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Luther konnte als ein guter, ernster Christ die Juden­verfolgungen nicht gutheißen, sowenig als er die Be­drückungen der Bauern seitens derHerrn" billigen konnte, aber ebensowenig war Luther blind gegen so manches Unheil, das auch damals schon von Juden ausging, wie er auch nicht blind war gegen das Unheil, welches die Bauern mit ihren übertriebenen Forderungen und mit ihrer rohen Gewaltthätigkeit anrichteten. Daher erklären sich die Ausfplüche eines Luthers, die bald zu Gunsten der einen, bald zu Gunsten der anderen Partei lauteten, und mit deren Anziehung man also vorsichtig sein sollte.

(Fortsetzung folgt.)

gemachte Leistung als die größte Kraftentfaltung ansehen, deren ein Mensch in normalem Zustande nur fähig sein kann. Es sei noch bemerkt, daß der Geselle nach dem Austrag der Wette seine Arbeiten weiter verrichtete.

8. Schlächtern, 14. Mai. Der Kreisausschuß hat für den Kreis Schlüchtern 4 Revisoren bestellt, welche in der Zeit von Mitte Mai bis Ende Juni alle Apfel- bäume zu untersuchen und über das etwaige Vorhanden­sein der Blutlaus Bericht zu erstatten haben. Die Blutlaus ist der gefährlichste Feind des Apfelbaumes. Man findet sie vornehmlich an den Sommertrieben und in allen Wundstellen z. B. in Frostspalten, Rinden- sprüngen, Krebsstellen, sowie an Fraßstellen von Mäusen und Engerlingen am Wurzelhalse. Die von der Blut­laus angestochene Stelle schwillt alsbald an und es entstehen knollige Wülste und Wucherungen, die ihrerseits wieder aufspringen und größere Wunden bilden. Die Blutlaus entzieht nicht nur dem Baume den Saft durch Saugen, sondern die durch sie hervorgerufenen Wülste schwächen den Baum auf das Empfindlichste und machen ihn unfruchtbar. Der Baumbesitzer merke sich folgendes Erkennungszeichen: Wo man auf der Borke des Stammes, der Rinde des Wurzel stocks, der Aeste und Zweige des Apfelbaumes einen, den Schneeflocken ähnlichen, bläulich weißen Flaum w a h r n i m m t, k a n n m a n s i ch e r s e i n, d aruuter die Blutl äuse selbst oder die Spuren ihrer zerstörenden Thätigkeit vor zufinden. Die Blutlaus hat ihren Namen wegen der Eigenschaft, beim Zerdrücken blutroth zu färben.

Nach Rud. Falb's Kalender der kritischen Tage für das Jahr 1889 wäre der heutige 15. Mai ein solch' kritischer Tag ersten Ranges.

Für viele unserer Leser wird es von Interesse sein, über die in diesem Jahre bevorstehenden militärischen Uebungen Zuverlässiges zu erfahren. Es üben die Lehrer aus den Jahrgängen 1882 bis 1885 zur Zeit der Herbst- ferien vom 23. Sept. ab, alle früheren Einjährig-Frei­willigen der Infanterie vomJahre 1882 ab vom 27. Mai bis 20. Juli und bezw. vom 29. Juli bis 22. Sept. Die Garde-Jäger vom 20 Mai ab 56 Tage, die Provinzial- Jäger vom 27. Mai bis 20. Juli, die Geistlichen be­hufs Ausbildung im Sanitätsdienst vom 1. bis 28. Juni, und sämmtliche frühere Einjährig-Freiwilligen von der Artillerie vom 6. Juni bis 31. Juli.

Ueber Detailreisende und Hausirer hört man immer wieder neue Klagen, und zwar nicht blos von Kaufleuten sondern auch von der ländlichen Bevölkerung. Im Hildesheim'schen wird der Hausirhandel, namentlich von einzelnen jüdischen Geschäften, in der Weise betrieben, daß sie mehrere junge Leute in den Dörfern umhersenden, um alle möglichen Käufe und Verkäufe, Tausch- und Geldgeschäfte in jeder Form zu machen. Am meisten herrscht dieses Unwesen im Kreise Göttingen, welcher eit einiger Zeit von denselben Personen heimgesucht wird, welche die benachbarten Gegenden Kurhessens gründ­lich durch Wucher ausgeplündert haben.

(Paßkarten.) Wir machen bei Beginn der Reise- aison auf die Nützlichkeit, ja Nothwendigkeit, der auf )en Polizeibureaus erhältlichen Paßkarten aufmerksam, wenn man sich unter Umständen nicht großen Unan­nehmlichkeiten aussetzen will. Insbesondere gilt dies für die nach Frankreich Reisenden, da Jeder, ob Fran­zose oder Deutscher, bei der Rückkehr über die Reichs- laude im Besitze eines Passes sein muß. Auch gelten die Paßkarten allein als Legitimation der Post gegen­über bei Abholung von Briefen, Werthsachen rc.

* Steinau, 12. Mai. Heute Morgen verließ unser seitheriger zweiter Pfarrer Herr August Kaiser unsre Stadt, um seine neue Stellung als Director des evan­gelischen Stiftes zu Sanct Martin in Koblenz anzutreten. Das Scheiden dieses vortrefflichen Mannes wird hier allgemein schmerzlich empfunden, und es fehlte daher nicht an Zeichen der Anerkennung, der Liebe und Ver­ehrung, wie sie hier in gleichem Maße noch selten einem scheidenden Beamten zu Theil geworden sind. Als er am vergangenen Sonntag zum letzten Mal die hiesige Kanzel betrat, war die Kirche bis zum letzten Platz gefüllt, und als er dann in einer herrlichen Rede, welcher er das BibelwortWir haben hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suchen wir" zu Grunde gelegt hatte, von seiner Gemeinde mit von Herzen kommenden uud zu Herzen gehenden Worten Abschied nahm, da blieb fast kein Auge thränenleer. Am vergangenen Dienstag fand zu Ehren des Scheidenden im Halb- reiter'schen Saale ein Abendessen statt, an welchem sich etwa sechzig Personen betheiligten. In einer Reihe von Toasten, auf welche der Gefeierte in ebenso be­scheidener als herzlicher Weise erwiderte, wurde seiner Verdienste als Prediger und Seelsorger und als Rector der hiesigen Schule sowie seiner Eigenschaften als hülf- reicher Tröster der Armen, als eifriger Patriot, als biederer Freund und liebenswürdiger Gesellschafter rühmend gedacht, und dem Bedauern, welches sein Scheiden verursacht, und den Wünschen für sein ferneres Wohlergehen wiederholt Ausdruck gegeben. Am darauf folgenden Donnerstag brächte ihm der hiesige Gesang­verein eine Serenade, uud heute Morgen gab ihm eine große Anzahl von Freunden das Geleite nach dem Bahnhof. Möge auch in seinem neuen Berufskreise sein Wirken ein gesegnetes sein, und ihm die Anerkennung

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Mai. Das Ministerium beabsichtigt den kleinen Belagerungszustand im Streikgebiet zu verhängen.

Ein Geburtstagsgeschenk unseres jungen Kron­prinzen ist sein erstes Reitpferd gewesen: ein Pony, das dem angehenden kleinen Ritter und Reiter von seiner Urgroßmutter, Kaiserin Augusta zum Geschenk gemacht worden ist.

Die Streikluft greift weiter um sich. Dieser Tage gab es sogar einen Kommis-Streik in einer hiesigen großen Bank. Die Angestellten derselben be­schlossen, die Arbeitniederzulegen", wenn nicht gewisse Concessionen gemacht würden. Es fanden daraufhin Verhandlungen statt, die zur Folge hatten, daß die Direktion und die Beamten auf gütlichem Wege sich einigten. Die Streikbewegung dehnt sich übrigens all­mählich über zahlreiche größere Städte Deutschlands und die meisten Gewerbe aus. Abgesehen von Berlin streiken die Maurer in Stettin und Halle, die Töpfer in München. In vielen anderen Orten sind partielle und totale Arbeitseinstellungen im Gange. Einzig da­stehend ist wohl der Streik der Todtengräder in Hamburg auf dem Zentral-Friedhof.

Mainz, 8. Mai. 50,000 Centner Scheitholz werden gegenwärtig unter Begleitung von preußischen Forst­beamten als eiserner Bestand für die Garnison hier eingefahren.

Gießen, 6. Mai. In der Strafkammersitzung des Großherzoglichen Landgerichts vom 3. d. M. wurde Stud. Emmerich dshier wegen Vollzugs eines Pistolen- duells mit einem hiesigen Offizier, wobei Letzterer einen Streifschuß im Arm erhalten hatte, in eine Festungs­strafe von vier Monaten, Stud. Springmayer, der als Kartellträger fungirt hatte, in einen Tag Festung ver- urtheilt. Der Offizier wird vom Militärgericht ab- geurtheilt.

Münster, 11. Mai. Der Westfäl. Merkur meldet: Die Verhängung des Belagerungszustandes ist vorläufig nicht beabsichtigt, da an zuständiger Stelle die Bewegung im Kohlengebiet noch nicht als Aufruhr betrachtet wird."

Bad Lauchstadt, 6. Mai. Ein empörender Vorfall hält hier und in der Umgegend die Gemüther in Auf­regung. In dem benachbarten Dorfe Netschkau erschien in dem Hause des Bauerngutsbesitzers Günther ein Mensch von der Sorte der falschenarmen Reisenden" und fragte nach dem Hausherrn. Die allein anwesende Frau Günther antwortete ihm, daß der Herr auf dem Felde, also nicht daheim sei. Hierauf bat der Fremde um ein Glas Wasser. Bereitwillig stieg die Frau die Treppe hinunter, um an dem vor dem Hause befindlichen Brunnen ein GlaS Wasser zu holen. Noch bevor sie jedoch die unterste Stufe der Treppe erreicht hatte, warf ihr der ihr gefolgte Strolch von hinterrücks einen Strick mit einer Schlinge über den Kopf, zog an und suchte nun die Frau, eine schwächliche Person, die Treppe hinauf zu ziehen. Auf das Geschrei der Aermsten kam ihre Mutter herbei. Kaum hatte der Unmensch die alte Frau erblickt, als er sein erstes Opfer losließ, über die Alte herfiel und sie in eine ebenfalls vor dem Hause befindliche Jauchengrube warf. Mit aller Kraft drückte er die alte Frau in die ekle Flüssigkeit hinein, um sich dann wieder der Frau Günther zuzuwenden. Inzwischen /war aber die Nachbarschaft aufmerksam geworden. Die zur Feld­arbeit abwesenden Männer waren herbeigerufen worden, so daß der Verbrecher sein Heil in der Flucht suchen mußte. Er wurde jedoch verfolgt und auch sehr bald eingeholt. Nach einem gründlichen Akt der Lynchjustiz band man ihn an Händen und Füßen und brächte ihn einstweilen in einen sicheren Raum, den sogenannten Ziegelstall, um ihn später nach Merseburg zu transpor- tiren. Als man ihn heute Nachmittag zu diesem Zweck abholen wollte, fand man ihn als Leiche. Es war ihm gelungen seine Bande etwas zu lockern und sich zu er­drosseln. Ueber die Persönlichkeit des Verbrechers hat bis jetzt nichts festgestellt werden können.

Tagcs-Ereignisse.

Schlächtern. Am gestrigen Tage kam in Voll merz eine eminente Kraftanstrengung betreffende Wette zum Austrag. Der 22 Jahre alte Geselle Joseph Döring bei Bäcker (und Wirth) Heinrich Freund belud in der Behausung seines Meisters eine Schiebkarre mit 3 Sack 6 Centner Mehl und brächte diese Fuhre nach dem Hause des Kaufmanns Löbenberg und von da wieder zurück nach der Behausung Freund. Jeder, der mit der bergigen Lage von Vollmerz bekannt ist, muß die

und Liebe zu Theil werden, welche er sich hier in so hohem Grade erworben hat.

Romsthal, 9. Mai. Der Bauer Bernardus Gaul von Katholisch Willenroth, welcher seit gestern früh von zu Hause abwesend, fand man heute als Leiche im be­nachbarten Walde. Er hatte seinem Leben durch Er­hängen ein Ende gemacht. Die Motive zu dieser unseligen That sind bis jetzt nicht bekannt. Gaul stand noch im besten Mannesalter und hinterläßt eine Frau und 5 Kinder.

Der Lehrer Gottlieb Ritzel von Katholisch Willen­roth wurde vom 1. l. M. ab nach Horas (Kreis Fulda) versetzt.

Vom Vogelsberg. Der Touristenverkehr ist in diesem Jahre schon ein ganz enormer. Der herrliche Mai lockt die Freunde der Natur herauf auf unsere schönen Berge, um ihnen zu zeigen, daß er diesmal seinem Namen alle Ehre gemacht. Auf dem Taufstein, dem Hoherodskopf und der Hergenhainerhöhe sind jetzt täglich Fremde zu finden.

Aus dem Kreise. Der Maikäfer scheint wieder ein­mal seine Herrschaft behaupten zu wollen. Alle Bäume und Sträucher sind voll dieser braunen Gesellen und ihr Zerstörungswerk geht lustig vorwärts. Abends wird man draußen von diesen Laubfressern geradezu um= schwärmt und kommt man heim, so merkt man, daß eine ganze Anzahl der munteren Thiere sich haben ins Haus tragen lassen. Der Landmann sagt:Maikäferjahr gutes Jahr!" Möge der Satz sich bewahrheiten!

Fulda, 10. Mai. In der Prozeßsache des Landraths Krekeler zu Gersfeld gegen die Redaktion derFuldaer Zeitung" ist, wie dieFuld. Ztg." meldet, nun endlich doch auf Antrag der königl. Staatsanwaltschaft Termin zur Eröffnung des Hauptverfahrens auf den 7. Juui d. I., Vormittags 9l/2 Uhr, vor die Strafkammer des hiesigen königl. Amtsgerichts anbcraumt worden. Auf den Ausgang dieses Prozesses ist man in weiten Kreisen sehr gespannt.

Hersfeld, 10. Mai. Einem hiesigen Herrn war vor einigen Tagen ein Jagdhund abhanden gekommen, ein sehr schönes Thier, für welches seinem Besitzer schon 150 Mark geboten worden waren. Angestellte Nach­forschungen legten die Vermuthung nahe, das der Hund geschlachtet worden sei, und da ein Mann, ein bekannter Hunde-Esser, beobachtet worden war, wie er den Hund an sich lockte, mürbe der Polizei von dem Verdachte Mittheilung gemacht. Eine sofort angestellte Haussuchung förderte denn auch die letzten Ueberreste des Hundes zu Tage, die eben der Familie des Mannes zum Nacht­schmaus dienen sollten. (H. Z)

9. Mai. DieHersf. Ztg." schreibt: Es bürste, interessiren zu erfahren, daß Schloß Meyerling in den Jahren 1862 bis 64 im Besitze eines Hersfelders Namens Koch war, von dem es Graf Leiningeu kaufte, um es wesentlich zu vergrößern. Später ging das Schloß in den Besitz des Kronprinzen Rudolf über. In Willings- hain ereignete sich ein schrecklicher Unglücksfall. Bei einem Neubau waren verschiedene Leute mit den Erd­arbeiten beschäftigt, als plötzlich eine Erdwand cinstürzte und zwei Männer unter sich begrub. Es wurde sofort mit dem Ausgraben derselben begonnen, doch war der eine bereits todt und der andere so schwer verletzt, daß es wohl nicht möglich wird, ihn am L-wen zu erhalten.

In Heiligenrode schlug der Blitz gestern Nachmittag 5 Uhr in eine auf dem Felde weidende Schafheerde und tödtete 12 Stück davon.

Eschwcgc, 10. Mai. Gestern Abend fand im Saale des Herrn O. Brill eine Versammlung statt, welche den Zweck hatte, gegen die Einführung des neuen Gesang­buches Widerspruch zu erheben. Die Gründe, welche gegen dasselbe geltend gemacht wurden, waren zunächst formaler Natur, da das neue Gesangbuch nur wenige» der Versammelten bis jetzt bekannt geworden war, über den Inhalt also ein Urtheil sich nicht'hatte bilden können, und betrafen wie es schien vorzugsweise den Kostenpunkt. Es wurde eine Kommission gewählt, welche das neue Gesangbuch auch auf seinen Inhalt prüfen und das Ergebniß ihrer Berathungen einer neuen Versammlung vorlegen soll.

Niederweimar (Kreis Marburg), 10. Mai. Infolge eines überaus üppigen Wachsthums ist in hiesiger Feld­gemarkung bereits ein stellenweises Legen der Halmfrucht zu beobachten.

Ausland.

Zanzibar, 9. Mai. Hauptmann Wißmann hat gestern mit 700 Schwarzen, unterstützt von 200 Marine-Mann­schaften, das befestigte Lager Buschiri's gestürmt. Bu- schiri selbst ist entkommen, seine Truppe von 600 Mann ist versprengt, achtzig getödtet, 20 gefangen. Lieute­nant z. S. Schelle (Schwalbe") und Matrose poetle (Leipzig") sind gefallen. Von der Wißmanuschen Truppe find Feldwebel Peter und 40 Schwarze todt, Hauptmann Richelmann, Proviantmeister JUich und Stabsarzt Schmelzkopf leicht verwundet.

Küchenfee vom Lande (die von der Haus­frau angewiesen ist, die Gäste beim Reichen der Rebhühner zu nöthigen) zu einer jungen Dame:Na, Fräulein, so'n kleines Vieh werden Sie doch 'nunterbringen'"