß die Postboten und Postunterbeamten, unabhängig von ihrer sonstigen freien Zeit, fortan einen dienstfreien Sonntag alle 14 Tage haben sollen. Bravo!
Frankfurt a. M., 16. Juli. (Wenn man Pech haben soll!) Vorgestern sollte bei einer hiesigen Wittwe, die zur Zahlung von 5000 Mark verurtheilt worden war, die Pfändung vorgenommen werden. Die Frau erklärte, außer den wenigen in der Wohnung be- findlichen Möbeln Nichts zu besitzen, und thatsächlich wurde nichts Anderes gefunden. Beim Weggehen bekam der Gerichtsvollzieher plötzlich einen Hustcnanfall; er schaute sich nach einem Spucknapf um und gewahrte einen solchen unter dyn Ofen. Bei dem Versuche, ihn mit dem Fuße hervorzuziehen, kippte der Napf um und entleerte seinen Inhalt auf den Fußboden; derselbe bestand aber nicht nur aus Sand, sondern auch aus 4000 Mark in Bankscheinen, die unter dem Sande versteckt waren. Als die Frau ihren Schatz entdeckt sah, fiel sie vor Schrecken in Ohnmacht.
Lollmarshauseu, 13. Juni. Ein brutaler Racheakt wurde von einem hier in Dienst stehenden Polen verübt, welcher einen hiesigen Burschen in einen Stall lockte, die Thür verriegelte und mit einem Messer über den Burschen Herfiel, dem er an zehn Stiche beibrachte, so daß er, nachdem man ihn mittelst Aufbrechen der Thür aus den Händen des Messerhelden befreit, in das Landkrankenhaus gebracht werden mußte. Eifersucht soll die Veranlassung sein.
Rintel», 15. Juni. Ein schwerer Unglücksfall betraf heute die Familie des Glasmachers Vennschräder, dessen 6 Kinder noch vor kurzer Zeit schwer an Diphtheritis erkrankt waren. Nach überstandener Krankheit gestatteten die Eltern den Kindern mehr Freiheit. Die Knaben — acht- und vierjährig — gingen zur Weser, um zu fischen. Die Angelruthe fiel ins Wasser, schnell entkleidete sich der achtjährige Knabe und suchte die fortfließende Ruthe zu ergreifen. Dabei gerieth er in eine tiefe, ausgebaakerte Stelle und ertrank. Der kleine Bruder nahm seine Kleider zusammen und brächte den Eltern die traurige Kunde.
Ausland.
Wien, 17. Juni. In der der österreichisch-ungarischen Staatsbahn gehörigen Alfredgrube im Resiczaer Banal fand in Folge schlagender Wetter eine Explosion statt, wobei sieben Bergleute getödtet,zwei schwer und mehrere leicht verwundet wurden.
London, 12. Juni, Die englischen Truppen sind überaus blutdürstig. Da sie keine Feinde zu tobten haben, schlagen sie auf einander los. Bei den heute in Aldershot stattgehabten Manövern geriethen nämlich die Husaren und Ulanen so hitzig an einander, daß es große Mühe kostete, die Kämpfenden zu trennen; viele Pferde rannten reiterlos umher, und zwei blieben todt, viele schwere verwundet am Platze. Das sind ja ganz reizende Zustände. Was muß das für ein Kommando sein, wenn derartige Dinge Vorkommen können.
Zrlaud. Das Eisenbahnunglück, bei Armagh in Irland ist das größte und zugleich das schmerzlichste, welches seit Einsührnng der Eisenbahn in Irland vorgekommen ist. Es waren 1200 Kinder einer Sonntagsschule, welche mit Lehrern, Verwandten und Freunden einen Ausflug nach Waarenpoint an der Ostküste machten; sie wurden mit Fahnen und Bannern in zwei Zügen vertheilt, aber echt irisch war den sechSzehn vollgepropften Wagen nur eine Lokomotive vorgespannt. Die Folge war, daß schon neun Kilometer von Armagh entfernt der Zug auf dem Weg die schiefe Ebene hinauf stockte; der Lokomotivführer ließ darauf Steine hinter die Räder der hintersten Wagen legen und fuhr mit den vorderen Wagen vorwärts, um die Hinteren später abzu holen. Leider gab die Lokomotive beim Losfahren den losgekoppelten Wagen einen scharfen Ruck, worauf die zurückgebliebenen Wagen in einem Tempo, welches sich mehr und mehr beschleunigte, in der Richtung auf Armagh zurückrutschten und in einen Zughineinfuhren; die hintersten Wagen wurden mit ihren Fahrgästen zerquetscht. Den neuesten Nachrichten zufolge sind 72
■■■■■■■■■■■■■■■■>■■■■■■■■■■
Personen auf der Stelle getödtet worden; 12 Schwerverletzte sind bald nach ihrer Aufnahme im Krankenhaus gestorben und 130 Personen haben Verletzungen davon- getragen, von denen wahrscheinlich noch viele einen tödtlicheu Ausgang haben werden. Die Getödteten sind zumeist Kinder und junge Dienstmädchen. Der hinterste Wagen, der gegen die Lokomotive des folgenden Ver- gnügungSzugcs anprallte, hatte etwa 100 Insassen, von denen kein einziger unversehrt geblieben ist. In Armagh ist fast jede Familie durch den Unfall in Trauer versetzt worden und der Jammer der unglücklichen Eltern ist unbeschreiblich.
3 m Verb a dj t c.
Erzählung von Karl Schw elling.
1.
Excellenz waren sehr ungehalten. Sie warfen die auf dem Schreibtische befindlichen Papiere zehnmal zusammen und wieder auseinander. Offenbar suchten Excellenz einen Gegenstand — ein Schriftstück, welches sich nicht finden lassen wollte, und so oft Hochdieselben aufs Neue zu dieser Ueberzeugung gelangten, sendeten sie einen Korporalsfluch in die Welt, der mehr kräftig als schön genannt zu werden verdiente.
Die immer ungemessener werdenden Bemühungen des Generals von Huldringen brachten seine vor Erregung zitternden Hände endlich auch mit dem Schreibzeuge und dem Tintenfasse in Berührung.
Welch' ein ränkevolleS Ding unter gewissen Umständen ein Tintenfaß sein kann, weiß ja Jeder. Wie zartfühlend sich die schwarze Galläpfelbrühe zu Zeiten benimmt, ist ebenso bekannt. So geschah denn das Unglück. Klunx! ertönte es in dem Teufelsfassc, und ein paar recht hübsche schwarze Pladder flogen über die Papiere auf dem Tische.
Einen Augenblick stand der General da, um sich die von ihm angerichtete Bescherung in stummer Wuth zu betrachten. Dann ergriff er mit beiden Händen das ganze Schreibzeug und schleuderte es auf den Fußboden, daß die schwarze Brühe weit umherspritzte. Eine gräuliche Verwünschung schloß den heroischen Akt.
Mit schnellen Schritten verließ der erzürnte Herr hiernach das Zimmer, ohne dessen Thür wieder hinter sich zu schließen und stampfte keuchend den Korridor entlang, bis er vor einer Thür anlangte, auf welcher das Wort „Bureau" zu lesen war.
Der General öffnete diese Thür und steckte sein volles purpurrothes Gesicht mit dem borstigen Schnurrbarte in die Spalte.
.Ach, Herr Hauptmann von Lillgenheim!" rief er mit knarrender Stimme, „bitte, auf einen Augenblick !" —
Die im Bureau anwesenden Adjutanten und Schreiber waren aufgesprungen, sowie sich das Gesicht des Generals zeigte.
»Zu Befehl, Exellenz!" rief einer der Ersteren und eilte diensteifrig herbei.
Doch der General wartete sein Nahen nicht ab, sondern stampfte brummend und knurrend wieder zurück, woher er gekommen war. Der Adjutant bemühte sich vergeblich, ein Wort von dem zu verstehen, was der General sagte, uud taumelte deshalb unter gewagten Verdrehungen seines Körpers neben jenem her.
Von dem Adjutanten gefolgt, betrat der General das soeben verlassene Zimmer — sein Arbeitskabinet, von Neuem. Der Hauptmann stutzte: sowie er des Zustandes in demselben ansichtig ward. Der General bemerkte es sofort.
„Ja, da sehen Sie sich nur den Trötel an!" rief Excellenz, zugleich die Hände zeigend, „so bin ich schon in Rage gekommen! Es ist aber auch rein um toll zu werden. Der Brief mit sechstausend Thalern ist fort; — rein verschwunden. Der Teufel muß ihn geholt haben!" —
Der Adjutant erbleichte und trat einen Schritt zurück.
„Excellenz!" stotterte er, „ich — ich!—
„Ach, — ich will Ihnen gar keinen Vorwurf machen, lieber Lillgenheim!" sagte der General etwas ruhiger. „Sie haben mir ja das Packet nach der Siegelring in die Hand gegeben, und ich hatte es noch in derselben,
als Sie mich verließen. Ich habe den Brief demnächst in mein Pult geschlossen und mich ankleiden lassen. Hiernach habe ich den Brief, welchen ich selbst auf die Post tragen wollte, wieder hervorgenommen und ihn da auf die Tischdecke gelegt, um ihn nicht zu vergessen. Als ich ihu jedoch einstecken will, ehe ich mir Helm, Degen und Schärpe reichen ließ, ist der Beutel verschwunden. Es kann wirklich nicht mit rechten Dingen zugehen!" -
„Haben Excellenz denn auch schon gehörig nachgesucht ?" stotterte der Hanptmann verlegen, ich bitte recht sehr um Verzeihung!"—
„Suchen Sie, lieber Lillgenheim!— Suchen Sie nach!" rief der General. „Ich hake Sie deswegen gerufen. Vielleicht bin ich gegenwärtig mit Blindheit geschlagen, ich habe den Brief schon wie eine Stecknadel gesucht, und da sehen Sie die Früchte meiner Nachforschung, aber den Brief habe ich nicht gefunden!"
„Der Hauptmann ließ sein Auge über den Tisch gleiten, hob auch einige Papiere, jedoch sehr vorsichtig empor, aber der hervorgewünschte Brief zeigte sich nicht. Der Adjutant warf einen Blick zu dem Pult hinüber.
„Nur dreist zu!" —sagte der General. „Sehen Sie überall nach. Es kann ja sein, ich täuschte mich in meiner Annahme. Wir wollen das ganze Zimmer um« drehen und umwenden lassen.—"
Der Hauptmann warf einen verlorenen Blick in das Pult und kehrte von demselben zurück. Er schüttelte zum Zeichen, daß er nichts gefunden hatte, den Kopf.
„Glaub's schon!" rief der General, „aber eine Reinigung muß doch vorgenommen werden. Ich werde meinen Schelm von Diener herbeicitiren."—
„Nur noch einen Augenblick bitte ich, Exellenz," warf der Hauptmann ein. „Ist denn außer Excellenz Jemand im Zimmer gewesen, seit der Brief seinen Platz auf der Tischecke gefunden?"
„Nuu—ja!" meinte der General stutzig, „der Kerl der Heinrich, hat zweimal die Nase durch die Thür gesteckt, hat jedoch die Schwelle nicht überschritten, und dann war ja der Lieutenant von Weilmann von den Kum- berland-Dragonern hier, um seinen Dank für meine Bemühung wegen seines Heirathskonsenses abzustatten, Ein recht überflüssiger Schritt, der mich geärgert hat; denn ich habe für ihn nicht mehr gethan, wie für jeden anderen Officier in seiner Lage. Wenn die Leute doch nicht immer bei gewissen Gelegenheiten zu dankbar sein möchten! — Aber woran denken Sie, lieber Lillgen- heim?" —
Der Hauptmann stand da und schaute finster vor sich zur Erde nieder. Ein unbehagliches Gefühl schien in ihm zur Geltung gekommen zu • sein. Auf die Frage des Generals warf er den Kopf zurück:
„Excellenz!" sagte er, „ich wage nicht auszusprechen, was mir einen Augenblick durch den Sinn gefahren ist."
Der General sah den Hauptmann einige Zeit starr an.
„O, wo denken Sie hin?!" — brummte er dann unwillig, „ein Edelmann—ein Offizier—unmöglich—!"
„Ich habe nichts gesagt, Excellenz!" rief der Adju' tant hastig.
„Nein — nein — ; schon gut!" bestätigte der General, „handelte es sich um einen anderen Menschen, so wäre ich selbst vielleicht schon auf böse Gedanken gekommen; doch dieser Mann? nein! Er hat zwar gerade hier gestanden und ich bin, während ich mit ihm sprach, zwischen Tisch und Fenster hin- und hergegangen. Gleich nach seiner Entfernung vermißte ich allerdings auch den Brief—hm—!"
„Die Sache liegt ganz eigenthümlich, Excellenz!" erwiderte der Adjutant lebhaft, es scheint mir die größte Vorsicht bei der Verfolgung desselben geboten zu sein. Excellenz thaten auch des Dieners Erwähnung.
Fortsetzung folgt.
Witternngsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 Tagen mutt)' maßlich folgenden Gang nehmen: Es wird wärmer werden; die Bewölkung wird wechseln; es werden mäßige Ostwinde vorherrschen; Niederschläge werden nur mit Gewittern, welche sehr wahrscheinlich sind, anftreteu.
Bruch-Heilung, ■■■■■■■■■■ri
Die Heilanstalt für Bruchleid«» hat uns mit unschädlichen Mitteln ohne Berufs, störang von Leisten», Hodensack- und Wasserhodenvruch durch briefliche Behandlung vollständig geheilt, so daß wir jetzt ohne Bandage arbeiten können. Joh. Breit, Ehreufeld b. Cöln: P. Gebhard, Schneiderin., Friedersried b. Reukirchen, 54 I.; Jos. Kast, Handlung, Simmer derg b. Lindau; A. Schwarz, Wagenbauer, Langengfungen b. Rosenheim (für Kind) Broschüre: „Die Unlerleidsbrüche und ihre Heilung" grgtis. 3000 Bandage» bester Tonstruktions vorräthig; mit einer Mustersammlung ist unser Bandagist in:■■*■■■■■■■■
Fulda, Gasthof z. Deutschen Haus,
am SS. jeden Monates von 3—7 Uhr Nachrrt.
zur unentgeltlichen Maßnahme und Besprechung zu treffen. Man adressirer An die Heilanstalt für Bruchleiden in Stuttgart, Alleenstraße If. MMWWWWWWWWWWWWM
Buekskin-Röcke...........8, 10, 12-15 „ „ „
Buckskin-Westen..........2, 2*/, 3-3'/, „ „ „
Arbeitshose»............2, 2'/«, 3—5 „ „ „
Englifch-Lederhosen..........4, 5, 6—10 „ „ „
ArbeitShemden......... 1.40, 1.80, 2-2-/, , „ „
Slrbeitsblusen........... 1.40, 1.75—2 „ „ „
Metzgerblusen...........2, 21* 3»/,—4 „ „ ,
BuckSkin-Knaben-Anzüge in allen Grützen von 3, 4, 5, 6—12 Mk. je nach Größe und Qualität.
Herrn-Lommerröcke.........' . 2.50—4 „ „ „
Herru-Luftre-Röcke............4—6 „ „ „
Herrn-Caschemir Röcke ........... 5—12 „ , „
Abr. Sichel.