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in einem kleinen, mit Stroh bedeckten Schuppen seine beiden Rappen erblickte, fragte den Knecht: warum er die Rappen nicht rette? und da dieser, indem er den Schlüssel in die Stallthür steckte, antwortete, der Schuppen stehe ja schon in Flammen, so warf Kohlhaas den Schlüssel, nachdem er ihn mit Heftigkeit aus der Stall­thür gerissen, über die Mauer, trieb den Knecht mit hageldichten flachen Hieben der Klinge in den brennenden Schuppen hinein, und zwang ihn unter entsetzlichem Gelächter der Umstehenden, die Rappen zu retten. Gleichwohl als der Knecht schreckenblaß, wenige Momente, bevor der Schuppen hinter ihm zusammenstürzte, mit den Pferden, die er an der Hand hielt, daraus hervor- trat, fand er den Kohlhaas nicht mehr; und da er sich zu den Knechten auf den Schloßplatz begab und den Roßhändler, der ihm mehrere Male den Rücken zukehrte, fragte: was er mit den Thieren nun anfangen solle? hob dieser plötzlich mit einer fürchterlichen Gebärde den Fuß, daß der Tritt, wenn er ihn gethan hätte, sein Tod gewesen wäre; bestieg, ohne ihm zu antworten, seinen Braunen, setzte sich unter das Thor der Burg und erharrte, inzwischen die Knechte ihr Wesen fort- trieben, schweigend den Tag. Als der Morgen anbrach, war das ganze Schloß bis auf die Mauern nieder­gebrannt, und Niemand befand sich mehr darin als Kohlhaas und seine sieben Knechte. Er stieg vom Pferde und untersuchte noch einmal beim Hellen Schein der Sonne den ganzen, in allen seinen Winkeln jetzt von ihr erleuchteten Platz, und da er sich, so schwer es ihm auch ward, überzeugen mußte, daß die Unternehmung auf die Burg fehlgeschlagen war, so schickte er, die Brust voll Schmerz und Jammer, Hersen mit einigen Knechten aus, um über die Richtung, die der Junker auf seiner Flucht genommen, Nachricht einzuziehen. Besonders beunruhigte ihn ein reiches Fräuleinstift, Namens Erla- brunn, das an den Ufern der Mulde lag, uud dessen Aebtissin Antonia von Tronka als eine fromme, wohl­thätige und heilige Frau in der Gegend bekannt war; denn es schien dem unglücklichen Kohlhaas nur zu wahr­scheinlich, daß der Junker sich, entblößt von aller Noth­durft wie er war, in dieses Stift geflüchtet hatte, indem die Aebtissin seine leidliche Tante und die Erzieherin seiner ersten Kindheit war. Kohlhaas, nachdem er sich von diesem Umstand unterrichtet hatte, bestieg den Thurm der Vogtei, in dessen Innern sich noch ein Zimmer zur Bewohnung brauchbar darbot, und verfaßte ein sogen. Kohlhaasisches Mandat", worin er das Land aufforderte, dem Junker Wenzel von Tronka, mit dem er in einem gerechten Krieg liege, keinen Vorschub zu thun, vielmehr jeden Bewohner, seine Verwandten und Freunde nicht ausgenommen, verpflichtete, denselben bei Strafe Leibes und des Lebens und unvermeidlicher Einäscherung alles dessen, was ein Besitzthum heißen mag, an ihn abzu- liefern. Diese Erklärung streute er durch Reisende uud Fremde in der Gegend aus; ja, er gab Waldmanu, dem Knecht, eine Abschrift davon, mit dem bestimmten Auf­trage, sie in die Hände der Dame Antonia nach Erla- brunu zu bringen. Hieraus besprach er einige Tronken- burgische Knechte, die mit dem Junker unzufrieden waren und, von der Aussicht auf Beule gereizt, in seine Dienste zu treten wünschten; bewaffnete sie nach Art des Fuß­volks mit Armbrüsten und Dolchen und lehrte sie hinter den berittenen Knechten aussitzen; und nachdem er Alles, was der Troß zusammengeschleppt, zu Geld gemacht und das Geld unter denselben »ertheilt hatte, ruhte er einige Stunden unter dem Burgthore von seinen jämmer­lichen Geschäften aus.

Gegen Mittag kam Herse und bestätigte ihm, was ihm sein Herz, immer auf die trübsten Ahnungen gestellt, schon gesagt hatte: nämlich, daß der Junker in dem Stift zu Erlabrun bei der alten Dame Antonia von Tronka, seiner Tante, befindlich sei. Es schien, er hatte sich durch eine Thür, die an der hinteren Wand des Schlosses in die Luft hinausging, über eine schmale steinerne Treppe gerettet, die unter einem kleinen Dach zu einigen Kähnen in die Elbe Hinablief. Wenigstens berichtete Herse, daß er in einem Elbdorse zum Be­fremden der Leute, die wegen, des Brandes in der Tronkenburg versammelt gewesen, um Miternacht in einem Nachen ohne Steuer und Ruder angekommen und mit einem Dorffuhrwerke nach Erlabrunn weiter- gereift sei.

Kohlhaas seufzte bei dieser Nachricht tief auf; er fragte, ob die Pferde gefressen hätte»? und da man ihm antwortete: Ja! schließ er den Haufen aufsitzen, und stand schon in drei Stunden vor Erlabrunn. Eben unter dem Gemurmel eines entfernten Gewitters am Horizont, mit Fackeln, die er sich vor dem Ort ange­steckt, zog er mit seiner Schaar in den Klosterhof ein, und Waldmann, der Knecht, der ihm entgegentrat, meldete ihm, daß daS Mandat richtig abgegeben sei, als er die Aebtissin und den Stiftsvogt in einem ver­störten Wortwechsel unter daS Portal des Klosters treten sah; und während jener, der Stiftsvogt, ein kleiner, alter, schneeweißer Mann, grimmige Blicke auf Kohlhaas schießend, sich den Harnisch anlegen ließ und den Knechten, die ihn umringten, mit dreister Stimme zurief, die Sturmglocke zu ziehn: trat jene, die Stiftsfrau, das silberne Bildniß des Gekreuzigten in der Hand, bleich wie Linnenzeug, von der Rainpe herab und warf sich

mit allen ihren Jungfrauen vor Kohlhaasens Pferd nieder.

Kohlhaas, während Herse und Sternbald den Stifts­vogt, der kein Schwert in der Hand hatte, überwältigten und als Gefangenen zwischen die Pferde führten, fragte sie, wo der Runter Wenzel von Tronka sei? und da sie, einen großen Ring mit Schlüsseln von ihrem Gurt loslösend:In Wittenberg, Kohlhaas, würdiger Mann!" antwortete und mit bebender Stimme hinzusetzte:Fürchte Gott und thue kein Unrecht!" so wandte Kohlhaas, in die Hölle unbefriedigter Rache zurückgeschleudert, das Pferd und war im Begriff:Steckt an!" zu rufen, als ein ungeheurer Wetterschlag dicht neben ihm zur Erde niederfiel.

Kohlhaas, indem er sein Pferd zu ihr zurückwandte, fragte sie, ob sie sein Mandat erhalten? und da die Dame mit schwacher, kaum hörbarer Stimme antwortete: Eben jetzt!"Wann?Zwei Stunden, so wahr mir Gott helfe, nach des Junkers, meines Vetters, bereits vollzogener Abreise!" und Waldmann, der Knecht, zu dem Kohlhaas sich unter finstern Blicken umkehrte, stotternd diesen Umstand bestätigte, indem er sagte, daß die Gewässer der Mulde, vom Regen ge­schwellt, ihn verhindert hätten, früher als eben jetzt ein- zutreffen: so sammelte sich Kohlhaas; ein plötzlich furcht­barer Regenguß, der die Fackeln verlöschend auf das Pflaster des Platzes niederrauschte, löste den Schmerz in seiner unglücklichen Brust; er wandte, indem er kurz den Hut vor der Dame rückte, sein Pferd, drückte ihm mit den Worten:Folgt mir, meine Brüder, der Junker ist in Wittenberg!" die Sporen ein und verließ das Stift.

Er kehrte, da die Nacht einbrach, in einem Wirths- Hause auf der Landstraße ein, wo er wegen großer Er­müdung der Pferde einen Tag ausruhen mußte, und da er wohl einsah, daß er mit einem Haufen von zehn Äkann (denn so stark war er jetzt) einem Platz, wie Wittenberg war, nicht trotzen konnte, so verfaßte er ein zweites Mandat, worin er nach einer kurzen Erzählung dessen, was ihm im Lande begegnet,jeden guten Christen", wie er sich ausdrückte,unter Angelobung eines Handgeldes und anderer kriegerischer Vortheile", aufforderte,seine Sache gegen den Junker von Tronka, als den allgemeinen Feind aller Christen, zu ergreifen". In einem andern Mandat, das bald darauf erschien, nannte er sicheinen reichs- und weltfreien, Gott allein unterworfenen Herrn"; eine Schwärmerei krankhafter und mißgeschaffencr Art, die ihm gleichwohl bei dem Klang seines Geldes und der Aussicht auf Beute unter dem Gesindel, das der Friede mit Polen außer Brod gesetzt hatte, Zulauf in Menge verschaffte: dergestalt, daß er in der That dreißig und etliche Köpfe zählte, als er sich zur Einäscherung von Wittenberg auf die rechte Seite der Elbe zurückbegab. Er lagerte sich mit Pferden und Knechten unter dem Dache einer alten verfallenen Ziegelscheune in der Einsamkeit eines finstern Waldes, der damals diesen Platz umschloß, und hatte nicht sobald durch Sternbald, den er mit dem Auftrag verkleidet in die Stadt schickte, erfahren, daß das Man- dat daselbst schon bekannt sei, als er auch mit seinem Hausen schon am heiligen Abend vor Pfingsten aufbrach, und den Platz, während die Bewohner im tiefsten Schlaf lagen, an mehreren Ecken zugleich in Brand steckte. Dabei klebte er, während die Knechte in der Vorstadt plünderten, ein Blatt an den Thürpfeiler einer Kirche, des Inhalts:Er, Kohlhaas, habe die Stadt in Brand gesteckt und werde sie, wenn man ihm den Junker nicht ausliefere, dergestalt einäschern, daß er", wie er sich ausdrückte,hinter keine Wand werde zu sehen brauchen, um ihn zu finden."

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes

Mittel gegen die Diphth eritis. Wie diePost" mittheilt, hat Dr. Lorey in Frankfurt a. M. durch Einblasen von Zuckerstaub in bereits achtzig Fällen außerordentlich günstige Resultate bei Behandlung der Diphtheritis erzielt. Der Zuckerstaub löst, so führt Herr Dr. Lorey aus, die sich vei jener Krankheit an der Hinteren Rachenwand, den Mandeln und auch am Kehlkopf bildenden Häutchen auf, und gleichzeitig ver­hindert er die Weiterverbreitung der Erkrankung durch Abtödten der Diphtherilis-Bazillen. DaS neue Verfahren selbst ist sehr einfach : durch eine Glasröhre wird bertfein vertheilte Zuckerstaub durch den Mund auf die erkrankten Schleimhäute geblasen, und zwar so weit hinunter, als es angeht. Die Schleimhautbeläge lockern sich dann, heben sich ab und werden unter reichlicher Eiterab- sonderung ansgcstoßen.

Das ist ein Unterschied. Doctor:Sie müssen sich mehr Bewegung machen: Was haben Sie denn für ein Geschäft?" Patient:Ich bin Maurer." Doctor:Ei, da sollten Sie sich doch genügend bewegen." Patient:Das kommt ganz darauf an, Herr Doctor, ob man im Tagelohn schafft, oder im Accord."

Kurz e Verstä ndigung. Liebst Du mich, Klara ? U n c n d li ch. Endlich!

Schnell bedient. Gast: Kellnerin, schnell etwas Warmes! Kellnerin: Hier, meine Hand, Ver- ehrtester I

Hub e r, Braumeister. Bertha Zärtlich. Er braut, sie Braut.

Musikalisches.

Wer musicirt und stellt's nicht ein, Trotzdem er weiß, daß er nur stört, Der mag wohl musikalisch sein, Allein sein Takt ist nicht viel werth.

Ein durch Elektrizität getriebener Omnibus machte vor einigen Tagen eine sehr gelungene Probefahrt in den fashionablenStattheilen Londons. Es ist dies angeblich der einzige elektrische Omnibus in der ganzen Welt, der im Stande ist, rechts und links abzubiegen und auf dem gewöhnlichen Straßenpflaster ohne Schienen schneller zu laufen, als ein von Pferden gezogener Wagen.

Treffend. Erster Junggeselle. Also Du wohnst richtig, trotz meines Abrathens, bei der Frau Seifen- stein? Na, wie gefällt's Dir denn dort? Zweiter Junggeselle: das Zimmer gefiele mir ganz gut, aber die Kost ist miserabel. Wir haben gar keine Abwechselung einen Tag gibt's Lamm-Braten, den zweiten Lamm- Coteletts und den dritten Lamm-Stew. Erster Jung­geselle : Mit einem Wort: Du bist belämmert!

Genaue Auskunft. Fremder: Können Sie mir nicht sagen, wo sich hier im Orte die meisten Herren rasiren lassen? Packträger: Na, Männeken, wo denn wohl anders, als im Gesicht!

Wenigstens etwas. Barbier:Ja, mein Lieber, ich würde Ihnen gern etwas geben; aber ich habe selber nichts!"Nun können Sie mir nich dafür mal ordentlich rassiren?"

Genügende Empfehlung. Hausfrau:Was, ein Zeugniß wollen Sie nach Ihrer Aufführung auch noch haben? Was soll ich Ihnen denn nur hineinschreiben?" Dienstmädchen:Schreiben Sie nur, daß ich drei Monate bei Ihnen aushielt, das empfiehlt mich zur Genüge."

Musikalische Konsequenz. Familienvater: Meine Frau hat's jetzt glücklich durchgesetzt, daß unsere Kinder alle Klavier-, Gesang- und Violin-Unterricht er­halten da werd' ich bald flöten gehen müssen.

Befolgte Mahnung. Richter:Sie haben also mit angesehen, wie der Taschendieb dem Reisenden das Portemonnaie zog; weshalb hielten Sie den Kerl nicht fest? Zeuge: Ich wollte mich wohl hüten. Es stand eigens auf dem Bahnhof angeschrieben:Vor Taschendieben wird gewarnt!" Wenn das so gefährliche Menschen sind, will ich doch nichts mit ihnen zu thun haben.

Lehrer: Zu welcher Thierklasse gehört die Schlange? Schüler: Zu den Amphibien. Lehrer: DerLöwe? S ch ü ler: Zn den Raubthieren. Lehrer: Der Hering? Schüler: Zu den Pellkartoffeln.

(Nichts als Aergcr.)Du, was hat denn Deine Frau schon wieder?"Ach, was wird sie haben? Erst hat sie sich über das Dienstmädchen geärgert, dann hat sie sich über mich geärgert, weil ich mich nicht über das Dienstmädchen geärgert habe, und nun ärgert sie sich, weil ich mich nicht ärgere, daß sie sich über das Dienstmädchen geärgert hat!"

Jrrth um. Erste Schwiegermutter:Nun, können Sie sich denn mit Ihrem Schwiegersöhne gut vertragen?" Zweite:O, er ist sehr rücksichtsvoll. Denken Sie nur, wenn ich Mittagsruhe halte, schleicht er ganz leise herum, damit ich auch ja nicht vor der Zeit aufwache."

Als Kaiser Franz Joses zum erstenmal Ungarn besuchte, hielt der sehr unbeliebte Bürgermeister von Pest eine Versammlung zur Beratung der Empfangs­feierlichkeiten. Er schlug vor, etwas zu veranstalten, was 1. den Kaiser überraschen, 2. nicht viel kosten und 3. auch dem Volk Vergnügen machen werde. Anderen Tages erhielt er einen Brief mit dem Vorschlag, den geehrten Herrn Bürgermeister an dem zu errichtenden Triumphbogen aufzuhängen. Das würde 1. den Kaiser sehr überraschen, 2. nicht viel Geld kosten nnd 3. dem Volk ein ungeheures Vergnügen machen.

Ein Kinderbillet. Ueber eine scherzhafte Scene schreibt man aus Povayen: Eine Frau hatte am Schalter ein gewöhnliches und ein Kinderbillet ge­löst. Beim Einsteigen wird das Kinderbillet von einem etwa 20jährigen jungen Menschen vorgezeigt. Auf die Bemerkung des Schaffners:Sie wollen doch nicht etwa auf das Kinderbillet fahren?" meldet sich die Frau, in­dem sie ruft:Jo, jo, Herrke, dat es rechtig, dat es min Sahn!" Natürlich mußte die Mutter für ihr Söhnchen ein anderes Billet lösen. Das Gelächter und der Spott blieb natürlich nicht aus.

(Unsere Dienstboten) Madame zankt mit ihrer Köchin:Es ist wirklich heutzutage unmöglich, ein gutes und tüchtiges Mädchen zu finden !' Det stimmt auf'n Kopp, gnä'ge Frau," erwidert die Köchin,und wenn Siene Köchin wären, Sie würde man noch viel schneller aus der Küche jagen, wie mich."

Wer am besten tanzt. Backfisch (zu einem Refe­rendar, der sich als vorzüglicher Tänzer erweist):Sie sind zwar erst Referendar, lieber Fritz, aber Sie tanzen schon so gut, als wären Sie bereits Geheimer Justiz- rath!"