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Vor einigen Tagen wurden nun durch das hiesige Land- rathsamt die Fundstücke als letzte Erinnerung an seinen Sohn den Zimmermann Beckert in Marklissa übermittelt.

Tages-Ereignisse.

Schlächtern. Wie verlautet, wird demnächst eine Verordnung des Kaisers erscheinen, wonach der 9. März, als der erste Gedächtnißtag an das Ableben des Kaisers Wilhelm I., als nationaler Buß- und Bettag gefeiert werden soll. Alle öffentlichen Vergnügungen, Musik:c. hätten an jenem Tage zu unterbleiben und kirchliche Ge­dächtnißfeiern, sowie entsprechende Akte in den Schulen sollen stattfinden.

Wir wollen hiermit daran erinnern, daß am nächsten Dienstag, 5. März, in unserer Stadt Vieh- markt und am folgenden Tage, 6. März, Kram­markt stattfindet.

Hanau, 27. Februar. Der heute ausgegebeneReichs- und Staatsanzeiger" veröffentlich Folgendes: Se. M. der König haben Allergnädigst geruht: den Landrath, Geheimer Regieruugs-RalhGrafen Wilhelm von BismarcD Schönhausen zu Hanau zum Präsidenten der Regierung in Hannover zu ernennen.

Bockenheim, 25. Februar. Gestern Vormittag ver­unglückten aus dem benachbarten Hauptrangierbahnhose zwei Bahnbeamte, der eine, Wagenmeister Kuttlcr, geriet!) zwischen Puffer und wurde soverletzt, daß erbald darauf starb, der andere, ein Rangirer Namens Birk, kam unter eine Lokomotive und wurde vom Aschenkasten ersaßt und am Kopfe erheblich verletzt, doch wahrscheinlich nicht lebensgefährlich. Beide Leute sind hier wohnhaft.

Lebra, 26. Febr. Von der Strafkammer zu Kassel wurde gestern der Taglöhner Zilch aus Ronshausen wegen Urkundenfälschung zu 3 Monaten Gefängniß ver- urtheilt. Derselbe kaufte sich aber, um dieser zeitlichen Strafe zu entgehen, einen Strick, fuhr hierher nach Bebra zurück und ging die Straße nach seinem Heimaths- orte zu. Zwischen Weiterode und Ronshausen hing er sich an einem Birnbäume auf, der an der Straße steht und wurde dort seine Leiche von Vorübergehenden ent­deckt.

Cafsel, den 25. Februar. Der Herr LandeS- direktor beabsichtigt zu Ostern d. I. eine Anzahl der ihm auf Grund der Gesetze vom 13. März 1878, 23. Juni 1874 zur Zwangserziehung überwiesenen, zur Konfirmation und Schulentlassung gelangenden Kinder evangelischer und katholischer Religion, in der Lehre und Dienst unterzubringen. Lehrstellen werden gesucht für:Anstreicher, Buchbinder, Eisendreher, Korbmacher, Metzger, Müller, Sattler, Schlosser, Schmiede, Schreiner, Schneider, Schuhmacher, Wagner und Zangenschmiede." Die L ehrbedin guu gen sind: 3jährige Lehrzeit, jährliches Lehrgeld einschließlich Ersatz zu leistender Krankenkasse-Beiträge in der Stadt 40 Mk. und auf dem Lande 37 Mk. 50 Pf. Das Lehrverhältniß wird vertragmäßig geregelt.

Rintelu, 24. Februar. Aus Varenholz wird folgender Fall eines Scheintodes berichtet: Eine Frau erkrankte und starb. Das in Folge dessen bereits angeordnete übliche Geläute muste aber wieder eingestellt werden, als die Todtgeglaubte unerwartet die Augen geöffnet und wieder Leben erhalten hatte. Aber leider hat der Tod die Frau, welche acht noch lebende Kinder hinterlassen, doch ereilen sollen, denn einige Stunden nachher ist sie in Wirklichkeit gestorben.

Aus Kurhessen, 26. Februar. Eine grausige Eisen­bahnfahrt machte am vorgestrigen Tage der Locomotiv- führcr eines Güterzuges auf der Eisenbahnstrecke Carls- Hafen-Beverungen. Ein Augenzeuge theilt uns darüber Folgendes mir: Der betreffende Güterzug fuhr im Schneegestöber in oer Richtung nach Carlshafen zu; der Locomotivführer stand auf seinem Posten; der Blick durch das Fenster seines Standortes ist jedoch bei dem Schneefall getrübt, und so beugt sich der Führer seit­wärts hinaus, dabei aber rutscht er aus und sein dicker, steif gefrorener Mantel wird von dem Räderwerk der Maschine erfaßt, er wird hinabgezogen, geschleift und sieht seinen Tod vor Augen. Da, im kritischen Moment, ersaßt ihn mit übermenschlicher Kraft der Locomotiv- Heizer, der den Unfall wahrgenommen und mit Blitzes­schnelle auf die andere Seite der Locomouve gesprungen ist. Es gelingt ihm zum Glück auch noch, den Führer am Schöpse zu fassen und während er nun mit der Linken den durch den Schnee schleifenden Führer mit übermenschlicher Kraft festzuhalten sucht, daß er nicht unter die Räder gezogen wird, gibt er mit der Rechten Noth- und Bremssignal, sowie Contredampf und bringt so den Zug nach wenigen Secunden zum Stehen. Trotzdem war der unglückliche Führer doch über 400 Meter geschleift worden. Ein Glück für ihn war sicher­lich der tiefe Schnee, trotzdem hatte er schwere Wunden am Kopse und Armen erlitten und mußte nach Göttingen in die Klinik überführt werden.

Rhön und Spessart, die kleine Vendve. (Aus der B uchonia.) 1796.

Ausland.

Paris. Eine Schönheitsconcurrenz soll nun auch zur Zeit der Weltausstellung in Paris staltfinden. Wie derFigaro" berichtet, hat sich eine Anzahl hervor­ragender Künstler und Clubmen zu einem Comitee zu- sammengethan, das Theater des nouveau Cirque hat seine Räume für den Zweck zur Verfügung gestellt und

| wenn nun noch die preisgekrönten Schönheiten dazu- kommen, kann die Concurrenz losgehen. Dieselbe findet diesmal in der Weise statt, daß sämmtlichen Bewerbe­rinnen um den Grand-prix de Beaut6 de Paris ein vollständig gleichartiges Costüm vorgeschrieben wird, dessen Uniformität sich sogar bis auf den Schmuck und die sonstigen Toilettenzulhaten erstreckt. Die Erwählung der Schönsten findet auf dem Wege der öffentlichen Abstimmung statt. Die ausgesetzten Preise bestehen in einem Ersten zu 30,000 Francs, zwei weiteren zu je 2000 Francs und sechs dritten zu je 1000 Francs. Diejenigen Damen der ganzen Welt die Concurrenz ist selbstverständlich eine internationale welche sich nun stark oder vielmehr schön genug fühlen, in den Wettkampf um die Schönheitsgaben einzutreten, werden ersucht, ihre Adresse nebst Photographie zur vorläufigen Auswahl an den Secretär des Comitees Herrn C. Cor- neüier, Paris, 247, Rue St. Honor6, einzusenden.

Konstantinüpel. Eine fürchterliche Mordnachricht kommt aus Konstantinopel: Ein in einer Bäckerei be­schäftigter junger Grieche hatte den Haupttreffer der Türkenloose imBetrage von 300 000 Franken gewonnen. Freudestrahlend machte er den übrigen Leuten in der Bäckerei die Mittheilung. Der Besitzer der Bäckerei und die Gesellen faßten darauf den Plan, den Griechen zu ermorden und das Loos sich anzueignen. Sie warfen den armen Jungen in den Backofen, wo er zu Asche verbrannte. Beim Vorzeigen des Looses kam aber die Sache aus Licht. Die Mörder sind verhaftet.

(Fortsetzung.)

Waren einige jungen Fulder, Musiker, die es sich nicht nehmen ließen, in ein französisches Regiment als Hoboisten, einzutreten. Sie machten den Feldzug in der Sambre- und Maasarmee unter Jourdan mit. Einer von denselben gehörte zu jener Abtheilung, welche ihren Rückzug nach Fulda zu angetreten hatte. Bei Wüstenfüchsen wurde ein Theil derselben von den Bauern gefangen genommen, unter ihnen auch unser Fuldaer Landsmann. Man wollte ihm gleich den Garaus machen. Er flehte um sein Leben, das rührte die Bauern nicht, er sagte, daß er gar kein Franzose, daß er ein Deutscher, ein Fuldaer Landeskind sei, man zuckte die Achseln, er redete das schönsteFuldisch" in seinemreinsten Idiome", half nichts, bis sich endlich der Rädelsführer der Bauern seiner erbarmte und ihn aufforderte, wenn er doch ein Fuldaer sein wolle, so möge er bekannte Persönlichkeiten und Lokalitäten Fulda's angeben. Rasch j nannte er nun denschwarzen Mann", dasschwarze Krämers", dasBesel's Joxe" das Nonnenloch*) u. s. w. Er war gerettet. Alsbald erkannten ihn die Rhönbauern für einen Original - Fuldaer und entließen ihn nach seinerHeimath." Oft noch hat unserFuldaer Landsmann dieses Ereignisses als einer der schwersten Stunde seines Lebens gedacht, wir selbst haben ihn dasselbe in dem Wirthshause zu Bronzell, das früher häufig von Ful- daern besucht wurde, erzählen hören. Es war Franz Karl Riehl, der Lehrer der Französischen Sprache amFuldaer Gymnasium, welcher in der Mitte der 40er Jahre dahier verstorben ist.

Der Generalstabschef Ernouf entging nur mit Mühe der Rache der Landleute. Er halte sich mit dem General- stabe, mit allen Chefs und Employes der Heeresver­waltung u. s. w., unter einer nicht starken Bedeckung, nach Neustadt zurückgezogen. Plötzlich übersiel ihn hier, mitten in der Nacht, ein Schwärm Bauern. Ein Theil von Ernous's Begleitung wurde niedergemacht, mehrere, deren Erhaltung wichtiger erschien, wurden als Gefangene fortgeschleppt; alle aber rein ausgeplündert. Ernouf selbst konnte nur mit genauer Noth und mit einer ge­ringen Anzahl von Offizieren und Beamten sich durch die Flucht retten, nachdem er noch zuvor ein eben bei ihm eingetroffenes Schreiben des Direktoriums zu Paris an seinen Overgeneral Jourdan in Stücke zerrissen hatte, um es nicht in die Hände der Feinde kommen zu lassen. Ernouf galt für einen der humansten Generale der Jourdan'schen Armee, der die Plünderungen der Sol­daten verabscheute und für seine Person wenigstens möglichste Schonung der Bevölkerung in Feindesland angedeihen ließ. Freilich war es nicht vergessen worden, daß die von ihm bei dem Einzüge der Sambre- und Maasarmee in Franken am 20. Thermidor des vierten Jahres der Republik (7. August 1796) mit den frän­kischen Kreisständen zu Würzburg feierlichst stipulirte Uebeleinkunft, durch welche gegen eine Kontribution von 8 Millionen Livres allen Bürgern Frankens, welche sich der Armee nicht feindlich zeigten, Sicherheit der Person, Schutz des Eigenthums und Achtung der

*) Derschwarze Mann" ist das Haus Nr. 570 in der Mittel- straße, welches heute noch diesen Namen führt; daSschwarze KrämerS" ist daS Haus Nr. 522, Ecke der Karls- und Mittel- straße, damals dem Kaufmann Franz Tognola gehörig; daS Befel'S Joxe" ist das alte BäckerhauS Nr. 102, Ecke des Stein- wegS und des SaugäßchenS; daSNonnenloch" war ein Spezerei- laden, der sich an der Stelle befand, an welcher jetzt die städtische Mädchenschule errichtet ist.

Religionsgebräuche versprochen war, einige Tage später aus nichtigen Gründen für ungiltig erklärt wurde, und daß General Ernouf es gerade war, welcher aus dem Hauptquartier zu Büchenbach am 24. Thermidor (11. August) den fränkischen Kreisständen die Anzeige von her Ungiltigkeit der doch von ihm selbst abgeschlossenen

Uebereinkunft gemacht hatte.

Am 4. September waren die Franzosen in Hammel­burg eingerückt. Eine Abtheilung der Bernadotteschen Division hatte den Fuldaer Ort Unterthal halb abgebrannt und 11 Einwohner erschlagen. Die Erbitterung der dortigen Landleute war grenzenlos; alle Franzosen, welche in ihre Häude fielen, wurden unter grausamen Martern niedergemacht. Ein gleiches Loos stand dem General Bernadotte bevor und nur der edelmüthigen Menschenfreundlichkeit eines biedern Landwirthes, Wankel mit Namen, hatte er seine Rettung zu verdanken. Dieser, von Jugend auf mit der Gegend vollständig vertraut, brächte ihn im Bauernkostüme unerkannt durch die Banden und dann auf Jagd- und Schleichwegen in eine weniger gefährdete Regie. Bernadotte hat die muthige That Wankels nicht vergessen. Zwanzig Jahre später, als er, der vormalige französische General und seit dem 4. August 1810 erwählter Kronprinz von Schweden, nach dem am 5. Februar 1818 erfolgten Tode Karls XIII. als König den schwedischen Thron bestiegen hatte, richtete er an seinen Lebensretter einen eigenhändigen Dankbrief, in welchem er denselben als Zeichen seines Dankens einen schwedischen Orden, oder, nach Wahl, eine höhere Geldsumme anbot. Wankel wählte den Orden, der ihm auch alsbald verliehen wurde, und so sah man denn noch in den 30er Jahren den sonst so schlichten Landwirth, geziert mit dem Ritterkreuze des Wasa Ordens, in Hammelburg einher­gehen.

An vielen Plätzen, welche die Franzosen auf ihrem Rückzüge berührten, mußten sie Kanonen zurücklassen. So auch in dem Fuldaischen bei Brückenau gelegenen Dorfe Oberleichtersbach, wo damals der Benediktiner- pater und geistliche Rath Urban Thomas Landdechant war. Eine der dort verlorenen Kanonen kam, wie erzählt wird, später in den Besitz des vor einigen Jahren dahier verstorbenen Hospitalpfarrers Adam Ney und paradirte, als derselbe noch Pfarrer in Eichenzell war, vor dem dortigen ehemals fürstlichen Jagdschlößchen, seiner Pfarrwohnung. Auch Kanonen haben ihre Er­lebnisse und manche heitere Anekdote, die man vormals in Fulda sich zu erzählen pflegte, knüpfte sich gerade an dieses einstige Mordinstrument der Franzosen, das aber auf dem Pfarrhofe zu Eichenzell und anderwärts, p. 6. in Weyhers zu Landrichter Königs Zeiten, nur friedlichen Zwecken diente.

An demselben Tage, an welchem DivisionSgeneral I Lefsbvre mit der Vorhut in Ebersbach und Oberleichters­bach eingcrückt war, am 5. September, kam der Ober­general Jourdan nach Brückenau. Da sollte im be­nachbarten Dorfe Römershag die Familie Weikard schweres Unglück treffen. Die dortigen Einwohner wollten mit den Bauern aus der Nachbarschaft die Franzosen nicht über die Brücke durchziehen lassen. Ein dienstloser Jägerbursch erschoß einen Offizier vor seiner Truppe, Bauern rissen einige Chasseurs von den Pferden, tödteten und plünderten sie. Einige Bauern drangen in das Weikard'sche Nebenhaus und schössen auf die Franzosen. Diese schössen wieder in das Wei­kard'sche Wohnhaus. Der alte Weikard, der Vater des berühmten Arztes Dr. M. A. Weikard, suchte die wüthenden Bauern zurückzuhalten und zu beschwichtigen, da seine Ermahnungen aber vergeblich waren, so flüchtete er sich, als das gegenseitige Schießen immer stärker wurde, in seinen Garten. Die Franzosen drangen wüthend an den Ort, plünderten und mordeten, ließen bei dem alten Weikard allen Wein in den Keller laufen, fanden ihn selbst in dem Garten und tödteten ihn. Sein Schwiegersohn, I. W. Mackenrodt, der Amtmann im Orte war, wurde ^zwischen Reitern nach Brückenau fortgeschleppt zum General Jourdan, und nur dem Flehen und den Thränen seiner Tochter und seiner eigenen Herzhaftigkeit verdankte er es, daß er von einem schimpflichen Tode gerettet wurde.Diese betrübte Nachiicht von der Ermordung meines Vaters", schreibt Dr. M. A. Weikard, der damals in Heilbronn ver­weilte, in seinen Denkwürdigkeiten,hat mir lange keine ruhige Nacht gelassen. Mein Vater war nahe an achtzig Jahren und noch kraftvoll, so daß wir Geschwister uns oft schmeichelten, au ihm noch einen Greis von hundert Jahren zu sehen, sagte mir doch mein Bedienter, als ich aus Rußland 1783 kam: Ihr Vater ist ja noch jünger als Sie."

Wir greifen um einige Tage zurück. Die erste Ex­pedition der Rhönbauern war auf Kissingen gerichtet, wo damals ein französischer Lieutenant mit 50 Chas­seurs lag. Nachts erbrachen die Bauern die Stadtthore, rückten in Kissingen ein, plünderten die Franzosen und nahmen diejenigen, die sich nicht durch die Flucht retten konnten, gefangen. Durch die reiche Beute noch mehr lüstern und durch ihr Waffenglück dreister geworden, wagten sich die Bauern aus der bergigen Gegend in die Ebene. Am 28 August trafen über Krönungen und Maibach Verstärkungen ,non Landleuten ein und nun attakirteu sie die französische Einquartierung von Geldern