Einzelbild herunterladen
 
  

seine weise Staatskunst behauptete das Errungene. Durch seinen sprühenden Geist setzte er in Erstaunen. Und unser Kaiser Wilhelm? Ist er ihm nicht zu ver­gleichen? Hat er nicht noch Wunderbareres vollbracht? Nicht mit 20, nicht mit 28 Jahren kam er auf den Thron, wie jene, sondern im beginnenden Greisenalter, wenn andere ihr Haupt zur Ruhe legen. Wer hätte ihm noch großeAufgabeu zutrauen wollen? Und dennoch war er berufen, auszuführen, was in Jahrtausende langem Ringen die deutschen Fürsten nicht erwerben konnten. Gott hat uns in ihm den Mann gegeben, die deutsche Kaiserkrone auf dem Schlachtfelde zu gewinnen, das Deutsche Reich zu gründen, das deutsche Volk zu beglücken. Redner wirft einen Blick in die Tiefen und auf die Höhen dieses Helden- und Kaiserslebens von seiner Jugend an und schildert die bewegten Schicksale und die reinen Gedanken des großen Entschlafenen. Dann fährt er fort: Wer diese Größe nicht versteht, dem mangelt der Sinn für die Größe, der versteht nur das Niedrige und Gemeine zu schätzen. (Lebhafter Beifall.) Wahrhaft groß, wahrhaft weise war der Kaiser Wilhelm, der mit gesundem Königsverstand die Bedürfnisse seines Volkes zu erkennen, die rechten Männer zu wählen und zur rechten Stunde fest zu bleiben wußte, fest wie ein Fels im Meer. Seine Größe zeigte sich nicht zum wenigsten in der Konfliktszeit, als er geduldig die Verkennung durch das Volk ertrug und unentwegt das Schillert zur Einigung Deutschlands schmiedete. Wahrhaft groß war er durch die Wahl v. Bismarcks, v. Roons v. Moltkes zu seinen Rathgebern. Kann man sich einen adler- hafteren Monarchenblick denken, als den seinen? Und er soll kein weiser Monarch gewesen sein? Wer das sagt, der hat keinen Sinn für Weisheit, sondern nur für Thorheit und Nichtswürdigkeit. (Stürmischer Beifall). Weise sein, heißt Maß halten. Napoleon I. galt als groß, aber er hielt nicht Maß; was er that, war un­mäßig und bald brach daher sein Werk wieder zusammen. Wir aber hoffen, daß Gott das deutsche Reich erhalten wird, nicht zum wenigsten deshalb, weil Wilhelm I. nie über das Maß des Erlaubten und des Weisen hinaus- gegangen ist. Wohl mag früher manchen die bange Sorge durchzuckt haben: Wie wird es einst werden nach dem Tode des Begründers des Deutschen Reiches? Wird es Bestand haben. Aber am 25. Juni v. J. haben die deutschen Fürsten sich nochmals zur Gründung Kaiser Wilhelms I. bekannt und haben gelobt, treu zum Reich zu stehen. (Beifall.) Und was die deutschen Fürsten hochhalten, was das deutsche Volk bejubelte, das will so ein Redacteur, so ein Federfuchser (stürmischer Beifall) beschimpfen und beleidigen? (Entrüstung.) Es hat Gott sei Dank auch nicht an Schriftstellern gefehlt, an gottbegnadeten Männern, die sich diesem Unterfangen entgegenstellten. (Beifall.) Es muß gesagt werden, daß auch von liberaler Seite große Gedanken über den König Wilhelm I. geschrieben worden sind, worin seine Größe, Weisheit und Güte anerkannt wurde. War es nicht wahrhaft groß, daß aus den Attentaten, die das Herz des Kaisers so tief verwundeten, der Gedanke in ihm erwekt wurde, dem Arbeiterstande zu helfen? War nicht die Kaiserliche Botschaft eine That des Friedens, so groß wie Sedan eine That des Krieges gewesen war? Diesen König, so ganz erfüllt von seinem Amt von Gottes Gnaden und doch so demüthig, so kriegerisch und so friedlich und freundlich, muß unser Volk im Herzen tragen, so lange es lebt. Es hat den Kaiser Barbarossa nicht vergessen, der in unserem Kaiser wieder erstanden ist; es wird auch unsern großen Kaiser nicht vergessen. Und diesen Kaiser wagt ein elender Bube anzugreifen? (Ruf: Jude!) Sagen Sie lieber Demokrat! Einen so großen Königlichen Herrn will man mit Un­wahrheit und Frevel beleidigen? Ich sage:will be­leidigen", denn man kann es nicht. Aber schon der Wille verdient geächtet zu werden. Der Geist des Heimgegangenen wird bezweifelt. Ist denn das nicht Geist, was unser Kaiser Wilhelm in jeder Lage des Lebens bewährt hat? Das Volk zu verführen und zu bethören, wie es solche Menschen thun, das ist nicht Geist, sondern Ungeist, Satansgeist. (Beifall.) Das ist Geist in jedem Augenblick das Rechte zu treffen, das Nothwendigste zu thun. Und das hat der Kaiser gethan. Er soll sich den Einigungsbestreben des Deutschen Reiches nicht zugeneigt haben und hat doch die Einig­ung vollzogen. Er hat als Greis mit jugendlicher Kraft die soziale Reform ergriffen. Und wenn heut noch Tausende davon zurückstehen und beiseite bleiben: die Zeit wird kommen, in der sein Bild noch mehr verklärt sein wird, in der alle Millionen Arbeiter auf Wilhelm I. zurückschauen werden mit Liebe und Ehrfurcht, als auf den Begründer der deutschen Einheit und den Schöpfer des sozialen Friedens. (Beifall.) Es ist nicht wahr,daß die Tünche schon anfängt nachzugeben." Das Denkmal, was er sich im Herzen seines Volkes gesetzt hat, ist dauernder als Erz; es ist das Denkmal der unsterblichen Liebe, die wir zu ihm empfinden und die wir auch heut aussprechen wollen. Wir sind er­schienen, ihm einen Kranz der Liebe aufs Grab zu legen in tiefer Wehmuth, voll inniger Dankbarkeit mit dem Gelübde, daß das Vermächtniß des großen Kaisers in unserm Herzen fortleben und fortwirken soll, so lange noch ein Blutstropfen in unseren Adern rollt. Wir stehen für sein Andenken, für unseren Kaiser, für

Deutsches Reich.

Berlin, 20. März. Die Prinzessin Heinrich ist heute Nachmittag glücklich von einem Prinzen entbunden worden.

Berlin. DieVolkszeitung" hatte am 9. März d. Js. einen schmachvollen Artikel gebracht, in welchem das Andenken des Hochseligen Kaisers Wilhelm aufs Schmächlichste geschändet wurde. Am 16. März hielt dieChristlich-soziale Partei auf Tivoli in Berlin eine Bersammlung ab, um gegen dieses schändliche Attentat auf den geliebten Todten öffentlich Protest zu erheben. Der riesige Saal war nicht ganz gefüllt (das kalte un­freundliche Wetter hielt wohl manchen ab), doch mochten an 1500 Personen anwesend sein. Auf der Tribüne und in den Logen bemerkte man mehrere Abgeordnete, darunter die Herren v. Schöning, v. Werdeck, v. Baumbach, Frhr. v. Liliencron, v. Rehdiger, Stephanus, v. Fabeck, Graf Pfeil u. a. Hofprediger Stöcker wurde bei sei­nem Eintreten mit stürmischem Beifall begrüßt. Kaufmann Rappo, der Vorsitzende des Konservativen Wahlvereins im II. Wahlkreise, leitete die Versammlung und begrüßte sie. Nachdem er sie mit dem Zweck der Einberufung bekannt gemacht hatte, fuhr er fort:Der Schreiber dieses Artikels hat sich selbst gerichtet. Es wäre nicht nöthig, ihn zu widerlegen. Aber was uns mit Schmerz erfüllt, ist das, was zum Schlüsse gesagt ist: daß Hundert- tausenden damit aus der Seele gesprochen sei. Dagegen gilt es doch Protest einzulegen und zu rufen: Allewege gut brandenburgisch! Allewege gut preußisch! Allewege gut deutsch! gut Königlich und Kaiserlich! gut Hohen- zollersch! Se. Majestät der Kaiser uud König lebe Hoch' hoch! hoch!" Die Versammlung stimmte mit großer Begeisterung ein. HofpredigerStöcker noch­mals sympathisch begrüßt, führte aus: Ein Attentat ist begangen worden, fast noch verabscheuunswürdiger, als die von HödelundNobiling; denn die Ehre eines Mannes ist noch mehr als das Leben, und einem Todten ist man noch mehr Ehrerbietung schuldig, als einem Lebenden. Von den Todten soll man Gutes reden", sagt ein altes Sprüchwort, und was vom kleinsten Manne gilt, um wie viel mehr von einem so großen Monarchen, den wir vor einem Jahre zur letzten Ruhe bestatteten. Ihn, den Begründer des Deutschen Reiches, den Vater des Vaterlandes, den Liebling des Volkes, nicht des deutschen Volkes allein, sondern den Liebling der ganzen zivili­sierten Welt, hat man gewagt, in dieser nichtswürdigen Weise zu beschimpfen. Die Dankbarkeit, die Ehrfurcht gegen den großen Heimgegangenen hat man gewagt zu beleidigen. Die Thränen, um ihn geweint, hat man Krokodilsthränen genannt. (Pfui!) Die Klagen, welche an dem ersten wiederkehrenden Jahrestage seines Todes ertönten, hat man Psalmodien der Baalspriester genannt, (Pfui!), und die tiefe Trauer um ihn bezeichnete man als falsche Sentimentalität. (Lebhafte Entrüstung.) Unser ganzes Volk, soweit es menschlich und patriotisch fühlt, muß sich dagegen auflehnen, muß gegen solche Ehrlosig­keit Protest erheben. (Beifall.) Man hat von einem Kaiser der alten Welt gesagt: er sei die Wonne und Liebe des Menschengeschlechtes gewesen. Ganz ähnlich fühlen wir, wenn die Gedenktage von unserm großen Kaiser und König kommen; ganz ähnlich war es uns an den großen Fest- und Jubiläumstagen zu seinen Lebzeiten, bei dem unbeschreiblichen Jubel beim Einzüge der Truppen. Wer kann, wenn er das gehört hat, an der tiefen Liebe des Volkes zu ihm zweifeln. Mit Naturgewalt flammte es im Lande. Ich denke an das Jahr, wo unser Kaiser von hier bis Straßburg das ganze Reich durchzog. Da wurde er überall freudig begrüßt von treuen Unterthanen und jedes Herz flog ihm, auch im Reichslandc, entgegen, und hier in Berlin wird jetzt sein Andenken beschimpft. Ich denke an das Jahr 1883, als unsere Bewegung das erste Mal vor ihn trat. Es war die Zeit nach dem Attentat auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Da sagte unser unvergeßlicher Kaiser zu unS:Wenn der Präsident des freiesten Volkes und auch der autokratischste Monarch (der Kaiser Alexander II. von Rußland) nicht mehr vor den Streichen der Mörder sicher sind, was kann dann die Zukunft bringen? Gott hat mir wieder ein neues Jahr gegeben. Er hat mich die Männer finden lassen, das Reich groß zu machen. Gern will ich noch wirken, aber ich möchte nicht über­leben." Tief bewegt gingen wir von ihm, ganz erfüllt von seiner Größe und Demuth, Weisheit und Güte. So war es im Lande, und im Auslande war es nicht anders. In Gastein freuten sich alle Einwohner auf die Ankunst des Kaisers; sie sagten nicht desdeutschen Kaisers" und wußten doch, wen sie meinten. Sogar in Frankreich beugte man sich vor seiner Größe und sprach mit Bewunderung von dem wunderbaren Segen, der ihn umgab. Ich erinnere an sein Sterben. Wenn man damals die Stimmen der Völker hörte, wurde es einem klar: Und kaum ein Jahr nach seinem Tode wird die Liebe zu ihm als Heuchelei bezeichnet und seine Größe und Weisheit und Güte geleugnet. (Pfui!) Er war groß, weise und gut. Vergleichen wir ihn mit den großen Fürsten unseres Landes. Der große Kurfürst war ein großer Fürst trotz der kleinen Verhältnisse Bran­denburgs in damaliger Zeit; er war weise, fromm und gütig; aber er verdient es nicht mehr groß zu heißen, als Kaiser Wilhelm I. Ein Jahrhundert später kam Friedrich der Große, besiegte das ganze Europa, und

den preußischen Königsthron wie für das deutsche Kaiser- thum, für das ganze Hohenzollernhaus bis an den Tod !" (Der stürmische Beifall, der sich in Händeklatschen, Hut- schwenken und Hochrufen kundgab, wollte kein Ende nehmen.)

Berlin, 18. März. (W. T.-B.) Das weitere Er­scheinen der hiesigenVolkszeitung" ist auf Grund des Sozialistengesctzes untersagt worden. Eine bezügliche Publikation wird heute noch erwartet. Das gestrige Blatt mit demEin Gedenkblatt zum 18. März" be­titelten Leitartikel ist konfisziert worden.

Wiesbaden, 19. März. Meldungen aus Wien zu­folge wird sich die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich, wegen erneuten Auftretens ihres früheren Leidens auf Anrathen der Aerzte und auf Wunsch des Kaisers in Begleitung der Erzherzogin Valerie zu einem drei­wöchentlichen Cur-Aufenthalte hierher nach Wiesbaden zum Professor Metzger begeben.

Tages-Ereignisse.

Schlüchtern. Wie uns mitgetheilt wird, hat der Kreis-Ausschuß, um dem Wucher entgegenzuwirken und die Bestrebungen des Vereins gegen den Wucher zu unterstützen, beschlossen,

1. denjenigen Handelsleuten, von denen eine wuche­rische, unreelle oder betrügerische Handlungsweise glaubhaft nachgewiesen wird, den Sparkassen-Kredit zu versagen,

2. an alle Orts-, Gerichts- und Polizeibehörden das Ersuchen zu richten, von allen wucherischen, be­trügerischen oder unreellen Handlungen Einheimi­scher, welche dort zur Kenntniß gelangen, dem Kreis-Ausschuß Mittheilung zu machen,

3. in Erwägung zu nehmen, ob nicht durch das Kreisblatt diejenigen zur öffentlichen Kenntniß zu bringen sind, denen der Sparkassen-Kredit ent­zogen ist.

Herr Kaufmann Fcrd. Fenn er hier erhielt dieser Tage wiederum mehrere Waggon Speisekarkosfel«, welche wir allen Familien wegen ihres wirklich vor­züglichen Geschmacks bestens empfehlen können.

Auf Schloß Heinrichswaldau.

Von Martha Eitner.

Vcrf. vonIm Mai des geben«"

(Fortsetzung.)

Den 26. Februar.

Heut früh hatte ich mich entschlossen, ein Inserat in die Zeitung setzen zu lassen, mich sozusagenauszubieten." Es wurde mir furchtbar schwer; ich kam über die ersten Worte nicht hinweg. Da brächte der Postbote einen Brief von einem teuren Freunde meines seligen Papa, der auch für mich stets nur unbegrenzte Liebe und zarte Aufmerksamkeit hatte. Er schreibt unter anderem: Wenn ich mich nach so langjähriger Bekanntschaft nicht ganz in Ihnen täusche, so werden Sie sicher nicht willens sein, ein unthätiges Leben zu führen, noch we­niger aber sich als sogenanntesAnhängsel" zu Ihren Brüdern zu begeben. Ich kenne ja unsere stolze Helene, die keinem etwas verdanken, das was sie ist, stets durch sich selbst sein will. Und ich pflichte Ihnen bei, gebe Ihnen recht. Ich möchte Ihnen eine Stellung in einem mir sehr befreundeten Hause vorschla gen, bei einer Familie v. Birkenhoff. Ich bin fest überzeugt, daß Ihnen Familie und Verhältnisse angenehm sein werden. Birkenhoffs sind noch junge Leute, echte Aristokraten, nicht nur mit adeligem Namen, sondern auch mit ade­liger Gesinnung. Ich habe besonders Frau v. B. sehr lieb. Sie ist eine reizende Erscheinung, regen Geistes und sehr christlich, was Ihnen wohl eine Hauptsache sein wird. Das älteste Mädchen ist sechs Jahre, der Knabe drei und das kleine Gretchen, mein Palchen noch nicht zwei Jahr. Auch existirt noch ein viertes Kind, ein kleines Mädchen von vier Jahren, die Tochter des Bruders der Frau v. B. Sie sehen, ich bemühe mich, die Verwandtschaft so klar wie möglich, auch auf Kosten der Kürze darzulegen. Dieser Bruder, ein Herr v. Ingen, war sehr kurz und sehr unglücklich verheirathet. Die Frau starb vor zwei Jahren, er übergab das Kind seiner Schwester, und lebt meist auf Reisen, vermeidet, wenn es geht, gesellschaftlichen Verkehr, um nicht noch einmalgeheirathet", zu werden. Ich habe ihn seit dem Tode seiner Frau nicht gesehen. Früher stand er mir sehr nah; jetzt soll der Verkehr mit ihm nicht ganz leicht sein. Doch mit ihm haben Sie ja nichts zu thun. Es ist die Frage, ob Sie ihn überhaupt kennen lernen. Ihre Pflichten würden sein: die junge Frau in ihrem vielseitigen Wirken zu unterstützen, vielleicht das älteste Mädchen ein wenig zu unterrichten, und auch bei der kleinsten Gesellschaft einigermaßen die Erziehung und Aufsicht zu übernehmen. Daß Sie auch musikalisch sind, ist für Frau v. B. eine große Freude. Sie schwelgt bereits in dem Bewußtsein, vierhändig mit Ihnen zu spielen. Nun! was denken und meinen Sie? Ich bin gespannt auf Ihre Ansicht über meinen Vorschlag. Sobald Sie mir geantwortet haben, empfangen Sie Nachricht von Frau v. B. Noch besser wäre es, wenn Sie selbst direkt und sofort nach Heinrichswaldau schreiben. Noch muß ich eine alte Tante erwähnen, die in dem Schlosse existirt. Ist sie eine Großtante,