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der Viehbesitzer die hier gebotenen Vortheile benutzen? Händler nöthigte sie unter Gedanken, die sich seltsam in - . - !. «^ l-^i- '-----'- k> ihm kreuzten, auf einen Stuhl nieder und fragte, was

und sein Vieh versichern werde. Die Versammlung be

schloß ferner, bei dem Landwirthschaftlichen Central- Verein nochmals um einen Zuschuß von 1000 bis 1200 Mark zu der Zuchtgenossenschaft einzukommen und die General-Versammlung des Central-Vereins am 8. März in Cassel zu beschicken. Als Deligirte dahin wurden gewählt die Herren Gutmann-Lindenberg und C. A. Leipold-Schlüchtern. Die nächste Versammlung soll Anfangs März stattfinden, Anträge zur Tagesordnung sind an den Vereins-Vorstand zu richten.

Wächtersbach, 12. Februar. Bei der Berathung des von dem Reichstagsabgeordneten Bebel jüngst gestellten Antrages auf Aufhebung des KornzolleS haben die Kartell­parteien abermals behauptet, daß dieser Zoll die Brod­preise nicht beeinflusse, die faktischen Verhältnisse sprechen aber dagegen. Seit Monaten ist der Preis für einen 4pfündigen Laib Brod hier von 40 Pfg. auf 50 Pfg. gestiegen, welches für die Proletarierklasse einen harten Druck verursacht. Nur dem Umstand, daß ein Müller und Brodhändler dahier Roggenbrod in ver­schiedenen Sorten für einen geringeren Preis abläßt, ist es zu verdanken, daß die Bäcker die Brodpreise nicht noch mehr erhöhen.

Fulda, 11. Februar. Der hiesige Stadtrath hatte aus Anlaß der Vermehrung der Feldartillerie beim könig­lichen Kriegsministerium um Berücksichtiguug als Garnison gebeten. Nunmehr ist aus dem Kriegsministerium ein Schreiben eingelaufen, in welchem dem Stadtrath er­widert wird, daß aus Gründen militärischer Natur irgend welche Zusicherungen in dieser Hinsicht nicht gemacht werden können.

Ausland.

In Frankreich liegt neuerdings eine Reihe vonAnzeichen vor, welche auf eine bedeutende Lockerung der Disciplin in der französischen Armee, bei den Führern wie bei den Truppen, schließen lassen. Was die letzteren an» belangt, so war vor einigen Wochen ciue Schwadron Dragoner in St. Michiel einfach aus der Kaserne fort» geritten, angeblich, um sich der schlechten Behandlung seitens der Vorgesetzten zu entziehen, und einen gleichen Auszug" in Reih' und Glied unternahmen kürzlich 71 Mann eines in Longery liegenden Jägerbataillons. Die­selben marschirten in geordnetem Zuge aus der Kaserne nach dem Bahnhöfe und begaben sich auf belgisches Gebiet. Ein ihnen nachgesandter Offizier mußte unverrichteter Sache zurückkehren: erst dem Zureden des belgischen Bürgermeisters und der dortigen Gendamerie gelang es, sie zur Heimkehr zu bewegen. In beiden Fällen handelt es sich um Truppenteile, die an der Grenze stehen. Dadurch ist der Vorgang schnell bekannt geworden; was im Innern Frankreichs geschieht, gelangt kaum au die Öffentlichkeit. Diese bei den Truppen einreißende Disciplinlosigkeit kann nicht Wunder nehmen angesichts des Umstandes, daß die Führer sich mehr und mehr in einer politischen Rolle gefallen. In dieser Beziehung ist Boulanger geradezu Gift für die Armeen gewesen. Ein anderer General hat kürzlich in einer Freimaurer­loge sich sehr energisch über Boulanger geäußert und ist dafür disciplinarisch bestraft worden, aber den bekannten Tagesbefehl des kommandirenden Generals in Nancy, welcher eine ,directe Drohung ?gegen Deutschland war, hat die französische Regierung einfach abgeleugnet. Wahrscheinlich hat dieses Beispiel den Kommandeur des 90. französischen Infanterie-Regiments Oberst Senard bewogen, sich gleichfalls mit einem patriotischen Glorien­schein zu umgeben. Dem Stabsarzt seines Regiments, der angeblich in Straßburg seine erkrankte Mutter be» suchen wollte, ist seitens der deutschen Botschaft der Paß verweigert: darauf hin hat der Oberst einen Regimentsbefehl erlassen, in welchem er das Verfahren der Deutschen als unmenschlich bezeichnet und den Kompagnieführern aufträgt, den Befehl den Mann­schaften vorzulesen und gehörig zu kommentiren,damit denselben diejenigen Gefühle eingeprägt werden, von denen jeder französische Soldat gegen Deutschland beseelt sein müsse." Pariser Nachrichten zufolge hätte der Kriegsminister die Untersuchung gegen Oberst Senard eingeleitet. Die französische Deputirtenkammer hat inzwischen mit 317 gegen 163 Stimmen einen Gesetz­entwurf zur Regelung der Frauen- und Kinderarbeit genehmigt; Herr Boulanger, der augenblicklich auf Rei­sen in Südsrankreich ist, läßt immer von Neuem an» kündigen, daß er nicht zögern werde, die Auflösung der Kammer zu verlangeu.

Michael Kohlhaas

Line Erzählung von Heinrich von Kleist.

(Fortsetzung.)

Der Roßhändler, der eine sonderbare Achnlichkeit zwischen ihr und seinem verstorbenen Weibe Lisbeth bemerkte, dergestalt, daß er sie hätte fragen können, ob sie ihre Großmutter sei: denn nicht nur, daß die Züge ihres Gesichts, ihre Hände, auch in ihrem knöchernen Bau noch schön, und besonders der Gebrauch, den sie davon im Reden machte, ihn aufs lebhafteste an sie er­innerten: auch ein Mal, womit seiner Frauen Hals be­zeichnet war, bemerkte er an dem ihrigen der Roß­

sie in aller Welt in Geschäften des Kämmerers zu ihm führe? Die Frau, während der alte Hund des Kohlhaas ihre Kniee umschnüffelte, und von ihrer Hand gekraut, mit dem Schwanz wedelte, antwortete: der Auftrag, den ihr der Kämmerer gegeben, wäre, ihm zu eröffnen, auf welche drei dem sächsischen Hofe wichtigen Fragen der Zettel geheimnißvolle Antwort enthalte- ihn vor einem Abgesandten, der sich in Berlin befinde, um seiner habhaft zu werden, zu warnen, und ihm den Zettel, unter dem Borwande, daß er an seiner Brust, wo er ihn trage, nicht mehr sicher sei, abzufordern. Die Absicht aber, in der sie komme, sei, ihm zu sagen, daß die Drohung, ihn durch Arglist oder Gewaltthätigkeit um den Zettel zu bringen, abgeschmackt und ein leeres Trugbild fei; daß er unter dem Schutz des Kurfürsten von Branden­burg, in dessen Verwahrsam er sich befinde, nicht das mindeste für denselben zu befürchten habe; ja daß das Blatt bei ihm weit sicherer sei, als bei ihr, und daß er sich wohl hüten möge, sich durch Ablieferung desselben, an wen und unter welchem Borwand es auch sei, darum bringen zu lasten.

Gleichwohl schloß sie, daß sie es für klug hielte, von dem Zettel den Gebrauch zu machen, zu welchem sie ihm denselben auf dem Jahrmarkt zu Jüterbock ein» gehändigt, dem Antrag, den man ihm auf der Grenze durch den Junker von Stein gemacht, Gehör zu geben, und den Zettel, der ihm selbst weiter nichts nützen könne, für Freiheit und Leben an den Kurfürsten von Sachsen auszuliefern.

Kohlhaas, der über die Macht jauchzte, die ihm ge­geben war, seines Feindes Ferse in dem Augenblick, da sie ihn in den Staub trat, tödtlich zu verwunden, ant­wortete:Nicht um die Welt, Mütterchen, nicht um die Welt!" und drückte der Alten Hand, und wollte nur wissen, was für Antworten auf die ungeheuern Fragen im Zettel enthalten wären? Die Frau, in­zwischen sie das Jüngste, das sich zu ihren Füßen niedergekauert hatte, auf den Schoß nahm, sprach:Nicht um die Welt, Kohlhaas der Roßhündler; aber um diesen hübschen kleinen, blonden Jungen!" und damit lachte sie ihn an, herzte und küßte ihn, der sie mit großen Augen ansah, und reichte ihm mit ihren dürren Händen einen Apfel, den sie in ihrer Tasche trug, dar. Kohlhaas sagte verwirrt: daß die Kinder selbst, wenn sie groß wären, ihn um seines Verfahrens loben würden, und daß er für sie und ihre Enkel nichts Heilsameres thun könne, als den Zettel behalten. Zudem fragte er, wer ihn nach der Erfahrung, die er gemacht, vor einem neuen Betrug fid) erstelle, und ob^er nicht zuletzt unnützer­weise den Zettel, wie jüngst den Kriegshaufen, den er in Lützen zufammengebracht, an den Kurfürsten auf­opfern würde?Wer mir sein Wort einmal gebrochen," sprach er,mit dem wechsle ich kcins mehr; und nur deine Forderung, bestimmt und unzweideutig, trennt mich, gutes Mütterchen, von dem Blatt, durch welches mir für alles, was ich erlitten, auf so wunderbare Weise Genugthuung geworden ist." Die Frau, indem sie das Kind auf den Boden setzte, sagte: daß er in nancherlei Hinsicht recht hätte, und daß er thun und offen könne, was er wollte! Und damit nahm sie ihre Krücken wieder zur Hand, und wollte gehn.

Kohlhaas wiederholte seine Frage, den Inhalt des wunderbaren Zettels betreffend; er wünschte, da sie flüchtig antwortete: daß er ihn ja eröffnen könne, ob» schon es eine bloße Neugierde wäre, noch über tausend andre Dinge, bevor sie ihn verließe, Aufschluß zu er- baHen; wer sie eigentlich sei, woher sie zu der Wissen­schaft, die ihr inwohne, komme, warum sie dem Kur­fürsten, für den er doch geschrieben, den Zettel ver­weigert, und gerade ihm unter so vielen tausend Menschen, der ihrer Wissenschaft nie begehrt, das Wunderblatt überreicht habe?

Nun traf es sich, daß in ebendiesem Augenblick ein Geräusch hörbar ward, das einige Polizeioffizianten, die die Treppe Heraufstiegen, verursachten; dergestalt, daß das Weib, von plötzlicher Besorgniß, in diesen Ge­mächern von ihnen betroffen zu werden, ergriffen, ant­wortete:Auf Wiedersehen, Kohlhaas, auf Wiedersehen! Es soll dir, wenn wir uns wieder treffen, an Kenntniß über dies alles nicht fehlen!" Und damit, indem sie sich gegen die Thür wandte, rief sie:Lebt wohl, Kinderchen, lebt wohl!" küßte das kleine Geschlecht nach der Reihe und ging ab.

Inzwischen hatte der Kurfürst von Sachsen, seinen jammervollen Gedanken preisgegeben, zwei Astrologen, Namens Oldenholm und Olearius, welche damals in Sachsen in großem Ansehen standen, herbeigerufen, und wegen des Inhalts des geheimnißvollen, ihm und dem ganzen Geschlecht seiner Nachkommen so wichtigen Zettels zu Rathe gezogen; und da die Männer nach einer mehrere Tage lang im Schloßthurm zu Dresden fort­gesetzten tiefsinnigen Untersuchung nicht einig werden konnten, ob die Prophezeiung sich auf späte Jahrhunderte oder aber auf die jetzige Zeit beziehe, und vielleicht die Krone Polen, mit welcher die Verhältnisse immer noch sehr kriegerisch waren, damit gemeint sei: so wurde durch solchen gelehrten Streit, statt sie zu zerstreuen,

die Unruhe um nicht zu sagen Verzweifelung in; >v^....^.. ^ welcher sich dieser unglückliche Herr befand, nur geschärft ' Wochendienst in der Sadt:

und zuletzt bis auf einen Grad, der seiner Seele ganz unerträglich war, vermehrt. Dazu kam, daß der Kämmerer um diese Zeit seiner Frau, die im Begriff stand, ihm nach Berlin zu folgen, auftrug, dem Kur­fürsten, bevor sie abreiste, auf eine geschickte Art bei» zubringen, wie mißlich es nach einem verunglückten Versuch, den er mit einem Weibe gemacht, das sich seitdem nicht wieder habe blicken lassen, mit der Hoff­nung aussehe, des>Zettels, in dessen Besitz der Kohlhaas sei, habhaft zu werden, indem das über ihn gefällte Todesurtheil nunmehr nach einer umständlichen Prüfung der Acten von dem Kurfürsten von Brandenburg unter­zeichnet, und der Hinrichtungstag bereits auf den Montag nach Palmarum festgesetzt sei; auf welche Nachricht der Kürfürst sich, das Herz von Kummer und Reue zer­rissen, gleich einem ganz Verlornen, in seinem Zimmer verschloß, während zwei Tagen, des Lebens satt, keine Speise zu sich nahm, und am dritten plötzlich, unter der kurzen Anzeige an das Gubernium, daß er zu dem Fürsten von Dessau auf die Jagd reise, aus Dresden verschwand. Wohin er eigentlich ging, und ob er sich nach Dessau wandte, lassen wir dahingestellt sein, indem die Chroniken, aus deren Vergleichung wir Bericht er­statten, an dieser Stelle auf befremdende Weise einander widersprechen und aufheben. Gewiß ist, daß der Fürst von Dessau, unfähig zu jagen, um diese Zeit krank in Braunschweig bei seinem Oheim, dem Herzog Heinrich, lag, und daß die Dame Heloise am Abend des folgenden Tages in Gesellschaft eines Grafen von Königstein, den sie für ihren Vetter ausgab, bei dem Kämmerer, Herrn Kunz, ihrem Gemahl, in Berlin eintraf.

(Schluß folgt)

Ein sangbar Lied

von M. Christiani.

Im Mai hat die Luft mir stets Heilsam geschienen, Drum schwenkt ich mein Krüglein am liebsten im Grünen. Von allen Gezweige» ein hell Musiciren, Dazu reimt sich lieblich ein flott Pokuliren!

Das giebt ein Gesang und ein fröhlich Juchhcien Im Maien!

Im Sommer wird manchem die Kehle leicht trocken, Drum tyät ich im Keller, im kühlen wohl hocken. Der Küper thut munter die Fässer spundiren, Da klingt baß mitunter ein flott Pokuliren! Der Wein macht gescheidter, viel weiser und Heller Im Keller!

Im Herbst, wenn im Weinberg die Böller erkrachen, Die Maid und der Winzer, sie tanzen und lachen, Da spiel ich eins auf und laß gern' mir spundiren Den perlenden Zutrunk zum froh'n Potuliren!

Ich geige und sitz, bis die Sternlein erblinfen Beim Trinken!

Im Winter schleich ich mich des Abends wohl gerne Hinüber zur tabakdurchqualmten Taverne.

Die Und Ein

So

andern da draußen, sie lasse ich frieren lob mir da drinnen ein flott Pokuliren! lästiger Spielmann, der bin ich nicht minger Im Winter!

trieb ich allzeit noch mein jugendlich Leben;

Ich sannt nur den Klang und den Sang bei den Reben. Doch seit mir mein Lieb wollt' den Trank credeuciren, Weiß ich mir von allen ein fein Pokuliren: Im Sommer, im Winter, im Herbst und im Maien Zu Zweien!

Marktberichte.

Frankfurt, 11. Februar. (Produktenbörse.) Westen, hles. und Wetterauer 19,65 16,75 M. kurhess., Mk>, nord­deutsch. ---, Mk., südruss. 21,5022,25, Mk., ungarisch.

21,50 -22,50 Roggen, Hits. 16,25 Mk. Pfäster 16,25, Mk., ungar.----,Mk., Gerste, Hits. 16, 16,75'Slf., scänk.

16,25-17 -, Mk., Pfäster 16,75-17,25 Mk., ungarisch. 19,50 - 21,25 Mk., Hafer, Hits. 13,50--,14-Mk. bayrischer 13,15

16 Mk. - Alles per 100 Kilo netto effektiv ioc» hier.

11. Februar. Der heutige Liehmarkt war mit 223 Ochsen, 1 Bullen,2 6 Kühen, Rindern u.Stieren, 205Kälberu, 255 Hammeln, 70 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich; Ochsen 1. Qual. 66 Mk., 2. Qual. 60 M., Bullen 1-Qual. 45 Mk., 2. Qual. Mk, Kühe, Rinder u. Stiere 1. Qual. 57 M. 2. Qual. 50 M. Aller per 100 Pfd. Schlachtgewicht, Kälber t.Qual. 70 Pf., 2 Qual. 60 Pf., Hämmel 1 Onal. 60 Ps., 2. Qual. 52 Pf., Schweine 1. Qual. 54 Pf., 2 Qual. 52 Pf. All er per 1 Pfund Schlachtgewicht.

Cassel, 13. Februar. Wai^n 18,4618,50 Mk., Roggen 16,.67-, - Mk., Gerste,-,--,-Mk., Hafer 13,60-14,20 Mk. Aller per 100 Kilogramm.

Witterungsbericht.

Das Wetter wird in den nächsten 23 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Es wird etwas wärmer werden; der Himmel wird bedeckt sein; da das Baro­meter schnell und plötzlich gefallen ist, so sind Süd« bis Weststürme zu erwarten, welche auch Niederschläge, Schnee und Regen mitbringen werden.

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchteru.

Sonntag, den 17. Februar 1889.

Morgengottesdienst: Herr Pfarrer Hartmann. Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent Heck. ~ : derselbe.