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Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen des Kreises Schlüchtern.
Erscheint Mittwochs und Samstags. — Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
^93.
Samstag, den 24. November.
1888.
Bekanntmachung,
Indem ich die Herren Bürgermeister unter Bezugnahme auf das heute veröffentlichte Statut für die Krankenversicherung im Kreise Schlüchtern noch besonders darauf Hinweise, daß die nach § 1 Abs. d des Statuts versicherungspflichtigen Personen nach § 142 Abs. 2 des Gesetzes vom 5. Mai 1886 durch die Gemeindebehörde der Krankenkasse zu überweisen sind, veranlasse ich dieselben hierdurch, diese Ueberweisung baldmöglichst, spätestens bis zum 1. December d. Js. zu bewirken.
Schlüchtern, den 17. November 1888.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.
____________________Roth.____________
Nr. 7015. Die am 20. Mai 1858 geborene Dienstmagd Elise Eyring zu Züntersbach hat um Ertheilung eines Passes zwecks Reise nach Amerika nachgesucht.
Schlüchtern, 2Q. November 1888.
__________________Der Königliche Landrath: Noth.
Steckbrief.
Der nachstehend näher bezeichnete, am 25. Juli 1867 zu Züntersbach, Kreis Schlüchtern, geborene Rekrut Bernard Ditzel hat seinen seitherigen Aufenthaltsort Züntersbach ohne Abmeldung verlassen. Es hat ihm daher die Gestellungs-Ordre zum Antritt des Militär-
Amtlicher Theil.
dienstes nicht behändigt werden können und ist er als Fahnenflüchtiger zu betrachten.
Alle Militär- und Civilbehörden werden ersucht, nach dem rc. Ditzel zu fahnden, ihn im Betretungsfalle zu verhaften und an die nächste Militärbehörde abzuliefern.
Fulda, den 20. November 1888.
Königliches Bezirks-Commando.
Familien-Name:
Ditzel
Vorname:
Bernard
Geburtsort:
Züntersbach
Gewerbe:
Bauer
Alter:
21 Jahr
Größe:
1 Mir. 63 Emir.
Gestalt:
gesetzt
Haar:
schwarz
Kinn:
rund
Nase: 1 ' Mund: j
gewöhnlich
Bart:
keinen
Zähne:
vollständig
Besondere Kennzeichen:
keine.
Nr. 6990. Die Königlichen Gendarmen zu Schlüchtern, Steinau und Salmünster haben noch im Laufe dieses Jahres in den Städten eine unvermuthete
Revision der im Verkehr befindlichen Maße, Gewichte, Waagen und sonstigen Meßwerkzeuge vorzunehmen und über das Ergebniß der Revisionen tabellarische Aufzeichnungen (cfr. Seite 9 Nr. 11 der Jnstruction) zu machen und letztere event. Vakatanzeige an die Ortspolizeibehörden einzureichen, welche dieselben spätestens bis zum 30. Dezember d. Js. an mich einzusenden haben. Das Formular zu den tabellarischen Aufzeichnungen, kann im Falle des Bedarfs gelegentlich der Communication am 1. k. Mts. von den Königlichen Gendarmen in meinem Bürcau in Empfang genommen werden.
Schlüchtern, den 19. November 1888.
Der Königliche Landrath. Roth.
Nr. 6608. Die Erledigung meiner Verfügung vom 2. d. M-, Nr. 6608, betr. Erlös für verkauftes Gemeindeobst pro 1888, wird hierdurch in Erinnerung gebracht und binnen 3 Tagen bei Vermeidung einer Ordnungsstrafe von 3 Mark erwartet.
Schlüchtern, den 20. November 1888.
Der Königliche Landrath. Roth.
Tages-Ereignisse.
Schlüchtern. Am verflossenen Sonnabend Abend wurde im Saale des Gasthauses „zum Stern" ein seltener musikalischer Genuß geboten. Der in dem Blinden- institut zu München ausgebildete Klavier- und Zither- Virtuos Herr Hohner brächte auf den genannten Instrumenten eine Reihe von Musikstücken zum Vortrag, welche allgemeinen und stürmischen Beifall hei vorriefen. Besonders die Piece „Großmütterchen", gespielt auf dem Streichmelodion, hatte einen wahrhaft ergreifenden Effect. Herr Hohner zeigte in seinem Spiel eine meisterhafte Technik, warmes und wahres, schlichtes und herzbewegendes Empfinden. — Zu bedauern blieb der äußerst schwache Besuch des Concertes. Man scheint leider in unserem Städtchen mehr Sinn und Geschmack für eine mit Zoten durchsetzte Posse zu haben, als für die göttlich reine, zu allem Edlen begeisternde Kunst der Musik; es soll darum an dieser Stelle der Wunsch nicht unterdrückt werden, daß unser Publikum wirklichen Kunstgenüssen gegenüber sich nicht so gleichgültig wie bisher verhalten möge. — NB. Dem Berichterstatter der Seminar- Conferenz soll hierbei zu seiner Beruhigung mitgetheilt werden, daß der Saal diesmal nicht ungeheizt geblieben war; der gute Herr scheint denn doch ein wenig übertrieben zu haben, denn im Ganzen konnten während des Concertes nur ca. 15—20 umgeworfene Shawltücher und Winter-Ueberzieher gezählt werden, und selbst beim ergreifendsten „pianissimo“ war von Zähneklappern und Schüttelfrösten absolut nichts zu hören. Bitte, immer hübsch bei der Wahrheit bleiben!
— Bei der Kreiskaffen-Verwaltung dahier ist eine Gehülfen stelle mit einer Remuneration von vorerst 50 Mk. monatlich baldigst zu besetzen. Meldungen mit .Befähigungs-Nachweisen find bei dem Kreiskasscn-Ren- danten anzubringen.
Schlüchtern. Viele außerhalb der Stadt wohnende Familien sind darauf angewiesen, ihren Christbaum- Confect von auswärts zu beziehen. Den Herrschaften, welche sich zu diesem Zweck mit einem größeren Geschäfte in Verbindung setzen wollen, können wir die Firma Hugo Wiese in Dresden, die im vorigen Jahre über 17,000 Kisten davon versandt hat, bestens empfehlen.
__ (Briefe und Packete an das Militär.) Jetzt zur Zeit der Einberufung der Rekruten kommen viele Eltern und sonstige Angehörigen in die Lage, zum ersten Male Briefe und Packete an das Militär zu senden; es erscheint daher angebracht, an die Porto- vergünstigungen zu erinnern, die unser Militär genießt, und diese sind folgende: Ein Brief an einen Soldaten bis zu einem Gewicht bis zu 60 Gramm ist portofrei, wenn man denselben mit der Bezeichnung „Soldatenbrief. Eigene Angelegenheit des Empfängers" versteht. Das Gewicht eines Packetes kann bis zu 3 Kilogr., gleich
Deutsches Reich.
Berlin. (Ein Bier-Abonnement.) Mit einer großen Bieridee, die er in Berlin verwirklichen will, geht ein Mann aus München um. Er will in der Nähe des Dönhoffplatzes ein neues Wirthshaus aufmachen, dort ein neues echtes Bräu cinführen und ein Bier-Abonnement einrichten! Für monatlich 30 Mark soll Jeder täglich so viel Liter vertilgen dürfen, als er vertragen kann. Der unternehmende Wirth, der sein Handwerk in München gelernt hat, ist, wie er behauptet, im Besitze der statistischen Umlagen, deren er zur Berechnung des Abonnementspreises bedarf. Da dieses statistische Material Münchener Verhältnissen entnommen ist, wo mehr Bier getrunken wird, als in Berlin, so hofft er sein Geschäft zu machen. Wenn die Ankündigung kein schlechter W:tz ist, so darf man auf die Entwickelung des Unternehmens gespannt sein. (Warum richtet der Mann nicht gleichzeitig ein Abonnement auf Entenbraten ein?)
Halle a. S., 19. Novbr. Der Steinbruchsarbeiter Huth in Golpa bei Gräfenhainichen fand gestern beim Aufräumen einer Bodenkammer seines Grundstücks einen blechernen Behälter, der wohl schon mehrere Jahre dort gelegen haben mochte, der sich aber mit den bloßen Händen nicht öffnen ließ. Neugierig, was wohl die Büchse enthalten möchte, nahm der Mann dieselbe mit nach der Wohnstube, wo er dieselbe zunächst aufzuthauen versuchte. Doch die Büchse blieb verschlossen und da die Neugierde des Mannes auf das Höchste gestiegen war, nahm er den Gegenstand mit nach dem Hofe, um dort die Ocffnung mit Hilfe einer Mistgabel vorzu- nehmen. Ihm nach folgten seine 6 Söhne im Alter von 18, 12, 11, 9, 5 und 3 Jahren, welche sich um die dort nicdergelcgtc Büchse schaarten. Als der Vater nunmehr mit der Gabel in die Büchse stach, erfolgte eine entsetzliche Explosion, da der Inhalt aus Dynamit bestanden hatte. Alle 7 Personen wurden in die Luft geschleudert, ein Kind flog bis hinüber in ein Nachbargehöft. Der Vater und fünf Kinder wurden entsetzlich verstümmelt und blieben auf der Stelle todt, während der elfjährige Knabe mit Verletzungen des Gesichts und der Augen davonkam. Die Mutter befand sich glücklicherweise in der Stube und zwei weitere Kinder befanden sich nicht zu Hause. Die Detonation, welche die Explosion verursachte, war weithin vernehmbar; der Hofraum des Grundstücks bot das Bild eines Schlachtfelds. Theile menschlicher Körper lagen überall umher; mehrere Häuser sind arg beschädigt und ist im ganzen Dorfe fast keine Fensterscheibe unversehrt geblieben.
— Die Uniform der Postbeamten ist in 17 Jahren bereits viermal geändert worden. Nun heißt es, daß nochmals eine Abänderung zu Gunsten einer kleidsameren Uniform stattfinden soll.
6 Pfd., schwer sein und muß ebenfalls mit dem Vermerk versehen sein: „Soldatenbrief. Eigene Angelegenheit des Empfängers". Das Porto kostet dann, ohne Unterschied der Entfernung, 20 Pfg. Schwerere Packete unterliegen den tarifmäßigen Portosätzen.
— Um cin ungefähres Bild von der „Billigkeit" der Hasen in diesem Jahr zu zeichnen, werden vom „Arnstädter Nachrichts-Blatt" die bisherigen Hasenjagd-Ergebnisse mit der Höhe der Pachtgelder mitgetheilt: Arnstädter Jagdpacht - Gesellschaft (Rudislebener Flur, 1700 Mk. Pacht), 100 Hasen; Rudislebener Jagdpacht-Gesellschaft (Arnstädter Flur, 1950 Mk. Pacht), 250 Hasen; Witzlebener Flur, 400 Mark Pacht, 9 Schützen, 13 Hasen; Angelhausen-Obern- dorfer Flur, 240 Mk. Pacht, 25 Hasen!
Hauau. (Strafkammersitzung vom 19. November.) In nicht öffentlicher Sitzung wurde ein 17jähriger Dienstknecht von Weichersbach wegen Vergehen gegen § 175 des Strafgesetzbuches zu 1 Monat Gefängniß verurtheilt. — Das Schöffengericht in Steinau hatte einen dortigen Bäckermeister, der nebenbei auch Mehlhandel und Ackerbau treibt, in eine Geldstrafe von M. 1.50 verurtheilt, weil er seinen Sohn, der Lehrling in des Vaters Geschäft ist, nicht zum Besuche des Unterrichts in der Gewerblichen Fortbildungsschule angemeldet habe, wozu er nach § 1 der Polizeiverordnung vom 18. December 1875 und be§ § 106 des Ortsstatuts verpflichtet sei. Der Angeklagte legte Berufung gegen das Urtheil ein und behauptet, sein Sohn sei nicht verpflichtet, die Gewerbliche Fortbildungsschule zu besuchen, weil er ihn theils in der Bäckerei, theils in der Landwirthschaft und auch in seinem Mehlhandel beschäftige und er demnächst eine höhere Lehranstalt besuchen solle. Das Berufungsgericht nimmt aber an, daß der Sohn des Angeklagten vorerst einmal die Bäckerei gelernt hat und als Lehrling eines Gewerbes, der nur Elementarunterricht genossen hat, verpflichtet war, die Fortbildungsschule zu besuchen. Auch habe der Vater weiter die Verpflichtung gehabt, den Jungen zum Besuch der Schule anzuhalten und ihm die nöthige Zeit dazu zu geben. Die Berufung wurde unter Auferlegung der Kosten zurückgewiesen.
HÜnseld, 19. Novbr. Am Sonnabend Nachmittag verunglückte dahier am Bahnüocrgang nach der Aue eine 88 Jahre alte Frau von Hünhan, indem sie von dem Schnellzuge überfahren und sofort getödtet wurde. Die altersschwache Frau, welche nicht mehr gut sehen und hören konnte, ging an der geschlossenen Barriere vorbei durch die dort befindlichen Laufstangen und lief geradezu in die Maschine hinein trotz allem Pfeifen und Rufen Seitens des Locomotivführers, wurde erfaßt und sofort getödtet. Der Körper der Verunglückten lag 35 Schritte von der Unglücksstelle entfernt, während der rechte Arm 15 und der linke Arm 10 Schritte