auf keine Spur von dem Dieb. Vorgestern endlich wurde ein Bureaubediensteter ertappt und verhaftet. Derselbe ist geständig sich in 16 Fällen an fremdem Eigenthum vergriffen zu haben.
Schmalkalden, 27. Febr. Der vor kurzem hier vorgekommene Fall, daß ein ganzes Schwein einer einzigen Trichine wegen verworfen werden mußte, hat zur Erörterung der Frage geführt, ob denn dies Verfahren regierungsseitig vorgeschrieben sei. Hierauf kann der „Thür. Hausfr." miltheilen, daß in ähnlichen Fällen — uns sind solche aus Steinbach-Hallenberg und aus dem Kreise Melsungen bezeichnet worden — auf erhobene Beschwerde der betr. Eigenthümer die königliche Regierung in Cassel die Entscheidung getroffen hat, daß das fragliche Fleisch zum menschlichen Genusse nicht verabfolgt werden dürfe. — Um sich vor Schaden zu bewahren, ist ja fast überall Gelegenheit durch Versicherung gegen eine verhältnißmäßige niedrige Prämie geboten.
Ausland.
Wien, 5. März. Die Belgrader Nachricht von der heute vollzogenen Abdankung Milans wird in hiesigen diplomatischen Kreisen mit dem Hinzufügen bestätigt, daß der längst geplante Schritt nur aus zwei Gründen hinausgeschoben wurde: erstens um durch die früher vollzogene Ehescheidung die Königin Natalie von der Regentschaft ausschließen zu können und zweitens, weil Milan seine mehr als bescheidenen Vermögensverhältnisse vorerst ordnen mußte. Das sei nun dadurch geschehen, daß der König die Hälfte der Civilliste fortab von fremder Seite beziehen wird. (?)
Rhön und Spessart, die kleine Vend^e.
(Aus der Buchonia.)
1796.
(Fortsetzung.)
„Allmälig wurden wieder die besten Hausgeräthschaften des propsteilichen Beamten, Kammerraths Valentin Köhler und meines Kameraden Balzer Iahn, welche bei dem Herrn Oberförster A. Koch in Sicherheit gebracht worden waren, herbeigeschafft. Von denselben mußten nun die Geräthschaften so lange geliehen werden, bis neues Hausgeräthe von meinem gnädigen Herrn angeschafft werden konnte. Da auch die Kirche von den Franzosen ausgeraubt worden war, so schickte hochfürstliche Gnaden der Bischof von Fulda, Adalbert von Harstall, zwei Kirchenparamente mit Kelch u. s. w. zum Gottesdienst, ferner sandte hochderselbe für unsere Ockonomie zwei Pferde und zwei Kühe, und für den Haushalt zwei vollständige Tischgedecke: der Herr Domdechant Freiherr Benedikt von Ostheim schickte für die Kirche eine Albe, ein Humeral, ein schönes Meßgewand, Kelchdecken, für den Haushalt Tischdecken und zwei Dutzend Servietten. Der Herr Oberjägermeister von Breidenstein ließ durch den Wildmeister Hof zu Niederkalbach meinem gnädigen Herrn die Summe von 1000 fl. überbringen, die Herr Oberjägermeister dem Herrn Propste leihweise ohne Zinsen vorstreckte, bis das Kapital wieder abgetragen werden konnte; ferner schickte der Herr Oberjägermeister ein doppeltes Tisch-Servis von englischen Steingut. Der Oekonom des Benediktinerkonvents Pater Gcorgius Hasenstab und der Professor Petrus Böhm schickten P/z Dutzend neue Hemden und P/s Dutzend Schnupftücher, von denen ich je */z Dutzend erhielt. Nun sprach mein gnädiger Herr, als er mir die Hemden und Schnupftücher überreichte, zu mir: „Heinrich, ich sagte Dir am Langenberg, als Du weinend meintest, es sei jetzt alles verloren, Gott hat es gegeben, Gott hat es genommen, er wird es uns auch wiedergeben, wenn wir nur auf ihn vertrauen und in den über uns verhängten Schickungen geduldig bleiben. Siehst Du, es ist eingetroffen, was ich gesagt habe, mein Gottvertrauen ist nicht zu Schanden geworden."
Der achtzigjährige Propst von Piesport mußte jetzt wieder seine alte Thätigkeit, die Leitung seiner Oekonomic aufnehmen, um letztere wieder in den gehörigen Stand zu bringen. Und es gelang ihm dies rasch und prächtig. Dem Oberjägermeister von Breidenstein konnte er schon in zwei Jahren das geliehene Kapital zurückzahlen. Von demselben war das von den Franzosen aus der Propstei weggeführte Vieh, das dieselben zu Spottpreisen in Schlüchtern verschleudert hatten, wieder an- gekauft worden, so daß bald wieder 28 Stück Vieh in die Stallungen der tropftet Sannerz eingeführt werden konnten. Merkwürdig, schreibt der Jäger Heinrich Wiegand, sobald das propsteiliche Vieh aus den Ställen der Wucherer herausgebracht war, kam die Viehseuche wie ein Würgengel in jene Ställe, kein Stück blieb verschon:, während das propsteiliche Vieh in seinen alten Ställen mächtig gedieh und an Wachsthum und Kraft sichtlich zunahm.
Nachdem Herr Propst Karl von Piesport seine irdischen Angelegenheiten auf das Beste bestellt hatte, wandte er sich in seinem 82. Jahre wieder ganz allein dem Geistlichen zu. So zum Tode wohl vorbereitet, starb er in seinem 84. Jahre bei vollem Bewußtsein am Montag nach Okuli 17. März 1800, Mittags 1 Uhr an Altersschwäche. In ihm verlor der Fuldaer Benediktinerorden
wohl seinen gelehrtesten und geistig hervorragendsten Prälaten, den der an hochbedeutenden Männern so reiche Orden im vorigen Jahrhundert besaß.
Auch im Spessart war wie in Franken und auf der Rhön der fürchterlichste Schlag, der die fliehenden Franzosen treffen konnte, der Aufstand, der bewaffnete Aufstand gegen dieselben, als Folge ihrer schändlichen Handlungen.
„Das sind des Himmels furchtbare Gerichte!«
Bei Hammelburg hatte sich eine Masse von Landleuten, die gewiß 6000 Mann zählte, angesammelt und sich gegen die Franzosen gestellt. Ein ehemaliger hessischer Dragonerkorporal, namens Bayer, war der Anführer dieser Rhön- und Saal-Armee. Sie schloß sich an die Fuldaer und Spessarter Bauern an. Schon ehe Erzherzog Karl auf seinem Siegeszuge Würzburg befreit hatte, also schon vor dem 3. September, hatte sich auch im Spessart ein kleines Heer bewaffneter Bauern gebildet, welches die Verbindung zwischen Jourdan und General Marceau (der vor Mainz stand), hemmte. Zwei Forstmänner, der Jäger Franz Witt und der Revierförster Peter Albert, standen an der Spitze und waren am thätigsten für der Befreiung Zweck. Viele Tage vor der Schlacht von Würzburg getraute sich kein Franzose mehr von Würzburg aus durch den Spessart zu gehen, denn in demselben wurden sowohl hin als herwärts Soldaten erschossen. Wenn eine Kolonne u. s. f. an den Rhein gehen sollte, wurde sie durch den Jrdenberger Wald auf Bischofsheim zu gesendet. Aber zu Ende August getrauten sich die Franzosen auch nicht mehr durch diesen Wald zu gehen, da einige von ihnen daselbst ebenfalls theils getödtet, theils verwundet worden waren. Alles, was von den Franzosen von Würzburg aus an den Rhein geschickt wurde, mußte jetzt über Wertheim, aber ganz dem Maine nach, gehen.
Die französische Armee, gedrängt von dem sie verfolgenden österreichischen Heere, wurde im Spessart durch den sich erhebenden Landsturm schwer geängstigt. General Marceau, Kommandant der französischen Streitkräfte am Rhein, hatte früher schon sich veranlaßt gesehen, eine Halbbrigade Infanterie und zwei Schwadronen abzusenden, um den Spessart von den Aufständischen zu reinigen. Vergebliche, undankbare Mühe! Die „kleine Vendee", wie die Franzosen die Rhön und den Spessart nannten, war nicht zu besiegen, nicht der Aufstand zu unterdrücken. Jeder Erfolg spornte die Landbevölkerung zu neuen Unternehmungen. Sie nahmen in der Gegend von Freudenberg die Schiffe weg, auf welchen die Würzburger Artillerie von den Franzosen weggebracht werden sollte, ebenso 30 schwerbeladene Wagen, und thaten den Feinden Schaden, wo sie nur konnten. Rache zu nehmen, zog ein Corps Franzosen mit Geschütz aus Aschaffenburg bis Obern- burg. Aber 10,000 Bauern beschlossen, den Franzosen Stand zu halten und rückten von Miltenberg an, worauf die Franzosen für gut fanden, sich zurückznziehen.
Am 5. September rückte Erzherzog Karl in zwei Kolonnen von Zell nach Aschasfenburg. Bei Bessenbach kam es am folgenden Tage zu einem Treffen, an welchem auch das Spessarter Bauernheer theilnahm. Ohne Zeitverlust fiel Alles über die Franzosen her. Die französische Reiterei wurde von der überlegenen österreichischen sofort in die Flucht geschlagen, die Infanterie aus einander geworfen. In wilder Flucht wurden die Geschlagenen von den Oesterreichern und den Spessartern auf Aschaffenburg getrieben. Bei dieser Gelegenheit schlug der kurmainzische Revierförster Peter Albert in Waldaschaff dem österreichischen Befehlshaber vor, ihm eine Abtheilung Schützen anzuvertrauen, um der Hauptarmee voran, von der Seite in die Stadt zu kommen und so den Feind aus Aschaffenburg zu verjagen.
Albert führte die ihm zugewiesenen Truppen durch die Fasanerie und das Schönthal über den Agathi- kirchhof in die Stadt. Es entspann sich sofort ein heftiger Straßenkampf, die Franzosen wurden nunmehr von allen Seiten angegriffen und schließlich bis nach Leider zurückgeworfen. Zahlreiche Todte, insbesondere am Schloßplätze, bedeckten die Straßen der Stadt. Der „Rheinische Antiquarius" (II. Abtheilung, 7ter Bd. pag. 208 fs.) berichtet über dieses Treffen bei Aschaffenburg Folgendes:
„Von allen Seiten bedrängt, bestanden die Franzosen gleichwohl noch eine Reihe blutiger Straßengefechte, doch wurde ihnen zuletzt das Feuer der kaiserlichen und spessarter Schützen, die hier gleichsam zu einem Wettstreit berufen, allzu überlegen, sie nahmen Reißaus, theils durch den Main, denn die Brücke war der großen Zahl der Fliehenden zu eng geworden, theils an den Kapuzinerfelsen vorbei, allwo mancher noch ertappt ward. Auch über der Brücke und am Schönenbusch gab es noch viele Todte, Blessirte und Gefangene, dagegen wurde der Kanonikus v. Mayerhofen*) von einem Franzosen so schwer mit Säbelhieben verletzt, daß er bald darauf starb.
„Es gab noch einen ängstlichen Moment, als urplötzlich den Jubel des Volkes übertäubte der französische Marsch. Die fröhliche Menge stäubte auseinander, abermals eine Invasion befürchtend und nicht bemerkend,
*) Ein naher Anverwandter des Geheimraths und Vicedom- in Fulda von Maptrhoftu, früheren Obkramtmann» von Brückenau.
daß die Trommeln die Retraite wirbelten. Es kamen an die 300 Grenadiere, die zu Gefangenen gemacht, auf dem Marktplatz das Gewehr strecken mußten. In der gewonnenen Stadt ritt Erzherzog Karl ein und um ihn drängten sich bewaffnete Bauern ohne Zahl, * alle mehr oder weniger beladen mit dem Feinde abgenommenen Trophäen, die Einen französische Hüte aufgestülpt, die Anderen französische Kamaschen an den Beinen, die Meisten französische Gewehre, Säbel und Patrontaschen führend. Sogar eine vollständige Musikbande, den Schellenbaum nicht vergessen, hatten die Bauern sich zugelegt, also Zeugniß gebend von dem ungeheuern, dem Feinde beigebrachten Verlust.
„Zur Mitte der Stadt gelangt, betrachtete der Erzherzog mit Wohlgefallen die improvisirten Waffenbrüder, dann richtete er an sie Worte des feurigsten Dankens, mit der Ermahnung schließend, daß sie jetzt, nachdem erreicht das große Ziel, gesichert die Befreiung von Deutschland, zu ihren Feldarbeiten zurückkehren möchten. Und es nahm das Wort ein ältlicher Bauersmann des würdigsten Ansehens, sprechend: „Gnädiger Herr, damit ist es nicht genug, zu Ende muß gespielt werden das Spiel, auf daß wir Ruhe gewinnen für immerdar."
Der Antiquarius fügt an diese Erzählung die gewiß zutreffende Bemerkung: „Warum ist dem ehrlichen, verständigen Spessarter nicht geglaubt, den aufgelösten Banden der Franzosen nicht nachgelaufen worden —■ unerläßlich ist, sind sie einmal zum Laufen gebracht, das Nachlaufen — über den Rhein über die Maas, znr Oise und Seine?"
Es war ein erschütternder Anblick, die Uebereste des völlig gesprengten französischen Corps unter Bernadotte am 7. September in Frankfurt ankommen zu sehen. Auf jedes Gesicht hatte das Entsetzen seine starren Züge eingegraben. Und die Verfolgung der Landleute hörte nicht auf. Ueberall waren sie da, auf den Feind zu schlagen. Durch diese bewaffneten Bauern verloren die Franzosen den größten Theil ihres Raubes wieder, den sie in den eroberten Ländern zusammengebracht hatten. Noch in der Gegend von Rüdesheim erbeuteten die Bauern 50 Wagen mit Tuch, Kattun u. dergl- Effekten, nachdem sie die Eskorte in die Flucht gejagt hatten. Und jenseits der Lahn griffen die Nassau-Siegen'schen Landleute neun Geldwagen, von Chasscurs begleitet, an und machten eine ansehnliche Beute.
Wenden wir uns jetzt wieder dem Hauptcorps der Sambre- und Maas-Armee unter dem Obergeneral Jourdan zu, welche wir bei Schlüchtern verlassen haben. Als Jourdan unterrichtet wurde, daß sich der Feind auf der Seite von Orb und Aufenau gezeigt habe, zog er am 7. September über Ulmbach, Birstein, Nidda, Butzbach nach Wetzlar, wo er am 11. September an- langte. Bei Gießen kam es am 16 September zu einem Treffen zwischen den Oesterreichern und den Franzosen, das zu Ungunsten der letzteren ausfiel.
(Schluß folgt.)
Vermischtes.
— Carueval - u. Ballrechnung eines Familienvaters mit 4 heirathsfähigen Töchtern:
Ausgaben für Anna 39 Th.
„ Elise 28 Th.
„ Berta 22 Th.
„ Sopbie 19 Th.
Summa 108 Th.
Sophie angebracht
ab 19 Th.
Balldeficit 89 Th.
Marktberichte.
F rankfurt, 4. März. (Produktenbörse.) Weizen, Hits, und Wetterauer 19,50 — 75 M. kurheff. 19,60—75, Mk., norddeutsch. -,---, Mk., südruff. 21,50 22,25, Mk., ungarisch.
21,50 - 22,50 Roggen, Hies. 15,75-16 Mk. Pfätzer 16,25, Mk. ungar.----,-Mk., Gerste, hies. 16,-- 16,75Mk., frank. 16, - ,-17,25 Mk., Pfälzer 17 -,-17,75 Mk. ungarisch. 19,50 - 21 - Mk., Hafer, Hies. 14--,14,50-Mk. baytrif*« 13,75 — 15,50 Mk.— Alles per 100 Kilo netto effektiv loco hier.
— 4. März. Der heutige Viehmarkt war mit 308 Ochsen, 18 Bullen, 482 Kühen, Rindern u. Stieren, 425Kälbern, 130 Hämmeln, 320 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. 63 Mk., 2. Qual. 58 M., Bullen 1. Qual. 41 Mk., 2. Qual. 39 Mk, Kühe, Rinder u. Stiere 1. Qual. 52 M. 2. Qual. 48 M. Alles per 100 Pfd. Schlachtgewicht. Kälber I.Qual. 60 Pf., 2 Qual. 48 Pf., Hämmel 1 Qual. 62 Pf., 2. Qual. 52 Pf., Schweine 1. Qual. 57 Pf., 2 Qual. 55 Pf. Alles per 1 Pfund Schlachtgewicht.
Cassel, 6. März. Waizen 18,46—14,90 Mk., Roggen 16,60 -17-, Mk., Gerste,-,--,- Mk., Hafer 13,60-14,30 Mk. Alles per 100 Kilogramm.
Witterungsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 Tagen muth' maßlich folgenden Gang nehmen: Es wird wärmer werden; der Himmel wird bedeckt sein; es werden Süd- bis Westwinde vorherrschen; Anzeichen für Niederschläge sind vorhanden.
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Sonntag, den 10. März 1889.
Morgengottesdienst: Herr Superintendent Heck. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Hartmann. Wochendienst in der Stadt: derselbe.