»So?' sagte Kohlhaas, indem er den Mantel ab- legte. „Ist er denn schon wiederhergestellt?"
„Bis auf das Blutspeien," antwortete sie, „halb und halb. Ich wollte sogleich einen Knecht nach der Tronken- burg schicken, um die Pflege der Rosse bis zu deiner Ankunft daselbst besorgen zu lassen. Denn da sich der Herse immer wahrhaftig gezeigt hat und so getreu uns in der That wie kein andrer, so kam es mir nicht zu, in seine Aussage, von so viel Merkmalen unterstützt, einen Zweifel zu setzen und etwa zu glauben, daß er der Pferde auf eine andre Art verlustig gegangen wäre. Doch er beschwört mich, Niemand zuzumuthen, sich in diesem Raubncste zu zeigen, und die Thiere aufzugeben, wenn ich keinen Menschen dafür aufopfern wolle."
„Liegt er denn noch im Bette?" fragte Kohlhaas, indem er sich von der Halsbinde befreite.
„Er geht," erwiderte sie, „seit einigen Tagen schon wieder im Hofe umher. Kurz, du wirst sehen," fuhr sie fort, „daß alles seine Richtigkeit hat, und daß diese Begebenheit einer von den Freveln ist, die man sich seit Kurzem auf der Tronkenburg gegen die Fremden erlaubt."
„Das muß ich doch erst untersuchen," erwiderte Kohlhaas. „Ruf ihn mir, Lisbeth, wenn er auf ist, doch her!" Mit diesen Worten setzte er sich in den Lehnstuhl; und die Hausfrau, die sich über seine Gelassenheit sehr freute, ging und holte den Knecht.
„Was hast du in der Tronkenburg gemacht?" fragte Kohlhaas, da Lisbeth mit ihm in das Zimmer trat. „Ich bin nicht eben wohl mit dir zufrieden."
Der Knecht, anf dessen blassem Gesicht sich bei diesen Worten eine Rothe fleckig zeigte, schwieg eine Weile; und: „dahabtJhr recht, Herr!" antwortete er; „denn einen Schwcfclsadcn, den ich durch Gottes Fügung bei mir trug, um das Raubnest aus dem ich verjagt worden war, in Brand zu stecken, warf ich, als ich ein Kind darin jammern hörte, in das Eibwasser und dachte: mag es Gottes Blitz einäschern; ich wills nicht! '
Kohlhaas sagte betroffen: „Wodurch aber hast du dir die Verjagung aus der Tronkenburg zugezogen?"
Darauf Herse: „Durch einen schlechten Streich, Herr"; und trocknete sich den Schweiß von der Stirn: „Geschehenes ist aber nicht zu ändern. Ich wollte die Pferde nicht auf der Feldarbeit zu Grunde richten lassen, und sagte, daß sie noch jung wären und nicht gezogen hätten."
Kohlhaas erwiderte, indem er seine Verwirrung zu verbergen suchte, daß er hierin nicht ganz die Wahrheit gesagt, indem die Pferde schon zu Anfänge des verflossenen Frühjahrs ein wenig im Geschirr gewesen wären. „Du hättest dich auf der Burg", fuhr er fort, „wo du doch eine Art von Gast wärest, schon ein oder etliche Male, wenn gerade wegen schleuniger Einführung der Ernte Noth war, gefällig zeigen können."
„Das habe ich auch gethan, Herr," sprach Herse. „Ich dachte, da sie mir grämliche Gesichter machten, es wird doch die Rappen just nicht kosten. Am dritten Vormittag spannt' ich sie vor, und drei Fuhren Getreide führt' ich ein."
Kohlhaas, dem das Herz emporquoll, schlug die Augen zu Boden, und versetzte: „Davon hat man mir nichts gesagt, Herse!"
Herse versicherte ihn, daß es so sei. „Meine Unge- fälligkeit," sprach er, „bestand darin, daß ich die Pferde, als sie zu Mittag kaum ausgefressen hatten, nicht wieder ins Joch spannen wollte; und daß ich dem Schloßvogt und dem Verwalter, als sie mir vorschlugen, frei Futter dafür anzunehmen, und das Geld, das Ihr mir für Futtcrkostcn zurückgelassen hattet, in den Sack zu stecken, antwortete — ich würde ihnen sonst was thun; mich umkehrte und wegging."
„Um dieser Ungefälligkeit aber", sagte Kohlhaas, „bist du von der Tronkenburg nicht weggejagt worden?"
„Behüte Gott," rief der Knecht, „um eine gottvergessene Missethat! Denn auf den Abend wurden die Pferde zweier Ritter, welche auf die Tronkenburg kamen, in den Stall geführt, und meine an die Stallthül angebunden. Und da ich dem Schloßvogt, der sie daselbst einquartirte, die Rappen aus der Hand nahm und fragte, wo die Thiere jetzo bleiben sollten, so zeigte er mir einen Schweinekoben an, der von Latten und Brettern an der Schloßmauer auferbaut war."
„Du meinst", unterbrach ihn Kohlhaas, „eS war ein so schlechtes Behältniß für Pferde, daß es einem Schweine- koben ähnlicher war als einem Stall."
„Es war ein Schweinekoben, Herr", antwortete Herse; „wirklich und wahrhaftig ein Schweinekoben, in welchem die Schweine aus- und einliefen und ich nicht aufrecht stehen konnte."
„Vielleicht war sonst kein Unterkommen für die Rappen aufzufinden", versetzte Kohlhaas; „die Pferde der Ritter gingen auf eine gewisse Art vor."
„Der Platz", erwiderte der Knecht, indem er die Stimme fallen ließ, „war eng. Es hauseten jetzt in allem sieben Ritter auf der Burg. Wenn Ihr es gewesen wäret, Ihr hättet die Pferde ein wenig zusammenrücken lassen. Ich sagte, ich wolle mir im Dorf einen Stall zu miethen suchen; doch der Schloßvogt versetzte, daß er die Pferde unter seinen Augen behalten müsse, und daß ich mich nicht unterstehen solle, sie vom Hofe wegzuführen,"
„Hm!" sagte Kohlhaas. „Was gabst du darauf an?"
„Weil der Verwalter sprach, die beiden Gäste würden bloß übernachten und am andern Morgen weiterreiten, so führte ich die Pferde in den Schweinekoben hinein. Aber der folgende Tag verfloß, ohne daß es geschah; und als der dritte anbrach, hieß es, die Herren würden noch einige Wochen auf der Burg verweilen."
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
— Ueber die unpr attische Art unseres Grußes mittelst Abnehmen von Kopfbedeckung ist schon viel geschrieben worden, auch hat es nicht an Vorschlägen zu einer Reform gefehlt, bisher aber stets ohne Erfolg. DieMode ist eben eine Tyrannin. Jetzttönt ein neuer derartiger Mahnruf durch die Pressen: „Warum sollen unserer Civilisten nicht militärisch grüßen dürfen?" Unter dieser Ueberschrift schreibt eine Dame den „Münchener Neuesten Nachrichten" was folgt: „Ueber diese Frage wird in allen Kreisen viel dispoutirt, und ich glaube als Frau nicht zu unbescheiden zu sein, wenn ich die Meinung ausspreche, daß hierüber einzig und allein nur das weibliche Geschlecht zu bestimmen habe, da ja uns vor allen der ehrfurchtvollste Gruß zu Theil wird. Da aber heutzutage die ältere Generation die artigere ist, so hat sie auch am meisten unter d-m üblichen Begrüßungsmodus zu leiden. Damit kommen wir auf den Punkt, um den es sich dreht, den von der Natur so stiefmütterlich bedachten „Punkt unter dem Hute" ■— nennen wir das Kind beim rechten Namen (Pardon!) — den Kahlkopf! Ja, die armen Kahlköpfigen sind es, die mich oft dauern, und diesen sei hier das Wort gesprochen. Welche Folge so ein Gruß im Sturm und Kälte nach sich zieht, bald Neuralgie, bald Rheumatismus und wie sie alle heißen mögen, die kleinen und „großen" Leiden, das vermögen nur die zu beurtheilen, von denen ich eben spreche. Nun wäre es aber eine sehr heikle Sache, wenn nur die Kahlköpfigen militärisch grüßen sollten — da wären sie ja gleichsam die „Gezeichneten", oder am Ende gäbe es gar keine? So muß eben nolens volens das ganze „starke Geschlecht"
salutiren; man kann das ja auch recht nett machen, auch den „behüteten" Gruß wissen wir Damen feinfühligst zu definiren. Die Hand an den Hut gelegt, eine unmerkliche Verbeugung, wenn nöthig ein freundliches Lächeln — das ist alles, was man braucht, und ich denke, wir sind zufrieden
— Die überseeische Auswanderung über deutsche Häfen, über Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam aus Deutschland hat im Monat Oktober ds. Js. 9751 und in der Zeit von Anfang Januar bis Ende Oktober 89,785 Köpfe betragen. Im gleichen Zeitraum der Vorjahre sind ausgewandert: 1887: 9793 bezw. 90,556; 1886: 9107 bczw. 70,841 und 1885: 8999 bezw. 100,031 Personen.
Die Macht der Musik.
II.
Paul liebte schüchtern eine Maid In namenlosem Sehnen Und weil er nicht zu sprechen wag't, So griff er zu den Tonen.
Ein Spielwerk kauft' er, sandte eS
Der schönen Maid in'S HauS.
Sie zog eS auf — welch' Liederstrom
Quoll da aus ihm heraus.
„Ich kenn' ein Aug'", so fing es an,
„Hab' ich nur dich" ging'S weiter,
„Ich schnitt'S in alle Rinden ein»,
„Ich bin so ernst, so heiter.»
Dann klang's: „Ach wie ist'r möglich dann,
Daß ich dich lassen kann",
„O, wenn du wärst mein Eigen",
So klang eS weiter dann.
Die Maid verstand der Lieder Sinn
Gar bald, in kurzer Zeit,
So kam's, daß eines Tages Paul Um ihre Hand gefreit.
Und als er am Altare stand,
Da lispelt er für sich:
„Das Glück, o Meister Heller, ja
Es kam mir nur durch dich!»
Drum ist'S gewiß ein guter Rath,
Dem Alles folge gern;
Ein Spielwerk taufe jeder sich
Bet I. H. Heller, Bern!
Für den Hanshalt giebt er wohl kaum ein nützlicheres und schöneres Weihnachtsgeschenk, als eine gute Nähmaschiene, denn mit ihr wird eine Menge Zeit und Geld erspart und außer- dem arbeitet sie dauerhafter, korrekter und besser, als dieses mit der geübtesten Hand möglich ist. Sie gleicht mit ihrem unverdrossenen fleißigen Walten einem guten Geiste im Hause, und wer sie einma, besitzt, mag sich nimmermehr von ihr trennen. Den Original Singer Rähma schinen, die auf allen Welt-AuSstellungen und neuerdings wieder in London, mit mehr als 300 der höchsten Ehrenpreise ausgezeichnet wurden und die in größter Auswahl im Geschäfte deS Herrn ®. 9teiblinger zu Frankfurt a. M., Zeit 17 zu haben sind, geht der Weltruhm voraus, daß sie einfach und solid construirt sind, und eine bewundernSwerthe Arbeit liefern, wie dieses auch in den ausgelegten Näharbeiten sich documentirt; besonders hervorragend sind die Leistungen der neuen hocharmigen Jmprovid Nähmaschinen. Man erinnere sich daher bei seinen Einkäufen dieses renommirten Geschäftes. Es verdient noch ganz besonders hervorgehoben zu werden, daß die Firma G. Neidlinger den Bezug von Nähmaschinen in coulanter Weise durch Ratenzahlungen erleichtert, und den Rähunterricht durch geschulte Kräfte gratiS ertheilen läßt.
Witterungsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird so ziemlich dieselbe bleiben; der Himmel wird meist bedeckt sein; es werden mäßige Süd- bis Westwinde vorherrschen; Niederschläge in Form von Schnee sind in geringen Mengen wahrscheinlich.
e
Unterzeichneter empfiehlt sich im Einsetzen künstl. Zähne u. ganzer Gebisse, ferner im Ptombiren und. Reinigen der Zähne etc. etc., sowie im Aufsetzen künstl. Zahnkronen nach der neuesten Methode.
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