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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

§ 20

Samstag, den 9. März.

Kaiser Wilhelm L t am 9. März 1888

Mit Kränzen Deinen Heldensarg zu schmücken, Nah't Dein Alldeutschland Deinem Grabe heut, Und auch der Sänger will sein Veilchen pflücken, Wie es dem Dichter seine Muse beut!

Verklärter Held! sieh' aus Walhalla's Hallen

Zu Deinen Treuen heute doch herab

Und höre ihre Klagelieder schallen

Und sieh' sie knieen hier an Deinem Grab!

Ein Schmerzensjahr wie kein's, ist heut vergangen,'

Von Gott verlassen schien das deutsche Land) Die Saiten an des Sängers Harfe sprangen) Sein Engel hatte weinend sich gewandt.

Was einst im Muth des Glaubens er gesungen, Das Schicksal hatte es nicht wahr gemacht! ' Denn auch Dein hehrer Sohn hat ausgerungen.

Der Tod nur hell'te seine Leidensnacht.

Er, Deutschlands Stolz und edler Freiheit Hüter, Ein Ideal an Schönheit und an Kraft,

Voll Huld als Mensch, voll Milde als Gebieter, Ward bald nach Dir so jäh' hinweg gerafft.

H Der Tod, der keinem Purpur je sich beuget,

Und dessen Sichel trotzt nicht Schloß noch Wehr, Ihm hat auch er sein Heldenhaupt geneiget, Nicht schützte ihn sein sieggewohntes Heer. h

B O Du, den einst ein Gott dazu erkoren, Den Traum der Jugend machtest Du uns wahr! B Ein Deutschland wurde uns aus Macht geboren! Dir danken wir's! Gott schützte Deinen Aar.

An Deinem Grabe schwören wir aufs Neue,

N Du edler Zoller! Heut aufLebelang" h Wie einst dem Sohn, dem Enkel uns're Treue,

Mit Gut und Blut! Dies ist der Deutschen Dank!

Dein gutes Schwert und Kaiser Friedrich's Segen Sie mögen Deinem gotterwählten Ahn

; Zur Seite stehn auf allen seinen Wegen Und ihm erleichtern seine schwere Bahn.

p Das walte Gott, der Schützer aller Throne!

Wir Alle kommen, wenn der Kaiser ruft!"

Die Treuen All', der Vater mit dem Sohne."

Der Sänger schwört Dir's weinend in die Gruft!"

Fritz Becker in Thalhof.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. März. Unser Kaiser empfing heute unter Anderen den Kapitän zur See Plüddemann, Comman­dant derLeipzig" vor seiner Abfahrt nach Zanzibar, ferner diejenigen Offiziere und Militairürzte, welche nach Ostafrika gehen und in ihren dort im Felde zur Verwendung gelangenden Uniformen erschienen waren. Nachmittags werden die Majestäten einer Einladung des französischen Botschafters zum Mittagsmal folgen.

Der Herzog von Coburg-Gotha und die Schleswig-Holstein'schenHerrschaften haben Berlin wieder verlassen.

Der Exerzirmeister des sechsjährigen Kronprinzen, Feldwebel Hauck von der 2. Kompagnie des 1. Garde- Regiments zu Fuß, ist, wie derB. B.-C." erfährt, am Montag in Potsdam verhaftet worden. Die Ver­haftung erfolgte vor versammelter Mannschaft durch den Kompagniechef.

6000 Remoute-Pferde sollen als Reit- und Bespannungspferde für die Feldartillerie demnächst von der Remonte-Commission aufgekauft werden. Unter den hiesigen Pferdehändlern herrscht infolge dieser Bekannt­machung eine begreifliche Aufregung - ein Jeder möchte selbstverständlich so viele Pferde liefern, wie irgend aus­führbar, und florirt daher der Zwischenhandel mit den Züchtern augenblicklich lebhaft. Das gute Material er­fährt hierdurch eine stetig zunehmende Preisversteigerung.

Löbstädt. In der Schlacht bei Wörth hatte sich unter den Vermißten auch der Ulan August Pfeifer aus Löbstädt bei Stadtsulza in Sachsen-Weimar befunden. Seine Eltern, begüterte Landleute, haben bisher ver­geblich auf ein Lebenszeichen von ihrem Sohne geharrt. Endlich haben sie, wie dem GraudenzerGeselligen" ein in Westpreußen angesiedelter sächsischer Freund der Familie mittheilt, einen Brief von dem verloren geglaubten Sohn aus Algier erhalten. In einem Sack Kaffee, der an das Betriebsam! Erfurt gelangte, fand sich nämlich vor Kurzem der Brief vor und das Betriebsamt hat ihn dann den trauernden Eltern zugestellt. Der Sohn theilt ihnen darin mit, daß er schon oft an sie geschrieben, daß aber die französischen Behörden in Algier seine Briefe vernichtet haben müßten, da er niemals Antwort erhalten habe. Der eigenartige Fall ist zur Anzeige gebracht worden und die deutsche Reichsregierung soll sich mit einer Anfrage an die französische Regierung gewandt haben. Bisher haben die Franzosen immer alle Geschichten von

Würzburg, 2. März. Zum Kiliansfeste sind sämmtlche bayr. Bischöfe und der Bischof von Fulda eingeladen worden. Einige, darunter der Fuldaer, haben bereits ihre Theilnahme zugesagt. Aus Anlaß der 1200jährigen Jubelfeier der Einführung des Christenthums in Franken im Monat Juli werden auch einige Erinnerungs-Me- daillen geprägt.

In Freinsheim (Pfalz) ist bereits ein Storch an­gekommen. Der wird wohl seine langen Beinen er­frieren wollen. ____________________________

Tages-Ereignisse.

Schlüchtern. Die Lohnschreiber bei der Justiz­behörde werden vom 1. März ab nach einem Justiz- ministerialreskript besser gestellt. Die Schreibsätze be­trugen bisher 5, 6, 7, 8 und 10 Pfg. und werden fortan betragen 5, 6, 7 8, 9, 10, 11 und 12 Pfg. Das Mindesteinkommen betrug bisher 42 Mark bei einem Schreiblohne von 5 Pfg. für die Seite, bis zu 66 Mark bei einem Schreiblohne von 8 Pfg für die Seite, während jetzt das Mindesteinkommen von 42 Mark bis 98 Mk. bei einem Schreiblohne von 12 Pfg. steigt. Ein großer Vortheil besteht auch darin, daß bereitsnach fünfjähriger Dienstzeit das Mindesteinkommen gewährt wird, während bisher erst nach zehn Jahren.

Auf dem Gebiete des Hufbeschlags ist neuerdings ein besonders für die Erhaltung des Hufes sehr wesent­licher Fortschritt zu verzeichnen. Am vorderen Ende des Hufeisen (Zehentheil) wird eine Einrichtung am besten ein einfaches Muttcrgewande angebracht, sodaß je nach Bedarf leicht ein scharfer oder ein stuinpfer Griff daran befestigt beziehungsweise ausgewechselt wer­den kann. Hierdurch wird die Zeit erspart und der Huf geschont, indem bei neuem Schärfen nicht jedesmal das Eisen abgenommen zu werden braucht. Näheres hierüber enthält eine Schrift der Fabrik Carl Hirsch u. Co. in Löbtau bei Dresden.

Es ist jetzt an der Zeit darauf aufmerksam zu machen, daß nunmehr das Abraupen der Bäume, Hecken rc. geschehen muß und daß die Raupennester durch Ver­brennen zu vertilgen sind. Kein Feld- oder Gartenbe­sitzer sollte es versäumen, diese äußerst wichtige Arbeit gründlich vorzunchmen; abgesehen von der gesetzlichen Strafe schädigt sich der Nachlässige bedeutend durch das Unterlassen derselben. Jetzt ist das Vernichten der Un- gezieferbrut mit leichter Mühe auszuführen, während dies nach dem Ausschlüpfen aus den Eiern unendlich schwierig und oft gar nicht ausführbar ist; die vom Laub

deutschen Gefangenen in Algier

wie sich I kahl gefressenen Pflanzen in Feld und Garten legen oft 'genug dafür trauriges Zeugniß ab.

für Märchen erklärt, man ist daher gespannt, die Sache hier aufklären wird.

S. Romsthal, 3. März. Eine unabsehbare Menschen­menge bewegte sich heute nach dem hiesigen Friedhof, um dem dahingeschiedenen Bauer und Gemeinderath Theodor Lauer aus Kerbersdorf die letzte Ehre zu er­weisen. Vor 3 Wochen noch stand der Verblichene am Grabe seiner ältesten Tochter, die im schönsten Mädchen- alter vom Todesengel überrascht worden war, nicht ahnend, daß nach wenigen Tagen auch er zur kühlen Gruft hinabsteigen müsse. Nun ruht der Vater neben der Tochter. Beide fielen einer ansteckenden Krankheit (Typhus) zum Opfer; auch der älteste Sohn lag wochen­lang auf dem Krankenbett. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat derselbe die gefährliche Krankheit in die Familie übertragen, nachdem er aus dem Militärkrankenhause in Bockenheim nach dem Elternhause zurückgekehrt. (Dem Vernehmen nach ist Grund zu weiteren Befürch­tungen vorhanden.) Möchte die schwergeprüfte Familie verschont bleiben! Theodor Lauer war ein braver Mann in des Wortes richtiger Bedeutung. Durch sein ehrliches, offenes Wesen, seine stete Bereitwilligkeit, dem Nebenmenschen ein Helfer zu sein, hat sich der Dahin- geschiedene viele Freunde erworben, die ihm auch über das Grab hinaus ein gutes Andenken bewahren werden. Die Gemeinde Kerbersdorf verliert in ihm einen fleißigen, geschickten Landwirth, einen der tüchtigsten Ortsbürger.

Er ruhe in Frieden!

Weichersbach. Ein Fest, wie es heutigen Tages nur höchst selten einmal vorkommt, ein Dienstjubiläum ganz besonderer Art, wurde vor Kurzem in dem Hause des Oekonomen Herrn A. hierselbst gefeiert. Am Petritag dieses Jahres waren es nämlich 50 Jahre, daß ein Knecht des Herrn A., Johannes Müller unter dem Namender alte Hannes" auch in weiteren Kreisen bekannt bei der gen. Familie in Dienst trat, bei welcher derselbe bisher geblieben ist und ihr mit großer Redlichkeit und Treue gedient hat. Anläßlich dieser seltenen Feier erhielt der Jubilar von dem hiesigen Kreis-Ausschuß ein ehrendes Anerkennungsschreiben, sowie 30 Mark Belohnung. Auch der landwirthschaftliche Kreisverein hat, wie wir vernehmen, ein Geldgeschenk dem treuen Knecht in Aussicht gestellt. Wir wollen nicht verfehlen auch an dieser Stelle des seltenen Festes zu gedenken, und dasselbe hiermit zur allgemeineren Kenntniß bringen. x.

Aus der Röhn, 4. März. Auf dem zu Eisenbahn- Büreaux für die Linie Fulda-Tann eingerichteten Schlosse Sicherstem sind sei einiger Zeit vielfache Dieb stähle darunter der eines Schmuckes imWerthcvon M. 700 verübt worden und selbst die schärfste Beobachtung führte