und Herbstmonate noch wesentlich höhere Preise cin- treten.
Schlüchteru. Auf dem Markte in Frankfurt a. M. kostet das Pfund Spargel 3 M. 50 Pfg., sodaß man bei einigem Appetit ein kleines Vermögen verzehren kann.
— Uebung der Reserve. Es ist bestimmt worden, daß an den laut Gesetz vom 8. Mai 1887 im Herbste d. I. stattfindenden Uebungen die Reservisten der Infanterie, sowie der Fuß- und Festungsartillerie des Jahrganges 1883 theilnehmen sollen, welche weniger als 3 Jahre aktiv gedient haben, ebenso die desjenigen Jahrganges 1879, welche über 3 Jahre gedient haben.
— Militärpflicht der Bolksschullehrer. Im Anschluß an die Wehrordnung ist zu § 9 bestimmt worden: Die beim Aushebungsgeschäft für tauglich befundenen Volks- schullehrer und Kandidaten des Bolsschulamts sind, soweit sie ihrer Loosnummer nach auf Grund den endgiltig festgestellten Brigade-Ersatzvertheilung zum aktiven Dienst herangezogen werden müssen, grundsätzlich noch zu der in demselben Jahre stattfindenden lOwöchigen Ersatzreserveübung einzuziehen, worauf sie bereits beim Musterungsgeschäfte hinzuweisen sind. Diejenigen Volks- schullehrer und Kandidaten des Volksschulamtes, welche infolge Nachersatz-Geftellungen nach Feststellung der Abschlußnummer am 1. Februar noch vor der Abschluß- nummer stehen geblieben und im 1. oder 2. Militärpflichtjahre ausgehoben sind, rangiren im nächsten Jahre, wie alle übrigen Militärpflichtigen dieser beiden Jahrgänge, die vor der Abschlußnummer stehen geblieben sind, unter den Vorzumerkenden. Hingegen sind diejenigen, welche im 3. Militärpflichtjahre ausgehoben sind und am nächsten 1. Februar vor der Abschlußnummer stehen, zu dieser Zeit gemäß § 73 Abs. 7 der Wehrordnung der Ersatzreserve zu überweisen.
Seligenstadt, 19. April. Am Mainufer dahier werden gegenwärtig bedeutende Quantitäten tannene Eisenbahnschwellen zum Export nach Holland auf größeren Schiffen verladen. Die Schwellen entstammen unseren benachbarten Waldungen und wurden meist von italeni- schen Holzarbeitern geschnitten.
Rotenburg, 18. April. Von den Mitgliedern des Kreistages ist vor zwei Jahren zur Hebung der Obstbaumzucht eine recht anerkenurnswerthe Einrichtung getroffen worden. Der ganze Kreis ist nämlich in eine Anzahl Aufsichtsbezirke eingetheilt und für jeden dieser Bezirke eine mit dem Obstbau bekannte Person bestellt. Diese hat nun jährlich sämmtliche Gemeinden des über- wiesenen Bezirks einmal zu bereisen und sich von dem Stand der Obstbaumzucht zu überzeugen, ferner Anoid- nungen über neue Anpflanzungen zu treffen und am Schlüsse jeden Jahres über die gewonnenen Resultate Bericht zu erstatten. Infolgedessen ist bis jetzt schon in den einzelnen Gemeinden eine große Anzahl Bäume gepflanzt worden, und ist es wünschenswerth, daß man auch fernerhin den Anordnungen der Visi- tatoren willig nachkommt, denn dadurch verschafft sich eine jede Gemeinde eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle. Leider bedroht die Obstbäume eine recht gefährlicher Feind, die Blutlaus. Dieselbe ist in den verflossenen Jahren in den Kreisen Gelnhausen, Hanau :c. bereits aufgetreten, und ist es nicht unwahrscheinlich, daß sie auch aügrenzende Kreise in Mitleidenschaft ziehen wird. Um nun diesem so gefährlichen Feinde wirksam entgegentreten zu können, ist neuerdings von hoher Behörde angeordnet worden, sämmtliche Obstbäume in der Zeit von Mitte Mai bis Ende Juni zu untersuchen. Zu diesem Zwecke haben die oben erwähnten Personen aus jeder Gemeinde ihres Aufsichtsbezirks eine geeignete Persönlichkeit in Vorschlag zu bringen, welche die gewissenhafte Untersuchung aller in ihrer Gemeinde vorhandenen Obstbäume in der gedachten Zeit zu untersuchen und über das Ergebniß der Untersuchung zu berichten haben. (Im Kreise Kassel haben die Ortsvorstände die Revisoren zu bestimmen und hat von letzteren die Revision in Gegenwart der Gendarmen stattzufinden.)
Eschwege, 18. April. Auf dem Hausboden eine# Landwirths in Hetzerode fand man heute ein Eulennest, in welchem zwei schon ziemlich große, lebende Junge lagen. Außerdem erblickte man dicht neben dem Neste in einer Ecke einen ganzen Haufen todter, zum Theil angesressener Mäuse und Ratten, deren Schreiber dieses nicht weniger als 49 Stück zählte. Offenbar war dieser Fleischvorrath von dem alten Eulenpaar für ihre Kleinen hier zusammengebracht worden. Wie oft werden nicht diese armen Thiere als schädlich; Vögel, Störer der Nachtruhe, ja wohl gar als „Todtenvögel" verfolgt und getödtet?! Möchte diese Mittheilung dazu dienen, diesen Irrthum beseitigen zu helfen. (Krbl.)
Stadtoldendorf, 22. April. Ein belustigendes Ereigniß hat sich bei der letzten Kontrolversammlung im Amte Eschershausen in Bremke zugetragen. Unter den Reservisten und Landwehrleuten bewegte sich ein junger Mann nicht minder luftig als diese selber. Doch mit einem Male änderte sich die Lage durch die Da- zwischenkunfl des Gendarmen Palm. Dieser erkannte in dem jungen Burschen eine entlaufende Arbeiterin von einem benachbarten Gute, wo sie einem Verwalter den Anzug fortgenommen hatte,
in welchem sie sich unter den Soldaten bewegt
und in dem sie auch, da keine Frauenkleider zur Hand roaren, mit dem Gendarmen die Reise zum Amtsgerichts- gefängniß Eschershausen antreten mußte, wo sie vorläufig in Haft genommen ist,
Aus Knrhesscn, 25. April. Nach einer bei der Königl. Regierung zu Kassel eingegangenen amtlichen Mittheilung ist außer in den südlichen Distrikten des Regierungsbezirks die gefährliche Krankheit, die Maul- und Klauenseuche leider auch in Reichensachsen, (Kreis Eschwege) und in mehreren Gehöften zu Barchfeld, in der zum ehemaligen Kurfürstenthum Hessen gehörigen Herrschaft Schmalkalden, ausgebrochen. — Ferner hat in den angrenzenden Distrikten des Herzogthums Mei- ningen die gefährliche Seuche unter dem Rindvieh eine derartige Verbreitung angenommen, daß nach Mittheilung der Herzoglichen Staatsregierung die Abhaltung von Rindvieh- und Schweinemärkten in den Kreisen Mei- ningen, Hildburghausen und Sonneberg bis auf Weiteres untersagt worden ist.
Ausland.
Agram, 22. April. Eine Extraausgabe des „Sbobran" meldet, König Milan fei am 20. in Ier usalem in das dortige Kloster als Mönch eingetreten und beabsichtige, Patriarch aller Serben zu werden. Diese Meldung wurde anfangs als schlechter Spaß betrachtet, soll jedoch auch anderweitig bestätigt worden sein.
Auf Schloß Heinrichswaldau.
Von Ma r t h a Ei t n er.
Vers, von „3m Mai des Lebens»
(Fortsetzung.)
Den 21. April.
So lange habe ich keine Zeile geschrieben! Warum? ich weiß es selbst nicht. Oft hatte ich die Feder in der Hand, und müde legte ich sie wieder beiseite; ich wollte schreiben und konnte nicht. Oft ergreift mich eine furchtbare Sehnsucht nach meinem geliebten Vater. O könnte ich ein einziges Mal mein Haupt an seine treue Brust legen, ein einziges Mal die geliebte Stimme wieder hören! Aber es ist vorbei. Er ist gegangen und hat seine Lene allein gelassen. Tante Marianne schaut mir oft so liebevoll in die Augen und fragt, ob ich krank sei. „Nur müde," sagte ich dann leise und traurig, und sie schüttelt den Kopf und will es nicht glauben. Und doch ist es so.
Die Nähe des Osterfestes mag dazu beigetragen haben. Die Osterzeit war meinem Vater stets die liebste. Seit Weihnachten sprach er schon davon und freute sich auf all die Festtage mit ihrem köstlichen, inneren Troste. Nun hat er sie nicht mehr erlebt. Und ich bin ohne ihn am grünen Donnerstag zum heiligen Abendmahl gewesen mit allen unseren lieben Hausbewohnern. Er war ja schön und feierlich, aber etwas anderes war es doch, wenn mein lieber Vater mir dann so glaubensfroh, so glückselig ins Auge schaute, Frieden empfangend, Segen spendend.
Doch fort mit dieser Trauer, es ist ja Ostern und Gott im Himmel lebt, vergißt die Seinen nicht. Trübe Zeiten müssen kommen, damit es wieder heller werde. Tag und Nacht müssen einander abwechseln.
Wir haben in der letzten Zeit sehr still gelebt, ohne Besuche aus der Nachbarschaft, und ich freute mich dessen. Ohne die fremden Menschen fühle ich mich um vieles wohler. Mein größtes Glück liegt in dem Verkehre mit den Kindern und in Tante Mariannens stillem Stübcheu.
Herrn v. Ingen habe ich eigentlich nur zu den Mahlzeiten oder in den Abendstunden gesehen. Er ist fast den ganzen Tag in Thalbergen, sucht Ordnung herzu- stellen und überwacht den Beginn und Fortschritt der nöthigen Aenderungen im Schlosse. Maler und Tapezierer und alle möglichen Handwerker hat er sich aus D. kommen lassen. Er will alles aufs schönste Herrichten und erzählt oft ganz vergnügt von seinen Verbesserungen. In dieser Woche sollen wir alle einmal mit hinüberkommen, Kind und Kegel, um sein neues Eigenthum zu beschauen.
Einmal habe ich doch meine Herrschaft in die Nachbarschaft begleitet und zwar zu Walmrgs in Altdorf. Sie hatten mich unendlich freundlich dazu aufgefordert. Als Frau v. B. mich nun neulich tat, mitzukommen, weigerte ich mich anfangs. Sie redete mir aber so liebenswürdig zu, daß ich schon in meinem Vorhaben wankend wurde.
Als Herr v. Ingen dann zu seiner Schwester bemerkte : „Ich glaube, Fräulein Arnold ist zu stolz, unseren Bitten nachzugeben," antwortete ich kurz entschlossen: „Wenn Sie erlauben, gnädige Frau, werde ich thun, was Sie wünschen."
„Und Sie werden es sicher nicht bereuen, Fräulein Arnold," sagte Herr v. A. „In dem Walburgschen Hause muß sich jeder wohl fühlen."
Und es war wirklich so. Sie haben mich wie eine Freundin der Frau v. B. behandelt, aber nicht wie ein Mädchen, das in untergeordnetem Verhältniß zu ihr steht. Es that mir wohl und weh zu gleicher Zeit, ich weiß selbst nicht warum.
Fräulein Rosa war reizend, wirklich einer zarten Rose gleich. Und wieder hatte Herr v. Ingen so viel
mit ihr zu sprechen. Ja, als wir durch den schönen Sonnenschein verlockt, einen Gang durch den Park unternahmen, da war er immer an ihrer Seite, uns anderen stets ein Stück voraus. Auch mit Frau v. Walburg, einer unendlich liebenswürdigen Dame, unterhielt er sich sehr lange und eifrig. Das alles bestärkt mich in dem Gedanken, daß jene beiden Herzen sich zueinander neigen. Ich sollte mich freuen, denn ich habe es ja immer gewünscht, Herrn v. Jngens ernstes Antlitz durch das Glück verschönt zu sehen. Doch vor der Hand kann ich noch keine Spur eines freudigen Gefühls darüber entdecken. Im Gegentheil, eine stille Angst verzehrt mich. Doch das ist ja immer so. Wenn man ein kommendes Ereigniß so langsam, so nach und nach sich bilden sieht, wird man unwillkürlich aufgeregt.
„Ich möchte so gerne zu Tante Marianne von meinen Beobachtungen sprechen, aber irgend ein Etwas, das ich selbst nicht nennen kann, hält mich davon zurück.
Im übrigen bestehen die kleinen Reibereien zwischen Herrn v. Ingen und mir nach wie vor. Ich möchte das so gern vermeiden. Ich nehme mir stets vor, ganz ruhig und freundlich zu sein, aber ich lasse mich doch noch manchmal fortreißen.
Wir waren heute früh zur Kirche gefahren, hatten eine köstliche Predigt unseres alten Pastors gehört. Später lud Frau v. B. in ihrer liebenswürdigen Weise die prächtigen Leutchen ein, zum Mittagessen mit in das Schloß zu kommen. Natürlich galt ihre Aufforderung auch dem jungen Kandidaten. Derselbe sprach sein Bedauern aus, nicht sogleich der Einladung folgen zu können, sondern erst nach Beendigung der Nach- mittagspredigl, die er für den Onkel halten werde. Herr v. B. war mit dem Schwager bereits voraus- gegangen, und so fuhren die beiden allen Leute gleich mit uns.
Die Herren standen, unser harrend, vor dem Schlosse. „Wo bleibt denn der Herr Kandidat," fragte mich Herr von Ingen.
„Leider konnte er noch nicht in klommen," antwortete ich bedauernd, „aber Nachmittags wird er uns die Freude seines Besuches gönnen."
Ich sagte das alles ganz ernsthaft, ohne eine Miene zu verziehen
„Nun, das ist ja ein großer Trost," erwiderte er und für diesmal hielten wir Frieden.
Nach Tisch war Audienz bei Tante Marianne. Sie liebt es sehr, auf kurze Zeit Besuche zu empfangen. Jeder geht gern zu ihr und schützt es als eine Bevorzugung, bei ihr vorg klaffen zu werden.
Draußen schien die Sonne zu verlockend. Blüthen- schnee liegt schon hin und wieder auf den Bäumen. Wie lange dauert es noch, so steht die Welt im Früh- lingskleide da. Noch etwas scheu und zaghaft erscheinen schon hier und da die grünen Triebe.
Ich holte mir die Kinder, um mit ihnen einen Spazier- gang im Park zn machen. Wie sie sich tummelten in Hellem Vergnügen, wie sie scherzten und lachten!
Plötzlich erschien im Hauptwege des Parkes ein Mann in schwarzem Anzüge: es war der gesprächige Kandidat vom Vormittag. Entfliehen konnte ich nicht, die Kinder hatten nun einmal diesen Gang als ihren Spielen am meisten entsprechend zu ihrem Tummelplatz erwählt. Da stand der junge Mann auch schon neben uns mit tiefer Verbeugung und begann sofort wieder eifrig zu mir zu reden. Ich war ganz still, und als es mir doch zu viel wurde, ersuchte ich ihn, sich in das Schloß zu bemühen, wo er schon lange erwartet werde. Allein er schien mich micht verstehen zu wollen und erklärte mir, es werde ihm Vergnügen machen, so lange bei uns zu verweilen, bis ich selber den Rückgang antreten werde. Eiligst rief ich daher die Kleinen herbei, ihnen sagend, es sei die Vesperzeit, und trat mit ihnen und in Gesellschaft des Kandidaten, welcher seiner Beredsamkeit immer noch den freiesten Lauf ließ, den Rückweg an. Plötzlich kam uns Herr von Ingen vom Schlosse aus entgegen. Hu, welch' finsteren Blick er mir wieder zuwarf!
Wahrscheinlich hielt er sich durch die augenblickliche Situation dazu berechtigt. Er begrüßte den Kandidaten ziemlich kurz und ging an uns vorbei mit der Entschuldigung, er habe bei dem Gärtner etwas zu bestellen.
Ich brächte die kleine Gesellschaft vorläufig unter die Aufsicht der Kinderfrau, lieferte den Kandidaten glücklich im Saal ab und eilte zu Taute Marianne, Ich bin viel zu egoistisch, um mich dem gemeinsamen Besuch anderer bei ihr anzuschließen, ich muß sie allein haben für mich. Tante Marianne ist mir Vater, Mutter und Freundin zu gleicher Zeit.
Wie ein böser Geist verfolgte mich Herr von Ingen heute allüberall. Kaum war ich eine Minute bei Tante Marianne, als es leise an ihre Thür klopfte, im selben Moment auch schon mein stummer 'Richter eintrat.
„Ich bitte um Entschuldigung, daß ich Ihnen abermals störend in den Weg trete, Fräulein Arnold, ich vermuthete Sie jetzt nicht hier."
Er sagte das fast rauh und auf seiner Stirn hatten sich düstere Falten zusammengezogen.
„Abermals?" fragte Tante Marianne erstaunt. „Jw übrigen denke ich, Du störst uns nie. Oder doch He? lenken ? Hat er Sie gestört?"