Aeilage zu Mr. 95 der Schtüchterner Jeriung.
Eine Feuerwerkskiepe.
Daß die Reise des Kaisers auch zu manchen humoristischen Scenen Veranlassung gegeben hat, das wird folgende verbürgte Geschichte, die in Westfalen und Lippe von Mund zu Mund geht, illusteren. In einem Dörfchen nahe bei Detmold, welches, wie man wußte, der Kaiser berühren wollte, hatten die ländlichen Patrioten alle nur denkbaren Anstalten getroffen, um ihrer Begeisterung Ausdruck zu geben. Den Glanzpunkt des festlichen Empfanges sollte ein Feuerwerk bilden, das auf einem freien Platze beim Vorbeifahren des hohen Herrn abgebrannt werden sollte. Schon früh am Morgen hatte man den Michel, einen besonders zuverlässigen und schlauen Bauernknecht, beauftragt, mit Hülfe eines Burschen aus dem benachbarten Städtchen das gesummte Feuerwerk in zwei großen Kiepen herbeizuschaffen. Diese nahmen die Sachen in Empfang und machten sich wohl gemuth auf den Rückweg. Unterwegs berührten sie ein Wirthshaus in einem Nachbardorfe und, um sich für den weiten Gang zu stärken, traten sie in die Wirths- stube ein, setzten die Kiepen ab und tranken ein Gläschen. In der Stube saßen außer dem Wirthe noch einige Bauern. „Na," meint der eine, „watt hett jou denn da mitgebrocht in de groten Kiepen?" — „O, dat is bat Füerwerk für den Kaiser sine Ankunft: Raketen un Schwärmers un Kanonenschläge un Höppers!“
— „Höppers? wat sind denn dat eigentlich für Dinger?"
— „Ja, wenn man die anstickt, dann zischen sie un malen grote Springe von eine Stelle an de andere." — „Du, kannst« uns nick mal so'n Ding wiesen? Ick gebe drei Snüpse, wenn Du mal einen losbrennst." — „Um Himmelswilleu, bet darf ick nich un denn —" „Blot einen einzigen! Ick gebe fünf Snäpse." — „Un ick noch fünfe dazu. Sc werden et ja nich gleich marken, wenn so einer fehlt von de Viele." — „Ja, dann will wi aber man Alles fest taumaken, damits kein Minsche nich sieht!" — Gesagt, gethan! Die Fensterläden werden von außen zugemacht, die Thür sorgfältig verschlossen, und dann beim Schein eines Lichtes kriegt der Michel auS der einen Kiepe einen „Höpper" (Frosch), zeigt ihn und zündet ihn an der Schnur an, während Alle neugierig herumsitzen. Sissisit! zischt es los und der Höpper macht einen großen Satz. Alle schreien: ah! und warten voll Spannung, bis es von Neuem zischt und der Höpper nach der anderen Seite springt, dann zum drittenmal und hin und her in der engen Stube. Da plötzlich macht er einen gefährlichen Satz und ratsch! — mitten hinein in die eine Ki.pe. Michel schreit auf und will zuspringen, aber schon giebt eS ein noch viel stärkeres und heftigeres Zischen und Sarsen; ein Feuerstrahl fliegt gegen die Decke: eine Rakete hat sich entzündet, andere folgen, nach allen Seiten fliegen die Stücke und immer gefährlicher zischt es und prasselt es aus der Kiepe. Und die Bauern, die nichts mehr sehen können und in ihrem Schrecken vergeblich an Thüren und Fenstern gerissen haben, werfen sich auf den Rath des schlauen Michel platt auf die Erde. So liegen sie da und rühren kein Glied. Inzwischen brummt es, als wäre das jüngste Gericht gekommen; auch in die andere Kiepe ist das Feuer gefallen, Feuerräder, Flintenschüsse, Kanonenschläge entladen sich in der niedrigen Stube, daß das ganze Haus zittert. Der fürchterliche Lärm hat inzwischen das ganze Dorf zu- sammengelockt, Alles steht auf der Straße vor dem Wirthöhause und denkt, der Teufel ist aus der Erde gefahren, um die arme Seele des Wirthes zu holen. Qualm steigt aus den Ritzen der Fensterladen, aber keiner wagt sie einzuschlagen. Endlich wird es still, die Thür wird eingcstoßcn, dicker Rauch strömt heraus. Als er sich verzieht, sieht man die ganze Gesellschaft noch auf der Erde liegen. Schon scheint es, als sei keiner mehr am Leben, da endlich steht der Michel auf, schwarz im Gesicht, mit angesengtem Haar, aber sonst unversehrt und schaut mit Entsetzen in die schwarze leere Tiefe der Kiepen. Auch die Anderen erheben sich und im Angesicht des ganzen Dorfes sendet Michel den heiligen Schwur gen Himmel: „Min Lcbtag lat ick keinen Höpper wieder springen!" Aus dem Feuerwerk konnte natürlich nichts werden. Aber der Kaiser soll herzlich gelacht haben, als ihm die Geschichte erzählt wurde.
ich nehme ihn schon lange nicht 'runter." „Na nu," sag' ich, „das wollen wir doch 'mal sehen! Ich ersuche Sie, sofort den Koffer vom Sitz zu nehmen!" „Ha, ha, ha," lachte der Dicke. „Sie sind wohl nicht von hier, Sie spaßen wohl ein Bischen, Schaffnerchen?" „Herr, was erlooben Sie sich!" schrie ich nun wüthend; „ich werde den Vorfall sofort zur Anzeige bringen!" „Meinetwegen," grinst der Dicke und lehnt sich, sein Vis-ä-vis anlachend, in die Ecke. Der Zug setzte sich schon in Bewegung, darum mußte ich meine Meldung bis zur nächsten Station uffsparen. Kaum hält der Zug in Driesen, als ich mir noch eenmal energisch auf das fragliche Coupee losstürze und frage: „Na, wollen Se den Koffer nun endlich 'runternehmen?" „Lassen Sie mich mit Ihrem Koffer in Frieden, oder ich werde mich bei der Direction über Sie beschweren!" brüllte mir der Dicke mit Löwenstimme an, daß ich ordentlich zurückprallte. Na nu hörte doch aber allend uff, nu war meine Geduld zu Ende, doch weil der Zug bloß eene Minute hielt, mußte ich bis zur nächsten Station warten. Hier verlangte ich mir nun den Stations-Vorsteher und stellte ihm die ganze Sache vor. Derselbe ging sogleich an's Coupee und sagte: „Mein Herr, der Schaffner ist vollkommen im Recht; ich ersuche Sie, augenblicklich den Koffer vom Sitz herunter zu nehmen, widrigenfalls Sie den Zug zu verlassen haben!" „Ich nehme weder den Koffer herunter, noch verlasse ich meinen Platz," sagte der Dicke patzig, und da der Zug schon fünf Minuten Verspätung hatte, mußten wir fort. Jedoch wurde der Vorfall der nächsten Station telegraphisch mitgetheilt. Ich freue mich unterwegs schon uff den Krach; denn nun mußte der Dicke ohne Gnade 'rausfliegen. Kaum hält der Zug in Friedeberg, als ich mich sofort beim Stations-Vorsteher melde, welcher das Telegramm schon in der Hand hielt. „Reisender in Wagen Nr. 344 B Koffer auf Sitz, widersetzt sich herunterzunehmen, ist auszusetzen." Sogleich begiebt sich der Vorsteher mit mir dorthin und sagt zu dem Dicken: „Mein Herr, ich ersuche Sie, sofort auszusteigen!" „Herr," ruft der Dicke wüthend, „was wollen Sie von mir! Ich habe mein Billet gelöst und habe mich in keiner Weise vergangen, werde im Gegentheil durch diesen Menschen dort fortwährend chikanirt!" Mittlerweile war ein förmlicher Auflauf entstanden, der ganze Curierzug stand um uns herum und wir hatten schon wieder fünf Minuten verspätet. „Sie sollen aussteigen," schreit jetzt in Wuth gebracht der Stationsvorsteher, „wenn Sie nicht augenblicklich den Koffer vom Sitz nehmen!" „Nein, das brauche ich nicht und das thue ich unter keinen Umständen!" brüllte kirschroth der Dicke, daß die Scheiben zitterten. Auf einmal kommt der Bahn-Controlleur, welcher zufällig den Zug begleitete und sagte: „Was ist hier los, ich warte vergeblich, daß der Zug abgeht, es sind 7 Minuten verspätet!" Nun erzählt ihm der Stationsvorsteher in aller Eile die Sache. „Aber, mein Herr," ruft nun der Controlleur, ärgerlich auf den Dicken, „warum nehmen Sie den Koffer nicht herunter? Wegen Ihnen allein muß der ganze Zug warten!" „I," rief der Coujon, „was geht mich denn der Koffer an, ich bin doch für anderer Leute Sachen nicht verpflichtet!" „Nun, zum Kuckuck," ruft der Stationsvorsteher, „ist denn das nicht Ihr Koffer?" „I Gott bewahre," grinst der Dicke höhnisch, „der Koffer gehört jenem Herrn da vis-ä-vis." Das Publikum fängt an zu lachen und mir wurde ganz heeß uf'm Buckel. „Gehört der Koffer wirklich Ihnen?" fragt nun der Controlleur das vergnügt lächelnde Vis-ä-vis. „Zu dienen, mein Herr," sagt dieses, „der Koffer gehört mir, ich habe ihn dorthin gestellt." „Na, da hört sich aber denn doch alles auf," ruft der Controlleur entrüstet, „warum sagten Sie das nicht?!" „Ja, mein Gott," sagte das verwünschte Vis-''-vis, „es hat mich ja bis jetzt noch Niemand gefragt!" „Nun, wollen Sie also gefälligst den Koffer hcrabnehmen?" sagt blaß vor Aerger der Controlleur. „Gewiß, mit dem größten Vergnügen," sagt das Vis-ä-vis und nimmt den Koffer unter dem Gelächter des Publikums vom Sitz herab. Der Zug hatte zehn Minuten Verspätung, wofür ich einen Verweis erhielt, weil ich an dem Ganzen schuld sein sollte. Seit jener Zeit könnte ich jeden Weinreisenden zerreißen, den ich in's Coupee steigen sehe.
Vermischtes.
_ Ein schauderhafter Mord ist in Hamburg geschehen. In einem Koffer, der am Sonnabend Mittag von einem Dienstmann nach dem Hafen transportirt werden sollte, entdeckte man die am Kopfe schrecklich verstümmelte Leiche eines Hamburger Spediteurs, Namens Hülseberg. Als Mörder wird ein Schiffskellner Dauth aus Sachsenhausen angesehen. Dauth hatte Hülseberg in seine Wohnung bestellt, um ihm eine größere Summe amerikanischen Geldes umzuwechseln. Hülseberg folgte dieser Aufforderung, wurde von Dauth meuchlings erschlagen und einer Baarsumme von 11,000 Mark und einer Pretiosen beraubt. Dauth packte dann den Leichnam i n einen Koffer und übergab diesen dem Dienstmann
Schaffner und Weinreisender.
Sie globen gar nicht, was wir Schaffner uns mit den Passagieren manchmal ärgern müssen, die schlimmsten aber sind die Weinreisenden, wovon ich Ihnen gleich «»mal een Beispiel erzählen will. Ich fuhr damals immer mit dem Curierzug von Berlin nach Eydtkuhnen, »iS eenes Tages in Kreuz zwee Weinrciscnde in zweite ^iassc einstiegen. Beide sitzen sich Füß a Fuß. Neben dem Dicken steht een ziemlich großer Koffer uff dem Polstersitz. „Hören Se," sag' ich, als ich die Mette abnehme, „den Koffer nehmen Se dort vom Sitz 'runter!" „Als wie ich?" grinste mir der Dicke °n> „Na, denken Se, ich werd' ihn 'runter nehmen?" Rtc ich. „Nr," sagt er, „das denke ich nicht, aber
, Schosson, welcher ihn zum Hafen bringen sollte. Schosson wurde dann unterwegs angehalten, weil Blut aus dem Koffer hervorsickerte. Einem Gerüchte zufolge soll es dem Mörder gelungen sein, nach Antwerpen zu entkommen, indeß sind von der Criminalbchörde bereits Vorkehrungen getroffen, den Verbrecher zu verhaften.
— Die „Deutsche landwirthschaftliche Gesellschaft" veranstaltet im nächsten Jahre in Magdeburg eine große Viehausstellung, bei der ungefähr 90,000 Mark als Prämien vertheilt werden.
— A us einem Mus ikalien-Ka talo g. Nachstehende Lieder fanden sich mit Angabe des Preises annoncirt: Ich bin ein freier Mann und singe für 5 Sgr. — Aennchen von Tharau 4händig. — Es waren einmal zwei Schwestern für gemischten Chor. — Auf tapfere Brüder, sammelt euch 7*/a Sgr. — Der Feind ist da, die Schlacht beginnt mit Violin- begleitung. — Fordere Niemand 2*/a Sgr. — Gott erhalte Franz den Kaiser 4stimmig. — Einsam bin ich doppelchörig. — Was ist des deutschen Vaterland ? Gemischter Chor. — 's ist alles eins ob ich Geld hab oder 5 Sgr. — Blaue Aeuglein sind gefährlich für Streichinstrumente. — Drei muntere Burschen saßen 8händig für 2 Pianofortes eingerichtet. — Bekränzt mit Laub 4 Männerstimmen. — Was klappert am Dach mit Guitarre. — Gieb, blanker Bruder, gieb mir Wein für vollständiges Orchester. — Im kühlen Keller sitz ich hier mit Viola. — Fünsmalhund erttausend Teufel für den Baß arrangirt.
— Wie man zu einem Jnjurien-Prozesse kommen kann, mußte zu seinem Leidwesen der Hofbauer M. aus A . . . im Werragrunde erfahren. Er wollte in der Apotheke ein Zugpflaster kaufen und der gerade vom Mittagessen abgerufene Provisor, der sich nicht in der besten Laune befand, fuhr ihn barsch an: „Wollen sie ein's hinter die Ohren?" Leider verstand der stolze Bauer die Frage ganz und gar nicht, sondern versetzte ingrimmig dem Gehilfen eine schallende Ohrfeige, ihm zurufend: „Sie unverschämter Kerl, ich will Ihnen lernen, den Leuten Ein's hinter die Ohren zu geben." Bei der nächsten Sitzung des Schöffengerichts wird er sich deshalb zu verantworten haben.
— A u s Reuß. Jn Langenwolschendorf bei Schleiz ist das Leben einer Frau durch deren Schnürleib gerettet worden. Die Kraft eines ungeschickten Schusses aus einem Revolver war dadurch gebrochen worden. Hört man doch auch einmal 'was Gutes vom Schnürleib!
— Das wär' die Rechte.) Meister: „Wenn i jetzt nur die Beißzang' hier hätt', da wollt' i den verflixten Nagel schon heraus bringen!" — Lehrbube: „Soll i schnell die Meisterin rufen?"
— Warnung, Ein Neustadter Blatt enthält im Jn- serateutheil folgende „Warnung": „Ich warne hiermit Jedermann, meiner entlaufenden Frau Faulenzern, die anstatt zu arbeiten, schlafen thut, nichts zu leihen oder borgen, da ich für nichts hafte; der redliche Finder kann sie behalten. Valentin G."
— Einzige Bedingung. Ricke: Ernst, mein Ernst, wirst Du mir auch ewig lieben? — Grenadier: Ewig meine Ricke — aber ein Biskcn mehr Speck mußt Du an de Kartoffelklöße machen.
— Köchin (zu ihrem Schatz); „O Hans, Du glaubst gar nicht, wie gern ich Dich hab'! Allemal, wenn ich Knödel mach', denk' ich an Dich!" — Soldat: „Und ich denk' allemal, wenn ich mit Dir geh' an die Knödel, die Du g'macht hast!"
— Unteroffizier: Müller machen Sie's Maul zu, sonst könnt' Ihr Vordermann hineinfallen!
— In der Bierkneipe. A.: „Ich darf behaupten daß sich niemals einer meiner Kunden über meine Arbeit beklagt hat." — B.: „Und welches Geschäft betreiben Sie?" — A.: „Ich bin Sargfabrikant."
— Auskunft. Fritz: Sag mir doch, Papa weshalb ist Onkel Oskar in dem Augenblick, als er vom Regierungsrath zum Geheimrath befördert wurde, penfionirt worden? — Papa: Nun ja mein Sohn, die Regierung hat eben gesagt: Geh' heim Rath!
— Unteroffizier: „Einjähriger Piefke, wie soll der Soldat die Fahne halten?" Einjähriger Piefke: „Weiß nicht." Unteroffizier: „Donnerwetter, Sie wollen Einjähriger sein und wissen das nicht? Füsilier Kutsche, sagen Sie doch dem Herrn Einjährigen, wie der Soldat die Fahne halten soll!" Füsilier Kutsche: Ae, ä, ä." Unteroffizier: „Na, wird's bald?" Füsilier Kutsche: „Stramm und steif!" Unteroffizier: „Sie sind selbst stramm und steif, aber mehr steif wie stramm! Na, dann werde ich es Euch sagen: heilig soll der Soldat die Fahne halten!"
— Ein höflicher Sachse überläßt einer Dame seinen Platz in der Pferdebahn. Die Dame: „Danke, mein Herr, Sie sind zu gütig!" — „O bitte — war mer een Vergniechen! Die Heeflichkeit geechen Damen is Sie die Pflicht eenes Schendlmäns! Manche dhun's freilich meerschtendheels nur, wenn's eene hibsche Dame is, ich aber, mei kutestes Freilein, sähe Sie nich uff des Jndifldibum, sondern nur uff'S Geschlecht!"