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in jedem Falle durch die Sachlage ausreichend gerecht­fertigt erscheinen.

Steinau. Der Domänenpächter Herr J. Keiser hier schlachtete am 21. cr. mehrere Schweine; dieselben wurden von dem Trichinenbeschauer Herrn Schultheis untersucht und 1 Stück im Gewicht von 327 Pfund als trichinös befunden.

Sterbfritz, 25. Februar. Wie friedlich die verschie­denen Konfessionen in Sterbfritz neben einander leben, und wie vorurtheilsfrei und gerecht die Majorität gegen die Minorität denkt, beweist der Umstand, daß die isra­elitischen Einwohner Bäcker Mendel Strauß und Kauf­mann Michael Schuster wiederum wie früher einstimmig in den Gemeindekörper (Gemeinde-Ausschuß) gewählt wurden.

Hanau. Am 1. März d. I. wird Herr Hauptlehrer Anton Löber von hies. Knabenmittschule sein 50jähriges Dienstjubiläum begehen. Die Feier soll um 10% Uhr Morgens in dem Sckale der Knabenvolksschule statt* finden. Nachmittags 5 Uhr wird ein Festessen im Saale zum Riesen abgehalten. Herr Löber besuchte von 1836 bis 1838 das Seminar zu Schlüchtern. Er wirkte zuerst als Lehrer am hiesigen evangelischen Waisen- Hause und zwar vom März 18391842, trat sodann in den städtischen Schuldienst über und kam 1848 an die jetzige Knabenmittelschule, welcher er seit 1875 als Hauptlehrer vorsteht. Viele von unsern Bürgern sind seine Schüler gewesen und verdanken ihm mit ihre Bildung. Sein freundliches Wesen, sein verträglicher Sinn, sowie sein biederer Character sind von seinen ehemaligen Schülern wie von seinen Amtsgenossen und seinen Mitbürgern immer besonders gerühmt worden. Möge es ihm, der so viel Gutes zum Wohle der Söhne unserer Stadt Hanau gewirkt hat, vergönnt sein, einen noch recht langen heiteren Lebensabend zu genießen.

(H. Z.)

Frankfurt a. M., 23. Februar. Eine aufregende Scene spielte sich gestern Abend um 8 Uhr in dem Bahnhof Sachsenhausen ab. In dem Moment, als der Berlin-Frankfurter Schnellzug in den Bahnhof einfuhr, warf sich, ohne daß es Jemand hätte verhindern können, ein junger Mann von ca. 18 Jahren, der Sohn eines hiesigen höheren Beamten, dem Zug entgegen, in der Absicht, sich tödten zu lassen. Derselbe erreichte indeß seinen Zweck nicht vollständig, sondern wurde von der Maschine, nachdem ihm dieselbe ein Bein abgefahren, zur Seite geschleudert. Wie verlautet, sollen Schul- verhältnisse das Motiv zu dieser unglückseligen That gewesen sein.

Stadthagen, 21. Febr. Der 12 Jahre alte Sohn des Kaufmanns Wilhelm Schweer hierselbst, ein eifriger Briefmarkensammler, schickte an den S ch a h von P e r s i e n deutsche Marken mit der Bitte, ihm dafür persische schicken zu wollen. Der Schah beauftragte auch wirklich den Minister für postalische Angelegenheiten damit, die Bitte des Knaben zu erfüllen, denn vor Kurzem traf folgendes in französischer Sprache abgefaßtes Schreiben aus Teheran an den jugendlichen Bittsteller ein, welches in deutscher Uebersetzung etwa wie folgt lautet:Herrn Franz Schweer! Ihre am 22. Novbr. v. I. eingegangene und uns zur Erledigung übergebene schriftliche Bitte, wird auf Befehl Sr. Majestät erfüllt, indem wir Ihnen einige Marken unseres Landes schicken. Genehmigen Sie, mein Herr, unsere besondere Hoch­achtung! Teheran, 7. 1. 1889. Achmed Khan, General-Director der persischen Post." Wenn der Schah da nur nicht einen dummen Streich gemacht hat, denn wer weiß, ob Herr Achmed Khan nun nicht in eine sehr lebhafte Correspondenz mit dem jungen Deutsch­land gerathen wird.

Neundorf, 22. Febr. Gelegentlich der Reise unseres Kaisers zur Jagd nach Bückeburg, hatte derselbe auch Gelegenheit, Schaumburger in ihrer Nationaltracht zu Gesicht zu bekommen. Diese Tracht hat dem hohen Herrn so wohl gefallen, daß er seiner Gemahlin davon erzählte. Die hohe Frau hat nun den Wunsch geäußert, die Tracht auch kennen zu lernen. Deshalb reist im Laufe der nächsten Woche ein Ehepaar nach Berlin, um sich dort in Nationaltracht vorzustellen. Die Tracht ist allerdings eine recht malerische und eigenthümliche. Sie besteht bei den Männern aus einem langen, weißen, leinenen Rock, dessen Taille sehr hoch ist. Eine Reihe Knöpfe, bei Wohlhabenden aus Silber und mit einem Roß geziert, schließt denselben. Beinkleider und Weste sind aus dunkelfarbigem Stoff, als Kopfbedeckung ein grober Hut oder Pelzmütze. Malerischer ist die Tracht bei den Frauen. Diese tragen einen langen rothen Rock mit 34fach gestepptem Saum, ein fein gesticktes Mieder, seiner Halskrause, Bernsteinkette mit dicken Kugeln und silbernem Schloß, bei Reichen ist letzteres golden, dicken silbernen Ohrgehängen und einer recht unkleidsamen Kopfbedeckung, welche bis über die Augen reicht und nur diese, die Nase und Kinn sichtbar werden läßt. Ein Theil der recht schönen Gesichter bleibt meistens verdeckt. Als besonderer Staat wird über diese Kleidung noch ein weißes Leinentuch (Laken) als Mantel getragen. Diese Tracht ist vorherrschend im Amte Rodenberg und im angrenzenden Bückcburgischen.

Rhön und Spessart, die kleine Vendse.

(Aus der B uchonia.)

1796.

(Fortsetzung.)

General en chef der französischen Sambre- und Maasarmee war Jourdan. Ihm beigegeben war Gene­ral Kleber, der auch zeitweilig, während einer Erkran­kung Jourdans, das Oberkommando führte. General Ernonf war Chef des Generalstabs, die einzelnen Divi­sionen kommandirten die Generale Lefvbre, Colland, Championnet, Bernadotte, die Reserve-Reiterei komman- dirte General Bonneau. Allen diesen Männern rühmte man die republikanischen Tugenden der Uneigennützigkeit, Einfachheit und Mäßigkeit im Leben nach. Bei Kleber mag dies unter allen Umständen zugetroffen haben. Wie es aber bei Jourdan damit bestellt war, darüber geben wohl folgende Vorkommnisse Aufschluß. In Sulzbach mußten dem Obergeneral alsbald nach seinem Einzüge 200 Boutcillen Wein, 100 Pfd. Rindfleisch, 50 Pfd Hammelfleisch, 150 Pfd. Kalbfleisch, ein großes Faß Bier, 100 Pfd. weißes Brod, 25 Pfd. Butter und Schmalz, 20 Pfd. Kaffee, 20 Pfd. Zucker und eine große Quantität Mehl, Reis, Rosinen, Citronen, Eier, Schinken, Gänse, Enten, Hühner und bergt mehr in das Schloß, in welchem er abgestiegen war, für seinen eigenen Bedarf und den seiner Suite geliefert werden. Um aber auch alles zu haben, was nur immer zu einer glänzenden Tafel eines an Einfachheit gewöhnten Ge­nerals erforderlich war, mußten noch 66 Bestecke, 120 Servietten, 6 Tischtücher und 6 Pfd. Wachslichter in seine Wohnung gebracht werden. Ein sächsischer Offizier, welcher Geschäfte im französischen Hauptquartiere hatte, das sich damals in Hersbruck befand, schreibt:Man hatte mir den General Jourdan als ein Muster der Mäßigkeit, als einen wahren Spartaner geschildert, um so größer war mein Erstaunen, eine mit Gebratenem aller Art; mit Geröstetem, mit Krebsen und Fischen besetzte Frühstückstafel zu finden. Wein war im Ueber* fluß da; mehrere Dutzend Flaschen des trefflichsten Rheinweins, symmetrisch aufgestellt, dienten dem Bur­gunder und spanischen Weine zur Einfassung, und diese große Zurüstungen waren keineswegs überflüssig, denn wenn die Franzosen uns vorgeworfen haben, daß wir immer guten Tisch und Wein lieben, kann ich ver­sichern, daß diese Herrn sich völlig in Deutschland naturalisirt haben." An dieses opulente Frühstück schloß sich das noch üppigere Mittagessen an.Man setzte sich zur Tafel", schreibt jener sächsische Offizier weiter, wo ich meinen Platz zwischen dem General Jourdan und Ernouf besam. Ich sage Ihnen nichts von der Pracht unseres Mittagsessens; ich habe schon zu viel von dem Frühstück gesprochen, und Sie können leicht daraus schließen, daß man uns keine Rumford'sche Suppe vorsetzte, sondern daß selbst ein Leckermaul hier volle Befriedigung fand. Ich will damit keineswegs die französischen Generale tadeln, daß sie einen guten Tisch führen; ich würde nie über diesen Gegenstand gesprochen haben, wären nicht so schreiende Widersprüche zwischen der wirklichen Lebensweise dieser Eroberer und den pomphaften Lobpreisungen ausgestellt, welche die Journalisten und Zeitungsschreiber von ihrer Mäßigkeit und Uneigennützigkeit machen. Von der ersten haben Sie schon eine Schilderung bekommen; in Hinsicht der Uneigennützigkeit aber muß ich bemerken, daß der General sehr schönes Tischgeschirr, auch einiges Silber­geschirr hatte, auf dem sich Namenzüge und Wappen fanden, die nicht von republikanischer Hand eingegraben waren, sondern bewiesen, daß die Stücke vorher irgend einem Reichsfürsten oder Prälaten gehört hatten."

Ein anderer französischer General, dem in einem bereits eingeschlossenen Orte 15, sage fünfzehn Gerichte aufgetragen wurden, ließ seinen Koch kommen, um ihn wegen einer so schlechten Bewirthung zur Rede zu stellen. Auf die Antwort, daß durchaus nichts mehr aufzutreiben gewesen sei, entließ er denselben mit dem Bescheide, daß wenn er noch einmal so schlecht be­wirthet würde, er ihn selbst wolle frikassiren lassen >

Vergebens erinnerte man sich noch immer in Deutschland des Wahlspruches, mit welchem Custine anfangs, als geharnischter Vertheidiger der Menschenrechte nach Deutschland gezogen war:Krieg den Palästen, Friede den Hütten!" denn gerade die Hütten waren es, die von des Krieges Geißel zuerst und am schrecklichsten heimgesucht wurden. Das Betragen des französischen Kriegers stand zum großen Theile in dem auffallendsten Widersprüche mit den Grundsätzen, für die er focht. Denn ohne Unterschied verübte er an Personen Gewalt­thätigkeiten und verletzte dabei ohne Schonung die heiligen Rechte der Menschheit, wie an dem wohlhabenden Städtebewohner, so an dem ärmsten Landmann. Dieser war aber noch weit übler daran als jener, denn in Städten gewann man meist auS öffentlichen Mitteln den kommandirenden Offizier, daß er den Gewaltthätig­keiten der Soldaten vorbeugte, während der Landmann denselben vollständig preisgegeben blieb, da er nicht die Mittel besaß, sich in gleicher Weise zu schützen.

Diese französischen Soldaten waren recht eigentlich Söhne jener alten Gallier, die, nachdem sie die Alpen überstiegen hatten und gegen Rom heranstürmten, den

Abgesandten der nachmaligen Hauptstadt der ganzen Welt erklärten:Das Recht liege in den Waffen, und den Tapfern gehöre Alles.") Was der Dichter Logau im 30jährigen Kriege gesungen hat, wird hier, wie der Historiker Posselt in seinenEuropäischen Annalen, Jahrgang 1796" schreibt, mit einemmal wieder modern:

Gebt hin in alle Welt, und lehret alle Völker!

Geht hin in alle Welt, und leeret alle Völker!

Der Teufel heischet dies, und jenes Christus; dsch Nichts mehr gilt Christi Spruch, des Teufels übt man noch."

Den deutschen Landmann hatte erst nur Schrecken gelähmt, aber bald trat Ingrimm an dessen Stelle; er fing an, die unermeßliche Bauernmasse um sich her und dagegen die französischen Soldaten zu zählen, die ihn so gehudelt und geplündert hatten, und Rache ist süß.

Wir übergehen die Kontributionen, welche die Fran­zosen einzelnen Kreisen und Städten auferlegten. In denselben spielte außer Naturalleistungen und dem baaren Gelde, dessen Forderung sich meist auf MiUiq- nen erstreckte, die Lieferung von Hemden, Schuhen, Stiefeln, Kamaschen eine Hauptrolle, denn mit diesen Gegenständen waren die Soldaten nur sehr mangelhaft versehen und man hätte sie ebenso als Sansbottes wie als Sonsculottes bezeichnen können.

Man hat vielfach dem Obergeneral Jourdan den Verfall der Kriegszucht in der Sambre- und Maas- armee zum Vorwurfe gemacht. Es mag daran etwas Wahres sein. Großen Schaden richtete aber das Heer von Employ^s, Kommissarien, Lieferanten an, welche als amtliche Blutegel das eroberte Land auSsaugten, während für die Soldaten und Offiziere meist nur elendiglich gesorgt war. Das Elend der letzteren mag man nach dem einzigen Umstände beurtheilen, daß eines Lieutenants Monatssold, die Assignaten in baares Geld umgesetzt, zu jener Zeit, wie in demRheinischen Anti- quarius" von Chr. von Stramberg zu lesen ist, zu jener Zeit nicht völlig 3 Livres oder 18 gute Groschen betrug. Die Noth zwang sonach diese Offiziere zu jenen Erpressungen und Plünderungen, unter welchen die Landbevölkerung Frankens so entsetzlich zu leiden hatte.

Schon gleich nach der Schlacht von Amberg am 24. August 1796 hatte sich das Landvolk der Oberpfalz gegen die Franzosen erhoben und der VolkSaufstand nahm zu von Tag zu Tag, von Ort zu Ort, je weiter Jourdan auf seinem fluchtähnlichen Rückzüge nach Franken kam. Tief fühlte Jourdan jetzt alle Beschwerlich­keiten und Schrecknisse eines Rückzuges in einem feind­lichen Lande, in welchem das Volk mit dem ihm ver­folgenden kaiserlichen Heere gemeinsame Sache machte. In den Bauern, welche aller Schliche kundig waren, fanden die Franzosen noch weit furchtbarere Feinde, als in den österreichischen Kriegern, denn kein Pardon war von dem Bauer zu hoffen, den zugleich Gewinnsucht und Rachgier spornte und demeinen Welschen kalt zu machen" noch ein verdienstlich Werk schien. Um ihre auf solche Art erschlagenen Brüder zu rächen, bräunte die französische Armee im Bambergischen mehrere Dörfer ab, aber die Wuth der Landleute ward dadurch nur um so mehr gereizt. Wie durch eine allgemeine Verabredung schienen die Bauern hinter und neben und vor Jourdan's Armeen im Masse zur Rache aufgestanden zu sein. Ganze Gemeinden hatten sich mit Flinten, mit Sensen, Heugabeln, Mistgabeln, Dreschflegeln bewaffnet, sie überfielen die zerstreuten Haufen der Feinde, und wehe den Franzosen, welche in die Hände der Bauern geriethen.

Verhältnismäßig am wenigsten schlimm erging c» den Franzosen noch im Main- und Baunachgrund. Daselbst begnügten sich die Einwohner größtentheils damit, das sie sich bei Annäherung eines französischen Korps in Bewaffnungsstand setzten und dann mit dem­selben einen förmlichen Waffenstillstand errichteten, welcher ohngefähr folgenden lakonischen Inhalts war:

Bauer nit kripp, nit schieß, nit hau, nit stech; Franzos nit kripp, nit hau, nit schieß, nit stech."

War ein solcher Vertrag geschlossen, so wurde er heilig gehalten, den Franzosen die nöthige Bedürfnisse verschafft, und sie zogen, von dem bewaffneten Volk stets beobachtet, ganz friedlich weiter.

Man will behaupten, daß schon auf dem Hinmarsch die einzelnen dem HauptkorpS nachzichenden Truppe» mit großem Mißtrauen erfüllt gewesen wären, auch oft bei den Landleuten nicht eher Speise und Trank zu sich genommen hätten, bis sie Einheimische davon kosten sahen.

Auf dem Rückzug aber stieg dieses Mißtrauen bis zu dem höchsten Grad von Aengstlichkeit. Hörten sie in einem Pfarrdorfe zur Kirche läuten, so schickten sie Jemand ab, welcher denn nach ihrer sonderbaren k«uder> welschen Sprache fragen mußte:

Franzos Bim Bim?" Ob nämlich gegen sie Sturm geläutet werde. Hieß es dann: Nein, nit Franzos, sondern Kirch, Bim Bim, so zogen fit ruhig weiter.

Als die Franzosen in den Streu- und Saalgrund einrüetten, besam der Volkskrieg eine andere Gestalt. Hier hatte sich der muthige Doktor Jgnaz Reder von Mellrichstadt an die Spitze der Bauern gestellt, stieß aber bei Herschfeld aus ein überlegenes französisch^ Korps. Er büßte seinen patriotischen Enthusiasmus