Heidelberger zu Burgsinn, oberhalb Aschaffenburg, stellte ihre Zahlungen ein und meldete Co ncu rs an. In dortiger Gegend herrscht hierüber bedeutende Aufregung, da zahlreiche Oeconomen große Verluste erleiden. Nach den bis jetzt zur Anmeldung gelangten Forderungen übersteigen die Passiven Mk. 100,000. Juda Heidelberger wird seit mehreren Tagen vermißt und man vermuthet, derselbe sei nach Amerika verduftet. Die Geschäftsbücher wurden bereits gerichtlich beschlagnahmt.
Würzburg. Ein langwieriger Prozeß schwebt beim Landgericht in Würzburg: Die Klage der Freiherren von Thüngen beider Linien gegen die Gemeinde Burgsinn wegen Eigenthums an dem seit 3 Jahrhunderten strittigen Wald, dessen Werth auf 800,000 Mk, geschätzt ist. Die Klageschrift umfaßt nicht weniger als 300 Seiten; der zu erlegende Gerichtskostenvorschuß belauft sich auf 4000 Mk.
Augsbnrg. Die allgemeine Deutsche Lehrerversammlung findet zu Pfingsten nächsten Jahres (10. bis 13. Juni) in Augsburg statt. Folgende Punkte sind zunächst in Aussicht genommen: 1. Volksthum und Volksschule. 2. Die Mädchenbildung der Gegenwart und Nothwendigkeit, Zweck und Lehrinhalt der Fortbildungsschule für Mädchen. 2. Die Nothwendigkeit einer entschiedenen und allgemein giltigen Vereinfachung unserer Rechtschreibung. 4. Die Bestrebungen des Vereins für deutsche Schulreform. 5. Gehört der Handfertigkeitsunterricht in die Schulen und in die Lehrerbildungsanstalten? 6. Was kann die Schule zur Lösung der sozialen Frage beitragen? 7. Der Ausbau der deutschen Volksschule.
Oppeln, 27. December. (Die Geistlichen des Archipresbyteriats Zülz) haben an den Fürstbischof Dr. Kopp eine Eingabe folgenden Inhalts gerichtet: „Von der Kgl. Kreisschulinspection ist uns im Auftrage der Kgl. Regierung zu Oppeln ein Verzeichniß der zum Beicht- bezw. Kommunion - Unterricht bestimmten Kinder zugegangen mit der Angabe, welche von ihnen der deutschen Sprache so weit mächtig seien, daß sie den vorge- nanntenÄnte'rricht in b er deutschen Sprache mit Erfolg genießen können. Wir sehen in diesem Vorgehen der Königlichen Staatsregierung nicht nur einen Eingriff in die eigensten Rechte und das innerste Leben der Kirche, sondern halten uns auch im Gewissen für verpflichtet, die Kinder in den Heilswahrheiten des Glaubens und der ihnen verständlichen, auf das Herz einwirkenden und zum Glaubensleben erziehenden Muttersprache zu unterrichten; selbst die gewecktesten und in der deutschen Sprache am meisten vorgeschrittenen Kinder polnischer Zunge sind nicht im Stande, gerade diesen für das ganze Leben, für Zeit
und Ewigkeit enscheidenden Unterricht in der deutschen Belassung in ihren bisherigen Stellen zu Ober-Secre- Sprache mit Erfolg zu genießen." Eine ähnliche Ein- taren; — der Rechnungs-Secretar Wickert an Stelle
gäbe ist nach der Mittheilung öffentlicher Blätter von j des in Folge Verurtheilung aus dem Dienste ausge- sämmtlichen Familienvätern der Parochie Deutsch-Müllmen schiedenen Jnspectors Eisenberg, zum Juspector und
sämmtlichen Familienvätern der Parochie Deutsch-Müllmen
desselben Archipresbyteriats an den Fürstbischof abge- ,-enbet worden.
Tages-Ereiguifse.
Schlächtern. In einem am vergangenen Sonnabend bei dem Schreiner Simon hierselbst geschlachteten Schweine wurden von Herrn R o l l m a n n Trichinen vorgesunden.
— In Sachen, betr. den Antrag des Brauereibesitzers Wilhelm Thaler hier auf Eröffnung des Con- cursverfahrens über das Vermögen des Gastwirths Konrad Winhold und Frau, Maria, geb. H eß, hier ist beschlossen: Der am 12. Dezember 1888 gestellte Antrag auf Concurseröffnung wird abgewiesen. Die Aufhebung der angeordneten Sicherheitsmaßrcgeln wird bis zur rechtskräftigen Entscheidung über die vom Antragesteller erhobene sofortige Beschwerde ausgesetzt. Die Kosten, auch die durch die getroffenen Sicherheitsmaßregeln herbeigeführten, fallen dem abgewiesenen Antragsteller zur Last. (N. 2/88.)
Schlüchtern, den 22. Dezember 1888.
Königliches Amtsgericht.
— Was die Konkurrenz zu Wege bringt! — Hier wird ja in diesem Punkt mancherlei geleistet, aber an andern Orten ist man uns doch über! So befindet sich z. Z. in Dessau ein Inserat in den dortigen Blättern von einem Friseurgeschäft, durch welches der Inhaber des Geschäftes bekannt giebt, daß einmal Rasiren und ein Glas Bier 20 Psg., einmal Haarschneiden und ein Glas Bier 30 Psg., einmal Frisiren und ein Glas Bier 30 Pfg. kosten. Daß man beim Rasiren gleichzeitig mit einem Glase Bier erquidt wird, ist gewiß eine Wohlthat, welche man in keinem anderen Orte findet. — Ob sich diese Einrichtung in Schlüchtern auch einbürgert?
— Wie wir hören, wird in Lehrerkreisen eine Petition an das preußische Abgeordnetenhaus vorbereitet, in welcher eine wesentliche Erhöhung der staatlichen Dienstalterszulagen verlangt wird. Diese Zulagen sollen in kürzeren Zwischenräumen, als bisher, erfolgen und auch denjenigen Lehrern zu Theil werden, die in Orten mit eingerichteter Gehaltsskala amtiren. Die Petition, die dem Abgeordnetenhause gleich nach seinem Wieder- zusammentritt zugehen soll, hat bereits zahlreiche Unterschriften gesunden.
— Mondfinste rn iß. Im nächsten Jahre werden zwei Mondfinsternisse in Erscheinung treten. Die eine am frühen Morgen des 17. Januar, die andere am Abend des 12. Juli. Beide sind bei uns sichtbar. Es werden auch drei Sonnenfinsternisse stattfinden, doch sind dieselben bei uns, überhaupt in Europa, unsichtbar.
— Eine neue Art von Briefaufschriften findet in England und seit Kurzem auch in Oesterreich mehr und mehr Anwendung. Der Briefumschlag wird nach der neuen Methode durch einen wagerechten Strich in zwei Theile getheilt, von denen der obere zur Niederschrift des Bestimmungsortes rc., der untere zur Angabe des Namens und näheren Bezeichnung des Adressaten bestimmt ist. Die Freimarke kommt auf den oberen Theil.
Eine
Adresse sieht demnach folgendermaßen aus:
Nach
Hamburg.
Marke
Herrn
Wilhelm Schulze.
B r e i t e st r a ß e Nr. 24.
Die von nur
Adresse setzt sich also aus zwei Theilen zusammen, denen der eine für die Beförderung, der andere für die Bestellung in Betracht kommt. Jeder Be
amte braucht also nur denjenigen Theil anzusehen, welchen er zu bearbeiten hat.
Wächtersbach, 21. Dec. Der nächste Viehmarkt dahier findet nicht am 15. Janr. 1889 statt, wie es im amtlichen Kalender publizirt ist, sondern wurde durch Verfügung königlicher Regierung auf den 8. Jan. verlegt.
Fulda, 28. Decbr. Die nächstjährige amtliche Con- ferenz der Seminarlehrer in der Provinz Hessen-Nassau wird am 12. Juni k. J. — Mittwoch in der Pfingst- woche — in Fulda abgehalten werden.
Hünfeld, 24. Dezbr. Wie dem „Hünf. Kreisblatt" mitgetheilt wird, haben sich gestern sechs Herren zusammengethan, um eine Dampf-Molkerei in Hünfeld zu begründen, um die Mitte Mai soll schon das Projekt, welches sehr großen Beifall unter den Landwirthen der nächsten Ortschaften Hünfelds findet, den Betrieb eröffnen.
Cassel, 15. Dec. Den Hauptgegenstand der Verhandlungen während der am 10., 11. und 12. d. M. stattgefundenen Sitzungen des Landes-Ausschusses bildeten Personal-Angelegenheiten und wurden vom 1. Januar k. I. an: der Gerichts-Assessor Schröder dahier, vorbehaltlich seiner Entlassung aus dem Staatsdienste, zum Assessor bezw. Abtheilungs-Vorstande bei der Landes- Direction; — die Secretare Siemon und Strube unter
Kassirer des Landkrankenhauses zu Bettenhausen; der Hülfsarbeiter Morell zum Büreaubeamten und Kassen- ontrolleur bei der Corrections-Anstalt zu Breitenau;— die Kanzlisten Mühling und Faß zu Registratoren; — die Hülfsarbeiter Fladung und Pilger zu Kanzlisten bei der Central-Verwaltung dahier ernannt und der Dr. >hil. Seelig zum Assistenten bei der Landesbibliothek rahier und der Juwelier Schneider zum Gold- und Silbertaxator bei dem hiesigen Leihhause bestellt, sowie unter dem 1. April k. J. der Rentmeister Schild des Landeshospitals Haina in gleicher Eigenschaft an das Landkrankenhaus zu Fulda versetzt. — Den nach Maßgabe der Bestimmungen des Normal-Gehaltetats zum Aufrücken in eine höhere Gehaltsstufe stehenden Beamten wurde der entsprechende Gehalt und auf verschiedene, als begründet erachtete Gesuche von Beamten und Angestellten eine Unterstützung bewilligt. Die ausgearbeitete reue Dienstanweisung für die Beamten der Landesbibliothek dahier ward genehmigt und gleichzeitig bestimmt, daß vom 1. April k. J. an, nach näherer Anordnung des Herrn Landes-Direktors, Verzeichnisse der bei genannter Bibliothek im Laufe eines Vierteljahres statt- gefundenen Neuanschaffungen, auf Wunsch abgegeben werden können. Dem Anträge des Herrn Landes- Direckor gemäß wurden die Verpflegungskosten in den Landkrankenhäusern für landarme Dienstboten und die von einem Unfälle betroffenen diesseitigen Angehörigen der hessennassauischen landwirthschaftlichen Berufsgenossenschaft, in einer die Gemeinden des Bezirksverbandes entlastenden Weise festgesetzt ‘unb weiter verschiedenen Gemeinden Unterstützungen zur Förderung des Feuer- Löschwesens rc. gewährt. Nach Vortrag des Standes der Ankaufs-Verhandlungen der Hartdegen und Nuhn'- schen Besitzungen am Möncheberg und der seit der vorigen Sitzung erfolgten Angebote weiterer außerhalb Cassel's gelegener Grundbesitzungen für Zwecke des Bezirksverbandes, trat der Landes-Ausschuß nochmals in nähere Berathung rc. dieser Angelegenheit ein und beschloß, um solche endlich zum Abschluß zu bringen, daß für den Fall das an die oben genannten beiden Besitzungen angrenzende Terrain nicht für einen als angemessen erachteten und festgesetzten Maximalpreis zu erlangen sei, von der Errichtung bezw. der Vereinigung aller in Aussicht genommenen Anstalten in der Nähe von Cassel abgesehen werden und der Herr Landes- Director ermächtigt sein solle, geeigneten außerhalb ge-
legenen Grundbesitz alsbald zu erwerben. Der Aufnahme der Wegestrecken von Völzberg nach Hartmanns- hain und von Rheinsen nach der Kohlenstraße, sowie den gestellten Anträgen auf Bewilligung von Beiträgen zum Ausbaue nothwendiger Landwege und zur Ausführung von Meliorationen ward zugestimmt und schließlich der Beginn der nächstjährigen regelmäßigen Sitzungen des Landes-Ausschusses aus den 11. Februar, 8. April, 17. Juni, 5. August, 14. Oct. und 9. December festgesetzt.
Michael Kohlhaas.
Eine Erzählung von Heinrich von Kleist.
(Fortsetzung.)
Sobald der Hügel geworfen, das Kreuz darauf ge* pflanzt und die Gäste, die die Leiche bestattet hatten, entlassen waren, warf er sich noch einmal vor ihrem nun verödeten Bette nieder und übernahm sodann das Geschäft der Rache. Er setzte sich nieder und verfaßte einen Rechtsschluß, in welchem er den Junker Wenzel von Tronka kraft der ihm angeborenen Macht verdammte, die Rappen, die er ihm abgenommen und auf den Feldern zu Grunde gerichtet, binnen drei Tagen nach Sicht nach Kohlhaasenbrück zu führen und in Person in seinen Ställen dick zu füttern. Diesen Schluß sandte er durch einen reitenden Boten an ihn ab, und instcuirte denselben, flugs nach Uebergabe des Papiers wieder bei ihm in Kohlhaasenbrück zu sein. Da die drei Tage ohne Ueberlieferung der Pferde verflossen, so rief er Hersen; eröffnete ihm, was er dem Jungherrn, die Dickfütterung derselben anbetreffend, aufgegeben; fragte ihn zweierlei, ob er mit ihm nach der Troukenburg reiten und den Jungherrn holen; auch ob er über den Hergeholten, wenn er bei Erfüllung des Rechtsschlusses in den Ställen von Kohlhaasenbrück faul sei, die Peitsche führen wolle? und da Herse, sowie er ihn nur verstanden hatte: „Herr, heute noch!" aufjauchzte und, indem er die Mütze in die Höhe warf, versicherte: einen Riemen mit zehn Knoten, um ihn das Striegeln zu lehren, lasse er sich flechten! so verkaufte Kohlhaas das Haus, schickte die Kinder in einen Wagen gepackt über die Grenze; rief bei Anbruch der Nacht auch die übrigen Knechte zusammen, sieben an der Zahl, treu ihm jedweder wir Gold, ^bewaffnete und beritt sie und brach nach der Tronkenburg auf. —
Er fiel auch mit diesem kleinen Haufen schon beim Einbruch der dritten Nacht, den Zollwärter und Thorwächter, die im Gespräche unter dem Thore standen, niederreitend, in die Burg, und während unter plötzlicher Aufprasselung aller Baracken im Schloßraum, die sie mit Feuer bewarfen, Herse über die Wendeltreppe in den Thurm der Vogtei eilte und den Schloßvogt und Verwalter, die halb entkleidet beim Spiel saßen, mit Hieben und Stichen überfiel, stürzte Kohlhaas zum Junker Wenzel ins Schloß. Der Engel des Gerichts fährt also vom Himmel herab, und der Junker, der eben unter vielem Gelächter dem Troß junger Freunde, der bei ihm war, den Rechtsschluß, den ihm der Roßkamm Übermacht hatte, vorlas, hatte nicht sobald dessen Stimme im Schloßhof vernommen, als er den Herren schon plötzlich leichenbleich: „Brüder, rettet euch!" zurief und verschwand. Kohlhaas, der beim Eintritt in den Saal einen Junker Hans von Tronka, der ihm ent« gegenkam, bei der Brust faßte und in den Winkel des Saals schleuderte, daß er sein Hirn ' an den Steinen , verspritzte, fragte, während die Knechte die andern Ritter, die zu deu Waffen gegriffen hatten, überwältigtey unb zerstreuten: wo der Junker Wenzel von Tronka sei? Und da er bei der Unwissenheit der betäubten Männer die Thüren zweier Gemächer, die in die Seitenflügel des Schlosses führten, mit einem Fußtritt sprengte und in allen Richtungen, in denen er das weitläufige Gebäude durchkreuzte, Niemand fand, so stieg er. fluchend in den Schloßhof hinab, um die Ausgänge besetzen zu lassen. Inzwischen war, vom Feuer der Baracken ergriffen, nun schon das Schloß mit allen Seitengebäuden, starken Rauch gen Himmel qualmend, angegangen, und während Sternbald mit drei geschäftigen Knechten Alles, was nicht niet- und nagelfest war, zusammenschleppten und zwischen den Pferden als gute Beute umstürzten, flogen unter dem Jubel Hersens aus den offenen Fenstern der Vogtei die Leichen des Schloßvogts unb Verwalters mit Weib und Kindern herab. Kohlhaas, dem sich, als er die Treppe vom Schloß niederstieg, die alte, von der Gicht geplagte Haushälterin, die dem Junker die Wirthschaft führte, zu Füßen warf, fragte sie, indem er auf der Stufe stehen blieb: wo der Junker Wenzel von Tronka sei? und da sie ihm mit schwacher, zitternder Stimme zur Antwort gab: sie glaube, er habe sich in die Kapelle geflüchtet; so rief er zwei Knechte mit Fackeln, ließ in Ermangelung der Schlüssel den Eingang mit Brechstangen und Beilen eröffnen, kehrte Altäre und Bänke um, und fand gleichwohl zu seinem grimmigen Schmerz den Junker nicht. Es traf sich, daß ein junger, zum Gesinde der Tronkenburg gehöriger Knecht in dem Augenblick, da Kohlhaas aus der Kapelle zurückkam, her- beieilte, um aus einem weitläufigen steinernen Stall, den die Flamme bedrohte, die Streithengste des Junkers herauszuziehen. Kohlhaas, der in ebendiesem Augenblick