— Der heutigen Nummer liegt ein Prospect der „Berliner Abend-Zeitung" bei, welchen wir unseren Lesern zur geneigten Beachtung empfehlen.
— Zur Warnung für Schuhmacher. Der Kaufmann H. in Sorau hatte dem Schuhmacher B. ein Paar Stiefel zum Besohlen übergeben. Als er dieselben später anzog, verletzte er sich durch einen hervorstehenden Stift derartig an der Fußsohle, daß ungeachtet der Hilfe des Arztes eine Entfernung des Fußes nöthig wurde. Der Verletzte klagte nun gegen den Schuhmacher beim Landgericht Guben auf Entschädigung. Das Landgericht verurtheilte der „Neumärkischen Zeitung" zufolge den Schuhmacher zur Zahlung einer lebenslänglichen Rente von 900 Mark pro Jahr, sämmtlicher Behandlungskosten, sowie sämmtlicher Kosten des Rechtsstreites.
— Ab und zu erscheinen auch in hiesiger Stadt Händler, die Seifen von anscheinend recht guter Beschaffenheit zu spottbilligem Preis» feilbieten und auch ein gutes „Geschäft" machen. Das städtische Untersuchungsamt in Gotha hat ncuerdingsjcine chemische Untersuchung solcher Seife, die vor einiger Zeit gekauft war, vorgenommen und die nunmehr stark eingetrocknete und hartgewordene Seife ergab einen jetzt noch so hohen Wassergehalt (28,8 Proz.), einen so übermäßig großen Zusatz an Kochsalz (16,8 Proz.) und unverseiftem kohlensaurem Alkali, ferner den so geringen Fettgehalt von 27,2 Proz., daß diese Seife nicht allein als geringwerthig, sondern auch als verfälscht bezeichnet werden muß. Die Beschaffenheit einer solchen Seife ist direkt beim Ankauf schwer zu erkennen, es wird deshalb das Publikum im eigenen Jnte- reffe gewarnt, von herumziehenden Seifenhändlern Seife zu dem oft spottbilligsten Preise zu kaufen und demselben empfohlen, seinen Seifenbedarf in hiesiger Stadt, wo es an soliden Seifenhandlungen nicht fehlt, zu decken.
— Lehrerverhältnisse. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: In einem längeren Artikel „über das Rangverhältniß der akademisch gebildeten Schulmänner im öffentlichen Leben", dem die „Köln. Ztg." in Nr. 40 d. I. ihre Spalten geöffnet hat, wird unter Anderem vorgeschlagen, daß die akademisch gebildeten ordentlichen Lehrer der höheren Lehranstalten den Titel „Oberlehrer" erhalten und zur fünften Rangklasse gerechnet werden sollen. Es fällt auf, daß von dem Verfasser, welcher als ein Fachmann, der höhere Amtsstellungen bekleidet habe, bezeichnet wird, hierbei mit Schweigen Übergängen worden, wie den Lehrern an den staatlichen und den sonstigen unter alleiniger Verwaltung des Staates stehenden höheren Unterrichtsanstalten durch den allerhöchsten Erlaß vom 23. Juli 1886 der Rang der fünften Klaffe der höheren Beamten der Provinzialbehörden beigelegt worden ist. Bekanntlich sind dieselben hiermit auch in den Genuß des tarifmäßigen Wohnungsgeldzuschuffes der Beamten der fünften Rangklasse versetzt worden.
Bockeuheim, 20. Februar. Wie uns mitgetheilt wird, hat am Sonntag Abend ein junger Mann (Wagenputzer auf der Eisenbahn) dahier in einem Victualienladen in Folge einer mit einem Mädchen eingegangenen Wette 20 Eier und einen Laib Brod gegessen und zwei Flaschen Bier dazu getrunken, ohne daß es ihm etwas geschadet hat. Es ist dies auch ein Sport, wenn auch kein sehr sehr feiner.
Caffel, 17. Februar. Die diesmonatlichen Sitzungen des Landesausschusses, in welchen die nachstehend aufgeführten Angelegenheiten die Hauptgegenstände der Verhandlungen bildeten, nahmen am 11. ihren Anfang und wurden am 15. Nachmittags geschloffen. — Die Stelle eines Dirigenten des Landkrankenhauses zu Hanau, welche durch den Tod des Sanitätsraths Dr. Roll erledigt war und um welche sich 11 Bewerber gemeldet hatten, ward vom 1. April d. I. an dem Privatdocenten an der Universität Marburg, Dr. Carl Roser, übertragen. — Weiter ernannt wurden: die Secretariats- Assistenten Wagner, Salzmann, Weber, Morell und Schulz zu Secretaren; der Kanzlist Körte, sowie die Hilfsarbeiter Feisel II, Barthelmes und Mauß zu Secretariats-Assistenten und die Hülfsarbeiter Schleich und Feuck zu Kanzlisten. Der Jndustrielehrerin Gimpel an der Taubstummen-Anstalt zu Homberg ward aus Anlaß deren 50jährigen Dienstjubiläums eine außerordentliche Remuneration bewilligt. — Der Wegewärter Bildhäuser zu Dörnigheim wurde vom 1. April d. I. an pensionirt. Nachdem durch das sehr anerkenneswerthe Entgegenkommen des Herrn S. Aschrott der Bezirksverband in den Besitz einer 7 Hectare großen Fläche am Möncheberg dahier gelangt war, wurde der Herr Landes-Director ermächtigt, die nöthigen Vorarbeiten vornehmen und die Aufstellung eines bestimmten Projektes rc. in Betreff der Benutzung dieser Fläche ausarbeiten zu lassen, gleichzeitig aber beauftragt, auch an verschiedenen anderen außerhalb Cassels gelegenen und ihm bezeichneten Orten, die dortselbst in Betracht kommenden Grundstücke einer Prüfung in sanitärer, technischer und ökonomischer Beziehung zu unterziehen und einen Lageplan der Gebäude bezw. einen generellen Kostenanschlag für eine eventuell stattfindende Errichtung einer Siechen- und Blinden-Bewahranstalt aufstellen zu lassen. Hinsichtlich der Errichtung einer Unterstützungskasse für im Dienste verunglückte Feuerwehrleute ward von der Errichtung einer eigenen Kasse abgesehen und der Beitritt der Hess. Brandversicherungs-Anstalt zu der in Merse-
Rhön und Spessart, die kleine Vend^e.
(Aus der B uchonia.) 1796.
Am 5. April 1795 hatte Preußen mit Frankreich den Separatfrieden von Basel geschlossen. Dieser unselige Vertrag, welchem sich nachträglich auch Hannover und Hessen-Kassel anschlossen, mit seiner von Ostfriesland anfangenden, durch Westfalen, Franken, Sachsen bis nach Schlesien gehenden Demarkationslinie, gab nicht nur das linke Rheinufer den Franzosen preis, es riß auch die nördliche Hälfte Deutschlands von der südlichen los, so daß es fortan zwei Reiche, das österreichischdeutsche und das preußisch-deutsche gab, die Einheit der Nation war dahin. Für dieses war die Neutralität ausgesprochen, jenes hatte, verlassen von seinen seitherigen Bundesgenossen, gegen die durch ihre Siege übermüthig gewordenen Franzosen den großen Kampf jetzt allein auszustreiten. Das Jahr 1796 sollte ihn entscheiden. Oesterreichs Hauptmacht in Deutschland wurde vom Erzherzog Karl befehligt. Die Franzosen stellten ihm am Niederrhein den General Jourdan mit der Sambre- und Maasarmee-, am Oberrhein den General Moreau mit der Rhein- und Moselarmee entgegen, die mit dem gewohnten französischen Ungestüm angriffen und immer tiefer in Deutschland eindrangen. Jourdan rückte von dem Rhein nach dem Main, durch Franken nach der Oberpsalz, hier aber sollte sich sein Geschick erfüllen.
Am 24. August 1796 hatte Erzherzog Karl nach seiner Vereinigung mit dem kaiserlichen General von Wartensleben, den Kommandirenden der französischen Sambre- und Maasarmee General Jourdan auf das Haupt geschlagen. Jourdan mußte sich zurückziehen und sein Rückzug wurde zur Flucht durch dieselben Gauen, welche er wenige Wochen zuvor als Sieger durchzogen hatte. Ein Feind war gegen ihn aufge
bürg zu gleichem Zweck bereits bestehenden Kasse vorläufig auf die Dauer eines Jahres beschlossen. Den Königlichen Steuerempfängern wurden für Besorgung der Geschäfte der Landescreditkasse die von der Direction dieser Anstalt beantragten außerordentlichen Remunerationen und dem Gartenbauverein dahier die aus Anlaß der im Herbst v. I. veranstalteten Ausstellung in Aussicht gestellte Unterstützung von 500 Mark bewilligt. — Zur Ausführung geplanter größerer Obstbaumpflanzungen wurden den Gemeinden WolserShausen und Neuen- brunslar die gewünschten Darlehen von 900 bezw. 1400 Mark, fünf Jahre zinsfrei und dann unter günstigen Bedingungen der Verzinsung und Rückzahlung gewährt. — Nach Maßgabe der bestehenden Bestimmungen und Grundsätze wurden Unterstützungen für Landstraßen- und Landwegebau-Zwecke bewilligt: der Stadt Schmalkalden zur Canalisation der Gothaer Landstraße ; zur Unterhaltung der Landwege im Jahre 1889 an 19 Kreise, welche dieselbe auf Kreiskosten übernommen haben bezw. in welchen Gemeinden mit den bezüglichen Dienstleistungen überbürdet sind (über 62500 Mark); zum Neubau und der Correction von Landwegen, von denen die hauptsächlichsten sind: von Wannfried nach Döringsdorf; von der Frankenberg-Marburger Landstraße nach der Ruhrstraße mit Bau einer neuen Brücke über die Edder bei Frankenberg; bei der Stadt Carlshafen mit Bau einer Brücke über die Weser rc. — Zu der Regulirung der Lahn bei Marburg und Ausführung der damit in Verbindung stehenden Projecte, nämlich des Baues einer neuen Brücke zwischen Marburg und Weidenhausen, sowie der Anlage einer neuen Straße von der Bahnhofsstraße über die Rosenstraße, den Biegeweg und an dem Schlachthofe vorüber bis zum Pilgrimstein, ward unter der Bedingung der vollständigen Herstellung, ein namhafter Beitrag aus Fonds des Bezirksverbandes bewilligt, dagegen ein solcher zur Correction der Kinzig bei Soden und Salmünster erst dann in Aussicht gestellt, wenn die Regulirung derselben unterhalb der genannten Orte gesichert ist. — An Rechnungen vom Jahre 1886 kamen die der Jrrenheilanstalt zu Marburg, des Landeshospitals zu Haina und des Landkrankenhauses zu Fulda zur vorläufigen Abhörung.
Goldbeck, 19. Februar. Ein höchst bedauernswerther Unglücksfall hat sich gestern im Hause unseres Lehrers Aschenbrenner zugetragen. Sein Bruder, ein 18jähriger Schlosser, weilt bei ihm zu Besuch und beschäftigt sich mit der Reinigung einer Jagdflinte. Er schraubte den Kolben ab, füllte das Rohr mit Wasser und hielt das untere Ende ins Feuer, nicht ahnend, daß in dem alten Rohr ein Schuß sitze. Plötzlich entlud sich das Gewehr und die doppelte Ladung ging dem Unvorsichtigen durch den Leib. Der Unglückliche ist schwer verletzt; da der Hausarzt die alleinige Behandlung ablehnte, wurde der Keiswundarzt Dr. Coster hinzugezogen.
Münden, 18. Februar. Heute Vormittag gegen 10 Uhr machte ein Studirender der hiesigen Forstacademie P. aus K. in Posen, Aspirant für den Privatforstdienst in seiner Wohnung durch einen Kugelschuß in die Stirn seinem Leben ein Ende. Nach der gerichtlichen Feststellung des Thatbestandes hat bereits feit längere Zeit eingetretene Geistesstörung den Unglücklichen zu dieser That getrieben.
standen, fürchterlicher und gefährlicher als die Soldaten des Erzherzogs — die Bauern, das Volk. Einst, es waren noch keine sechs Wochen her, hatte Jourdan beim Beginne des Feldzugs eine prunkhafte Proklamation erlassen, „Krieg den Palästen, Friede den Hütten" hatte die Parole gelautet, aber wie hatten die Franzosen ihr Wort gehalten?!
Es ist wahr, bei ihrem Einzüge in Franke« kam ihnen vielfach unter den Einwohnern eine günstige Stimmung entgegen. Man traute den Versicherungen der Jourdan'schen Proklamation, aber nur zu bald sollten die Vertrauensseligen eines Andern belehrt und aus Freunden die erbittersten Feinde dieser Neufranken werden.
„Die vielfältigen Siege der Armeen der französischen Republik" — so lautet die Proklamation Jourdan'S, des Generals en chef der französischen Sambre- und Maasarmee an die Bewohner des rechten Rheinufers, vom 11. Messidor (Erntemonat) im Jahre 4. der französischen Republik (1796) — „das Geschrei der vom Kriege ermüdeten Völker, der nichts als Ruin und Verheerung für sie mit sich führt, die rührende Stimme der Menschheit, welche ohne Aufhören wiederholt, daß es Zeit ist, den Ströme» BlutS Einhalt zu thun, die eure Felder überschwemmen; nichts ka«u das verhärtete Herz eiterer Souveräne rühren, nichts ist im Stande, sie zu bewegen, einen Frieden zu verlangen, welcher die Ruhe und das Glück von ga«z Europa bestimmen muß. Wohlan denn; da doch noch Blut vergossen werden, da man den Krieg unter ihre Auge« bringe» muß, um sie alle seine Schrecknisse sehe« zu lasse», s, werden die französischen Armeen in Deutschland einrücken. Allein täuschet euch deswegen nicht, friedsame Bewohner dieser unglücklichen Gegenden! Ihr seid eS nicht, die wir zerstören wollen, wie man euch fälschlich zu bereden sucht, blos um euch gegen uns zu bewaffnen. Ihr werdet ohne Zweifel von der Anwesenheit der Armee», so immer unvermeidliche Uebel mit sich führt, zu leiden haben, allein fürchtet nicht, daß wir an euch bte Grausamkeiten und Greuel rächen, unter welche« die Bewohner unserer Grenzen erlagen, als der Kriegsschauplatz sich dahin gezogen hatte. Euer Eigenthum soll nicht verwüstet werden, ihr werdet euer Eigenthum nicht in Flammen aufgchen sehen. Bleibet daher in euren Herden, nehmet keinen Antheil an den kriegerischen Begebenheiten und ihr könnt darauf rechnen, bei alle« Chefs der Armee, die ich kommandire, Schutz zu finde»." — Und Artikel 1 dieser Proklamation lautet: „Den Generalen, Ober- und Unteroffizieren ist aufgetragen, die strengste Disziplin unter den Truppen zu handhaben, die sie kommaudiren: sie werden nach der Strenge des GesetzeS jedes Jndividium richten und strafe» lassen, welches sich erlaubt zu plündern, oder die Bewohner der Länder zu mißhandlen, durch welche die Armee ziehen wird."
Allerdings mordeten und bräunten die Franzosen nicht so viel als vor hundert Jahren in der Pfalz, aber sie raubten um so mehr und übten die scheußlichsten Mißhandlungen besonders an den Frauenzimmer» und den den Kirchen. Ihre viehische Unzucht überstieg jeden Glauben und ebenso ihre Kunst, den Leuten mit List und Gewalt den letzten Pfennig abzupreffen. Bei der damals in Frankreich bestehenden großen Finanznoth erhielt der französische Soldat oft Monate lang keinen Sold und war deshalb ausschließlich darauf angewiesen, sich seinen Unterhalt durch Plünderung zu verschaffen. Es ist erklärlich, daß dieser Zustand bei der Zuchtlofigkeit der Soldaten zu den größten Unannehmlichkeiten führte. Wie Rudel hungriger Wölfe verbreiteten sie sich über Stadt und Land, was sich fortschleppen ließ, wurde mitgenommen, was niet- und nagellos war, zerschlagen und unbrauchbar gemacht. In unsinniger Zerstörungswuth wurden am Rhein und in Franken die Fässer mit Wein zertrümmert, das Vieh, welches man nicht mit sich führen konnte, getödtet, die Bewohner auf Herausgabe angeblich versteckter Gelder gequält, die Frauen geschändet. Die französischen Generale selbst schrieben nach Paris, die Räubereien seien allgemein, die Soldaten ohne jede Zucht, und wenn die Offiziere den Unmenschlichkeiten entgegentreten wollten, werde auf sie geschossen. An allen Orten waren von den Franzosen die größten Brandschatzungen ausgeschrieben und wenn solche nicht gezahlt werden konnten, Geiseln mit fortgeschleppt worden. Kurz unendlicher Jammer und Elend bezeichneten allenthalben die Spuren der Franzosou in Deutschland. Kann es da Wunder nehmen, daß in den Gegenden, in welchen die Franzosen so unmenschlich gehaust, in Franken, in der Rhön, im Spessart, im Odenwald, das Volk sich erhob und Rache übte für die Greuelthaten, die der Franzmann an ihm begangen?
Einzelne interessante Bilder aus dem Gueriallakriege, wie er von der Bevölkerung der Rhön und des Spessart gegen die Franzosen gefochten wurde, unseren Lesern vorzuführen, ist der Zweck unseres Artikels. —
Jourdan hatte sich noch einmal auf seiner Flucht nach der Schlacht von Amberg, bei Würzburg gesetzt. Aber auch hier wurde er am 3. September 1796 vom kaiserlichen General Werneck geschlagen und erlitt einen Verlust von 9000 Todten und 2000 Gefangenen. Tags darauf rückte Erzherzog Karl in Würzburg ein. Der Stift- Hauger Kapitular Jenum erzählt in seinM