machgeschäft in Karlsruhe gründen soll. Er begleitete seine Braut von Hamburg bis Frankfurt, wo er seine an einen wohlhabenden Kaufmann verheiratete Schwester besuchte, kam am 6. November d. J. erstmals hierher zu Besuch und reiste am 12. November wieder ab mit dem Versprechen, die Heirath baldigst zu betreiben. Dauth beharrte dem Staatsanwalt gegenüber auf seinem Leugnen, während er aber anfangs sehr niedergeschlagen und verwirrt sich zeigte, legte er, als er die Unfruchtbarkeit seiner Bemühungen einzusehen begann, eine chnische Frechheit an den Tag, und als ihm Staats- anwalt Dr. Uibel ein um 11 Uhr Nachts angekommenes Telegramm des Hamburger Obcrstaatsanwaltcs vorzeigen konnte, wonach erdrückende Beweise in Hamburg schon erbracht waren, schrie der Verhaftete: „Ich habe jetzt die Geschichte satt! Lassen sie mich zu Bett gehen, ich habe Schlaf, ich habe überhaupt seit Samstag immer sehr gut geschlafen." Gegen Mitternacht wurde Dauth zur Polizeiwachtstube gebracht, dort in die Zwanksjacke gelegt und an- ein Lager gefesselt, aber lediglich zum Zweck sicherer Festnehmung, nicht, wie von anderen Blättern berichtet wurde, wegen eines vorausgegangenen Selbstmordversuchs." Der Mörder ist am 1. Oktober 1856 geboren, also jetzt wenig mehr als 32 Jahre alt. Seine Eltern wohnten auf der großen Ritterstraße 87 in Sachsenhausen. Sein Vater, Christoph Dauth, war Schreiber an der Thorwaage in Sachsenhausen, später auf dem Rechneiamt. Derselbe wurde mehrfach wegen Unregelmäßigkeiten in Kassengeschäften vom Amt suspendirt, blieb aber in seiner Stelle und starb 1881 im 54. Lebensjahr im Hospital. Einige Jahre vor dem Vater verschied die Mutter des Mörders in der Irrenanstalt zu Frankfurt a. M. Der Ehe entsprossen 2 Kinder, der zum Mörder gewordene Christoph und eine Tochter, welche an emcn achtbaren Kaufmann in Frankfurt verheirathet ist. Der Sohn erlernte das Glaseigeschäft; mit dem 17. Lebensjahr trat er behufs Erfüllung seiner Militärpflicht bei der Marine ein. Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst kam er wieder nach Frankfurt und fand bei einem Glasermeister auf dem Römerberg Beschäftigung. Das Seeleben muß ihm aber besser gefallen haben, denn nach kurzer Zeit verließ er abermals Frankfurt und wurde Kellner auf einem Schiff. Vor 4 Wochen suchte er, wie schon mitgetheilt, seine Heimath auf und nahm Logis bei seiner Schwester. Dienstag vor drei Wochen speiste Dauth bei seinem früheren Kamerad Justus Nagel, mit dem er auf ein und demselben Schiff als Soldat gedient hat. Am darauffolgenden Donnerstag verließ er Frankfurt, um seine in Karlsruhe wohnende Geliebte zu besuchen, Das letzte Schiff, mit welchem Dauth gefahren ist, hieß „Nautilus", der 5. Abtheilung der 1. Matrosendivision Kiel zugehörend; das Reiseziel war China. Bei seinem etzten freiwilligen Aufenthalt in Frankfurt soll der Mörder sehr splendid gewesen sein und anscheinend über reichliche Mittel verfügt haben.
— Merkwürdige Namen. Karl Emil Franzos erzählt in seinen neuen Kulturbildern aus Halbasien „Aus der großen Ebene" über die seltsamen Namen, welche den Juden in Galizien und der Bukowina durch die vom Kaiser Josef II. ernannte Kommission in den Jahren 1782 und 1788 oktroyirt worden sind, folgende charakteristische Anekdote: „Auf einem Ball inTarnopol in Ostgalizien, bei welchem viele jüdische Honoratioren der Stadt anwesend sind, wird ein fremder Student einer ungen reizenden Dame vorgestellt, überhört jedoch ihren Namen. Während der Quadrille erlaubt er sich danach zu fragen. Das hübsche Kind blickt ihn treuherzig an und flüstert erröthend: „Küssemich !" „Sie, Sie meinen", stottert der Jüngling. „Küssemich!" wiederholt sie etwas lauter. „Pst!" flüsterte er unwillkürlich. „Ich, gerne, aber—", „Nanette Küssemich", wiederholt sie zum dritten Mal lachend. „Ich bin die Tochter des Kaufmanns Abraham Küssemich!" Der Student seufzt tief auf, erröthet heftig und schleicht nach der Quadrille in einen Winkel. Unfern von ihm sitzt ein jüdisches Mädchen, offenbar nicht gerade den gebildeten Ständen angehörig, aber so hübsch, daß er sie für den Walzer zu engagiren beschließt. Er tritt vor sie hin und nennt mit tiefer Verbeugung seinen Namen. Sie schnellt auf, erröthet und sagt vernehmlich: „Groberklotz!" „Wie?" stammelt er bestürzt. „Groberklotz", wiederholt sie und fügt, als sie seine Verblüffung gewahr wird, hinzu: „Wenn Sie mir Ihren Namen nennen, muß ich doch auch meinen Namen sagen: Ich heiße Sarah Groberklotz und bin die Tochter vom Glasermcistcr Rüben Groberklotz." Die zweite Quadrille endlich beschließt der Geprüfte mit einer jungen Frau zu tanzen, verlangt aber, durch Erfahrung gewitzigt, nicht ihren Namen zu wissen. Die Dame erweist sich als so geistreich und gebildet, daß er auch nach dem Tanz an ihrer Seite bleibt und endlich den Muth faßt, ihr seine beiden eben erlebten Abenteuer zu erzählen. Aber wie bestürzt ist er, als sich ihre lächelnde Miene immer mehr verfinstert und sie endlich spitz sagt: „Es ist ein billiges Vergnügen, jemand wegen seines Namens zu verhöhnen. Ich hätte Sie, mein Herr, für taktvoller gehalten!" Und als er sich zu entschuldigen beginnt, dreht sie ihm den Rücken. Betroffen eilt er zu dem Freund, der ihn in die Gesellschaft eingeführt hat, und erzählt ihm den peinlichen Vorfall. „Ja", lachte dieser, „man darf eben im HauS des Ge
wurde sofort die Kriminalpolizei mit der Nachforschung beauftragt, man umstellte das betreffende Haus und erfuhr, daß der Gesuchte schon seit Sonntag Nachmittag hier sei; er wohne im „Weißen Bären" und sei eben mit seiner Braut (der Tochter der oben genannten Wittwe in der Schützenstraße) dorthin gegangen, um. seine Rechnung zu berichtigen. Die Kriminalbcamten verfügten sich alsbald ebenfalls dorthin, wo sie den Bezeichneten auch wirklich trafen. Er wurde unter irgend einem Vorwand aus dem Zimmer gerufen und nach seinem Namen gefragt, den er als „Petersen" angab, worauf er sofort festgenommen wurde. Merkwürdig war, daß der so plötzlich von Personen in Zivilkleidung festgenommene junge Mann weder Widerstand leistete, noch nach der Berechtigung oder dem Grund zu seiner Verhaftung fragte. Er folgte, wie wenn es sich von selbst verstünde, daß er verhaftet werde. Inzwischen war die Wohnung der Braut einer gründlichen Untersuchung unterzogen worden, ebenso sein Zimmer im „Weißen Bären," jedoch ohne wesentliches Ergebniß. Bei der Vernehmung durch den die ganze hiesige Untersuchung leitenden StaatSanwalt Dr. Uibel zeigte sich der Verhaftete scheinbar gleichgültig; als die Fragen dringender wurden, verwickelte er sich in Widersprüche, und als schließlich Polizeikommissär Müller (Nachts 10 Uhr) ein graues Handköfferchen beibrachtc, das man in einem Nachbarhaus der Braut, wo Dauth gemiethet hatte, bei den sehr achtbaren Wirthsleuten gefunden (Dauth hatte das Köfferchen in Bremen als Nachnahmestück hierher aufgegeben und es auch am Bahnhof hier in Empfang genommen, worauf er es in die genannte Wohnung brächte), fing dem Festgenommenen an die Stimme zu versagen. Der Inhalt des Koffers war allerdings vcr- hängnißvoll genug; er enthielt 2 Taschentücher, ein feineres mit Monogramm und ein gröberes, drei Stücke Fenstergardinen, zwei weiße Bettüberwürfe, ein paar Socken und zwei großcWaschschwämme: alles blutgetränkt. Dauth behauptete, er habe am Tag vor der Mordnacht (23./24. November) mit einem alten Schiffsbekannten Namens Holmer zusammengewohnt. Am Samstag Morgen habe er beim Erwachen viele Blutspuren im Zimmer gesehen: an den Gardinen, Bettdecken und den Socken, die auf dem Boden lagen, und in der Ueberzeugung, daß jener Holmer mit irgend einem in diesem Zimmer gerauft habe, habe er die Gardinen abgeschnitten, die Blutflecken am Boden mit den Schwämmen und Taschentüchern aufgetrocknet, alles in das Köfferchen gepackt und sei abgereist, um einer etwaigen Verfolgung auszuweichen. Der braune große Koffer (in dem man die Leiche fand), um dessen Inhalt er sich nicht bekümmert, sei von ihm zurückgelassen worden. Er sei nicht der junge Mann, der ihn habe durch den Dienstmann abholen lassen. Den Spediteur Hülseberg habe er allerdings gekannt, aber seit 1 oder 2 Jahren nicht mehr gesehen. Die genaueste Besichtigung des Leibes des Verhafteten zeigte keine Kampfspur, wohl aber fanden sich an dem Hemd Dauths, das er offenbar schon 10 bis 14 Tage getragen haben mußte, vorn an den beiden Aermeln unverkennbare Blutspritzcr: an der übrigen Kleidung wurde kein Blut gefunden, jedoch in einer Jnnenseitentasche der Weste 20 ILO-Markscheine, 13 amerikanische Dollarnoten, 230 Mark in Reichsgold, 1 Fünfdollargoldstück und eine schöne goldene Remon- toir-Ankcruhr, auf deren Jnnengolddeckcl die Nummer 15,736 eingravirt war und deren Jnnenglasdeckel zersplittert war. Das Geld wollte er erspart und in New-Aork eingewechselt, die Uhr in New-Aork gekauft haben. Dauth hatte hier drei Nächte im „Weißen Bären" zugebracht, Tags über war er bei seiner Braut und deren Mutter, auch besuchte er täglich das „Gas 6 Bauer", offenbar um dort die Zeitungen zu lesen. Als er am Dienstag Abend wieder bei seiner Braut zu Besuch war, brach er auffallend hastig auf, und mit ihm war das neueste Exemplar des „Landesboten" verschwunden. Als seine Braut ihm nachging, theilte er ihr mit: Sie werde in Zeitungen eine Hamburger Geschichte lesen, die sie nicht erschrecken solle; es hätten ihm nämlich zwei Kerle, die er vom Schiff her gekannt, einen Koffer in sein Zimmer gestellt, in dem sich etwas Merkwürdiges gefunden haben solle, das ihn aber nichts angehe, er sei völlig unschuldig. Am nächsten Tag las die Familie jenen Hamburger Bericht, erschrak zwar sehr, aber zweifelte zunächst, ob eigentlich der hier befindliche Dauth gemeint sei, weil der Hamburger als „Johann Christof Dau" bezeichnet war, während der Bräutigam sich „Karl Dauth" nannte. Die Bram hielt aber mit ihren Mittheilungen noch zurück, weil sie, wie sie dem Staatsanwalt angab, ihren Bräutigam für das mögliche Opfer der Unthat eines Anderen hielt. Verdachtsgründe für eine bewußte Begünstigung des Mörders durch die Familie, die einen guten Ruf genießt, haben sich nicht ergeben. Das Mädchen war im September von Columbia, Centralamerika, wo sie in Stellung war, auf dem Boot „Alemannia" nach Deutschland zurückgekehrt, hatte dort die Bekanntschaft des Stewart Dauth gemacht und sich mit ihm nach einiger Zeit au dem Schiff verlobt. Er hatte ihr erzählt, daß er zwar kein Vermögen habe, aber gelernter Kellner sei, daß er, um sie heirathen zu können, wieder eine Kellnerstelle an- nehmen wolle, während sie mit dem Geld, das er der Packetboot-Gesellschaft als Kaution gestellt, ein Putz-
hängten nicht vom Strick reden. Die Dame heißt Auguste Mist, geborene Wohlgeruch, und ist die Tochter des reichen Gutsbesitzers Adolf Wohlgcruch aus Podo- lien." Zweifel an der Echtheit dieser Geschichte, welche die Einwohner von Tarnopol den Besuchern selbst zu erzählen pflegen, sind wohl gestattet, doch die vier Namen, die darin eine Rolle spielen, sind keineswegs erfunden! die Familien Küssemich, Groberklotz, Mist uno Wohlgeruch blühen in der That in Oesterreichisch-Podolicn."
— Der Onkel. Bei der schweren Artilleriebrigade in X. dienten drei Freiwillige, Rottenbecher, Schnechuber und Mausbergcr; sie waren Vettern, denn ihre Mütter waren Schwestern. Anfang September d. J. starb der Onkel der drei jungen, einjährigen Krieger, der Bruder ihrer Mütter, welcher in einem kleinen Orte unweit von X. gewohnt hatte. Deshalb erschien der Freiwillige Rottenbecher vor seinem gestrengen Herrn Hauptmann und bat um Urlaub für den nächsten Tag, um sich zum Be- gräbniß des Onkels begeben zu können. „So, Onkel gestorben, he, Etwas geerbt?" — „Nein!" — „So, bebaute, ist gut Urlaub bewilligt, Adieu!" Kurz darauf erschien der Freiwillige Schnechuber vor demselben Herrn Hauptmann, meldete, daß sein Onkel gestorben sei und bat um Urlaub für den nächsten Tag. „Was auch Onkel gestorben? Rottenbechers Onkel auch gestorben, sehr auffällig das!" — Schnechuber: „Halte» zu Gnaden. Herr Haup man», ich und Rottenbecher sind Cousins und haben denselben Onkel!" — Haupunann: „So, selben Onkel! Ist doch auffällig, will hoffen, daß da kein Schwindel dahintersteckt, denn sonst, Himmelkreu^bomben ... na, Urlaub in Teufelsnamen bewilligt!" Nach einer halben Stunde erscheint der Freiwillige Mausbergcr vor dem Batteriechef mit dem gleichen Anliegen wie die Vorgenannten. „Ah, das ist zu stark, Nottenbcchcr und Schnee- huber schon dagewesen mit selben Schwindel; werde den Fall streng untersuchen lassen. Infamer Schwindel, Kreuz- schockbomben-und Granatenelemcnt!" — Herr Hauptmann wir drei sind Vettern und haben oder eigentlich hatten daher einen gemeinsamen Onkel!" — „Wissen Sie und hören Sie: Daß Einer einen Onkel hat, das kann sein, kommt vor so etwas, daß Zwei einen Onkel haben, das ist schon sehr unwahrscheinlich; aber daß Drei einen Onkel haben, und daß gerade dieser Onkel stirbt, und daß der gerade an einem und denselben Tage begraben wird, daß ist einfacher, aufgelegter Schwindel. Alle Drei sogleich drei Tage Kassernenarrest — ich werde Euch lehren, Onkel haben!"
— Ci trone »fast gegen Diphth crit is. Wir machten vor Kurzem erst darauf aufmerksam, welche heilkräftige Wirkung Citronensaft bei Erkrankung der Schleimhäute auszuüben vermag. Das Mittel ist, wie wir heute mittheilen wollen, noch vielseitiger. Der kalifornische Arzt Dr. Gartoyski macht im „Lancet" bekannt, daß er seit längere Zeit selbst in den verzweifelten Fällen von DiphtheritiS den Genuß vor möglichst frischen Citronen oder doch deren Saft in jeder beliebigen, vom Kranken vertragenen Form verordnet und damit fast immer bis jetzt d'c besten Erfolge erzielt hat. In China ist der Citronensaft ein sehr verbreitetes Volks- Heilmittel, welchem dort bei innerer Anwendung bedeutende Heilkräfte zugeschrieben werden. Ganz besonders benutzen die Chinesen auch in Diphthcritis-Epidemicn den frischen Citronensaft entweder in Form von Limonade, oder sie lassen die frischen Früchte uachfArt der Orangen in beliebig großen Mengen verzehren, und zwar als Vorbcugungsmittel gegen diese bösartige Krankheit sowohl, wie auch als Heilmittel derselben, und meistentheils mit bestem Erfolge. Die Versuche und Erfolge des oben genannten Arztes, welcher China bereiste und dabei die bezeichnete Wirkung dieses Mittels kennen lernte, haben dasselbe Resultate bislang ergeben, weshalb derselbe dieses Mittel auch zur allgemeinen Anwendung empfiehlt. Da nun dieses Mittel so höchst einfach und dabei in keinerWeise gefahrbringend, also ein Hausmittel im wahrsten Sinne des Wortes ist, so verdient es sehr wohl eine allgemeine Beachtung bei dieser gefürchteten Krankheit. Es ist dadurch ein Mittel gegeben, welches in vorkommenden Fällen ohne Bedenken angewendet werden kann, wenigstens solange, bis der Arzt zur Stelle ist.
— EinEntschuldigungszettel, der dem Lehrer einer Gemeindeschule durch ein kleines Mädchen überbracht wurde, hatte folgenden Inhalt: „Biete mein sohnFrits gietichs zu ensscholtigen, das Er nich nach Schule komt. Er is gestorben.
Wittwe Heseleer, Waschfrau.
— Aus der Schule Lehrer: „Also Appolo ist der Gott der Sonne, des Tageslichtes! Und wer war die Diana? Schülerin: Die Göttin des Nachtlichtes?
— Unersetzlich. Lehrer: „Aber, Hans, was soll das heißen, daß du jetzt immer mit ganz zerfetzten Stiefeln in die Schule kommst! Schämst du dich nicht? Hans: „Entschuldigen, Herr Lehrer, unser S chuster gestorben.
— Mißglückte Drohung. Beamter (auf einem Berliner Bahnhof: „Wohin wollen Sie?" —- (für sich): „Soll ich fahren nach Posen oder soll erst fahren nach Stettin, oder —" — Beamter (e barsch): „Nun wird's bald — wohin? —36'9: ’ Se nicht so grob — es sind mehr Bahnhöf' in Bei»