SchlüchternerMung
Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen des Kreises Schlächtern.
Erscheint Mittwechs und Samstags. — Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
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amstag, ben 1. December.
1888
Amtlicher Th eil.
Steckbrief.
Der nachstehend näher bezeichnete, am 25. Juli 1867 zu Züntersbach, Kreis Schlächtern, geborene Rekrut Bernard Ditzel hat seinen seitherigen Aufenthaltsort Zuntersbach ohne Abmeldung verlassen. Es hat ihm daher die Gestellungs-Ordre zum Antritt des Militärdienstes nicht behändigt werden können und ist er als Fahnenflüchtiger zu betrachten.
Alle Militär- und Civilbchörden werden ersucht, nach dem rc. Ditzel zu fahnden, ihn im Betretungsfalle zu verhaften und au die nächste Militärbehörde abzuliefern. Fulda, den 20. November 1888.
Königliches Bezirks-Commando.
Familien-Name:
Ditzel
Vorname:
Bernard
Geburtsort:
Züntersbach
Gewerbe:
Bauer
Alter:
21 Jahr
Größe:
1 Mir. 63 Emir.
Gestalt:
gesetzt
Haar:
schwarz
Kinn:
rund
Nase: 1
Mund: J
gewöhnlich
Bart:
keinen
Zähne:
vollständig
Besondere Kennzeichen:
keine.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, welche noch mit Einsendung der Geldbeträge für empfangenes Formularpapier zu den Klassensteuer- Nollen pro 1889,90 im Rückstände sind, fordere ich hierdurch auf, die Beträge binnen längstens 3 Tagen bei Vermeidung einer Ordnungsstrafe anher einzusenden.
Schlüchtern, den 29. November 1888.
Der Königliche Landrath.
Noth.
Deutsches Reich.
Berlin. Wie man der „Nordd. Allg. Ztg." schreibt, sind alle Nachforschungen nach der Leiche des verunglückten Landgrafen von Hessen bisher erfolglos gewesen. Ein holländisches Kanonenboot sei noch damit beschäftigt, die gefährliche Küste von Banca abzu'uchen, jedoch werde solches längere Zeit in Anspruch nehmen, da, ehe man dicht an die Küste kommen könne, Planungen vorgenommen werden muffest Man habe nichts unterlassen, um eine Antreibung drr Leiche resp. Auffindung derselben durch die Eingeborenen an den Küsten von Banea und Riomo bekannt werden zu lassen. Die Eingeborenen pflegen solch aufgefundene Leichen von Europäern in dicke Stücke Holz zu wickeln und dann zu begraben, sie melden solches oft dem nächsten holländischen Beamten, da sie auf eine Belohnung rechnen. Ist der Körper auf See von Fischen angefallen, so sinkt derselbe, um nie wieder an der Oberfläche zu erscheinen.
— 27. Nov. Wie in gutunterrichteten Kreisen gerücht- toeife verlautet, soll der Reisebegleiter des auf so traurige Weise aus dem Leben geschiedenen Landgrafen Friedrich Wilhelm von Hessen, Herr von Trott, welcher s. Z. als Landrath in Höchst fungirte, zum Nachfolger des Landraths Grafen Wilhelm von Bismarck, der bekanntlich Regierungspräsident in Hannover wird, auSersehen sein.
Aus Schlesien wird geschrieben: Wie verkehrt, ja gesundheilSwidrlg manche Eltern ihre Kinder erziehen, hatte ein Lehrer des Löwenberger Kreises kürzlich Gelegenheit festzustellen. ES handelte sich um eine im Dorfe St. vielfach gepflogene Sitte, die Kinder, in Schlaf zu versetzen, um der gewohnten Arbeit nachgehen M können. Unter den sechsjährigen Schulkindern befanden sich regelmäßig eins oder mehrere recht stupide "der gar halb blödsinnige. Bei näherer Nachforschung "fuhr der Lehrer endlich, daß, sobald die Eltern ihren Feldarbeiten nachgingen, sie ihren kleinen, zumeist noch ™ der Wiege liegenden Kindern einen Abgnß von,
Mohnköpfen verabreichten. Die Kinder fanden allerdings den von den Eltern gewünschten festen Schlaf, verfielen aber mit der Zeit in Blödsinn, hervorgerufen durch das in den Mohnköpfen enthaltene Gift. Dieser Borfall wird als vollständig auf Wahrheit basirend geschildert mit der ernstlichen Warnung für sorglose und nachlässige Eltern.
Hanau in Aussicht genommen. Der vorhandene Exerzierplatz entspricht in seinen jetzigen Abmessungen von 621 m Länge und 475 m Breite = 29,5 ha nicht einmal dem Bedürfniß der jetzigen Infanterie-Garnison. Durch die vorgedachte Verlegung eines Cavallerie- Regimentes nach Hanau wird die Erweiterung des Exerzierplatzes auf 1000 Meter im Quadrat unbedingt geboten. Diese Erweiterung ist im Anschluß an den vorhandenen Platz möglich. Nach stattgehabten Ermittelungen werden die Ankaufskosten 246,000 Mark, die Instandsetzungskosten 24,000 Mark, die Gesammt- kosten mithin 270,000 Mark betragen.
Frankfurt, 24. Novbr. Der Pfarrer von Seidewitz in Frankfurt hat eine ihm angetragene Hofpredigerstelle bei der Kaiserin Friedrich in Cronberg abgelehnt,
Marburg, 24. Nov. In der Nacht von Freitag auf Sonnabend wurde zwischen Lollar und Fronhansen in Bude 123 der Bahnwärter von einem Arbeiter mit einem Beile angegriffen. Der Wächter flüchtete in seine Wohnung, schloß die Thüre zu und rief um Hilfe. Er ergriff dann gleichfalls ein Beil in der Küche, um sein Leben zu vertheidigen, und schlug seinen Gegner, der ihm gefolgt war, nieder, so daß er auf der Stelle todt blieb.
Hersfeld, 23. Nov. Einen äußerst frechen Diebstahl führte am Mittwoch ein bei dem Herrn Mühlenbesitzer Braun zu Eichmühle im Dienst stehender Knecht aus. Derselbe hatte am genannten Tage einen mit Frucht beladenenWagen von hier aus nach der Eichmühle zu trans- portiren. Bei der Ankunft dortselbst stellte sich nun heraus, daß von der verladenen Frucht 4 Sack Weizen und ein Sack Roggen fehlten. Die sofort angestellten Nachforschungen ergaben, daß der mit Führung des Wagens betraute Knecht während des Transportes den Diebstahl begangen hatte. Der Thäter wurde sofort verhaftet.
Cassel, 25. Nov. Man geht höheren Orts schon längere Zeit mit dem Plane um, eine Blindenheilanstalt für Hessen ins Leben zu rufen, ein Institut, welches ebenso nothwendig ist, als es segenbringend für uns sein wird. Noch ist man nicht schlüssig geworden, wo dasselbe heimisch gemacht werden soll und verschiedene Städte des Landes bewerben sich, um die Anstalt in ihren Mauern gegründet zu sehen.
— 27. Nov. Verhaftet wurde am Montag früh der Arbeiter Z. aus Nordshausen, welcher am Tage der Kontrollversammlung ein Mädchen überfallen. Um denselben ausfindig zu machen, mußten am Sonntag Nachmittag sämmtliche auf der Kontrollversammlung gewesenen Mannschaften in der von ihnen angehabten Kleidung beim dortigen Bürgermeister erscheinen, um dem betreffenden Mädchen vorgeführt zu werden, welches dann in dem Z. den Thäter erkannte.
Cassel, 27. November. Die gestern Abend in der Aula der Realschule abgehaltene Monatsversammlung des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde war sehr zahlreich besucht. Der Vorsitzende, Herr Major a. D. von Stamford, eröffnete dieselbe und gedachte zunächst in bewegten Worten des Verlustes, den der Verein durch den Tod des Majors a. D. v. Gironcourt in Marburg erlitten, eines sehr verdienstvollen Vereinsmitgliedes, der noch bis zuletzt mit einem Werke beschäftigt gewesen sei, einer Zusammenstellung der Entstehung der hessischen Truppenkörper vom Anfang im 30jährigen Kriege an, eine mühevolle Arbeit, von der man aber hoffe, daß sie doch ihre Vollendung erreichen werde. Die Versammlung ehrte das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Nach Erledigung der geschäftlichen Mittheilungen, welche den Abgang von 4, den Zugang von 5 Mitgliedern verzeichnen, begann der Herr Vorsitzende den angekündigten Vortrag über: „Das 1. Bataillon des 1. kurhessischen Infanterie- Regiments (Landgraf Wilhelm) in den Septembertagen 1848 zu Frankfurt a. M."
Hofgeismar, 26. Nov. Die „Hofg. Ztg." schreibt: ^ie von uns den hiesigen Einwohnern bereits am Sonnabend durch Extrablatt mitgetheilie Nachricht, daß von hohem Kriegsministerium zU Berlin in unserer schwebenden Garnisonsfrage der Bescheid ertheilt worden, daß das Rheinische Dragoner-Regiment Nr. 5 hier ver-
Tages-Ereignisse.
Schlüchtern. Am 24. v. M. tagte zu Bahnhof Elm eine Versammlung von Oberförstern, um über die Gründung eines Vereins von Berufsgenossen zu berathen, welcher den Zweck hat, seinen Mitgliedern Unterstützungen bezw. Ersatz bei dem Verluste von Dienstpferden zu gewähren. Die Nothwendigkeit der Bildung eines solchen Versicherungs-Vereins auf Gegenseitigkeit wurde allerseits anerkannt in der Erwägung, daß die Prämien bei den bestehenden Vieh-Versicherungs-Gesell- schaften hohe finb im Verhältniß zu dem relativ geringen Risiko bei der Versicherung von Dienstpferden der Forst- beamten. Zur Vorberathung der Statuten rc., welche einer am 12. Januar n. J. nach Fulda (Hotel Wolfs) einzuberufenden größeren Versammlung von Berufsgenossen zur Beschlußfassung vorgelegt werden sollen, wurden bestimmt die Herren Königl. Oberförster Hasset in Mottgers, Renner in Niederkalbach, Paar in Giesel, Wetzell in Mottgers und Boß in Kassel- Gelnhausen, welch' letzterer den Statuten-Entwurf ausarbeiten und demnächst in Umlauf setzen wird.
— Um in Betreff des Termins für den Beginn der Aufnahme von Kindern in die Volksschule eine Gleichmäßigkeit herbeizuführen, hat der Kultusminister durch Cirkularerlaß bestimmt, daß die Aufnahme der schulpflichtigen Kinder in der Volksschule derartig zu erfolgen hat, daß zu dem Ostcrtermin diejenigen Kinder aufzunehmen sind, welche bis zum 1. Oktober des betreffenden Jahres das sechste Lebensjahr zurücklegen — vorausgesetzt, daß sie zum Schulbesuch in körperlicher und geistiger Beziehung auch reif befunden werden, und daß in gleicher Weise zum Oktobertermin diejenigeu Kinder Aufnahme finden, welche bis zum 1. April des künftigen Jahres das sechste Lebensjahr zurücklegen.
Fulda, 25. Nov. Fünf junge, aus Edelzcll und Pilgerzell gebürtige, in hiesigen Fabriken beschäftigte Burschen wurden gestern Nachmittag durch die Gendarmerie von der Arbeit weg verhaftet und heute Nachmittag dem Richter vorgeführt. Dieselben haben letzten Sonntag Nachts in sieben vereinzelt im Kreise Gelsfeld stehenden Gehöfe, deren Gesinde zumeist auf der bairischen „Kirmeß" war, unter erschwerenden Umständen Erpressungsversuche mit Bedrohung für Leib und Leben auf die zumeist allein zu Hause befindlichen Besitzer ausgeübt. Unter Anderem zwangen sie einen solchen, in eigener Person in den Kamin zu klettern und der Bande die darin befindlichen Fleischoorräthe auszuliefern. In einem anderen Falle sollten sie sogar noch obendrein ein unsittliches Attentat auf eine allein mit ihrer Tochter angetroffene Bäuerin gemacht haben.
— 25. Nov. Folgende tragikomische Selbstmordgeschichte wird von hier berichtet: Das Dienstmädchen einer in der Friedrichsstraße wohnenden Herrschaft, Elise K. aus H., hatte aus Gram über die Treulosigkeit seines beim Militär stehenden Liebhabers (es sind^noch 12 Mann Soldaten beim Landwehr-Bezirks-Kommando hier!) beschlossen, sich das Leben zu nehmen. Sie wählte die Phosphorvergiftung, brach einer Anzahl Zündhölzchen die Köpfe ab und genoß dieselben — mit Milch; es hatte also mit dem an und für sich schwachen Gifte zugleich unbewußt das nöthige Gegenmittel angewendet. Trotzdem stellte sich ein mehrmaliges heftiges Erbrechen mit Schwindelanfällen ein, die Herrschaft kam dazu, die LebenSüberdrüssige gestand, was sie gethan und mußte nun versprechen, keinen neuen Vergiftungs- vcrsuch mehr zu machen.
Hanau, 25. Nov. In dem Etat 1889/90 zur Erwerbung neuer Exerzierplätze bezw. zur Erweiterung der vorhandenen Exerzierplätze rc. ist, wie schon kürz erwähnt, Hanau eingestellt mit 270,000 Mark- Die Erläuterungen besagen: Aus militärischen Gründen ist die Verlegung eines Regimentes Cavallerie nach!