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SchWernerMmg

Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

Jf 29. Mittwoch den 10. April. 1889.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. März. Unser Kaiser machte gestern einen Spazierritt nach dem Grunewald. Heute Morgen be­suchten die Majestäten nach der Spazierfahrt die Kaiserin Friedrich. Am Mittag nahm der Kaiser Vorträge, u. A. des Grafen Waldersee und des Ministers v. Bötticher, entgegen.

Die Kaiserin Augusta Victoria empfing gestern den Fürsten Bismarck.

Berlin, 5. April. Das Abgeordnetenhaus erklärte gemäß dem Commissionsantrag die Wahl des Ab­geordnete n Landrath v. Riedesel (13. Casseler Wahlkreis) für ungültig.

(Aus dem Familienleben des Kaisers.) DieAnklamer Ztg." schreibt: Von einem Freunde unseres Blattes erhalten wir folgende Mittheilungen aus dem Familienleben unseres Kaiserpaares und seines gemüthvollen Verkehrs mit Untergebenen: Vor Kurzem hatte der Kaiser in einer Gesellschaft einen Lieutencutt, den Sohn eines kommandirenden Generals, die Zither spielen hören und forderte denselben auf, am folgenden Sonntag Nachmittag zu ihm in's Schloß zu kommen, da seine Frau das Zitherspiel sehr liebe. Der Lieutenant folgt dieser ehrenvollen Einladung, stellt sich zur be­stimmten Stunde ein und wird von dem Kaiserpaar freundlichst empfange». Nachdem der Lieutenant einige Zeit die Zither gespielt und dann mit der Kaiserin zusammen musicirt hat, bittet er die Majestäten gehor­samst, ihn entlassen zu wollen, da er seiner vierzehn­jährigen Schwester, die in einem Stifte in Pension sei, versprochen habe, sie von ihren Freundinnen, wohin sie heute geladen, zur bestimmten Stunde abzuholen und in das Stift zurück zu begleiten. Darauf befiehlt der Kaiser einem Diener, einen Wagen zur Abholung des jungen Mädchen aus der bezeichneten Familie zu schicken und dasselbe nach dem Schlosse zu bringen. Es ge­schieht. Das junge Mädchen kommt und wird, ebenso ihr Bruder, von den Majestäten eingeladen, das Abend­essen mit ihnen gemeinsam einzunehmen. Der Kaiser reicht dem jungen Mädchen den Arm, um dasselbe zu Tisch zu führen; aber das schüchterne Backfischchen steht verlegen da und wagt nicht, den Arm des Kaisers an- zunehmen. Der Kaiser jedoch sagt ermuthigend zu ihr: Mein kleines Fräulein, wenn Ihnen der Kaiser den Arm bietet, so dürfen Sie ihn schon annehmen." Darauf legte er ihre Hand in seinen Arm und führt sie zur Tafel. Vor dem Abendessen hatte die Kaiserin das junge Mädchen in die Kinderstube zu den Prinzen ge­führt, welche ihm eine Menge Bilder schenkten und es zurGute Nacht" küßten, worauf die Kaiserin mit den Prinzen das Vaterunser betete.

Karlsruhe, 2. April. Im benachbarten Durlach hat gestern Mittag 12 Uhr ein äußerst frecher Raubüberfall stattgefunden. Im 3. Stockwerk der Wirthschaftjur Krone" befand sich die 76 Jahre alte Tante der Wirthin, eine Frau Märker, als ein Individuum das Zimmer betrat und Geld oder die Kaffenschlüssel verlangte. Die einer Ohnmacht nahe Frau verwies auf die auf dem Tische liegenden Schlüssel, mit denen sich der Eindring­ling in das Nebenzimmer begab. Da er dort augen­scheinlich nichts gefunden, kehrte er in das Wohnzimmer zurück und brächte der alten Frau einen Such in den Unterleib bei, so daß an dem Auskommen derselben ge­zweifelt wild. Der Mörder verließ hierauf unbehelligt das Haus.

Tages-Ereignisse.

Schlüchtern. Ueber den Brillantkaffee wird demHann. Cur." von sachverständiger Seite geschrieben: Es dürfte allgemein bekannt sein, daß unter dem Namen "glasirter oder kandirter Kaffee" oderBrillantkasfee" Kaffee in den Handel kommt, der sich durch seine glän­zende, rabenschwarze Oberfläche auSzeichnet. Wenige Bohnen erzeugen schon einen dunklen Aufguß, wenn Man jedoch meint, einen kräftigen Kaffee zu erhalten, irrt man. Derglasirte Kaffee" wird nämlich so gebrannt, daß während des Brennens ihm Zucker, ja auch Stärkesyrup zugesetzt wird und dieser überzieht nun dic^ Bohnen gleich einer Glasur. Man hat gefunden, daß 10 Procent (!) des glastrten Kaffee aus Zucker- oder Stärkesyrupzusatz bestanden. Liegt schon darin ki»e Benachtheiligung des Käufers, so noch vielmehr in

dem Umstand, daß es der Glasur halber nicht möglich ist, die Qualität des Kaffees zu erkennen. Wenn Jemand glaubt, daß durch die Glasur das Aroma des Kaffees mehr erhalten bleibt, so ist er sehr im Irrthum; man sollte nur einmal Gelegenheit haben, die Producte, die beim Brennen entweichen, in condensirtem Zustand zu sehen und sich von ihrem abscheulichen Geruch und Geschmack zu überzeugen! Das wirkliche Aroma bleibt im Kaffee, auch ohne daß dieser glasirt zu werden braucht. Unsere Hausfrauen sollten daher beim Kaffee- Einkauf vorsichtig sein, denn erstens kaufen sie bei sog. kandirtem Kaffee erheblichen Procentsatz von Zucker oder Stärkesyrup und dann sind sie in Gefahr, für ihr gutes Geld manchmal minderwerthigen oder schlechten Kaffee zu erhalten.

Eine Wirthschafts-Couccssivn geht bekanntlich nach dem Tode des Wirthes auf dessen Frau über. Wenn die Wittwe aber wieder heirathet, geht die Concession nicht auf den zweiten Mann über. Es ist dies in einem Processe gegen den Musiker Schalk in Dortmund, der die Wittwe eines Wirthes geheirathet hatte, entschieden worden.

Ganze Züge mit Arbeitern aus Hessen und Thüringen gehen meist über Cassel nach Westfalen. Die Leute finden jetzt in den dortigen Fabriken Arbeit.

(Zum Butterhandel.) Für die Hausfrauen wie für die Butterhändler ist eine Entscheidung des Reichs­gerichts von Bedeutung. Nach derselben darf Butter, die nicht genügend ausgepreßt ist und somit eine unge­hörige Menge Wasser enthält, nicht in den Verkauf ge­bracht werden. Das Reichsgericht hat anerkannt, daß in dem ungenügenden Auspressen der Butter, so das dieselbe eine den normalen Prozentsatz übersteigende Menge Wasser enthält, eine Verfälschung der Butter, somit ein Vergehen gegen das Nahrungsmittelgesetz zu finden ist.

r^ Schwarzenfels, 8. April. Vor einigen Tagen ließ sich der Bauer Schomann mit einem Zigeuner von einer hier durchziehenden Truppe in einen Pferdetausch ein. Schomann gab für ein Zigeunerpferd sein eigenes und 40 Mark Aufgeld. Der Zigeuner, der gemerkt haben mochte, daß Schomann nachher den Handel be­reute, begab sich andern Tags in die Wohnung desselben und kaufte ihm das vertauschte Pferd für 30 Mark wieder ab. Schomann war somit sein Pferd und 10Mk. dazu los. Die Intelligenz des Herrn Schomann kann sich jeder Leser auf Grund dieses Vorfalles leicht vorstellen.

Bei der Neuwahl des Gemeinde-Ausschusses war als Mitglied auch eine Frauensperson aufgestellt. Wo bleibt Ben Akiba?

Hanau, 3. April. Wie bereits mitgetheilt, ist der Erbgraf Friedrich zu Isenburg und Büdingen aus Meerholz am 29. März in dem Kurort Obermais bei Meeran in Tirol im 42. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden verstorben. Der Erbgraf Friedrich ist der vierte Sohn, welchen zu verlieren der erlauchte Vater den Schmerz hat. Im Jahre 1875 vermählte sich der hohe Verstorbene mit Ihrer Durchlaucht der Prinzessin Marie, Schwester des Fürsten Reuß ä. L., und hatte mit Ausnahme eines zweijährigen Aufenthaltes in Dresden seinen ständigen Wohnsitz auf Schloß Gelten- bach. In der ganzen Umgegend erfreute sich das erlauchte Paar allgemeiner Achtung und Beliebtheit, um so mehr zeigt sich bei dem nun erfolgten Hinscheiden herzliche Theilnahme bei Allen. Der Leichnam wird nach Meer- holz verbracht und nächsten Donnerstag, Nachmittag 2 Uhr, auf dem dortigen Friedhofe beigesetzt.

Frankfurt, 4. April. Die Messeraffaire, welche sich in Bockenheim am Abend des 6. Januar in der Neugasse zutrug und zwar zwischen einem Husaren und drei jungen Burschen, fand gestern ihr Nachspiel vor dem Frankfurter Landgericht. Der achtzehnjährige Schlosser Joh. Georg Scheid, welcher dem Husar einen lebens­gefährlichen Stich in die Lunge beibrachte, wurde zu 1/a Jahren, seine Helfershelfer, der Schlosser Georg Krug und der Schneider Ernst DickS zu je 3 Monaten Gefängniß verurtheilt.

2. April. Eine heitere Scene spielte sich heute vor dem hiesigen Amtsgerichte ab. Einer verklagten Kleidermacherin wurde begreiflich gemacht, daß sie, wenn sie nicht bezahle, von dem Kläger, einem Junggesellen,

gepfändet werden würde.Ach, welches Glück," er­widerte sie mit einem Blick voll Liebe auf den Kläger, wenn er mich doch nur für das ganze Leben pfänden wollte."Herr Doetor", rief der Kläger,diese Gefahr will ich nicht laufen, ich will von der vorläufigen Vollstreckung Abstand nehmen." Unter allgemeiner Heiterkeit verließ hierauf die Beklagte mit einem freund­lichen Knix den Saal.

Bon der Schwalm in Hessen. Der Landgraf Karl kam einst unerkannt mit einem seiner Hofräthe in das reiche Schwalmdorf Leimbach, gerade zur Zeit der größten Arbeit. Bei einem reichen Bauer sprachen sie vor und baten um Nachtquartier und einen Imbiß. Letzterer wurde ihnen in Gestalt von fetten Pfannkuchen mit Sauermilch unter der Bedingung gewährt, daß sie Morgens dreschen hülfen. Wacker hauen die beiden Wanderer ein und nach einem tüchtigen Tagesmarsch ist auch das Lager auf dem Heuboden recht. Früh um 12 Uhr schon weckt der Bauer und bald klappern lustig die Dreschflegel. Die beiden Müden regen sich aber nicht; eine neue Mahnung zum Aufstehen wird mit Drohung einer Tracht Prügel mit dem Bindestrick er­lassen.Es wird ja wohl so ernst nicht gemeint sein," denkt der Landgraf. Bald wird er jedoch belehrt, daß der Bauer keinen Spaß versteht. Der vorn Liegende bekommt sein Theil, gut abgezählt. Mit der energischen Ankündigung, ich komme gleich wieder, eilt der Bauer wieder nach der Tenne.Wir wollen im Lager wechseln," schlägt der Hofrath vor und legt sich vorn hin; immer noch keine Lust zum Aufstehen. Da kommt Hans Große abermals mit seinem Bindestrick und erklärt:Der Vorderste hat sein Theil, nun soll der andere auch sein Traktement haben. Und wieder bekommt der Landgraf eine Tracht Auslese. Hiermit erklärt er sich auch zu­frieden, und nun geht's an die ungewohnte Arbeit des Dreschens. Nach gutem Frühstück reisen die beiden Fremden ab. Aber von dem Tag datirt sich die Freund­schaft des Landgrafen zu dem biederen Schwalmer Junker Haus.

Waltershauseu, 3. April. Eine hiesige Dame sah zu einem Fenster ihrer im zweiten Stockwerke belegenen Wohnung hinaus und sprach mit einer auf der Straße stehenden Dame. Als die Rede der beiden mittheilsamen Frauen im schönsten Gange war, fiel auf einmal etwas Seltsames zu Boden, in zahlreiche Stückchen zerspringend. Die obcnsteheude Dame überzeugte sich mit einem Griff nach ihrem Munde, daß ihrwerthvolles" Gebiß den Weg alles Irdischen gegangen war. Ob die Dame nur einmaldie Zähne zeigen" wollte, muß dahin ge­stellt bleiben.

Kassel, 8. April. General von Schlotheim f. Heute Morgen durcheilte die Trauernachricht von dem gestern Abend 5 Uhr plötzlich erfolgten Ableben des Generals der Kavallerie, Freiherrn v. Schlotheim unsere Stadt. Bekanntlich ist Herrv. Schlotheim am 1. April erst in den Ruhestand getreten und hätte sich derselbe noch manches Jahr wohlverdienter Ruhe von der Arbeit erfreuen können, wenn das Schicksal nicht mit rauher Hand eingegriffen und er in die Ewigkeit abgerufen worden wäre; vermuthlich haben die vielen anstrengenden dienstlichen und außerdienstlichen Verpflichtungen, welche bei der Abgabe des Kommandos an den neuen Korps­chef an Herrn von Schlotheim herangetreten sein mögen, ihn körperlich zu sehr angegriffen. Wie es heißt, machte ein Schlaganfall seinem Leben ein Ende. Der Trauer­fall wird nicht verfehlen in weitesten Kreisen aufrich­tigste Theilnahme hervorzurufen.

Marburg, 3. April. Wir werden um Aufnahme folgender Zeilen ersucht: Um dem neuerdings laut gewordenen Wunsche der Wiederbelebung unserer Mar- durger P f e r d e in ä r k t e thunlichst eulgegenzukommen, erläßt gegenwärtig der Stadtrath in hiesigen und aus­wärtigen Zeitungen dahinzielende Bekanntmachungen; auch hat sich die Stadt bereit erklärt, bis zu dem am 11. d. Mts. stattfindenden nächsten Pferdemarkte den städtischen Holzmagazinhof am Kämpfrasen zur bequemen Aufnahme der Thiere Herrichten zu lassen und nt Ge­meinschaft mit dem bestehenden Marktcomitee dafür zu sorgen, daß am Markttage selbst an dem betreffenden Orte Gelegenheit geboten ist, Versuche sowohl im An- schirren der Pferde vor schweren und leichten Wagen, als auch im Reiten derselben anzustellen. Ferner hat