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Mittwoch, den 30. Januar.
Deutsches Reich.
Berlin. Ueber einen Fang, welcher einem deutschen Kriegsschiffe geglückt ist, berichtet ein Matrose seinen Angehörigen. Der Bericht ist umsomehr von Interesse, als ja die Vorlage betr. die Bekämpfung des Sklavenhandels in Ostafrika auf der Tagesordnung steht. Das betr. deutsche Kriegsschiff nahm also eine „Dau" (Fahrzeug) mit Sklaven. „In einem Raum, den der Bots- mann nachträglich ausgemessen und der 3 ^2 m lang, 2*/2 m breit und 1 '/s m hoch war, lagen 8 7 Sklaven verpackt wie Heringe. Sie waren mit Matten zugedeckt und auf den Matten saßen die Sklavenhändler, 16 Araber. Die Araber sowie die Sklaven mußten sofort an Bord kommen. Die Sklaven bekamen Essen, Trinken und wurden alsdann gebadet. Die zu Unterst gelegenen Menschen waren halb todt, daß wir sie an Bord tragen mußten. Heute haben wir die alten Männer und Weiber zu Dar-es-Salam in der Mission untergebracht. Die jungen und brauchbarsten Männer sind bei der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft Soldat geworden. Die Araber befinden sich gegenwärtig am Bord des Schiffs „Leipzig". Wir warten auf Depeschen aus Berlin, um zu erfahren, was mit denselben geschehen soll."
— (Errichtung von 4000 neuen Arbeiterhäusern.) Einer der größten Land-Complexe des Gesundbrunnens, die den Schmidt'schen Erben gehörige Bauernwirthschaft, ist dieser Tage von einem hiesigen Baumeister ungetanst worden. Das.^geLen, 5000 Quadrat-Ruthen fassende Grundstück soll nach' demPlane des neuen Besitzers mit 400 Wohnhäusern, die durchwegs kleine billige Wohnungen für die Arbeiterbevölkerung im Norden enthalten sollen, nach dem Muster der Lette-Colonie in Reinickendorf bebaut werden. Es müssen zu diesem Zweck auch mehrere neue Straßen auf dem Terrain angelegt werden und sind bezüglich derselben Unterhandlungen mit den Behörden eingeleitet worden.
— Die diesjährigen Kaisermanöver finden, wie nunmehr ganz sicher feststeht, zunächst bei dem 10. und alsdann bei dem 3. Armeecorps statt. Im Schlosse an der Leine werden jetzt schon Vorbereitungen zur Aufnahme des Kaiserpaares getroffen. Im nächsten Jahre sind Kaisermanöver beim 5., 6. und 12. ArmeecorpS in Aussicht genommen.
— Nachdem Hauptmann Wißmann in den Reichsdienst übergetreten ist, wird Dr. Peters die alleinige Oberleitung der Emin Pascha-Expedition übernehmen und sich im Laufe des Monats Februar nach Ostafrika begeben. Die Ausrüstung ist bereits angeschafft und theilweise schon unterwegs, der Rest geht mit dem nächsten Dampfer ab. Außer Dr. Bley, der seit zwei Jahren mit Erfolg bei der Deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft thätig ist, sind noch in den Dienst des Unternehmens getreten: Herr Otto E. EhlerS, der kürzlich den Kilima Ndjaro erstiegen hat und Herr Fricke, der l0 Jahre lang als Dolmetscher im egyptischen Dienst gestanden und unter Wolseley, Goroon und Graham die Schlachten gegen Osman Digma mitgemacht hat. Auch die militärischen und wissenschaftlichen Kräfte sind der Expedition bereits gesichert. In der letzten Zeit ist mancherlei über die bedrohliche Lage in Sansibar geschrieben worden und nach der Ermordung eines deutschen Matrosen und der Erregung des Volkes durch die öffentlichen Hinrichtungen werden sogar Stimmen laut, welche der Befürchtung Ausdruck geben, es könnte gelegentlich zu einem Massacre der wenige Hunderte zählenden Europäer kommen, trotz der vor der Stadt liegenden Kriegsschiffe. Es giebt aber auch, und das muß hervorgehoben werden, eine Anzahl von ruhiger denkenden Männern, welche eine öirecte Gefahr für Leben und Eigenthum nicht befürchten, doch scheint eS diesen schwer zu werden, gegen die zunehmende Schwarzseherei der anderen Partei ein genügendes Gegengewicht zu bilden. Thatsache ist jedenfalls, daß unS in den Arabern, die die Eingeborenen mit allen Mitteln gegen die Deutschen aufhetzen, ein schlimmer Feind dort erwachsen ist. Am Montag ist wieder ein englischer Missionar mit Namen Brooks nebst all seinen Begleitern, 16 an der Zahl, bet Saadani, als er die deutsche Sphäre betreten wollte, von den Eingeborenen niedergemacht worden. Er war vom Tanganyika-See gekommen.
Hamburg, 26. Januar. Das Schwurgericht Der»
Tages-Ereignisse.
Schlüchteru, 28. Januar. Die hiesige Geburtstagsfeier Seiner Majestät unseres Kaisers und Königs hat einen glänzenden Verlauf genommen! Tags zuvor hatten sämmtliche Schulen eine Vorfeier gehalten. Am Vorabend fand auch die öffentliche Feier im Königlichen Seminar statt. Herr Seminar lehrer Behl hielt die Festrede, in der er in würdiger Weise ein Bild von dem bisherigen LebenSgange unseres jungen Kaisers entwarf. Gin Concert schloß in hergebrachter Weise diese Feier, zu der der Zudrang so groß war, daß viele keinen Platz mehr finden konnten. Am Morgen des Geburtstages selbst eröffneten 101 Böllerschüsse die
urtheilte den Raubmörder Dauth, welcher ein umfassendes Geständniß abgelegt hatte, zum Tode.
Bingeu. Hier wurde eine alte Dienerin, welche über 30 Jahre in derselben Familie, deren letztes Glied ohne Hinterlassung von Leibeserben jüngst verstorben war, in ihrem Kleiderschrank erhängt vorgefunden. Dieselbe hatte sich bereits in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag den Tod gegeben, nachdem sie vorher alle Vorbereitungen für einen großen Zimmerbrand getroffen. Teppiche, Möbel und sonstige Zimmereinrichtung waren mit Petroleum getränkt und entzündet, in dem Schränk selbst waren Gefäße mit Fetten und dergleichen aufgestellt. Die Eingangsthür war verstellt. Der Zimmerbrand ist aber in sich erstickt. Auf einem Tisch waren die Familienbilder der früheren Herrschaft in eigenthümlicher Gruppirung ausgestellt. Die alte Lebensmüde hinterließ 3000 Mark in Papiergeld, welche sie ebenfalls den Flammen preisgeben wollte. Die Ursache des Selbstmordes liegt vollständig im Dunkeln, doch hat es den Anschein, daß es ihr um ihre Ersparnisse bang gewesen sein und daß sie diese den Angehörigen der verstorbenen Herrschaft habe entziehen wollen.
Lahr. Der an dem Dekan Förderer in Lahr verübte Mord, von welchem wir in unserer letzten Nummer berichteten, ist zweifellos die That eines Geisteskranken. Der Mörder, eiu katholischer Buchbindergeselle Namens Adda, welcher erst am Mittwoch Morgen aus dem Gefängniß entlassen worden war, hatte in einer Wirthschaft geäußert, "er werde jetzt zu Förderer gehen und ihn ermorden. Nachmittags gegen 4 Uhr suchte Adda den Dekan auch wirklich in seinem Studierzimmer auf und legte ihm einen Zettel vor, auf welchen hin dieser dem Bittsteller ahnungslos ein Zwanzigpfennigstück Hin- schob. In diesem Augenblick stürzte sich Adda auf den Dekan und brächte ihm mit einem Buchbindermesser 13 Stiche bei, so daß der Unglückliche nach verzweifelter Gegenwehr zusammenbrach. Nach der That rühmte sich der Mörder in der nämlichen Gastwirthschaft des Verbrechens und äußerte, jetzt müsse ein protestantischer Geistlicher „daran". Es erfolgte sodann seine Verhaftung. Adda ist aus Nach bei Engen gebürtig und 25 Jahre alt. Förderer war 1828 geboren, er studierte Theologie und wurde 1853 zum Priester gewählt, als welcher er sich bald als Kanzelredner auszeichnete. Förderer war wegen seines Characters, seiner Liebenswürdigkeit und seiner prächtigen Humors eine allgemein beliebte und geachtete Persönlichkeit, die sozusagen keinen Feind hatte. Die grausige That erregt daher in ganz Baden das schmerzlichste Aufsehen. Im badischen Landtag vertrat er lange Zeit den Kreis HaSlach-Gengenbach. In letzter Zeit gab er den ultramontanen „Lahrer Anzeiger" heraus, das beste und verbreitetste katholische Blatt Badens, das auch von Andersdenkenden stets gern gelesen wurde.
Offenbach, 22, Januar. In der heutigen Schöffen- gerichtssitzung wurde ein junger Mensch, weil er eine Hiebwaffe, nämlich einen Schlagring, kürzlich bei sich getragen, wegen Vergehens gegen das Socialistengesetz mit 15 Mark Strafe belegt.
Mainz, 23. Januar. Vor einigen Wochen hatten zwei Soldaten der 6. Comp. des 88. Infanterie-Regiments in einem Wirthshause einen älteren Mann kennen gelernt und bemerkt, daß er einige Goldstücke in seinem Portemonnaie hatte. Sie wußten ihm auf dem Heimwege ihre Begleitung aufzunöthigen und nahmen ihm dann mit Gewalt das Geld ab. Der eine Soldat wurde dieser Tage zu 61/», der andere zu 5'/, Jahren Zuchthaus verurtheilt.
öffentliche Feier. Der Kriegerverein zog in Reih und Glied zur Kirche, in der die Bedeutung des Tages voll gewürdigt wurde. Des Abends fanden an verschiedenen Orten Feierlichkeiten statt. -Am Festessen im Stern nahmen gegen 30 Personen Theil. Der Kriegerverein feierte im Löwen, wo Herr Bürgermeister v. Sturmfeder als alter Krieger eine begeisternde Ansprache an die Festgenossen hielt. In der Turnhalle hatten die Turner, in der Bierhalle der Handwerkerverein eine besondere Feier, und soweit wir hören, ist alles aufs schönste verlaufen. Die Stadt war dabei festlich geschmückt, man sah Fahne an Fahne, und Schuß ertönte auf Schuß, so daß schließlich in keinem Kaufladen noch ein Körnchen Pulver zu haben war. — War im vorigen Jahre durch das Geschick es uns nicht vergönnt, Kaisersgeburtstag zu feiern, so hat in diesem Jahre die Feier um so erhebender in den Herzen aller Vaterlandsfreunde gewirkt.
— Ein bewährtes Mittel gegen das Aufspringen und Rothwerden der Hände wird gewiß Vielen erwünscht sein. Auch den Damen, deren Gesichtshaut irgendwie gelitten hat, sei es bestens empfohlen. Der Wohlthäter, der das neue Mittel entdeckt hat, ist der berühmte Pharmakologe der Berliner Universität, Professor Dr. Liebreich. Das Verfahren selbst ist folgendes: Nachdem die Hände mit leicht schäumender Seife gründlich gewaschen, gut abgespült und möglichst sorgfältig getrocknet sind, wird die Hand, speziell der am meisten in Mitleidenschaft gezogene Handrücken, mit einer kleinen Menge Lanolin eingerieben und der Ueberschuß desselben mit einem Handtuch wieder entfernt. Den unangenehmen Geruch des Lanolin, es wird bekanntlich aus Schafwolle bereitet, kann man durch Zusatz von Vanallin und Rosenöl leicht verbessern und zwar in der Weise, daß man zu 50 Gramm Lanolin */io Gramm Vanallin und einen Tropfen Rosenöl setzen läßt. Jeder Apotheker und Droguist kann diese Salbe sofort herstellen. Die Einreibung ist so auszuführen, daß das Lanolin möglichst vollständig in die Haut eindringt und sie muß andauernd nach jeder Waschung wiederholt werden. Aus den Handtüchern und der Wäsche ist das Lanolin leicht wieder zu entfernen. Die günstige Wirkung des Lanolins ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß es sich mit Wasser zu mischen vermag, wodurch die nach dem Waschen der Hände nach ungenügendem Trocknen auf der Haut zurückbleibende Flüssigkeitsmenge in das Lanolin ausgenommen wird und die Hände mit einer für die rauhe Luft undurchgängigen geringen Fettschicht überzogen werden; durch die letzteren beiden Umstände sind sie denn wohl auch vor dem „Aufspringen" und „Rothwerden" geschützt. Wie Dr. George Meyer in der neuesten Nummer der „Berliner klinischen Wochenschrift" mittheilt, haben Hände, die seit Jahren krebsroth waren, durch das beschriebene Verfahren ihre normale Farbe wiedererhalten, auch zur Einreibung des Gesichts hat er es mit gutem Erfolg angewendet.
M. Ulmbach, 27. Januar. Der hiesige Kriegerverein feierte heute ein Fahnenweihefest. Die bei der Bonner Fahnenfabrik bestellte neue Kriegerfahne erhielt ihre Weihe. Eine unangenehme Störung des Festes wurde dadurch herbeigeführt, daß der Hauptgegenstand des Tages, nämlich die Fahne, fehlte. Eine Fahnenweihe ohne Fahne ist gewiß eine Seltenheit. (Ob die bestellte Kriegerfahne nicht angekommen, oder ob sie nicht angenommen wurde, darüber hat Einsender keine Kenntniß, daß die Fahne aber doch eingeweiht wurde, ist Thatsache.)
D. Ulmbach, 28. Januar. Zur Feier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers versammelten sich gestern die Bürgermeister und Lehrer des Kirchspiels, sowie einige Forstbeamten und eingeladene Gäste im Bös'schen Lokale zu Sarrod. Herr Lehrer S. Bloch leitete die Feier ein mit einer Ansprache, in der er der Bedeutung des Tages in warmen Worten Ausdruck gab und zur Liebe und Treue gegen König und Vaterland ermunterte. Herr Lehrer Diegelmann hielt sodann die eigentliche Festrede und brächte den Kaisertoast aus, der mit ficht- icher Begeisterung von der zahlreichen Versammlung ausgenommen wurde. Patriotische Lieder und Vorträge wechselten in schönster Harmonie mit einander ab, bis die vorgerückte Stunde zum Aufbruch mahnte.
—t. Uerzell, 25. Januar. Die in hiesigem Orte au-gebrochene Krankheit (angeblich Typhus) scheint einen