'« ober eine Urgroßtante, das weiß ich nicht. Seit ur= " denklichen Zeiten lebt sie in der Familie als alte Tante > undFist doch immer frisch und fröhlich, ein köstliches c ' Familicn-Jnventarium. Sie wird von allen geliebt und verehrt. ?Ut und Jung, Erwachsene und Kinder eilen mit ihren Leiden und Freuden zu Tante Marianne.
3 Doch nun genug rc.
e Wie wunderbar Gott die Seinen führt! Im selben e Augenblick, wo ich mit schwerem Herzen den ersten - Schritt zu einem neuen Leben thun will, wird mir alles fertig angeboten, und ich darf nur zugreifen. Es versteht - sich von selbst, daß ich ohne weiteres diese Stellung , - annehmc. Ich habe sofort an Frau v. B. geschrieben f und an meinen treuen, fürsorglichen Freund, und harre i nun der Entscheidung.
- . Den 2. März.
t Schneller, als ich geglaubt, halte ich die Antwort in Händen, die über meine nächste Zukunft entscheidet. Frau v. Birkenhoff schreibt so freundlich, so zart und taktvoll in jeder Beziehung über unsere gegenseitige r Stellung, daß ich sie schon lieb habe, ehe ich sie kenne. ) Auch gedenkt sie des schweren Berlustes, der mich be-
i troffen, hofft und wünscht, daß ich in ihrer Familie,
ihrem Hause, eine Heimath finden und meinen Schmerz ° vergessen, oder doch weniger bitter empfinden möchte. : Schließlich bittet sie mich, wenn es mir möglich sei, t meine Ankunft nicht bis zum ersten April zu verzögern, sondern sobald wie möglich bei ihnen einzutreffen. So bald, so bald! Nun muß ich mich losreißen von allem, ■ was mir Gewohnheit lieb und theuer gemacht hat, muß mich trennen von den Räumen, in denen ich so glücklich war, muß Abschied nehmen von dem theuren Grabe. — Das ist das schwerste!
Nicht mehr kann ich in bangen Stunden an den Ort fliehen, an dem der Friede noch immer wieder mir zurückkam, wenn ich auch noch so unruhig dahin ging. Fort! und einer unsicheren Zukunft entgegen/
Doch warum zagen? Es muß sein und Gott wird helfen. Ich bitte nur um die Kraft, meine Stellung richtig auszufassen, die möglichen Demüthigungen, die sie mit sich bringt, still zu ertragen, um mir die Liebe und Achtung meiner Umgebung zu erwerben.
Den 18. März.
Nun ist es so weit! Ich habe mich losgerissen von allem, habe Abschied genommen von jedem, bin zum letzten Mal für lange Zeit bei meinem Vater gewesen. Morgen früh reise ich meiner neuen Heimath entgegen. Werde ich eine Heimath finden, oder wird das an Liebe gewöhnte Herz darben und frieren müssen in der Fremde ? Vorwärts denn mit Gott!
Heinrichswaldau, den 19. März.
Noch ist alles wirr in meinem Kopf! Die Uhr zeigt auf zehn des Abends. Ich sitze in meinem Zimmer und die Bilder des ganzen Tages ziehen langsam an meinem Geist vorüber. Im Kaminofen flackert lustig das Feuer und verbreitet eine behagliche, wohlthuende Wärme durch den schönen großen Raum.
Mein Zimmer liegt im ersten Stock an der Vorder-, feite des Schlosses. Vor demselben ist ein großer, freier Platz, der nach zwei Seiten, auf den Hof zu, in eine prachtvolle Linden-Allee ausläuft. Noch sind die Zweige der Bäume kahl und gestatten einen Durchblick auf die Wirthschaftsgebäude. Später wird es unmöglich. Schaue ich seitwärts aus meinem Fenster, so übersehe ich einen großen Theil des Parkes und der Garten- anlagen.
Wie schön wird es sein, wenn die Bäume sich mit jungem Grün schmücken, und die Frühlingssonne ihre Strahlen durch mein Fenster sendet! O, möchte es immer licht und hell um mich sein!
Doch nicht vorausgreifen will ich, sondern der Reihe nach, in schönster Ordnung meine Tages-Erlebnisse niederschreiben.
Mit schwerem Herzen verließ ich heut früh fünf Uhr N. Trotz der zeitigen Stunde kamen liebe Freunde und Bekannte mir noch einmal Adieu zu sagen, ehe ich mich dem alten, rumpeligen Postwagen anvertraute. Wie sie alle so gut waren! Und jeder versprach, mein teures Grab zu hegen und zu pflegen. Sie wissen ja, daß dies meine Hauptsorge ist, daß es mir sehr schwer wird, nicht mit eigener Hand die Blumen pflanzen zu dürfen auf das Stückchen Erde, das mein ein und alles umschließt und birgt. Wer weiß, vielleicht kehre ich bald zurück. Wenn mir in der Fremde bange wird, mich die Sehnsucht ergreift, dann komme ich wieder, mir dort Ruhe zu holen. Und dann blies der Postillon, — zum letzten Mal — ebenso herzlich schlecht und falsch wie immer. Wie oft hat sich mein lieber Papa darüber geärgert !
Bald lag die alte Heimath hinter mir. Ich mußte wohl mit meinem stillen Schmerz eine ziemlich schwere Last sein, die guten Postgäulc nahmen sich Zeit und trotteten so recht gemüthlich dahin. Es war so kalt und trübe, und wollte mir gar nicht gelingen, voll Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft zu blicken.
Endlich kamen wir glücklich in B. an. „Lassen Sie es sich gut gehen, Fräulein," rief der gute Karl, der Postillon mir noch zu, und ich vergaß über seinen freundlichen Worten, daß er gar so falsch geblasen hatte. Gern wäre ich mit ihm zurückgekehrt. Was wartete meiner da draußen?
Eine halbe Stunde verging noch, ehe der Zug ankam, der mich weiter tragen sollte. Ich stieg in ein bereits ziemlich angefülltes Coupee, eroberte aber glücklicher Weise einen Fensterplatz. Die Plätze an dem entgegengesetzten Fenster nahmen zwei nicht mehr junge Damen ein, ihrem Wesen und Anzüge nach zwei alte Jungfern. Sie haben einmal fast alle irgend etwas besonderliches an sich. Die eine hielt ein Sträußchen Schneeglöcklein in der Hand. Ich hatte gesehen, daß es ihr beim Einsteigen von einem Herrn überreicht wurde. Vielleicht einer der gern als Erbe eingesetzt zu werden wünschte, und sich darum bei dem alternden Mädchen niedlich machte! Und sie war glückselig darüber und erzählte
ihrer Gefährtin fortwährend davon, sie konnte nicht müde werden. Der Blumengaben, die ihr im Leben gereicht wurden, mochten wohl sehr wenige gewesen sein. Jeden- falls besaß sie ein sehr bescheidenes, anspruchsloses Gemüth.
Ein ältlicher Herr saß mir schrägüber. Vom ersten Augenblick des Einsteigens an hatte er eine Zeitung vorgenommen und unverwandt hineingeschaut, fast fieberhaft gelesen. Mir direkt gegenüber befand sich ein jüngerer Mann mit fast unnatürlich ernsten Gesichtszügen, dunklem Haar und Bart und eigenthümlich schönen Augen. Er hatte ebenfalls ein Zeitungsblatt in der Hand, las allem Anschein nach höchst eifrig, doch blieben seine Augen stets an derselben Stelle haften. Ich wette, er las mechanisch ein und dieselbe Zeile immer wieder, ohne ein Wort von dem zu wissen, was darin stand. Ich hätte gern gefragt, ob er das Gelesene noch nicht auswendig könne.
Der älteste Herr war glücklich durch ein Exemplar seiner Zeitung hindurchgerast, legte es sorgfältig zusammen, steckte es in die Tasche, und zog ein anderes heraus, dessen Studium er eifrig begann. Die beiden Damen unterhielten sich immer noch über die Schnee- glöcklein, mein Gegenüber war auch noch nicht weiter gekommen.
Es ist eine unglückliche Angewohnheit von mir, auf Reisen alles still zu beobachten, und für das Urkomische so mancher Lagen zu empfänglich zu sein. Trotz aller Traurigkeit, die mir im Herzen wohnte, bemächtigte sich meiner eine stille Verzweiflung, da ich einen unwiderstehlichen Reiz zum Lachen verspürte. Ich wollte einen Blick auf die Gegend werfen, aber das Fenster war über und über angelaufen, und ich hatte keine Lust es abzuwischen. Plötzlich ergriff mein Gegenüber den Fensterriemen, und mit dem dicken Fransenbüschcl an dessen unterstem Ende malte er mir lautlos ein großes Aussichtsloch (anders kann ich es nicht nennen) in das Mittelfenster. Ein gleiches für sich selber wurde in der Seitenscheibe hergestellt. — Aber alles lautlos!
(Fortsetzung folgt.)
Witterungsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Es wird etwas kühler werden; der Himmel wird bedeckt fein; es werden starke Süd- bis Westwinde vorherrschen; Anzeichen für Niederschläge sind vorhanden.
Kirchlicher Anzeiger für Schlächtern.
Sonntag, den 24. März 1889.
Morgengottesdienst: Herr Superintendent Heck. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Hartmann. Wochendienst in der Stadt: derselbe.
AI den denen, die dem Sattler Philipp
Traband hier geistige Getränke ober Geld verabreichen, diene hiermit zur Nachricht, daß von den Angehörigen desselben keine Zahlung geleistet event. Klage erhoben wird.
NM- Ein Schüler, welcher zu Ostern das Gymnasium oder die Realschule zu Fulda besuchen will, findet in einer evangl. Familie beste Aufnahme.
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