was habe ich denn eigentlich gethan? Dem Zuge meines Herzens bin ich gefolgt, habe meinen Liebling gepflegt und gehütet, das ist alles. Was ist da wohl zu bewundern ?
Wenn Herr von Ingen so liebevoll zu mir spricht, so dankbar, dann ist es, als müßte ich ersticken. Und jedesmal, wenn er in den letzten Tagen gekommen ist, habe ich die Zeit benutzt, einen kurzen Gang in den Park zu machen. Einige Male ließ er es still geschehen, dann fragte er mich fast traurig: „Bertreibe ich Sie aus Ihren eigenen Räumen? Haben Sie denn noch immer Groll gegen mich? Und ich bin wirklich nicht mehr so schlimm wie sonst."
Ich konnte nicht antworten, was sollte ich sagen, aber ich blieb von jetzt ab, wenn er kam.
Heute ist Else zum ersten Mal auf kurze Zeit auf- gestanden. Sie faß in meinem Lehnstuhl, und die beiden anderen Kinder standen glücklich neben ihr, mit ihr plaudernd.
Morgen verreist Herr v. Ingen auf einige Zeit wieder nach D. „Mein Schloß ist fertig," sagte er neulich lächelnd, „und muß ich doch all den verschiedenen Anordnungen in Betreff der Zimmer nachkommen. Ich habe alle Bestimmungen sorgsam aufnotirt."
Er halte schon eher reisen wollen, Elschens Krankheit war hindernd dazwischen getreten. Und ich weiß nur das eine, ich muß fort, ehe er zurückkehrt. Schon lange hat eine liebe Freundin den Wunsch geäußert, daß ich sie besuchen möchte. Ich werde mir von Frau v. B. Urlaub erbitten auf kurze Zeit. Ich kann ihr jetzt wenig nutzen, muß mich erst erholen. Bis ich zurück- kehre, wird wohl alles zum Abschluß gekommen sein, wird Herr v. Ingen sich mit Fräulein Rosa verlobt haben.
Erst gestern war sie hier und so seelig, so strahlend, daß jeder fühlen muß, nur unsagbares inneres Glück kann der Grund sein.
Heute Nachmittag saß Frau v. B. in meinem Zimmer, als Herr v. Ingen erschien. Er trat zu mir und sagte: „Fräulein Arnold, ich komme mit einer großen Bitte, und da ich morgen abreise, dürfen Sie mir dieselbe nicht abschlagen. Elsriede unterstütze mich, wenn es mir nicht gelingt."
„Und was könnte ich gewähren?" fragte ich mit leichtem Anflug von Scherz im Ton.
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
— Präger Blätter berichten: Ein eigenartiges aufregendes Schauspiel bot sich Sonnabend und Sonntag den zahllosen Passanten des Grabens. Ein kleines, zartes,
weißes Täubchen verfing sich am Sonnabend Nachmittag im Schnörkelwerke einer Engelsfigur auf dem Pulver- thurme, und alle ihre Anstrengungen, sich zu befreien, waren vergeblich. Mitleidsvoll betrachtete die zahllose Menschenmenge die Qualen des Vogels, der mit einem Flügel immerwährend um sich schlug, um loszukommen. Einige der Passanten eilten zur Polizei, um deren Hülse anzurufen, doch dieselbe konnte, da das Object des Pulverthurmes städtisches Eigenthum und somit außer deren Competenz gelegen, nichts thun, als dieselben an die Stadt zu weisen. Bor einbrechender Dunkelheit be- gaben sich im Auftrage des Bürgermeister-Stellvertreter Kandert mehrere Feuerwehrleute auf den Pulverthurm, und nachdem sie dort Umschau gehalten, erklärten sie, es sei der vorgeschrittenen Dunkelheit wegen unmöglich, das Thierchen zu befreien. Der arme Vogel blieb somit die ganze Nacht in seiner qualvollen Lage. Gleich am frühen Morgen erhielt der Bürgermeister-Stellvertreter eine größere Anzahl von Zuschriften mit dem Ersuchen, Alles aufzubieten, das arme Thier zu befreien. Vormittags fanden sich im Auftrage des Herrn Kandert neuerdings 10 Feuerwehrleute auf dem Pulverthurme ein, um das gefangene Thier frei zu machen, ein Werk, welches mit Lebensgefahr verbunden war. Eine nach vielen Hunderten zählende Menschenmenge folgte mit gespanntem Interesse den hierzu getroffenen Vorbereitungen. Plötzlich schwang sich ein turngewandter Feuerwehrmann von einem der obersten Fenster in die Luft. Derselbe war in einem ganzen Netze von Stricken und Schnüren verflochten, welche in eine Art Kabel mündeten, dessen Ende von neun Mann der Präger Feuerwehr festgehalten wurde. So schwebte der Kühne zwischen Himmel und Erde, bevor er sich der Stelle nähern konnte, wo die Taube eingeklemmt war. Nach längerem Laviren kam er endlich in die Lage das Thier zu erreichen und zu befreien. Brausende Hochrufe und Slava! tönten dem Waghalsigen entgegen, als er das Thier in den Händen hielt. SämmtlicheFenster des dem Thurme gegenüberliegenden Hotels „zum blauen Stern" waren von Hotelgästen besetzt, die gleichfalls dem Bravourstücke unserer Feuerwehr mit Interesse folgten. Mitten durch das zahlreiche Publikum drängte sich plötzlich eine zarte Mädchengcstalt, die rasch zum Thurme eilte, um dem Feuerwehrmanne für seine That zu danken. Als derselbe aus dem Thurme auf die Straße trat, eilte das Mädchen auf ihn zu, übernahm die Taube, küßte und herzte dieselbe, zog einen prachtvollen Brillantring vom Finger, schenkte denselben dem wackern Taubendefreier und seinen Genossen einen namhaften Geldbetrag. Wie sich später herausstellte, war die großmüthige Spenderin die im Hotel „zum blauen Stern" eintogirte Sängerin Frl.
Nikita. Auch ein anderer Hotelgast schenkte der Feuerwehrmannschaft den Betrag von 50 fL als Anerkennung.
— Ein Studen te n-U lk nachaltenMustern. Ueber den Marktplatz eines kleinen Ortes in der Nähe der flotten Musenstadt G. zieht langsam eine Schaar „flotter Bursche" mit riesigen, mehrere Meter langen Knüttel über der Schulter. Natürlich erregt dies Schauspiel großes Aufsehen, und ein Schwärm johlender Kinder folgt den Studenten in angemeffener Entfernung. Vom Fenster seiner Amtsstube erblickt auch der Herr Bürgermeister den „Ulk". Aergerlich — denn nicht eben selten ereignet sich dergleichen hier — ruft er den Wachtmeister, ein den Studiosen wohlbekanntes Original, und schickt ihn hinaus, „dem Unfug zu steuern". In wenig Minuten ist derselbe zurück. „Na, Dietrich, was sagten sie denn; haben sie die Latten weggeworfen?" — „Im Jejentheil, Herr Bürremeister; sie meinten, des könne sie selbst der Kaiser nich verwehr'n; sie machten ja hier man bloß eine Verjnüjungsreise mit Stangen."
Der Liebesschwur und seine symbolische Bedeutung.
Ich liebe Dich, sagt der Koch, denn ich rieche den Braten, daß Du Geld hast,
Ich liebe Dich, sagt der Musiker, denn Du giebst in meinem Herzen den Ton an.
Ich liebe Dich, sagt der Jäger, denn ich bin bis über die Ohren verschossen.
Ich liebe Dich, sagt der Kartenspieler, denn meine Lieblingsfarbe ist Coeur,
Ich liebe Dich, sagt der Gärtner, denn Du bist eine nette Pflanze.
Ich liebe Dich, sagt der Dieb, denn ich habe Dein Herz gestohlen.
Ich liebe Dich, sagt der Magnetiseur, denn Du ziehst mich an.
Ich liebe Dich, sagt der Kutscher, denn ich möchte deinetwegen aus der Haut fahren.
Ich liebe Dich, sagte der Astronom, denn Du bist ein Stern erster Größe.
Witternngsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Es wird kühler werden; der Himmel wird meist bedeckt sein; es werden Süd- bis Westwinde vorherrschen; Gewitter mit Nie- derschlägen sind wahrscheinlich.
Kirchlicher Anzeiger für Schlächtern.
Himmelfahrt.
Morgengottesdienst: Herr Superintendent Heck.
Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Hartmann.
I Wochendienst in der Stadt: Herr Superintendent Heck.
Frisch eingetroffen
Reisfuttermehl
mit garantirtem Fett- und Eiweißgehalt von 3O°/o, schön weiß-gelb und ganz fein gemahlen. Da es Rcismehlsorten im greife von 2,50 Mk. bis zu 7 Mk. giebt, so bitte ich die von mir geführte hochfeine Marke nicht mit den ordinären und zwar billigen, aber oft auch fast werthlosen Sorten zu verwechseln, welche heute vielfach von Händlern aller Art angeboren werden. Durch solche schlechten Sorten wird u. ist schon das Reismehl vielfach in Mißcredit gekommen, denn der Nährgehalt ist bei diesen Sorten ein meist sehr niedriger und die Verdaulichkeit sehr gering. Jedermann aber, der nicht auf die Billigkeit sieht, sondern mehr auf die Güte, der wird beim ersten Versuch finden, daß das
Reisfuttermehl in der von mir geführten Qualität
eines der vorzüglichsten Kraft- und Mastfutter für die Schweine u. Mast u. Milchfutter für Rindvieh ist; für junge Kälber u. Ferkel ist es ein guter Ersatz für Milch. Jeder Unbefangene wird nach dem ersten Versuch aber auch finden, daß meinReismehl nicht nur den geringen Preis, welchen es mehr lostet, mehr werth ist, sondern daß es meistens fast den doppelten Futterwerth als die vorerwähnten geringen u. billigen Sorten besitzt, welche theilweise den Namen Reisspreu mehr verdienen als Reismehl.
Muster-Preise stehen zu Diensten.
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Sonnenschirme
in großer Auswahl
J. I Walter.
Für Damen!
Pr°chw°lle § 0 UUC H fdj i 11116 auffallend billig bei
A. liatzenstein.
Danksagung.
Der Kriegerverein Hütten sagt allen Kameraden und Freunden sowie den verehrt. Vereinen, welche durch ihre zahlreiche Betheiligung zur Verherrlichung unseresFahnenweihfestes beigetragen haben, ferner dem Herrn Lehrer Hoffmann von Mittelkalbach für die schöne durchdachte , herzergreifende Festrede den besten Dank.
Im Namen des Vereins:
Der Vorstand.
Davidis, Hausfrau
— Kochbuch
— Küchen- und Blumengarten
Beruf der Jungfrau Puppeuköchiu Anna
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Mk
4,50
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4,
3,80
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1-
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Schriftenniedertage.
(M. Mandel.)
Empfehle mein Lager in nur rein^ehaltenen in- und ausländischen Weinen: ohne Glas von 60 Pfg. an und höher, bei Abnahme von 50 Flaschen 55 „ „ „
100 „ 50 „
Proben stehen gerne zu Diensten!
Bodenheimer Rüdesheimer Laubenheimer Hochheimer Niersteiner Förster Riesling Rüdesheimer Berg Hochheimer Berg, Moselblümchen Josephshöfer
8 dj
Zeltinger
Zeltinger Schloss Braunenberg Braunenberg Ausleser Rauenthaler
Steinberger babinet Steinwein u.Bocsbeutel Oberingelheimer Woltbortsheimer Arbleichert
Empfehle:
(1 II IN IN C I Willi.
Assmannshäuser Bordeaux, Medoc St. Est^phe Caat Margaux St. Emelion Marsala Mascat, Malaga Madeira Sherry Tokayer
11 c.
Gianatio,
„Zur Bierhalle", Schlächtern.