Vermischtes.
— Mama glaubt's nicht. In dem allerintimsten Kreise einer Familie wird unter Aufgebot strengster Diskretion ein Kinderwort kolportirt, das sich sowohl durch drastische Naivität, als diplomatische Finesse aus- zeichnet. Dieses Wort berührt allerdings einen etwas heiklen Punkt, ob zwar es heutzutage gerade nichts mehr Außerordentliches ist, wenn sich eine schöne Frau dazu entschließt, ein elwai geS Manko der Natur durch einen „künstlichen Eingriff" wettzumachen. In einem solchen Falle fand sich auch eine bekannte schöne Mama, die bezüglich zweier schadhafter Zähne die heute so hochentwickelte Zahn Technik in Anspruch nehmen mußte. Die Korrektur gelang so vorzüglich, daß Niemand das Porzellan auch nur geahnt hätte; doch ist bei dem Surrogate das Mißliche, daß es ein häufiges Herausnehmen, Reinigen und derglei chen erheischt. Diese Manipulationen verfolgte nun die kleine Ella immer mit der gespanntesten Aufmerks amkeit, ohne aber je eine indiskrete Bemerkung
zu wagen. Indeß, als Mama unlängst wieder mit ihren Zähnen beschäftigt war, konnte sich Ella doch nicht mehr enthalten, ganz unverblümt zu bemerken: „Du Mama — Du hast ja falsche Zähne!" — „Was Dir nicht einfällt!" erwiderte diese, die sich selbst vor ihrem fünfjährigen Töchterchen keine Blöße geben wollte. „Wie sollte ich denn zu falschen Zähnen kommen?" — „Aber Mama, ich hab's ja gesehen, wie du sie in den Mund
gesteckt!
Mir scheint, Du träumst; das war ein
Stückchen Zucker . . . Uebrigens schickt es sich gar nicht, von dergleichen zu sprechen, Du kecker Schnabel!" — Einigermaßen irritirt durch diese Worte, drückte sich die kleine Ella iu's Nebenzimmer, um sich dort ihrem Papa, der eben einen L itartikel zu sich nahm, auf den Zehenspitzen zu nähern, um ihn dann mit großer Wichtigkeit iu's Ohr zu flüstern: „Du Papa, denk' Dir, die Mama hat falsche Zähne — aber s ie glaubt's nicht!"
— Keine U e b er st ü r z un g. Herr: „Ich liebe Sie, Emma, wollen Sie ewig die Meine sein?" „Ja, aber
jetzt fängt es au zu regnen, kommen Sie in das Haus, da können wir uns ja weiter verloben."_______________
Witterungsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: die Temperatur wird ziemlich unverändert bleiben; der Himmel wird meist heiter sein; es werden mäßige Nordwinde vorherrschen; Anzeichen für Niederschläge liegen nicht vor.__________
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Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Sonntag, den 6. Januar 1889.
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