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^ 24. Samstag, den 23. März. 1889.

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Schlächtern, im März 1889. Der Herausgeber.

Festrede, gehalten am 25jährigen Stiftungstage des Gereins zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger, den 6. Februar 1889, im Königl. Schlosse zu Berlin

von

Dr. W. Brinkmann.

(Fortsetzung.)

Dieser hohen Auffassung in Zukunft gerecht zu werden, war nach dem Kriege die wichtigste Aufgabe des Central- Comitös des Preußischen Gereius. Diese Aufgabe war so ernst, daß die Lebensfähigkeit und Existensberechtigung desselben von der Erfüllung dieser Aufgabe abhing. Bon diesem Bewußtsein waren die Arbeiten des Central- Comilös nach dem Kriege 1866 getragen. Die meisten Vereine, die beim Ausbruche des Krieges entstanden waren, hatten sich wieder aufgelöst und war das Vereins- netz fast auf den bescheidenen Standpunkt, den es vor dem Kriege einnahm, zurückgegangen: gleichgültig stand das Volk unserer Friedensaufgabe gegenüber und selost in den Kreisen, die während des Krieges alle ihre Kräfte eingesetzt hatten, begegneten wir völliger Theilnahm- losigkeit und Zurückhaltung. Theoretische Erwägungen, Anregung durch wiederholte Rundschreiben, durch die Herausgabe einer eigenen ZeitschriftKriegerheil", durch Preisausschreiben, durch die Betheiligung an der Pariser Weltausstellung im Sommer 1867, Alles das vermochte das Interesse des Volkes, durch welches das Vereinswesen getragen werden muß, nicht zu beleben; auch die dringensten Denkschriften, Vorträge, die An­regungen durch die Generalversammlungen bewegten sich in kleinen Kreisen und doch hat die unermüdliche Thätig­keit derjenigen Männer, die an der Spitze unserer Institution standen und ihre ganze Intelligenz und moralische Kraft aufwandten, wenigstens den Erfolg gehabt, daß der Vereinsbestand erhalten und innerlich gekräftigt wurde, daß sogar mit fast allen Landesver- einen des norddeutschen Bundes engere Beziehungen ge­schlossen und unterhalten werden konnten.

Andere vorbereitende Arbeiten, die Feststellung einer Depütvrdnung für den Krieg, die Vorbereitung für die Uebernahme mehr oder weniger ausgedehnter Pflichten für die heimische Lazarcthpflege im Kriege, das unab­lässige Studium der Fortschritte auf dem Gebiete des Militär-Medicinal-Wesens und deren Verwerthung für die Vereins-Thätigkeit, die sorgfältigen Arbeiten für die internationalen Aufgaben halten zur Folge, daß das leitende Central-Comil^ sich das Vertrauen nicht nur der nächstbetheiligten Vereinskreise, sondern auch der Behörden verdiente und erwarb. Hierzu kam die An­regung durch die Würzburger und Pariser Conferenzen 1867, durch den Congreß zu Genf im October 1868 und die aus demselben hervorgegangenen Aditional- artikel zur Genfer Convention, endlich das Erscheinen der Preisschriften von Appia und Löwenhardt, des Epoche machenden Werkes von Löffler und einer großen Anzahl von zum Theil bedeutenden Arbeiten, Berichten und Schriften über die Leistungen und Erfahrungen aus dem Kriege 1866, alles Umstände, die eine gewisse Bewegung unterhielten.

Eine besondere Sorgfalt widmete zu jener Zeit das Central-Comitü der Vermehrung der Pflegekräfte für den Krieg. Eine genaue Statistik über die von Seiten der katholischen Orden und der Diakonissen- und Dia­konenhäuser in Aussicht gestellten Pfleger und Pflege­rinnen ergab die Nothwendigkeit, die Leistungen auf diesem Gebiete zu erhöhen.

Was unter den gegebenen Verhältnissen möglich war, ist geschehen, und wurde gerade diese Seite der FriedenS- arbeit mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt, unter wesentlicher Unterstützung Seitens unserer Provinzial- und Local-Vereine.

Zu jener schweren Zeit hielt uns vor Allem aufrecht die unermüdliche Anregung und Theilnahme Ihrer Majestät. Hatte das gestimmte Militärwesen Höchst Ihrer landesmütterlichen Fürsorge und kräftigen Ini­tiative die wichtige im Frühjahr 1867 zu Berlin ab­gehaltene Sanitätsconferenz zu verdanken, so waren wir in allen unseren Arbeiten, in Allem, was zur Be­festigung unserer Organisation und zur Erhöhung unsers Ansehens geschehen konnte, der Mitwirkung und Hülfe Ihrer Majestät gewiß.

Eine wesentliche Hülfe, eine Art Ergänzung seiner Friedensthätigkeit erhielt der preußische Verein durch die am Tage des Dank- und Friedensfestes (11. No­vember 1866) erfolgte Begründung des vaterländischen Frauenvereins, der unter dem Zeichen des rothen Kreuzes in engster Verbindung mit dem Preußischen Verein stand.

Welche Bedeutung diese Thatsache für die Concen- trirung der weiblichen Hilfsthätigkeit im Kriege und deren raschen Anschluß an die Organisation des Preußischen Vereins gehabt hat, darüber werde ich später noch zu reden haben. Für uns war es ein großer Fortschritt, einen Verein zur Seite zu haben, der das, was wir im Kriege erstrebten, schon im Frieden ausführte: Linderung menschlichen Elendes und thatkräftiges Ein­greifen in die Nothstände, wo und wie solche unerwartet hervortraten.

Es beherrschte zu jener Zeit die leitenden Männer des Preußischen Vereins das drückende Gefühl, daß eine so große Organisation während des Friedens nur der Vorbereitung für den Krieg dienen sollte: mehr und mehr trat die Erwägung in den Vordergrund, ob es nicht möglich sei, diese vorbereitente Thätigkeit in Einklang zu bringen mit den humanen Forderungen der Gegen­wart. Man fragte sich, ob es gerechtfertigt sei, die Sympathien des Volkes in Anspruch zu nehmen für einen ungewissen Nothstand der Zukunft, während die Gegenwart der Menschenliebe und Opferfreudigkeit mehr als eine Aufgabe zuweise zu thatkräftigem Handeln.

Aus diesen Erwägungen ging das Verlangen hervor, den Hülfsvereinen im Frieden solche humane Aufgaben zuzuweisen, die, wie der Krieg, rasche und geordnete Hülfe verlangen, die vor Allem aber den allgemeinen Nothstand, den Krankheit und Elend erzeugen, zu er­leichtern im Stande waren. In dieser Beziehung den Frauenvereinen in ihrer Friedensarbeit zur Seite zu stehen, war das Ziel dieser Bestrebungen.

I Schon in den Denkschriften des Central-Comit^s vom 6. Juni und 24. September 1868, sodann in der Generalversammlung am 14. Dezember 1868 nahm dieses Streben festere Gestalt an, indem die Zweig­vereine ersucht wurden, die Fürsorge für die Aus­bildung von Krankenpflegerinnen fortzusetzen und An­ordnungen zur Verwendung derselben in der Armen- Krankenpflege zu treffen; auch wurde den Vereinen empfohlen, geeignete Aufgaben mildthätiger Friedens- thütigkeit nach Maßgabe der besonderen Verhältnisse und Bedürfnisse ins Auge zu fassen und zur Lösung derselben mit den Zweigvereinen des vaterländischen Frauenvereines in Beziehung zu treten.

Auch wurde das Central-Comit^ von der General­versammlung beauftragt, eine dieser erweiterten Friedens­thätigkeit entsprechende Aenderung des Vereins-Statuts herbeizuführen.

Diese Bestrebungen gingen aber noch weiter und gipfelten in der der internationalen Conferenz zu Berlin (22.27. April 1869) vorgelegten Denkschrift über die Friedensthätigkeit der Hülfsvereine" und in den durch dieselbe begründeten Vorschlägen des Preußischen Central-ComitSS: Diese Vorschläge, in sehr eingehenden und lehrreichen Berathungen der internationalen Conferenz wesentlich geläutert und beschränkt, bildeten die Grundlage

für die die gesammte Friedensthätigkeit umfassenden Reso­lution vom 27. April 1889.

Es liegt mir fern, hier die internationalen Fragen, die der Conferenz vorlagen, zu erörtern. Für unser Vereinsleben waren jene Tage der Conferenz die be­deutungsvollsten; gaben sie doch den hocherwünschten Anlaß, einem in der Generalversammlung des Preußischen Vereins am 14. Dezember 1868 gefaßten Beschlusse nachzukommen, der das Central-Comit6 des Preußischen Vereins ausforderte, in dankender Anerkennung für den bereits erfolgten Anschluß der Landesvereine in anderen norddeutschen Staaten, für die Herbeiführung einer engen Gemeinschaft mit den übrigen norddeutschen und mit den süddeutschen Vereinen behufs eines erfolgreichen und einheitlichen Zusammenwirkens im Kriegsfalle die geeigneten Schritte zu thuen. Nach den nöthigen Vor­verhandlungen traten die Delegirten der Landesvercine von Sachsen, Bayern, Würtemberg, Baden und Hessen mit den Delegirten des preußischen Vereins zu einer Berathung zusammen, die am 20. April 1869 zu einer Gesammtorganisation der deutschen Vereine zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger" führte.

Diese That war von bahnbrechender Bedeutung für das Hülssvereinswesen in ganz Deutschland: unser Allerhöchster Protektor erkannte dieselbe mit folgenden Worten an:die am 20. April getroffene Uebereinkunft mit denjenigen Vereinen, mit welchen das Central- Comit« vorher noch nicht in näherer Verbindung stand, begrüße Ich als eine Gewähr für eine die Vereinssache wesentlich fördernde Friedensgemeinschaft und für ein im unerwarteten Kriegsfalle sich der Heeresleistung eng anschließendes Zusammenwirken aller deutschen Vereine."

Unsere Vereinssache lag nun sicher auf der doppelten Grundlage der Einigkeit und der Friedensarbeit.

Fast zu gleicher Zeit mit diesen Vorgängen erschien, am 29. April 1869, dieSanitätsinstruktion für die Armee im Felde" und veranlaßten die Bestimmungen derselben über die freiwillige Krankenpflege im Kriege das Central-Comit6 des Preußischen Vereins, eine möglichst präzise Anerkennung seiner Organisation amtlicherseits herbeizuführen. Die diesbezüglichen Ver­handlungen führten zu einem befriedigten Abschluß durch einen Allerhöchsten Erlaß Seiner Majestät des Königs an den Kriegsminister vom 12. Mai 1870.

In Folge dieses Erlasses nahm das Central-Comit« des Preußischen Vereins am 20. Mai 1870 Veranlassung, unter Uebersendung eines Auszugs der Sanitätsinstruk­tion alle Provinzial- und Lokalvereine sowie die Landes­vereine des norddeutschen Bundes auf das Eingehendste über die Bedeutung der Sanitätsinstruktion für die Aufgaben der Vereine im Kriege und Frieden aufzu- klären, namentlich auch den maßgebenden Einfluß des im Kriege zu ernennenden Militärinspecteurs der frei­willigen Krankenpflege als leitender und verantwortlicher Spitze derselben auf das Nachdrücklichste hervorzuheben. Sodann wies das Rundschreiben auf die Stellung der neu geschaffenen Armeebehörde, der Generaletappenin- spektion zu der freiwilligen Krankenpflege hin, erläuterte bis ins Einzelne alle in materieller und personeller Be­ziehung den Vereinen zukommenden Pflichten, ermähnte zu einigem Zusammenwirken der Männervereine mit den Vereinen des vaterländischen Frauenvereins und ließ überhaupt keine Frage unberührt, die auf den Kriegsfall Bezug hatte.

Dieses denkwürdige Schriftstück wurde auch zugleich mit dem Auszuge der Sanitätsinstruktion den Vereinen des vaterländischen Franenvereins zugänglich gemacht: es war ein Mobilmachungsplan in großen Zügen, hervorgegangen aus dem vorahnenden Geiste unseres längst Heimgegangenen damaligen Vorsitzenden, Rud. von Sydow.

(Fortsetzung folgt.)