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Siebert in Niederzwehren zur Welt. Das merkwürdige junge Thier ist sonst wohl gestaltet, nur befindet sich an jedem der beiden Köpfe blos ein Ohr.

Die vor Kurzem zu London im Alter von 86 Jahren verstorbene Herzogin von Cambridge war be­kanntlich die Tochter des Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen (Großvater des letztverstorbenen Kurfürsten), an dessen Person sich die in den verschiedensten Variationen erzählte Legende vom Ursprung des Vermögens der Familie Rothschild knüpft. Im PariserFigaro" stellt Alexander Weill, der genaue Kenner dieser Verhältnisse, die Geschichte so dar, daß der Kürfürst von Hessen, als er im Jahre 1806 vor Napoleon flüchtete, dank der Vorsicht seinesHofagenten" Mayer Rothschild, schon einen guten Theil seines Vermögens bei dem seit 1802 in London etablirten Nathan, dem dritten Sohne Mayer Rothschilds, in englischen Papieren angelegt hatte, während er den Rest seinem Hofagenten, dem alten Rothschild, übergab.' Dieser verwahrte das Geld nicht in Fässern, wie die Legende behauptet, sondern schickte dasselbe sofort an seinen Sohn nach London. Als der Kurfürst in sein Land zurückkehrte, versammelten sich die Söhne Rothschilds, um ihm sein Geld und die Zinsen zurückzugeben, welch letztere der Kurfürst nicht annahm. Zur besonderen Belohnung erhielt der alte Rothschild den TitelOberhosagent" und Nathan Roth­schild die Weine und feine Wäsche des Kurfürsten. Die Mitgift der im Jahre 1818 verheiratheten Herzo­gin von Cambridge wurde ebenfalls von Nathan Roth­schild erlegt.

31. April. In der Aue wurde gestern Nachmittag ein älterer Mann, welcher sich mittels eines Strickes an einem Baum erhängen wollte, von Hinzukommenden hieran gehindert, worauf sich der Lebensmüde mit den Worten:Diesmal war es Nichts" rasch entfernt haben soll.

1. Mai. Das erste Gewitter zog gestern Abend mit starkem Donner und Blitz und heftigen Regen­güssen, welche auch einen großen Theil der Nacht über anhielten, über unsere Stadt hin. Heute ist wieder das herrlichste Frühlingswetter.

1. Mai. Polnische Arbeiter. Mit dem seit vorigen Herbste neu eingeführten Zuge der Halle-Kasseler Bahn, welcher beiläufig bemerkt, fast Tag für Tag stark besetzt hier anlangt, trafen vorgestern Abend mehrere Arbeiter aus dem Polnischen (Männer, Frauen und Kin­der) hier ein, um mit dem nächsten Zuge der Main- Weser Bahn nach dem Süden weiter zu reisen, wo sie in dem Großherzogthum Hessen, der Frankfurter Gegend rr. Beschäftigung in den Zuckerfabriken und auf den Oekonomieen erhalten werden.

Marburg, 29. April. Ein aus früheren Schülern undAerzten des diesseitigen Regierungsbezirks zusammen­getretenes Komitee beabsichtigte zum fünfzigjährigen Dok­torjubiläum des Herrn Geh. Rath Roser eine Marmor­büste des hochverehrten Mannes zu stiften und dieselbe in der chirurgischen Klinik der Universität aufzustcllen. Der Tod Rosers kurz vor dem Jubi­läumstage konnte diesen Plan nicht zur Ausführung kommen lassen. Inzwischen hat das erwähnte Komitee die Anfertigung einer Büste Rosers infolge eines Aufrufs an die Aerzte unseres Regierungsbezirks ermöglicht. Dieselbe ist von Professor Hassenpflug in Kassel nun­mehr vollendet und in Kassel bereits ausgefüllt worden. Die Aufstellung in hiesiger chirurgischer Klinik, der lang­jährigen Stätte von Rosers Wirksamkeit als Lehrer wie als Operateur, wird in Kürze erfolgen.

Marburg, 30. April. Um einem langgefühlten Be- dürfnisse Rechnung zu tragen, beabsichtigt der hiesige Zweigverein des vaterländischen Frauenvereins in hie­siger Stadt eine Haushaltungsschule zu errichten, in welcher jungen Mädchen Gelegenheit geboten werden soll, die Führung einer kleinen Hauswirthschaft, nament­lich aber einer kleinbürgerlichen Küche gründlich kennen zu lernen und praktisch zu üben. Wir halten uns überzeugt, daß das Vorgehen des Vereins nach dieser Richtung hin ein wohlwollendes Entgegenkommen in allen Kreisen unserer Einwohnerschaft finden wird, ist es doch gerade die mangelnde Fähigkeit eines Theiles unserer Arbeiterfrauen, mit wenigen Mitteln den Haushalt zu bestreiten und den von der Arbeit ermüdeten Männern ein einfaches, aber sauber zubereitetes wohlschmeckendes und nahrhaftes Essen vorsetzen zu können, welche letzteren in vielen Fällen das häusliche Leben verleidet und einen Hang zum Wirthshaus entstehen läßt, der in seinen Folgen nicht nur den Mann allein, sondern dessen ganze Familie dem Ruin entgegenführt. Einen weiteren Vortheil wird diese Haushaltungsschule auch dadurch bieten, daß die in derselben zubereiteten Speisen gegen eine ge­ringe Vergütung an unbemittelte Personen abgegeben werden.

Vom Rhöngebiete, 23. April. Aus dem in Stadt­lengsfeld (Sachsen-Weimar) gelegenen von Boyneburgi- schen Schlosse (der Besitzer war früher Präsident des Herrenhauses) waren in der Nacht vom 17. zum 18. Februar L I., während die Bewohner desselben sich auf einem Maskenbälle in einer zum Schlosse gehörigen anderen Gebäulichkeit befanden, mit erstaunlichem Raffine­ment und großer Verwegenheit verschiedene kostbare, nach ihrem Afsektswerthe geradezu unersetzlichen Rari­täten, u. A. sämmtliche, aus verschiedenen Jahrhunderten

gesammelten Hirschgeweihe gestohlen worden. Damals sollte ein der That dringend verdächtiger berüchtigter und schon steckbrieflich verfolgter Dieb und Wildschütze Namens Klotzbach verhaftet werden, entkam jedoch nachdem er den damit beauftragten Gendarmen lebensgefährlich verletzt hatte, und blieb seitdem verschwunden, weshalb man im Publikum glaubte, er sei nach Amerika ent­kommen. Die Behörden verunstalteten inzwischen förm­liche Streifzüge nach ihm, bis man ihn endlich am 18. d. M. im Taubenschlag (!) der Abdeckerei in Vacha entdeckte, wo er nach verzweifelter Gegenwehr, bei welcher er u. A. einen geladenen sechSläufigen Revolver hervorzog, jedoch nicht zum Schusse kam, überwältigt und dingfest gemacht wurde.

Ausland.

Haag, 30. April. In der heutigen Sitzung der Generalstaaten erklärte der Ministerpräsident, die Ge­sundheit des Königs habe sich seit dem 7. April derart gebessert, daß der Ministerrath auf Grund der An­weisungen der Aerzte und in Uebereinstimmung mit dem Staatsrathe der Ansicht sei, daß der König selbst die Regierungsgeschäfte wieder übernehmen könne, zumal eine heutige Depesche aus Loo besage, daß die Besserung des Königs von Tag zu Tag fortschreite. DerVorschlag der Regierung wurde in die Abtheilungen verwiesen.

Auf Schloß Heinrichswaldau.

Von Martba Eitner.

Berf. von3m Mai des Lebens»

(Fortsetzung.)

Nichts, Tante Marianne," beruhigte ich sie,das Frühjahr wirkt ermattend auf mich. Ich werde Ihnen aber alles berichten, auch ob Herr von Ingen wieder irgend etwas an mir auszusetzen hat."

Sie drohte mir lächelnd:Kinder, wann werdet Ihr Euch nur endlich vertragen?"

Wenn ich genug Demuth werde erlernt haben," er­widerte ich leise,aber ich hoffe, daß ich auf dem Wege dazu bin."

O ja wohl! Gott hat seine eigenen Führungen, die stolzen Herzen klein und demüthig zu machen. Wenn es nur nicht gar so schwer wäre, gar so viel Hcrzweh kostete!

Der elegante, leichte Wagen stand bereits unserer harrend vor dem Schlosse. Muthig stampften die Pferde den Kiesboden. Es waren prachtvolle Rappen. Mit Silber verziertes Zaumzeug schmückte die edelen Thiere. Der Kutscher saß stolz auf dem Bock. Nebenbei standen die Reitpferde der Herren, ein Paar Füchse, die bereits ungeduldig über die Verzögerung waren und die schönen Köpfe in die Höhe warfen.

Wir alle standen noch in Bewunderung versunken. Frau v. B. wich ängstlich zurück, als die Rappen eine heftige Bewegung machten.

Herr von Ingen lächelte und wandte sich spottend zu mir:Die zarten Nerven der Damen ertragen es nicht, wenn ein Pferd sich rührt. Sie sind doch natürlich auch sehr furchtsam?"

Was ich jetzt that, hätte ich vielleicht lieber sollen bleiben lassen. Schnelles Handeln verdrängt aber bei uns sehr ruhiges Ueberlegen.

Ich schwieg ganz still, sah den Spötter nur einen Augenblick sehr ruhig an. Dann schwang ich mich mit Leichtigkeit auf den hohen Bock, nahm dem Kutscher die Zügel aus der Hand, und im schnellsten Tempo ließ ich die schönen Thiere davonjagen in dem großen Gang des Parkes. Ich kannte ja keine Furcht, es war sogar mein höchstes Vergnügen, die Zügel in der Hand zu haben und die muthigen Thiere zu leiten. Mein lieber Papa hatte sich eine Zeitlang Equipage gehalten. Es gereichte ihm zur Freude, daß mir das Fahren so viel Vergnügen machte.

Ich wendete sehr bald wieder um und brächte die Pferde an demselben Punkte zu stehen, von dem wir ausgefahren waren, gab dem Kutscher die Zügel zurück und sprang von meinem hohen Standpunkt herunter.

Ohne eine Wort zu sagen, stellte ich mich neben Frau v. B. Ihr Mann kam lachend auf mich zu und sagte: Bravo, Fräulein Arnold, Sie haben sich unsere voll­ständige Bewunderung errungen."

Herr von Ingen bemerkte:Eine feine Havannah zwischen den zarten Lippen hätte das Bild noch voll­kommener gemacht."

Die Worte thaten mir weh. Ich war zu rasch ge­wesen, aber etwas Unschickliches hatte ich nicht begangen. Fast traurig fragte ich ihn:Muß denn Furchtlosigkeit sofort in Unweiblichkeit ausarten? Mein Vater hat nie etwas Unpassendes darin gefunden."

Er schien erstaunt, daß ich so ruhig blieb und seine Bemerkung that ihm wohl leid.

Es war nicht bös gemeint," sagte er sehr freundlich, und ich bitte Sie nun sogar, das Begonnene fortzu- setzen und jetzt während der ganzen Fahrt die Zügel wieder zu übernehmen. Ich vertraue Ihnen nach dieser Probe Schwester und Kinder ohne Sorgen an, und im Nothfall ist ja Heinrich da."

Frau von B. hatte bereits ihren Platz auf dem niedrigeren Sitz eingenommen und lächelte mir auf- munternd zu.

Ich schüttelte den Kopf und entgegnete:Nein, ich thue es nicht mehr, ich will nicht noch einmal Anlaß zu falschen Auffassungen und Urtheilen geben." Ich setzte mich neben Frau von B., Adele nahmen wir zwischen uns, Erwin hatte seinen Platz auf Mamas Schoß, Elfe ihren auf dem ineinigen. Fort eilten die Rappen mit uns in scharfem Trabe durch den Hof, das Dorf entlang.

Die Herren ritten dicht hinter uns. Bemerkungen flogen hin und her, Elfe jubelte vergnügt dem Papa zu, wenn er plötzlich dem Pferde die Sporen gab und dicht an unseren Wagen herankam.

Ich mußte mich zwingen zum Lächeln. Was war's denn eigentlich mit mir? Was lag denn eigentlich in meinem Wesen und Benehmen? Wodurch reizte ich denn Herrn von Ingen immer und immer wieder zu unfreundlichen und spöttischen Bemerkungeu.

Doch da waren wir schon in Thalbergen. Mitten im Park erhob sich das große, mächtige Schloß. Wir sahen es durch die Bäume schimmern, als wir in den Hof hineinfuhren.

Dort machten wir Halt. Auf einen Wink Herrn von Jagens eilten zwei Männer herbei, die Sorge für die Reitpferde zu übernehmen. Herr von B. half seiner Frau beim Aussteigen und nahm den kleinen Erwin auf den Arm. Adele kletterte muthig selbst herunter.

Wollen Sie mir Elschen geben?" erklang Herrn von Jngen's Stimme neben mir. Ich hatte ihn nicht bemerkt, da meine ganze Aufmerksamkeit auf die andere Seite gerichtet war. Schweigend übergab ich ihm das Kind, sprang hastig aus dem Wagen, damit er nicht erst in die Verlegenheit kam, mir seine Hülfe anbitten zu müssen. Wir schritten durch ein alterthümliches Thor und schlugen den Weg nach dem Schlosse ein. Schloß und Park sind von dem Hofe durch eine Mauer getrennt. Ueberall waren Arbeiter angestellt; die Gänge unter den hohen Bäumen gesäubert. Es war ja alles verwildert, jahrelang hatte sich niemand darum ge­kümmert.

Mit Stolz und Befriedigung wies Herr von Ingen auf alles bereits vollendeten Verbesserungen. Im Schlosse selbst wieder reges Schaffen und Treiben! Man war schon weit vorgeschritten, die Parterre-Räume harrten der Bekleidung ihrer kahlen Wände.

Hier unten," erklärte Herr von Ingen,sind die Gesellschaflsräume, schon um des großen Saales willen, der in der Mitte liegt. Oben aber kommen all die kleinen freundlichen Zimmer, in denen man sich so heimisch fühlt. Für diese Räume und ihre Ausstattung erbitte ich mir die Rathschläge der Damen."

Ach ja," entgegnete Frau v. B. fröhllch,da halten wir große Versammlung bei Tante Marianne und jeder von uns muß die Anleitung zu der Einrichtung eines Zimmers geben."

Das ist ja eine köstliche Idee, Elfriede," sagte der Bruder und küßte sie auf den lächelnden Mund.

_____________________(Fortsetzung folgt.)________________

Humoristisches. Mutter:Nun, Käthchen, Du hast Dich ja mit dem Assessor recht lebhaft unterhalten; hat er sich noch nicht erklärt?" Käthchen:So halb und halb. Er hat nämlich beim Rauchen immer Ringe geblasen. Ich glaube ganz sicher, daß er damit auf Ver- lobungsringc anspielen wollte."

Im Interesse Aller, die auf Reinlichkeit halten.

Zacherlin", da» Vorzüglichste gegen alle 3nfccten, ist daS wirksamst, einzig bewährte Mittel zur gründlichen und rapiden Ausrottung des lästigen Ungeziefers und dessen Brüt. Es vernichtet total die Wanzen und Flöhe; es reinigt die Küchen gründlich von der Schwabenbrut; es befreit auf's Schnellste von den Fliegen; es schützt unsere HauSthiere und Pflanzen vor allem Ungeziefer und den daraus folgenden Erkrankungen; eS bewirkt die vollkommene Säuberung von Kopfläusen h., daher empfiehlt es sich vorzugsweise zur Reinigung von Wohn- räumen, Küchen, Stallungen, Gärten, Zimmerpflanzen und Vogel­käfigen und ist für Hotels, Gasthäuser, Wirthschaftsbesitzer, Fell­händler und Kürschner, überhaupt für Jedermann unentbehrlich, der auf Reinlichkeit und Gesundheit hält. Jedes echte Fläschchen Zacherlin- ist mit Schutzmarke und Namen-zugI. Zacher!^ versehen und ist wohl zu unterscheiden vom gewöhnlichen Insekten­pulver, welches offen ausgewogen, in Schachteln, Dosen, nachge- ahmten Flaschen oder sonstiger Verpackung verabreicht wird. Man »erlange daher bei Einkauf ausdrücklichZacherlin» und achte hierbei auf NamenSzugI. Zach er l- und weise auf Täuschung berechnete Nachahmungen entschieden zurück. Im Uebrtgen ver­weisen wir auf die in unserer heutigen Nummer erschienene dies­bezügliche Anzeige.

Marktberichte.

Frankfurt, 29. April. (Produktenbörse.) Weizen, Hies. und Wetteraurr 19,75 99 M. kurhess. 14,75--, Mk., nord­deutsch. 19,80--, Mk., südruff. 21, - 22,-, Mk., ungarisch. 21, -22,25 M. Roggen, Hits. 15-15,50 Mk. Pfälzer 16,25 Mk. ungar.----,-Mk., Gerste, hies. 16,- 16,753»!., fränk. 16,-, -16,50 Mk., Pfälzer 17 -,-17,75 Mk. ungarisch. 18,20 -21- Mk., Hafer, hies. 14,50- - 15,25 Mk. bayerischer 15,50 15,90 Mk. - Alles per 100 Kilo netto effektiv lote hier.

29. April. Der heutige Viehmarkt war mit 379 Ochsen, 17 Bullen, 425 Kühen, Rindern u. Stieren, 319 Kälber», 57 Hämmeln, 18 6 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich r Ochsen 1. Qual. 65 Mk., 2. Qual. 57 M., Bullen 1. Qual. 44 Mk., 2. Qual. 40 Mk , Kühe, Rinder u. Stiere 1. Qual. 57 M. 2. Qual. 50 M. Alles per 100 Pfd. Schlachtgewicht. Kälber I.Qual. 62 Pf., 2 Qual. 54 Pf., Hämmel 1 Qual. 60 Pf., 2. Qual. 45 Pf., Schweine 1. Qual. 58 Pf., 2 Qual. 56 Pf. Alles per 1 Pfund Schlachtgewicht.

Lassel, 1. Mai. Walzen 18,18,25 Mk., Roggen 16-, 16,46 Mk., Gerste, -,--,- Mk., Hafer 14-,-14,50 Mk. Alles per 100 Kilogramm.