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H-nau. Dem Landrathe vonOertzenzu Grevenbroich, ; Regierungsbezirk Düsseldorf, ist die kommissarische Ver­waltung des Landrathsamtes im LandkreiseHanau über­tragen worden.

| Michael Kohlhaas.

Eine Erzählung von Heinrich von Kleist.

(Schluß.)

Inzwischen war dem Kohlhaas auf Befehl des Kur­fürsten das Todesurtheil vorgelesen, die Ketten abge­nommen, und die über sein Vermögen lautenden Papiere, ^die ihm in Dresden abgesprochen worden waren, wieder zugestellt worden; und da die Räthe, die das Gericht an ihn abgeordnet hatte, ihn fragten, wie er es mit dem, was er besitze, nach seinem Tode gehalten wissen wolle: so verfertigte er mit Hilfe eines Notars zu seiner Kinder Gunsten ein Testament, und setzte den Amtmann zu Kohlhaasenbrück, seinen wackern Freund, zum Vormund derselben ein. Demnach glich nichts der Ruhe und Zufriedenheit seiner letzten Tage; denn auf eine sonderbare Spezialverordnung des Kurfürsten war bald darauf auch noch der Zwinger, in welchem er sich befand, eröffnet, und allen seinen Freunden, deren er sehr viele in der Stadt besaß, bei Tag und Nacht freier l Zutritt zu ihm verstattet worden. Ja, er hatte noch die Genugthuung, den Theologen Jakob Freising, als ' einen Abgesandten Doctor Luthers, mit einem eigen- bändigen, ohne Zweifel sehr merkwürdigen Brief, der aber verloren gegangen ist, in sein Gefängniß treten zu sehen, und von diesem geistlichen Herrn in Gegenwart zweier brandenburgischen Dechanten, die ihm an die ; Hand gingen, die Wohlthat der heiligen Kommunion zn empfangen. Hierauf erschien nun unter einer allgemeinen Bewegung der Stadt, die sich immer noch nicht ent­wöhnen konnte, auf ein Machtwort, das ihn rettete, zu hoffen, der verhängnißvolle Montag nach Palmarum, an welchem er die Welt wegen des allzuraschen Versuchs, sich selbst in ihr Recht verschaffen zu wollen, versöhnen sollte. Eben trat er in Begleitung einer starken Wache, seine beiden Knaben auf dem Arm (denn diese Ver­günstigung hatte er sich ausdrücklich vor den Schranken des Gerichts ausgebeten), von dem Theologen Jakob Freising geführt, aus dem Thor seines Gefängnisse«, als unter einem wehmüthigen Gewimmel von Bekannten, die ihm die Hände drückten und von ihm Abschied nahmen, der Kastellan des kurfürstlichen Schlosses, verstört im Gesicht, zu ihm herantrat, und ihm ein Blatt gab, das ihm, wie er sagte, ein altes Weib für ihn eingehändigt.

Kohlhaas, während er den Mann, der ihm nur wenig bekannt war, befremdet ansah, eröffnete das Blatt, dessen Siegelring ihn, tut Mundlack ausgedrückt, sogleich an die bekannte Zigeunerin erinnerte. Aber wer beschreibt das Erstaunen, das ihn ergriff, als er folgende Nachricht darin fand:Kohlhaas, der Kurfürst von Sachsen ist in Berlin; auf den Richtplatz schon ist er vorangegangen und wird, wenn dir daran liegt, an einem Hut mit blauen und weißen Federbüschen kenntlich sein. Die Absicht, in der er kommt, brauche ich dir nicht zu sagen; er will die Kapsel, sobald du verscharrt bist, ausgraben, und den Zettel, der darin befindlich ist, eröffnen lassen.

Deine Elisabeth."

Kohlhaas, indem er sich auf das äußerste bestürzt zu dem Kastellan umwandte, fragte ihn: ob er das wunder­bare Weib, das ihm den Zettel übergeben, kenne? Doch da der Kastellan antwortete:Kohlhaas, das Weib" und inmitten der Rede auf sonderbare Weise stockte, so konnte er, von dem Zuge, der in diesem Augenblick wieder antrat, fortgerissen, nicht vernehmen, was der Mann, der an allen Gliedern zu zittern schien, vor- brachte.

Als er auf dem Richtplatz ankam, fand er den Kur­fürsten von Brandenburg mit seinem Gefolge, worunter sich auch der Erzkanzler Herr Heinrich von Gensau befand, unter einer unermeßlichen Menschenmenge daselbst zu Pferde halten: ihm zur Rechten der kaiserliche Anwalt Franz Müller, eine Abschrift des Todesurtheils in der Hand; ihm zur Linken mit dem Konklusum des Dresdener Hofgerichts sein eignet Anwalt, der Rechts- gelehrte Anton Zäuner; ein Herold in der Mitte des halboffenen Kreises, den das Volk schloß, mit einem Bündel,Sachen, und den beiden, von Wohlsein glänzen­den, die Erde mit ihren Hufen stampfenden Rappen. Denn der Erzkanzler Herr Heinrich hatte die Klage, die er im Namen seines Herrn in Dresden anhängig gemacht, Punkt für Punkt und ohne die mindeste Ein­schränkung gegen den Junker Wenzel von Tronka durch­gesetzt; dergestalt, daß die Pferde, nachdem man sie durch Schwingung einer Fahne über ihre Häupter ehrlich gemacht und aus den Händen des Abdeckers, der sie er­nährte, zurückgezogen hatte, von den Leuten des Junkers dick gefüttert und in Gegenwart einer eigenes dazu niedergesetzten Kommission dem Anwalt auf dem Markt zu Dresden übergeben worden waren. Demnach sprach der Kurfürst, als Kohlhaas von der Wache begleitet auf den Hügel zu ihm heranschritt:Nun, Kohlhaas, Heut ist der Tag, an dem dir dein Recht geschieht! Schau her, hier liefere ich dir alles, was du auf der Tronkenburg gewaltsamerweise eingebüßt und was ich als dein Landesherr dir wieder zu verschaffen schuldig war, zurück: Rappen, Halstuch, Reichsgulden, Wäsche, vis auf die Kurkosten sogar für deinen bei Mühlberg gefallenen Knecht Herse. Bist du mit mir zufrieden?"

Kohlhaas, während er das ihm auf den Wink des Erzkanzlers eingehändigte Konklusum mit großen, fun­kelnden Augen überlas, setzte die beiden Kinder, die er auf dem Arm trug, neben sich auf den Boden nieder; und da er auch einen Artikel darin fand, in welchem der Junker Wenzel zu zweijähriger Gefängnißstrafe verurtheitt ward: so ließ er sich aus der Ferne, ganz überwältigt von Gefühlen, mit kreuzweise auf die Brust gelegten Händen vor dem Kurfürsten nieder. Er ver­sicherte freudig dem Erzkanzler, indem er aufstand, und die Hand auf seinen Schooß legte, daß sein höchster Wunsch auf Erden erfüllt sei, trat an die Pferde heran, musterte sie und klopfte ihren feisten Hals, und erklärte dem Kanzler, indem er wieder zu ihm zurückkam, heiter: daß er sie seinen beiden Söhnen Heinrich und Leopold schenke! Der Kanzler, Herr Heinrich von Gensau, vom Pferde herab mild zu ihm gewandt, versprach ihm in des Kurfürsten Namen, daß sein letzter Wille heilig ge­halten werden solle, und forderte ihn auf, auch über die übrigen im Bündel befindlichen Sachen nach seinem Gutdünken zu schalten. Hierauf rief Kohlhaas die alte Mutter Hersens, die er auf dem Platz wahrgenommen

hatte, aus dem Haufen des Volks hervor, und indem er ihr die Sachen übergab, sprach er:Da, Mütterchen, das gehört dir!" die Summe, die als Schadenersatz für ihn bei dem im Bündel liegenden Gelde befindlich war, als ein Geschenk noch zur Pflege und Erquikung ihrer alten Tage hinzufügend.

Der Kurfürst rief:Nun, Kohlhaas der Roßhändler, du, dem solchergestalt Genugthuung geworden, mache dich bereit, kaiserlicher Majestät, deren Anwalt hier steht, wegen des Bruchs ihres Landfriedens deinerseits Genugthuung zu geben!" Kohlhaas, indem er seinen Hut abnahm und auf die Erde warf, sagte, daß er bereit dazu wäre! übergab die Kinder, nachdem er sie noch einmal vom Boden erhoben, und an seine Brust gedrückt hatte, dem Amtmann von Kohlhaasenbrück, und trat, während dieser sie unter stillen Thränen vom Platz hinwegführte, an den Block. Eben knüpfte er sich das Tuch vom Hals ab, und öffnete seinen Brustlatz, als er mit einem flüchtigen Blick auf den Kreis, den das Volk bildete, in geringer Entfernung von sich zwischen zwei Rittern, die ihn mit ihren Leibern halb deckten, den wohlbekannten Mann mit blauen und weißen Feder­büschen wahrnahm. Kohlhaas löste sich, indem er mit einem plötzlichen, die Wache, die ihn umringte, be­fremdenden Schritt dicht vor ihn trat, die Kapsel von der Brust; er nahm den Zettel heraus, entsiegelte ihn, und überlas ihn, und das Auge unverwandt aus den Mann mit blauen und weißen Federbüschen gerichtet, der bereits süßen Hoffnungen Raum zu geben anfing, steckte er ihn in den Mund und verschlang ihn. Der Mann mit blauen und weißen Federbüschen sank bei diesem Anblick ohnmächtig in Stampfen nieder.

Kohlhaas aber, während die bestürzten Begleiter des­selben sich herabbeugten und ihn vom Boden aufhoben, wandte sich zu dem Schassot, wo sein Haupt unter dem Beil des Scharfrichters fiel.

Hier endigt die Geschichte vom Kohlhaas. Man legte die Leiche unter einer allgemeinen Klage des Volks in einen Sarg; und während die Träger sie aufhoben, um sie anständig auf dem Kirchhof der Vorstadt zu be­graben, rief der Kurfürst die Söhne des Abgeschiedenen herbei und schlug sie, mit der Erklärung an den Erz­kanzler, daß sie in seiner Pagenschule erzogen werden sollten, zu Rittern. Der Kurfürst von Sachsen kam bald darauf, zerrissen an Leib und Seele, nach Dresden zurück, wo man das Weitere in der Geschichte Nachlesen muß. Vom Kohlhaas aber haben noch im vergangenen Jahrhundert im Mecklenburgischen einige frohe und rüstige Nachkommen gelebt.

Ende.

Spare in der Zeit! Studiosus Schoppen­hauer: Wenn man bedenkt, wie wenig man auf der Universität thut, so muß man gestehen: Es wird doch eine pyramidale Arbeitskraft für das Greisenalter ge­spart.

Witterungsbericht.

Das Wetter wird in den nächsten 23 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird so ziemlich dieselbe bleiben; der Himmel wird bedeckt sein; es werden Süd- bis Westwinde vorherrschen; Niederschläge werden nur in geringen Mengen ein« treten.

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