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Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

^mtzaq, den 25 Mai.

Das Heil kommt von den Juden.

Von Pfarrer Ha r tm a n n . Schlächtern.

(Fortsetzung statt Schluß.)

Unsere Gesammtstellung zu den Juden muß in socialer und religiös-sittlicher Hinsicht einer Revision unterzogen werden" zunächst in socialer Hinsicht. Wie soll das zugehen? Sollen wir mit den Juden gar nichts mehr zu schaffen haben? Sollen wir die Loosung ausgeben:Kauft bei keinem Juden! Handelt mit keinem Juden'?" Nein, so weit gehen wir nicht. Es ist ja auch Thatsache, daß es sehr solide jüdische Geschäfte giebt, in denen man ebenso gut und manchmal noch besser als in christlichen bedient wird. Und was den Handel, besonders den Viehhandel anlangt, so ist es auch Thatsache, daß dieser nu^einmal zum allergrößten Theil in Händen von Juden ist und wohl auch auf unabsehbare Zeit bleiben wird, und mit dieser Thatsache muß man eben rechnen. Das ist ja auch nicht das Schlimmste, daß die Juden den Handel fast ausschließlich in Händen haben, sondern die A r t u n d W e i s e, wie sie ihn meist betreiben darin liegt das Verwerfliche, die muß uns vorsichtig machen, d i e sollte endlich einmal die Christen, besonders unsere Bauern klug machen.

Was aber thun? das ist die Frage. Ich will hier nur kurz einige Rathschläge geben, die zwar nicht neu sind, die aber immer wieder von Zeit zu Zeit ausgesprochen werden müssen.

Erster Rath:Kaufe nichts, was Du nid) t unbedingt nöthig h a st und was Du nicht baar bezahlen kannst. Da kommt ein Hausirer mit Ellenwaaren, Du hast wirklich nichts nöthig, hast auch im Augenblick kein Geld; aber es wird Dir plau­sibel gemacht, daß es ja aufs Geld gar nicht au- komme, das Bezahlen habe ja Zeit, die Waare sei gut und dabei billig; laß Dich nicht drauf ein; denn einmal reimt sich billig und g u t niemals zusammen und dann aus dem Einen unbezahlten Posten sind in Jahresfrist vielleicht zehn geworden und die anfänglich kleine Schuld ist zu einer ganz anständigen Höhe an­gewachsen. Was den Hausirhandel überhaupt anlangt, so ist er in unserer Zeit nahezu zu einer Landplage geworden, und der Wunsch, die Gesetzgebung möge hier eine Beschränkung eintreten lassen, ist schon oft genug ausgesprochen worden. Ich habe mich für meine Person zuletzt vor jener Plage dadurch geschützt, daß ich von Hausirern nichts mehr kaufte, zumal ich auch die Er­fahrung gemacht hatte, daß die Waare gewöhnlich dcn Stempel an sich trug:Billig und schlecht!"Aber sagt man es ist doch üngemcm bequem und wird den Landleuten doch viel Zeit erspart, wenn ihnen die Waare ins Haus gebracht wird;" ja bequem ist's wohl, aber oft auch gefährlich für den Käufer, wie soeben angedeutet; Zeit wird wohl gespart, aber nicht immer Geld. Es giebt solide Geschäfte geling jüdische und christliche in denen man gut und reell bedient wird und die heutzutage auch für die Land­bewohner leicht zu erreichen sind.

Zweiter Rath: Beherzige jenen ersten Rath auch m ö g l i ch st b e i m V i e h h a n d e l, i ch sage:m öglich st", denn ich weiß recht wohl, daß ein Bauer in die Lage kommen kann, ein Stück Vieh kaufen zu müssen, wozu er das Geld nicht bereit liegen hat. Aber dann sage ich:Borge nicht beim Huben, sondern suche Dir das Geld anderswoher zu verschaffen. Kannst Du es von guten Bekannten nicht bekommen, nun es fehlt heutzutage nicht an Spar- und Creditkassen, bei denen Du gegen mäßigen Zins Geld leihen kannst."

Ja, heißt es, wo sind die guten Bekannten, die mir Geld leihen, und will ich zur «Sparkasse gehen, wo sind die guten Freunde, die für mich bürgen wollen? Ja, da liegt freilich der Has im Pfeffer. Es ist leider Thatsache, daß unter den Christen, nub grade eben unter den Bauern zu wenig Lust vorhanden ist, sich gegenseitig auszuhelfen und daß es zu sehr fehlt am gegenseitigen Vertrauen. Es könnte z. B. mancher Handel auch ohne Vermittlung des Juden abgeschlossen werden, wenn das gegenseitige Mißtrauen nicht so groß wäre. Dem Juden traut man mehr, als dem Nachbar, ja mehr oft, als dem eigenen Bruder, auch wenn jener schon hundertmal den Beweis geliefert hat, daß ihm nicht zu trauen ist.

Da will der Eine ein Stück Vieh verkaufen, der Andere würde es gerne kaufen; aber jener kann nicht hoch ge­nug fordern, dieser kann nicht wenig genug bieten sie kommen nicht überein. Da kommt der Jude da­zwischen, er kauft das Vieh zu einem Preis, für den es der Bauer seinem Nachbar auf keinen Fall abgelassen hätte und dieser zahlt dem Juden einen Profit, den er jenem nicht gegönnt hätte. Das kann mau ja auf dem Lande gar ort erleben.

Zu diesem gegenseitigen Mißtrauen kommt dann noch hinzu, wie ja bekannt, jene falsche Scham, die den Bauern oft abhält beim Nachbar oder bei einer öffent­lichen Casse Geld zu borgen, weil es nicht in die Öffentlichkeit dringen soll, daß er eine Schuld auf­genommen hat, und die ihn deshalb immer wieder zum Juden treibt, weil dieser zu schweigen weiß. Die Einsicht kommt dann freilich immer zu spät. Darum lautet mein

Dritter Rath:Ihr Christen, besonders ihr L a u d l e u l e, Halter mehr zusammen, helft euch mehr untereinander, laßt das gcg e n seit i ge Df ißtraue u fahren und legt die fa lf d) e Schain a b, von der eben die Rede w a r. Daran möge sich sogleich mein

Vierter Rath anschließen:Unterschreibt keinen Wechsel! Denn damit unterschreibt ihr gewissermaßen euer eigenes Todesurtheil.

Fünfter Rath: Schließt keinen Handel ab i in Wirthshause beim Schnapsglas! Der Jude kennt seine Leute sehr genau und weiß es, welch einen mächtigen Bundesgenossen er am Schnapse hat und es kommt ihm auf einigeSchoppen" mehr oder weniger nicht an, das kommt beim Handel wieder zehnfach heraus. Welche unsinnige Händel kommen oft beim Schnaps zu Stande, sodaß man den Betrogenen nur sagen kann:Es geschieht euch recht, ihr habts nicht besser verdient. Eine besondere Rolle spielt der Schnaps bei dem Verkauf von Gütern, wenn dieselben vereinzelt werden sollen. Da wird er fässerweise aufgelegt und getrunken. Ich habe es er­lebt, daß eine ganze Gemeinde bei einer solchen Gelegen­heit eine ganze Woche lang nicht aus dem Saufen h e r a u s g e k o m in e n ist, und das Resultat war, daß der Jude das Gut mit mehreren hundert Mark Profit losgeschlagen hatte. Ein anderer hatte auf diese Weise durch den S ch n a p s einen Gewinn von 6000 Mk. aus einem einzigen Gut erzielt. Nun dem Juden ist's nicht übel zu nehmen, wenn er diesen Ge­winn einsteckt, den Christen aber muß man zurufen: Es geschieht euch recht, ihr habts nicht besser verdient!" Möchten es doch alle Gemeinden so machen, wie jene Gemeinde B. Da hatte ein Jude, der als Halsabschneider bekannt war, ein größeres Gut aus der Hand getauft, welches er nun vereinzeln wollte. Der Termin kommt heran, die üblichen Schnaps­flaschen find angefahren, die Bauern des Dorfes sind zahlreich erschienen. Das Ausbieten beginnt aber siehe da, es herrscht tiefe Stille, kein einziges Gebot wird gethan. Woher kam's? Der Bürger­meister hatte mehrere Tage vorher die Gemeinde zu- fammenberufeu und man hatte einstim m i g den Beschluß gefaßt, den Termin zwar so zahlreich wie möglich zu besuchen, aber kein Gebot zu thun, eine beneidenswerthe Einmüthigkeit, die man leider nicht in jeder Gemeinde findet. Der Jude mußte ab­ziehen und war froh, als er endlich sein Gut wieder aus der Hand an einen wohlhabenden Bauer mit einem Verlust von einigen tausend Mark verkaufen konnte. Ihr Gemeinden, wenn bei euch dieser Fall vorkommt, dann gehet hin und thuet desgleichen!

S e ch st e r Rath. Ihr Bauern, wenn es euch irgendwelche Schwierigkeiten macht, die vorhandenen Kreissparkassen im gegebenen Falle zum Borgen von Geld zu benutzen, dann gründet Ra if f e.is ens che D a r l e h n s k a s s e n , genannt nach dem edlen Bauern- frennde, dem Bürgermeister Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der einer Bürgermeisterei von 33 Ort­schaften in dem armen Westerwald viele Jahre lang vorgestanden hat und der durch seine Darlehnskassen schon viele Gemeinden aus den Händen der Wucherer gerettet und ihnen zu einem gewissen Wohlstand ver- halfen hat. Die Gründung einer solchen Casse macht

durchaus keine Schwierigkeit, die Verwaltung ist eine verhältnißmäßig einfache und leichte, weil der Verein jedesmal nur Eine Gemeinde, oder höchstens Ein Kirchspiel umfaßt. In Niederhessen nehmen diese Vereine immer mehr zu an Ausdehnung und entfalten dort eine durchaus segensreiche Wirksamkeit. Auf das Einzelne kann ich jetzt hier nicht näher eingehen, aber ich rathe euch:Wendet euch an euere Pfarrer und Lehrer, die gewiß gerne die Sache in die Hand nehmen werden," und zu dem Ende erlaube ich mir meine Herrn Kollegen und die Herrn Lehrer hinzuweisen auf einen überaus instruktiven und fesselnden Artikel über die Raiffeisen'schen Darlehnskassen von Pastor Wuttig in der letzten Nummer desDaheim", worin auch in einer Anmerkung die einschlägige Literatur angegeben wird.

Siebenter Rath:Ihr liebenLeute macht euch frei aus den Händen der Juden und wenn ihr frei seid, dann bewahrt euch diese Freiheit!" Und fragt ihr:Wie mag solches zugehen?" so lautet die Antwort:Wenn ihr die vor­hergehenden sechs Rathschläge treu befolgt."

Es ließe sich ja nun über dieRevision" unserer Stellung zu den Juden in socialer Hinsicht noch manches sagen, aber das Angeführte wird für unsere ländlichen Verhältnisse genügen, und wenn nur hie und da ein Bauer sich dadurch veranlaßt fühlte, seine Stellung zu diesem oder jenem Juden einer gründ­lichen ,,Revisio n" zu unterziehen und sich mehr und mehr aus seiner Gewalt zu befreien, so wäre schon viel damit erreicht.

Daß denjenigen Juden, welche hier hauptsächlich in Betracht kommen, den Wucherjuden, diese meine Ab­handlungen nicht behagen, liegt auf der Hand. Das hat mir auch ein anonymer Brief bezeugt, den mir offenbar ein solcher Wucherjude von hier geschrieben hat und dessen Empfang ich ihm hiermit zu bescheinigen mich gedrungen fühle. Ich erwarte mit Sehnsucht noch mehrere solcher liebenswürdigen Zeugnisse der Aner­kennung. Denn als solche betrachte ich sie und sie sind mir eine rechte Freude. Beweisen sie mir doch, daß mancher sich schwer getroffen fühlt, was ja immer der Anfang zur Besserung ist, und daß ich mit diesen Auseinandersetzungen einen wunden Fleck in unserem socialen Leben getroffen habe, auf den ja anderwärts schon vielfach hingewiesen, der aber hier zu Lande vielleicht noch nicht in dieser Weise öffentlich besprochen worden ist. Nur das Eine Schmerzliche haben solche namenlose Zu­schriften für mich, daß ich mich nun auch der Meinung anschließen muß, die ich schon oft habe aussprechen hören, daß es nämlich eine Sorte von Juden giebt, bei denen Feigheit und Frechheit aufs Innigste vereinigt sind. Ich glaube dem guten Manne keinen besseren Gegendienst für seine Liebenswürdigkeit leisten und den lieben Lesern keinen besseren Beweis zu der zuletzt ausgesprochenen allgemeinen Ansicht geben zu können, als wenn ich hiermit den Brief der Oeffentlich- kcit übergebe. Er lautet ober also:Schwind- süchtiger Hund, gönne doch den Juden die Luft, die Du so nöthig hätte st." Wer wollte es leugnen, daß diese Zeilen die beste Empfehlung für meine Abhandlungen, aber auch zugleich eine aus- gezeichnete Empfehlung für den betreffenden Mann und serucsgleichen sind?"

(Schluß folgt.)

Verein gegen Wucher.

Der junge Verein ist ni langsamer aber kräftiger Entwickelung begriffen. Die Anzahl der Mitglieder ist eine stets wachsende. Sie deläuft sich jetzt auf diestatl- liche Zahl von 231, die sich auf die einzelnen Kreise des Regierungsbezirk vertheilen, wie folgt: Gelnhausen 1, Witzenhausen 1, Schmalkalden 1, Melsuugen 2, Fritz- lar 3, Wolfhagen 3, Eschwege 4. Fulda 4, Hünfelo 8, Hiegenhain 13, Cassel 15, Hanau 18, Hersfeld 23, Hof- geismar 31, Rotenburg 45, Marburg 59. Die den Wucher verfolgende Thätigkeit des Vereins konnte bis jetzt nur eine geringe sein, da verhältnißmäßig wenige Anzeigen einliefen, von denen auch bei der Schlauheit der Wucherer blos eine der Königl. Staatsanwaltschaft zur Verfolgung übergeben werden konnte. Neuerdings