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SchlWernerMung

Erscheint Mittwochs und Sonnabends. Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

Samstag, den 26. Januar.

Zum 37. Januar.

Wach auf aus deiner tiefen Trauer, deutscher Mann!

Halt ein, Germania, mit deinem Weinen! So lang am Himmelszelt die Sterne scheinen, Man Gottes Rathschluß nie erforschen kann.

Heut ist ein Freudentag, vergieß den Schmerz! Es ist der Tag, an dem gegeben

Der Herr dem Könige das Leben, O, schließ den Tag recht innig in dein Herz!

Sieh' deinen König, reich Ihm deine Hand, Sieh', deutsches Volk, den Kaiserlichen Herrn: Vom Fels zum Meer, als echter Hohenzollern- stern

Ist Er dein Schirmherr, liebes Vaterland.

Er ist dir auch, was waren Seine Ahnen: Ein Held und Friedensfürst zugleich- Beschützer wird Er sein dem deutschen Reich, Ein Vater Seinen Unterthanen.

So sei gegrüßt, geliebter Kaiser mir! Gott schütze Dich auf Deinen Wegen Und gebe Deinem Walten reichen Segen! Heil Wilhelm, Deutscher Kaiser Dir! ________________________________________ll.

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Januar. Die Verlobung des ruf fischen Thronfolgers mit der Prinzessin Alix von Hessen soll nach Petersburger Meldungen aufgeschoben sein. Es heißt, der Zar wünsche nicht, daß sein Sohn sich vor vollendetem 23. Lebensjahre vermähle; da hätte denn auch die Verlobung noch Zeit, Großfürst Nikolaus Alexandrowitsch ist erst 20 Jahre alt. Danach scheint daS Räuspern in der Wilhelmsstraße doch einige Wirkung gehabt zu haben.

Wie diePost" hört, würde die Hochzeit der Prinzessin Sophie mit dem Kronprinzen von Griechen' land im Frühjahr in Athen stattfinden, da in Berlin Schwierigkeiten hinsichtlich der religiösen Trauung infolge der konfessionellen Verschiedenheit entstehen würden.

Der Reichskanzler Fürst Bismarck hat einen für ihn sehr schmerzlichen Verlust erlitten. Seine schwarze Dogge, die mit rührender Treue und Liebe an ihrem Herrn hing, ist infolge von Altersschwache im Zimmer des Fürsten eingegangen. Unter den alten Bäumen des Parks am Reichskanzler-Palast ist dem treuen Thier ein Grab bereitet worden.

Herr v. Putlkammer, der frühere Minister des Innern ist sehr gesättigt und befriedigt von Berlin nach Hinterpommern zurückgekehrt. Bei dem Kaiser war er zum Frühstück, bei dem Reichskanzler zum Mittagessen und von der konservativen Partei Abends zum Festmahl eingeladen.

Berlin. DemBert. Tagebl." wird berichtet: In Mestre bei Venedig kamen in furchtbarem Zustande 500 aus Brasilien zurückkehrende deutsche Auswanderer an, welche gewissenlosen Auswanderungsagenten zum Opfer gefallen sind.

Coburg, 21. Januar. Im Gesellschaftshaus sprach gestern Abend Herr Rudolf Falb über Erdbeben und die Gründe der Entstehung und die geschichtliche Entwickelung seiner Theorie. Er faßte dieselbe in fol­genden Sätzen zusammen:Erdbeben sind unterirdische Vulkanausbrüche, hervorgerufen durch den Prozeß der erkaltenden Lava im Erdinnern und unterstützt durch die Einwirkung der Anziehungskraft der Sonne und des Mondes auf unsere Erde." Der Redner meinte u. A., er wisse, daß viele ihn für einen falschen Propheten hielten, er habe aber an seiner Seite einen Advokaten, die Natnrkrüfte selbst, der ihm schließlich zum Recht und Sieg verhelfen werde. Interessant waren auch die Schilderungen des auf der Wiener Weltausstellung ge­zeigten Silberblocks, der fast eine getreue Abbildung der Mondlandschaften bildet, und des Schwefelblocks,

auf dem sich dieselben kraterähnlichen Gestalten vorfinden, wie auf der der Erde zugewandten Fläche des Mondes, Der Redner erntete viel Beifall.

Gotha. 21. Januar. Am Sonnabend wurde hier an den Leichen zweier auswärtiger Sängerinnen, Mutter und Tochter, die F e u er b e st a t t u n g vollzöge^. Die Mutter war die ehemals berühmte russische Coloratur- sängerin Jlma de Murika, welche als Rentnerin im Alter von nur 46 Jahren gestorben ist. Die Tochter, Hermine von Czedik-Brindelsberg, hat sich aus Gram über den Tod ihrer Mutter in einem Münchener Pen­sionat vergiftet. Auch sie hatte sich der Bühne gewidmet und unter dem Namen Delma im letzten Herbst im Coburger Hoftheater ihren ersten theatralischen Versuch unternommen, der ihr indeß nur bedingungsweise ge­lungen war, denn Publikum und Kritik hatten die Lei­stungen der Kunstnovize ziemlich ungünstig beurtheilt. Die Feuerbestattung erfolgte auf Grund letztwilliger Verfügung der Verstorbenen, deren Asche nun in einer Urne vereinigt ist.

Lippstadt, 20. Janr. (Schlechte Scherze und ihre Folgen.) Es giebt Leute, welche sich für geistreiche Schwerenöther" halten und sich auf ihre geselligen Talente" viel einbilden, weil sie es verstehen, allerhand mehr oder minder geschmackvolleWitze" zu machen, derenPointe" gewöhnlich darauf hinausläuft, daß irgend einem Anderen ein Schreck eingejagt, ein Schmerz bereitet oder gar ein Schaden zugefügt wird. Staunend nimmt man wahr, wie in einem öffentlichen Lokale eine ganze Gesellschaft in wieherndes Gelächter ausbricht, weil es irgend einemSpaßvogel" gelungen ist, seinem Nachbar just in einem Augenblicke, wo der­selbe sich auf einen Stuhl zu setzen gedachte, diesen unbemerkt wegzuziehen, so daß derjenige, welchem der heimtückische Streich gespielt worden, sich mit größerer oder geringerer Wucht auf die Erde setzt. Daß der­artigeScherze" auch ernste Folgen nach sich ziehen können, zeigt ein Fall, der kürzlich hier passirt ist. Ein junges Mädchen, welches in angeregter Gesellschaft in der vorbeschriebenen Weisegeneckt" wurde, fiel so unglücklich zur Erde, daß es das Genick brach. Der Urheber des traurigen Falles aber wird sich wegen fahrlässiger Körperverletzung mit tödtlichem Ausgange vor Gericht zu verantworten haben.

Stuttgart, 21. Januar. Ein in Wildbad lebender Schneidermeister, welcher den deutsch-französischen Feldzug mitgemacht hatte und seit jener Zeit schwer leidend ist, so sehr, daß ihm im letzten Jahre ein Bein amputirt werden mußte, wandte sich im Laufe der Zeit vergebens an mehrere für Invalide bestimmte Stiftungen. Die Unterstützung, deren der Kranke so dringend bedurft hätte, konnte ihm nicht verabreicht werden, da er nicht im Stande war, haarscharf nachzuweisen, daß sein Leiden direct und ausschließlich durch die Anstrengungen des Feldzugs entstanden sei. Die Angelegenheit kam nun auch dem Kaiser Wilhelm II. zu Ohren, und dieser bewilligte demselben sofort eine monatliche Gabe, so daß der bedürftige kranke Mann wenigstens vor der äußersten Noth nunmehr geschützt ist.

Stuttgart. Als zweiten Lehrer in Kamerun hat die Reichsregierung den Württemberger F l a d gewählt. Er soll am 31. Januar abreisen. Der erste Lehrer, Chriftaller, ist bekanntlich auch ein Württemberger.

Lahr in Baden, 23. Januar. Der Dekan Förderer wurde Nachmittags von einemHandwerksburschen Namens Ada ermordet. Der Mörder spricht irre und stellte sich nach der That selbst der Polizei. Derselbe ist erst heute Morgen aus dem Gefängniß entlassen, wo er wegen Umhertreibens drei Tage gesessen hatte.

Tages-Ereignisse.

Schlächtern. DerAntiwucher-Verein, welcher im Nobr. v. I. auf der constituirenden Versammlung in Hersfeld mit etwa 80 Mitgliedern gegründet wurde, zählt deren jetzt bereits schon über 100. Der Vorstand ist durch Beisitzer ergänzt worden. In den meisten Kreisen haben die Landräthe dieses Amt bereitwilligst übernommen. Durch die Vermittelung der Beisitzer wurden ferner in jedem Kreise eine Anzahl Vertrauensmänner gewonnen, denen es zunächst obliegt, vorkommende Wucherfälle dem Vorstände zur Anzeige zu bringen, bezw. die Bewucherten zu Protokoll zu nehme». Die Vertrauensmänner haben

eine vom Vorstände ausgearbeitete Jnstruction in die Hände bekommen. Bis jetzt sind dem Verein zwei Be­trugsfälle zur Anzeige gebracht worden, über die s. Z. Mittheilung gemacht werden wird.

Steinau. Ein Akt größter Rohheit wurde vor einigen Tagen auf der Chaussee zwischen hier und Kressenbach verübt. Als die zwischen Steinau und Freiensteinau verkehrende Post am vergangenen Dienstag ihres Weges daherfuhr, fielen den Pferden plötzlich zwei Männer in die Zügel, rissen den Kutscher vom Sitze herunter und mißhandelten denselben in grausamster Weise. Nachdem sie dann noch die Fenster des Postwagens zertrümmert und letzteren auch sonst noch arg beschädigten, ergriffen die Burschen die Flucht. Ob es sich hier um einen Akt persönlicher Rachsucht handelte, oder was sonst die Motive dieses räuberisches Ueberfallcs sind, wird hoffent­lich die Untersuchung lehren und die Thäter dann ihrer verdienten Strafe nicht entgehen. Wie es heißt, sind die beiden Thäter bereits verhaftet.

Schwarzenfels. Der Fleischbeschauer Georg Ullrich fand in einem von Heinrich Ullrich hier geschlachteten Schweine Trichinen vor.

Frankfurt, 21. Januar. Der Polizeibericht meldet: Die von Schlosser Pauly, Oederweg, als Heilmittel gegen Rheumatismus, Gicht, Rückenmarksleiden rc. ange­priesene garantirte Essigsäure von Wannack u. Schmidt enthält nach amtlicher Untersuchung neben einer Bei­mischung von Chlor einen so starken Prozentsatz von Essigsäure, daß dieselbe der Gesundheit eher schädlich als zuträglich ist und ihre Anpreisung als Heilmittel und Anwendung durch Laien geradezu als gewissenlos be­zeichnet werden muß. Das Publiknm wird deshalb vor dem Ankauf dieses Mittels gewarnt.

Marburg, 19. Januar. Vorgestern Nachmittag kam in eine hiesige Wirthschaft ein Mensch, angeblich Monteur, um sich ein Zimmer zu miethen, da er Stellung in einer hiesigen Fabrik gefunden habe. Der Wirth zeigte dem Manne ein Zimmer, was dieser auch miethete. Hiernach führte er seinen neuen Miether im Hause umher und zeigte ihm bei dieser Gelegenheit noch einige andere vermiethete Zimmer, dann begaben sich Beide nach der Gaststube zurück, wo sich der Herr Monteur durch einige Gläser Bier stärkte, während der Wirth einen Ausgang machte. Die Abwesenheit desselben benutzte dann der Fremde, um sich bei der Tochter des Wirths nach dem im Hause woh- nendenPersonen zu erkundigen. Nach eingetretenerDunkel- heit verließ er das Gastzimmer, begab sich unbemerkt in die obere Etage des Hauses und öffnete hier eines der Zimmer, welche ihm der Wirth vorher gezeigt und zu dem er den Schlüssel stecken gelassen hatte, erbrach einem im Zimmer stehenden Kleiderschrank und ' stahl aus demselben einen Anzug im Werthe von fünfund­siebzig Mark und einen schwarzseidenen Regenschirm, mit diesem verließ er dann unbemerkt das Haus. Der Diebstahl wurde erst Abends gegen 10 Uhr wahrge­nommen, als der Bewohner des Zimmers dasselbe betrat. Obgleich noch in der Nacht die nöthigen Recherchen ange­stellt wurden, sind dieselben bis jetzt doch erfolglos ge­wesen. Der Wirth dürfte wohl zunächst von seinem Miether für den erlittenen Verlust haftbar gemacht werden.

Fritzlar, 26. Januar. Hinsichtlich unserer Garnison sehen wir hier in nächster Zeit einer Veränderung ent­gegen. Dem Vernehmen nach wird infolge der jetzt beginnenden neuen Reorganisation der Feldartillerie eine der hier in Garnison liegenden 4 Batterien nach Cassel verlegt werden, um den Stamm zu einer neu zu formi- renden Abtheilung des Feld-Artillerie-Regiments Nr.il zu bilden. Die Abtheilungen werden fortan aus drei Batterien bestehen, wie dies schon bisher bei den reiten­den Abtheilungen der Fall gewesen ist. Dafür werden aber die sämmtlichen 6 Geschütze der hier verbleibenden Batterien Bespannung erhalten, so daß eine erhebliche Erhöhung des Etats an Pferden erforderlich wird. Trotzdem sich die Zahl der Batterien hier verringert, wird die Zahl der bespannten Geschütze von 16 auf 18 steigen.

Cassel, 23. Januar. Ein Schuhmachermeister aus dem benachbarten Dorfe Heckershausen suchte schon lange einen Gesellen, konnte aber immer keinen bekommen. Endlich fand er auf der hiesigen Schuhmacher-Herberge eines Tages einen Schuhmachergeselle», welcher sich