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Tages-Ereignisse.

Schlächtern. Wir haben schon oft darauf hingewiesen, daß die letzten Monate des Jahres sehr reiche Gelegen­heit zu allerlei Einkäufen bieten, auf welche die Geschäfts­welt mit großer Spannung harrt. Witterung und Mode machen gleichzeitig ihre Ansprüche geltend, die beim besten Willen nicht so ohne Weiteres von der Hand ge­wiesen werden können, und die Frau des Hauses hat ganz Recht, wenn sie dem brummenden Herrn Gemahl auf seine Einwendung erwidert:Was zum Leben nun einmal gehört, das muß auch angeschafft werden!" Diese Saison giebt die besten Kaufaufträge, das weiß die Geschäfts­welt auch überall und wer darum nur einigermaßen in dem Rufe steht, daß er die Markstücke nicht gar zu peinlich zählen braucht, oder von wem man es seiner sozialen Stellung nach annehmen kann, dem gehen von allen Seiten und oft aus weiter Ferne Offerten und Einla­dungen zu. Es gibt große Geschäftshäuser, die Tausende alljährlich für die Versendung von sehr reich auSge- statteten Katalogen und Prospekten ausgeben, also muß die Sache doch lohnen. Angesichts dieser Verhältnisse halten wir es vor allem für unserePflicht, auch jetzt wieder zu Gunsten unserer heimischen Geschäftswelt einzutreten, die nicht nur gute und preiswcrthe Waare offerirt, sondern auch nicht zu theueren Preisen liefert, als wenn man von weither bezicht. Keine Regel mag ja nun ohne Ansnahme sein, aber im Allgemeinen ist doch zu­treffend, was wir gesagt. Gegen den Bezug von fran­zösischen Waaren wird schon lange bei uns mitRecht ge­eifert und dies Auftreten hat Erfolg gehabt; mag nun auch unser Appel an den Lokalpatriotismus den richtigen Erfolg haben. Verschenken kann Niemand etwas, das wissen auch die, welche von auswärts zu beziehen lie­ben; hingegen sind manche Nebenkosten damit verbunden, und schließlich auch manche Täuschung, denn nicht selten sieht die bestellte und bezahlte Waare beim Empfang ganz anders aus, als man sich vorgestellt. Das Umtauschen würde neue Kosten verurschen, also behält man, was man hat, und ärgert sich. Alles das kann beim Einlaufen daheim bequem vermieden werden und zudem liegt auf der Hand, daß ein Geschäftsmann einem Kunden, welchen er seit langer Zeit persönlich kennt, bereitwilligst ganz anders entgegenkommt, als ein anderes Haus einem wildfremden Abnehmer.

Der Forst-Assessor Freiherr v. Rechenberg ist zum Oberförster ernannt und demselben die durch den Tod des Oberförster Nickel erledigte Oberförsterstelle zu Marjoß im Regierungsbezirk Cassel übertragen worden.

Gänse-Schwindel. DieMagd. Ztg." läßt sich aus Berlin schreiben: In den Berliner Markl- Hallen ist beim Gänseverkauf jetzt ein ganz neuer Schwindel ausgetaucht. Eine Hausfrau kaufte jüngst eine Gans, die ihr vorgewogen wurde und über deren Erwerb sie sich besonders freute, da der Verkäuser vor ihren Augen so reichlich gewogen hatte. Wie wurde sie aber ent­täuscht, als sie beim Zurechtmachen ihres Sonntagbratens folgende Entdeckung machte: Die Speiseröhre der Gans war offenbar in gewaltsamer Weise bis zum Magen mit länglich geschnittenen Kartoffeln und Rübenstücken derart angefüllt, daß die Röhre bis beinahe auf Arms­dicke stellenweise erweitert war. Auf diese Weise war die Gans um über 1 Pfund schwerer gemacht; später zur Rede gestellt, antwortete die zungenfertige Markt­frau, die Gans habe noch so viel gefressen. Da die Marktpolizei auf diesen bis jetzt noch unbekannten Schwindel aufmerksam geworden ist, so dürfte dem unsauberen Gewinn wohl schnell eine Schranke gezogen sein. Jeden­falls erscheint es angebracht, Hausfrauen hierauf auf­merksam zu machen. Patentfähig ist übrigens dieser Schwindel nicht, denn er ist zwar eigenthümlich, aber nicht neu, da er schon auf den früheren Wochenmärkten in allen möglichen Variationen geübt worden ist und zwar nicht nur in Berlin, auch in andren Städten.

Unsere Postkarten. Auf unseren Postkarten wird manchem der Leser an der unteren rechten Ecke der Adreßseite eine dreistellige Zahl ausgefallen sein, deren Bedeutung ihm zweifelhaft geblieben ist: z. B. 6./88. Diese Zahlen drücken den Monat und das Jahr der Herstellung der Postkarten aus und bezeichnet die erste Zahl den Monat, die beiden letzten das Jahr. Die angewandte Zahl 6./88 sagt also, daß die Postkarte im Juni (6) des Jahres 1888 (88) den Ort der Herstellung, die Reichsdruckerei in Berlin, verlassen hat.

(Bom Hasenbraten.) Da wir eben in der Saison der Hasenbraten leben, dürfte, so schreibt der M. A.", Folgendes nicht uninteressant sein. Das Hasenwildpret ist nicht etwa nur ein wohlschmeckendes Gericht, es ist auch ein wichtiges Nahrungsmittel und von gewisser Bedeutung in der Volkswirthschaft. Für wohlschmeckend wurde der Hase bereits im grauen Alter­thume gehalten. Schon vor 2000 Jahren huldigte man der Ansicht, daß ein kunstgemäß gespickter und saftig gebratener Hase eine gar lieblicheAtzung" sei. Der witzige Martiral sagt:Dem Hasen gebührt unter den Vierfüßlern der größte Ruhm!" Ja es behauptet sogar der bekannte Schriftsteller Plinius, daß man, um schön zu werden, Hasenbraten essen müsse. Der römische Kaiser Alexander SeveruS ermordet im Lager zu Sicilia, das heutige Bretzenheim bei Mainz, im Jahre 234 n. Chr. soll ein sehr schöner Mann gewesen

resoluten Wirthin über die zahlreichen Strohdächer. Gewiß", sagte die Frau,die Dinger sind sehr ge­fährlich, aber die Leute wollen sie nicht abändern, auch die wohlhabenden Bauern nicht. Neulich waren die hohen Herren von der Feuerkasse hier und sagten, sie wollten den Häusern mit Strohdächern einfach aufkündigen und so die Leute zwingen, in Jahresfrist ein neues Dach anzulegen. Ich sagte den Herren, das sollten sie sich noch einmal überlegen, denn ich fürchtete, daß vor Ablauf dieser Kündigsfrist recht viele Brände eintreten würden. Ja, ja, hier zu Lande brennen die Häuser manchmal sehr leicht an, wenn es gerade dem Besitzer so paßt." Wie anders würde sich derZwang" ge­stalten, wenn die Feuer-Sozietät zu dem Besitzer käme, um ihm ein neues Dach gewissermaßen umsonst, gegen eine kaum zu empfindende Abzahlung anzubieten. In Hünfeld ist auch wieder, nach den Zeitungsberichten, jener Mangel eingetreten, der so häufig bei größeren Bränden sich bemerklich macht: Spritzen genug, aber kein Wasser. Auf einen Dorsteich, der im Sommer nahezu oder vollständig austrocknet, und auf oberflächlich angelegte Hausbrunnen kann man sich nicht verlassen. Da ist nun in erster Linie wieder die Ver­sicherungskasse berufen, im Verein mit den Gemeinde­behörden für Herstellung von ergiebigen Tiefbrunnen zu sorgen, wo kein Fluß und keine ausreichende Wasser­leitung vorhanden ist. Diese Tiefbrunnen böten neben­bei auch den schätzenswerthen Vortheil, den Leuten zu gesundem Trinkwasser zu verhelfen. Daß Hünfeld ab- gebrannt ist, darf uns fo sehr nicht wundern, wie, daß nicht noch häufiger ganze Ortschaften eingeäschert werden. Aber die Vergeßlichkeit der Menschen ist wunderbar groß. Wer spricht jetzt noch von der Eile und der Gründlich­keit, welche zur Vorbeugung gegen Wasserschäden noth­wendig sind. Das Volk in seiner großen Masse hat die Sache schon wieder vergessen und die berufenen Techniker und Behörden behandeln die Angelegenheit im gewöhnlichen amtlichen Paßgange. Viel Erwägung und viel Schreiberei und schließlich können die Wasser ungestört noch ein Mal über Gottes Land laufen, wenn es ihnen so belieben sollte. Der rechte Geist umsichtigen Fortschrittes ist nur dort zu finden, wo man ihn am wenigsten erwarten sollte: im Heerwesen. Uebrigens kann sich auch Jeder für seinen eigenen Hausbedarf eine gute Lehre mitnehmen aus dieser Predigt über die öffentliche Unvorsichtigkeit. Jetzt sind wir in die Zeit der O e f e n und Lampen getreten. Wie viele Menschen leiden lieber einen dauernden Nachtheil an ihrer Behaglichkeit und schweren Schaden an ihrer Ge­sundheit, ehe sie ein paar Groschen für die Reparatur des löcherigen Ofenrohrs oder der qualmenden Petro­leumlampe anlegen? Der Mensch gewöhnt sich an alles, auch an die übelriechende, brustbeklemmende Zimmerluft. Wenn er oder seine Angehörigen dabei matt und krank werden, dann schiebt er das einfach auf das Conto des Unglücks". Wer kann denn etwas gegen das Unglück! Aber sein Gewissen zu erforschen, ob man nicht selbst schuld ist, das fällt selten Jemandem ein.______________

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Novbr. Laut Bekanntmachung imReichs- anzeiger" ist der Reichstag zum 22. November e i n b e r u f e n.

Blankenburg a. H.» 3. Nov. Ein Unfall eigener Art trug sich in dem Blankenburg benachbarten Michael­stein zu. In dem ehemaligen Klostergebäude wohnt über einem nach der einen Seite hin offenen Kreuzgang ein invalider Orgelspieler mit Frau und Kindern. Der Mann wurde in einer der letzten Nächte plötzlich durch ein lautes prasselndes Geräusch geweckt. Während er sich verwundert in seinem Bette aufrichtet, erscholl auch schon die laute Stimme seiner Frau, allerdings merk­würdig dumpf und wie aus weiterer Entfernung tönend, die ihn bat, Licht anzustecken, da das Fenster aufgegangen sein müsse und der Regen ihr ins Gesicht schlage. Als das Licht angezündet, bemerkte der Mann zu seinem Schrecken im Boden des Zimmers ein gewaltiges Loch, und als er in dasselbe hinein leuchtete, unten im Kreuz­gange seine Frau, die ganz verdutzt zu ihm aufblickt. Wie sich nunmehr herausstellte, waren die morschen Balken unter der Diele des Zimmers durchgebrochen und die Frau sammt ihrer Bettstelle während des Schla­fens herabgestürzt. Die Höhe des Kreuzganges beträgt 4 bis 5 Meter; um so mehr bleibt daher die Dauer­haftigkeit der Bettstelle, wie der feste Schlaf der Frau zu bewundern.

Köln, 6. November. Heute früh wurde in der noch unbebauten Duffesbachstraße an der Neustadt ein Sergeant vom vierzigsten Regiment ermordet aufgefunden. Ein Messerstich hat den Kopf durchbohrt, die Wunde geht von einer Schläfe zur anderen.

Rhoden i. W., 8. Novbr. Eine hiesige Familie ist von einem herben Schicksale betroffen worden. Der Vater hatte den Sohn aus der Klinik zurückgeholt, wo­selbst dieser eine gefahrvolle Operation glücklich über- standen hatte. BeimAussteigcn aus dem Eisenbahnwagen fiel der Patient so unglücklich, daß er nach kurzem Krankenlager den erhaltenen Verletzungen erlag. Die vorher schon erkrankt gewesene Mutter, welche so sehn­süchtig nach dem Wiedersehen des Sohnes geschmachtet, starb in Folge des Schreckens über die von ihrem Sohne erhaltene traurige Botschaft.

sein. Von ihm sang ein Zeitgenosse:Der Kaiser liebt die Jagd und darum ist er schön Weil wir ihn täglich auch ein Häslein verspeisen seh'n!" Auch der Altmeister der Jagerei, Forstmeister von Wildlingen, schrieb vor 100 Jahren über die vielen Nachsteller, deren sich das Hasenwildpret rühmen dürfe:Menschen' Hunde, Wölfe, Lüchse, Katzen, Marder, Wiesel, Füchse, Adler, Raben, Uhu's, Krüh'n, Jeder Habicht, den wir sehn, Elstern gar nicht zu vergessen, Alles, Alles will ihn essen!" Das Hasen­wildpret ist aber auch ein wichtiges Nahrungsmittel. Von dem wichtigsten Nährstoffe des Menschen, dem Eiweiß, enthält es 23,5 pCt., so daß der Preis im Verhältniß zu anderem Fletsche ein billiger ist. Auch in volkswirrhschaftlicher Beziehung spielt der Hase eine nicht untergeordnete Rolle. In der Saison von 1885 bis 86 wurden in Preußen allein 2,400,000 Hasen mit einem Gesammtgewicht an genießbarem Fleisch von mindestens 14 bis 15,000,000 Pfd. erlegt. Bedenkt man, daß die Hasen zu einer Zeit gegessen werden, wo überhaupt kein Ueberfluß an anderem Fletsche vorhanden ist, so darf man gewiß behaupten, daß die Hasenbraten­saison einen Einfluß auf die Fleischpreise ausübt. Auch soll nicht unerwähnt bleiben, daß das Hasenfleisch leichter zu verdauen und darum gesunder ist, als anderes Fleisch.

Für die Pfingsten 1889 in Augsburg stattfindende allgemeine Deutsche Lehrerversammlung ist die Tages­ordnung ausgestellt worden. Die beiden Hauptpunkte derselben werden sein: Die Einführung der Volkswirth­schaftslehre und der Gesetzeskunde in den öffentlichen U n- terricht und die hygienische Ueberwachung der Schule durch einen Schularzt.

Fulda, 8. Nov. Heute Nacht starb unter furcht­baren Schmerzen der Schlosser Fleck von hier, welcher als Steiger der hiesigen Bahnhossfeuerwehr bei dem großen Brande in Hünseld am 29. v. M. durch Herabsallen vom First eines brennenden Hauses schwere Könperverletzungen erlitten hatte. Die Königl. Eisen- bahn-Direktion wild für seine Hinterbliebenen sorgen.

8 Nov. Für die Brandbeschädigten in Hünfeld hat, wie dieK. V." vernimmt, der Erzbischof Philipp us von Köln die Summe von 5000 Mark aus vorhandenen Mittel dem Herrn Bischof von Fulda überwiesen.

11. Nov. Heute Nachmittag ereignete sich auf dem hiesigeu Bahnhof ein schreckliches Unglück. Ein schon lange Jahre im Dienste stehender Arbeiter war mit Anzünden der Laternen vor dem Güterschuppen be= schäftigt, als der um 4 Uhr 10 Min. hier ankommende Schnellzug von Halle einlief. Der Arbeiter, welcher den Zug nicht heranbrausen sah, wurde von den Puf­fern der Locomotive erfaßt, zur Seite geworfen und blieb auf der Stelle todt liegen.

Hanau, 5. Nov. Am 1. d. M. haben auf den Ort­schaften die Spinnstuben begonnen. Dieselben wurden, wie landesüblich, hauptsächlich durch den Genuß eines ächten Kaffees und Wecke eingeweiht. An diesen Abenden, wo es gewöhnlich munter herzugehen pflegt, da bei den Burschen es oft freigebige Naturen giebt, welche die Spinustubentheilnehmer mit Bier, Aepfelwein rc tractiren, ist der Gesang der Hauptgegenstand, der gepflegt wird; ein Spinnrad, wie in alten Zeiten, sieht man aber nirgends mehr. (F. Z.)

Cassel, 10. November. ZurLaudtagswahl. Die Wahl in Gelnhausen-Schlüchtern, wo der konservative Land­rath v. Riedesel nur mit einer Stimme Mehrheit gegen den nationalliberalen Kanditaten Landcsbauin- spcktor Wohlfahrt in Gelnhausen gewühlt worden ist, soll wegen vorgefallener Unregelmäßigkeiten ange­fochten werden. H. M.

Cassel. (Einrichtung einer Getreidebörse in Cassel.) In einer von Jahr zu Jahr fühlbarer werdenden Weise vermissen sowohl die Landwirthe in Cassels Umgebung als auch die Käufer landwirthschaft- licher Erzeugnisse hierselbst die an anderen selbst weniger bedeutenoen Handelsplätzen längst mit Vortheil bestehende Einrichtung einer sog. Getreidebörse, eines Raumes, in welchem zunächst von acht zu acht Tagen zu bestimmten Stunden Handelsgeschäfte mit rohen und veränderten Felderzeugnissen, Futterstoffen rc. abgeschlossen werden können. Mehrere dem hiesigen landwirthschaftlichen Kreis­verein ungehörige Landwirthe haben es unternommen, eine solche Einrichtung ins Leben zu rufen und haben dazu nach Rücksprache mit der Besitzvertretung der Stadt Stockholm" (Mittelgasse) daselbst zwei Zimmer angewiesen erhalten, in denen zuerst Sonnabend, den 10. November er., von 10 bis 12 Uhr Vormittags, und jeden folgenden Sonnabend um die nämliche Zeit Börsenstunde abgehalten werden soll. Sie richten an alle Fachgenossen und mit diesen Geschästsverkehr pfle­genden oder suchenden Personen die ergebenste Bitte, sich möglichst ausschließlich bei ihren Ein- und Verkäufen dieser Gelegenheit zu bedienen, bemerkend, daß auch zu­verlässige Makler bereit sein werden, die gegenseitigen Vortheile zu wahren.________ _________

Ausland.

Paris, 30. Octbr. In Paris, der Stadt' des ver­feinerten Lebensgenusses, beginnt der Gebrauch sich ein" zubürgern, daß die Barbiere, um ihren Kunden die Zeit angenehm zu vertreiben, in den Rasiist üben Orgel" werke anbringen lassen. Nun kam es nicht selten wo