Einzelbild herunterladen
 

MWMkMW

Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

47.

Samstag, oen 15 Juni. j

.889.

der am 4. Juni der

Verzeichnis Körungs-Commission zu U l m b a ch vorgeführten und angekörten Zuchtbullen.

Standort.

Besitzer.

Abstammung.

Alter.

Farbe.

Haar.

Haut.

Kopf u. Horn.

Ohr.

Hals.

Bug.

Rumpf

Rücken­lage.

Schwanz­lage.

8äwanz

Beine.

Sftffung.

Haftung

Bemerkungen.

Schlüchtern

Simon Adler

Simmenth.Orlg. j 16 Mon.

geldsch mttl

weih. Korf. 1

fein

weich

gut

gut !

s. gut

h gut

gut

gut.

gut

fein

gut

gut

gut

Erhält Nr.l. als zur Zucht ausgezeichnet

Ein Bulle wurde bis zur Körung in Mottgcrs zurückgesetzt, zwei Thiere von Klesberg und Reinhards konnten nicht angekört werden.

Ulmbach, den 4. Juni 1889. Die Körungs-Commission:

H. Köhler. Roll. Müller.

Einige Gedanken über Bolkswirthschaft.

Von A s m u s M a h n e r. (Fortsetzung.)

III.

Das vorige Mal haben wir erst einen Grund be­handelt, der die Leute hindert sich helfen zu lassen, und das war ein sehr alberner Grund. Dummheit und Stolz sind ein Zwillingspärchen, daß man sie oft nicht unterscheiden kann. Nun haben wir aber noch einen zweiten Grund angeführt, aus welchem sich die Leute nicht helfen lassen wollen, und dieser ist das Mißtrauen zu den Helfern. Gar mancher ließe sich gerne helfen, aber es scheint ihm kein rechter Helfer da zu sein. Nun, ich will euch gleich eine ganze Reihe nennen, die helfen sollen. Da ist vor allem euer Pfarrer, dann euer L e h r e r, dann euer Bürgermeister, dann eitere Sta d t- oder Gemeinderäthe, und last not least, das heißt auf deutsch: ich nenn' ihn zwar zuletzt, aber beim Helfen soll er der Vorderste sein euer Landrath, der nicht nur rathe n, sondern auch thaten soll, denn er hat die Macht dazu. Und dann nenn' ich euch jeden guten Freund und getreuen Nachbarn und überhaupt Jeden, der das Herz oder den Kopf oder den Geldbeutel dazu hat. Wenn die alle helfen wollen, je.nachdem jeder kann, dann, sag' ich euch, hal's mit der Noth bald ein End. Jawohl", sagt ihr,aber das Wollen, das ist grade die Hauptsache. Es thun wohl Viele so, als wollten sie uns helfen, aber, im Grund genommen, wollen sie sich helfen. Es sucht jeder nur seinen Vortheil. Und du, lieber Asmus, hast neulich selbst zu den Leuten gesagt, sie sollten. Helfen ihres Vortheils wegen." Da hören Sie 's,, meine Herren Landräthe, Pfarrer, Lehrer, Bürgermeister. Da hört ihrs., ihr.Gefühlvollen, Gescheidten, Reichen. Die Leute trauen euch nicht.1 Ja, ihr dummen Leute, traut uns doch!" sagt ihr. Nun nehmt mir's nicht übel, meine Herren! Aber das kommt mir grad' so vor, als wolltet ihr sagen:Ja, du Elephant, flieg' doch!" DaS Vertrauen, geht nicht so auf Commundo wieRechtsum!" undLinksum!" Man kaun das Vertrauen nicht commandiren, ebenso wenig, wie man Einem Liebe einprügeln kann. Wer von den lieben Lesern, ein Christ ist und die Kirche be­sucht, dem ist das nichts Neües. In der Predigt heißt's stets:Den Glauben können wir uns nicht selbst geben, den wirkt Gott durch das Evangelium," Der Glaube ist aber im Grunde nichts anderes als ein herzliches Vertrauen zu Gott, welches durch eine gewisse Erkennt­niß in uns kommt, aber nicht durch irgend ein Gebot. Nein! Zum Vertrauen muß Einem ein Anderer helfen, und zwar dadurch, daß er sich Vertrauens werth zeigt. Drum, ihr Herrn, wenn ihr helfen wollt, sv müßt ihr euch erst Vertrauenswerth zeigen. Drum haben die Armen und Schwachen nicht so Unrecht, wenn sie mir vorwerfen:Du sagst selbst, daß auch die helfen sollen, dies zu ihrem Vortheil thun. Solche Leute können uns aber nichts nutzen." Ganz recht, liehe Leute; aber seht ich dachte so: Wenn du gleich jetzt im Anfang sagst:All' die, die nur ihren Vortheil beim Helfen suchen, die können wir nicht brauchen", dann werfen diese alle und ihrer sind nicht wenige vas Blatt hin und sagen: ..»DaS ist auch ein Zelot und Fanatiker!" (Wenn ihr nicht wißt, was diese Ehrentitel bedeuten, schadetS nichts.) Seht, dann hätten diese alle gar nichts mehr gelesen, und was hättet ihr davon gehabt? Doch auch nichts! Mancher von ihnen hat doch bis hierher gelesen, und er sagt sich, wenn er wenigstens ehrlich ist:Was da gesagt wird, ist wahr; ich traute auch keinem, der mir nicht verlrauenswerih wäre. Und wenn mir *bie Leute vertrauen sollen, dann muß ich mich erst Vertrauenswerth zeigen." Mancher von denen, sie bis hierher gelesen haben, ist wohl freilich auch i

darunter, welcher sagt:Haha! jetzt kommt der Pfaff heraus!" Nun, wenn du so denkst, dann leg' nur das Blatt hin; aber glaub nicht, daß ich mich etwa über denPfaff" ärgere. Du weißt, scheint's, gar nicht, was das eigentlich heißt. Das heißt nämlich: Pastor fidelis animorum lidelium (P. f. a. f.), zu deutsch: Ein treuer Hirte treuer Seelen. Gebe Gott, daß du mir den Ehrentitel mit Recht bxigelegt hast. Ihr Anderen aber, die ihr wirklich helfen wollt, wißt: Ihr findet eueren größten Vortheil, wenn ihr eueren Vor­theil nicht sucht. Das hört sich sonderbar an und ist doch wahr. Die Wahrheit kommt ja den Menschen stets sonderbar vor. Dieser sonderbare Satz ist wahr, denn wenn ihr den Leuten helft, so ist das euer Vortheil, da ihr euch dadurch verwahrt vor der socialen Revolution. Reifen könnt ihr aber nur, wenn euch die Leute trauen. Trauen werden euch die Leute aber nur, wenn sie sehen, daß ihr eueren Vortheil nicht sucht. Darum müßt ihr eueren Vortheil fahren lassen, wenn ihr eueren Vortheil finden wollt. Ich denke, das ist klar, klar nicht nur für den Christen, der seines Heilands Wort:Wer sein Leben verliert, der wird es behalten!" verstanden hat, sondern auch für jeden, der denken kann. Was folgt nun daraus? Wenn es heißt:Ihr Armen und Schwachen, laßt euch helfen!", so liegt darin nicht nur eine Mahnung an die Armen, sondern auch zugleich eine Mahnung an die Helfer, daß sie sich nämlich den Leuten so zeigen, daß man ihnen trauen kann. Und in dieser Mahnung stecken wieder zwei: die erste:Laßt die Armen seyen, daß ihr helfen wollt!" und die zweite:Laßt sie sehen, daß ihr helfen könnt!" Denn Einem, der nicht Beides zugleich zeigt, würdet auch ihr nicht trauen; und was i h r nicht thun wollt, das dürft ihr auch keinem Anderen zumuthen. Bei dem Helfen-W o l l e n kommt's nun hauptsächlich auf's Herz au, bei dem Helfen 7 nnen hauptsächlich auf den Kopf und manch­mal auf den Geldbeutel. Wo d i e Beiden schwach bestellt sind, ist's auch mit dem Können schwach bestellt. Doch kann der Kopf gar oft den Geldbeutel ersetzen oder unterstützen. Und da sich Beides nicht immer zusammensiudel, sondern es gar oft nach dem Sprich­wort geht;Die dümmsten, Bauern haben die dicksten Kartoffeln", so ist's gut, wenn sich mehrere zusammen­thun. Aber ehe wir darauf kommen, erst noch ein 'Wort über das Vertrauen. Doch davon das nächste Mal!

(Fortsetzung folgt.)

Der Schah von Persien in Berlin.

, Der Schah von Persien ist, wie bestimmt war, am ersten Pfingstfeiertage gleich nach G Uhr Abends auf dem reichgeschmückten Centralbahnhof in Berlin ange- 'langt. S. M, der Kaiser, der von seinem JagdauSflug nach Bröckelwitz am Sonntag früh wieder zurückgekehrt war, hatte sich, umgeben von sämmtlichen Prinzen, dem Grafen Bismarck, dem Feldmarschall Grafen Blumen­thal, sonstigen hohen Würdenträgern und dem Personal dxr persischen Gesandtschaft am Bahnhof eingefunden. Gleich darauf fuhr der Zug mit dem Schah in den Bahnhof ein und die beiden Herrscher drückten sich wiederholt die Hand. Nach der Vorstellung der Prinzen schritten der Kaiser und der Schah von Persien die Ehrencompagnie ab und fuhren hierauf im vierspännigen Galawagen nach dem Schloß Bellevue, von einer zahl­reichen Menschenmenge mit brausenden Hochs begrüßt.

Am Montag Vormittag machte der Schah bei J. M. der Kaiserin in Potsdam seine Aufwartung, wohin sich kurz vorher auch der Kaiser begeben hatte. Dann nahmen die hohen Herrschaften am Stiftungsfest, dem sog. Schrippenfest, des Lehr-Jnfanterie-BataillonS Theil, wobei der Schah die Kaiserin führte. Nachmittags

fuhren der Kaiser und der Schah mit den Herren ihrer Gefolge auf der Königlichen DampfyachtAlexandra" nach Charlottenburg.

Am Dienstag Vormittag fand dem Schah zu Ehren ein großes militärisches Schauspiel, eine Gefechtsübung der gesammten Garde-Feld-Artillerie-Brigade mit scharfer Munition statt. Der Schah rief ein über das andere Malbälli, bälli" (schön, sehr schön).

Am Mittwoch besuchte der Schah das Aquarium und den zoologischen Garten und besah sich am Abend im strengsten Jncognito Berlin. Der Schah verließ Berlin am Donnerstag Nachmittag und begab sich nach Cassel, um sich die Wilhelmshöhe und die Allgemeine Ausstellung für Jagd, Fischerei und Sport anzusehen.

Der festliche Empfang am Hof entspricht lediglich den Pflichten internationaler Höflichkeit, die einzigen sonstigen Rücksichten, die dabei obwalten könnten, wären diejenigen auf die Interessen der zahlreichen deutschen Reichsangehörigen im persischen Reich.

Deutsches Reich.

Berlin.Wieder eine Leiche im Koffer" könnte man in Anlehnung an jene düstere Geschichte in Oester­reich eine unheimliche Episode nennen, die sich gestern Mittag auf dem Görlitzer Bahnhof zutrug. Dort war von einer männlichen Person in dem Raum am Billctschalter eine wohlverschnürte und versiegelte Kiste zurückgelassen worden. Längere Zeit ließ man dieselbe am Fundort stehen, in der Erwartung, daß sich der Besitzer der Kiste dort wieder einfinden werde. Als dies nicht geschah und man schließlich dieselbe forttragen wollte, wurde mau auf einen verdächtigen, penetranten Ge­ruch aufmerksam gemacht, der aus den Fugen drang, und jetzt ließ der Stationsvorsteher die Kiste öffnen. Aus berfelben entnahm man eine zweite, kleinere Kiste, an welcher sich der auffällige Geruch noch stärker bemerk­bar machte. Man öffnete auch diese kleinere Kiste und fand in derselben eine in Lappen gehüllte, schon stark in Verwesung übergegangene Kindesleiche. Man brächte den unheimlichen Fund auf die Bahnhofspolizei, welche sofort die nothwendigen Recherchen vornahm.

Christianstadt a. B., 2. Juni. Eine heitere Ge­schichte soll sich in einem Dorfe der Umgegend zuge­tragen haben. In dem Gasthofe stellte ein Fleischer spät Abends eine Kuh in den Gaststall, ohne die Thür zu verschließen, da er annahm, daß das müde Thier ruhig liegen würde. Kaum waren aber die WirthS- leute zur Ruhe gegangen, da fängt es im Hause un­heimlich zu rumoren an. Es werden schwere Tritte vernommmen, und im Tanzsaale wird es lebendig. Die Kuh hatte nämlich einen Rundgang im Hause unter­nommen und war in den Saal gerathen, in welchem noch die Musikinstrumente der Ortskapelle, welche den Tag vorher Tanzmusik gespielt hatte, sich befanden. Nach Art der Kühe rechts und links mit dem Schwänze um sich schlagend, trifft das Thier Trommeln, Baß und Geigen, springt auf daS Klavier und beschädigt einige Tasten. Es konnte kein Zweifel mehr sein, daß der Böse im Tanzsaale hause. Vorsichtig öffnete der Wirth die Thür des Schlafzimmers und sieht gerade die Kuh wieder aus dem Saale kommen. Von Furcht ergriffen, läuft er zurück, verriegelt die Thür und erzählt nun seiner Ehehälfte, wie der Böse aussieht; er habe einen großen Kopf mit großen Hörnern, einen rothen Rock und lange, dürre Beine; der eine Fuß sei ein Kuhfuß, der andere ein Pferdefuß. In Schweiß gebadet, er­warten Beide den Morgen, denn von Schlaf war nun keine Rede mehr.

Hamburg. Es bestätigt sich doch, daß eine hiesige Rhederei als Kohlenzieher für ihre Dampfer Chinesen hat kommen lassen. Es ist das der erste Versuch dieser Art. Man ist einstimmig in seiner Verurtheilung.