getroffen. Wie man hört, ist der Wilddieb erst 17 Jahre alt, aus Niederdünzebach gebürtig. Das Handwerk scheint er von seinem Vater gelernt zu haben, verwegen Wilddieberei schon vielfach bestraft worden ist.
Cassel. Der Gesandte von Thüngen, ehemals am Kur- hessischen Hofe hier, ist auf seinem Schlosse in Franken am 11. d. M. im Alter von 74 Jahren gestorben. Herr von Thüngen war der letzte bayrische Gesandte am Hofe des Kurfürsten von Hessen, wo er 1859 als Ministerresident und 1865 als Gesandter beglaubigt worden war. Der Einzug der preußischen Truppen in Cassel machte im Juni 1866 Thüugen's Thätigkeit ein Ende.________________________________________________ Hella.
Erzählung von H. Schoene.
Die Wahl findet nämlich in drei Abtheilungen statt und c jede derselben wählt ihre besondere Wahlmänner. Zur c 3. Abtheilung gehören die Urwähler, die keine Steuern s zahlen. S
— Die Königl. Eisenbahn-Direction Frankfurt a. M.
erläßt folgende Bekanntmachung: In Folge außer f gewöhnlicher Verkehrssteigerung auf den Eisenbahnen c und der dadurch veranlaßten außerordentlichen Jnan- ^ spruchnahme des Betriebsmaterials sehen wir uns ge- o nöthigt, vom 22. October ab bis auf Weiteres die £ Ent- und Beladefristen der Güterwagen abzukürzen und r zwar: 1) für alle Lagerplatzpächter und Anschlußgeleis- ( besttzer auf 6 Tagesstunden bezüglich aller bedeckten und ( offenen Wagen; 2) für alle übrigen Versender und Empfänger, die in einem Umkreis von nicht mehr als 5 Kilometer von der betreffenden Station wohnen, auf 8 Tagesstunden (einschließl. der Mittagsstunden) bezgl. der bedeckten Wagen. Ausnahmen sind auf den Stationen und Gütcr-Expeditionen zu erfahren.
— (Nachdruck erbeten!) Alle Parteileitungen c im Gebiete des ehemaligen Kurhessen werden gebeten, von ' allen Wahlflugblättern, welche sie versenden, ein i paar Exemplare an die öffentlichen Bibliotheken (Landes- $ bibliothek zu Kassel und Universitäts-Bibliothek zu t Marburg) zu senden, damit dieselben dort aufbewahrt i werden und späteren Geschlechtern Kunde von den Poli- i tischen Kämpfen unserer Tage geben können. i
Fulda, 22. Octbr. Die „Fuldaer Ztg." schreibt: Nächsten Sonntag sollten im Wahlkreise Hünfeld-Gers- ( feld vier größere Wahlversammlungen abgehalten werden. i Inzwischen ist Nachricht eingelaufen, daß zwei derselben l überflüssig seien, da die Urwähler resp, die in Aussicht ! genommenen Wahlmänner auch ohne Wahlversammlung l zweifellos den Centrumskandidaten wühlen würden. ( Ueberhaupt scheint der Sieg des Centrums ein glänzender zu werden. Die Wahlversammlung in Hilders, an der i die einflußreichsten Männer von Hilders und der Umgegnd ( theilnahmen, hat als Resultat eine große Begeisterung i für die Sache des Centrums ergeben. Herr Max
S ch m i t t scheint sich im Wahlkreis auch außerordent- ; sicher Beliebtheit zu erfreuen und besitzt das Vertrauen i der Wähler in hohem Grade. Die zwei Wählerver- i sammlungen, von denen die eine in Weyhers stattfinden । wird, werden von Fulda aus stark besucht werden, da dieselben auf einen Sonntag fallen, und an guten Rednern wird es auch nicht fehlen.
Hanau, 22. Okt. Einen grauenerregenden Fund machten, wie die F. Kl. Pr. berichtet, gestern einige Spaziergänger im sog. Poppen-Walde, nämlich einen leinenen Sack, welcher drei menschliche Skelette enthielt. Das größte war von einem erwachsenen Manne, ganz fleischlos; an den beiden anderen befand sich noch stellenweise Fleisch, dieselben stammen von Knaben von ungefähr 4 und 6 Jahren. Das eine Skelett trug am Halse eine Schnur, von einem Portepee stammend, womit das Kind anscheinend erdrosselt wurde. Daß sich die Skelette noch nicht lange an der Fundstelle befanden, geht daraus hervor, daß die Umhüllung noch sehr gut erhalten ist. Die Skelette wurden nach dem Hanauer Friedhose transportirt, wo dieselben einstweilen untergebracht wurden, bis ein gerichtsärztliches Protokoll ausgenommen ist. Daß hier ein schweres geheimnißvolles Verbrechen vorliegt, ist unzweifelhaft.
Marburg, 24. Oktober. Die Antisemiten haben im hiesigen Wahlkreis es aufgegeben, den konservativen Kandidaten zu bekämpfen, gegen den nationalliberalen ist ihnen keine Waffe gemein genug. Daß, wie man aus einem Brief Böckels erfahren hat, von diesem der Befehl ergangen war, alle Gesinnungsgenossen sollten sich auf der nationalliberalen Wählerversammlung zu Wetter einfinden und bei seine m Eintritt in den Saal ein brausendes Hurrah ausbrechen, ist zahm gegen das Folgende: Paasche erzählte im Saalbau hier eine sog. Wuchergeschichte nach dem „R e ich s her old" Böckels, laut welcher ein 6'/z Fuß großer Leineweber auf Rath eines Juden mit Beihülfe der Bauern des Orts einen alten Schullehrer um 400 M. betrogen hatte und fügte hinzu: „Dann sind in meinen Augen der Leineweber und die Bauern nicht weniger Betrüger als die Juden." Was stand nun ein paar Tage nachher im Rcichsherold? „Merkt's euch, Bauern! Der Prof. Paasche hat in seiner Rede zu Marburg im Saalbau gesagt: Nicht die Juden, sondern die Bauern sind die Betrüger! Sollte sich dieser Herr bei euch oberhessischen Bauern sehen lassen, um eine Rede zu halten, so wißt ihr, was ihr einem Manne gegenüber zu thun habt, der euch Betrüger nennt!“ Was ist das anders als Aufforderung zum Aufruhr? Es beweist aber, wie sehr die Antisemiten Herrn Paasche als Gegner fürchten. Nur immer zu gelogen, um so besser für die nationalliberale Sache!
Eschwege, 19. Octbr. Der Förster Ritter von Aue ertappte vorgestern Abend, als er mit seiner Frau am Walde zwischen Oberdünzebach und Aue entlang ging, einen Wilddieb, wie derselbe im Begriff war, einen erlegten Rehbock fortzutragen. Auf das Haltrufen des Försters feuerte der Wilddieb auf denselben und traf ihn mit einem Schrotschuß in den Arm. Dem Förster gelang es indessen, den Wilddieb festzunehmen und ihn dem Gerichte zu überliefern. Von Cassel ist bereits ein Staatsanwalt zur Untersuchung des Vorfalles ein-
(Fortsetzung.)
„OHugo, habe Erbarmen mit mir, schenke mir nur einen ganz geringen Theil Deiner Kindesliebe. Laß mich bei Dir bleiben bis zu meiner baldigen Auflösung, damit ich täglich auf den Knien Dir das Unrecht abbitten kann, welches ich an Dir verschuldet. O, so sage mir doch ein einziges Wort nur, sage, daß Du wenigstens versuchen willst, mir zu verzeihen, mich ein ganz klein wenig wieder zu lieben. Sich, hier liege ich vor Dir; ich bitte, ich beschwöre Dich, stoße mich nicht kalt zurück."
„Sie werden sentimental, Madame," entgegnete der Junker mit eisiger Kälte; „rutschen Sie nicht auf der Erde umher, Sie sind zu alt dazu und könnten sich leicht den Schnupfen holen. Auch werden Sie hoffentlich dem Diener, der möglicherweise durch irgend ein Schlüsselloch lugt, nicht geflissentlich Veranlassung geben wollen, Sie zu verspotten und über mich zu lächeln."
Die Dame erhob sich schnell, verhüllte das Gesicht und schluchzte laut. „Nie hätte ich gedacht, daß Du so grausam mit dem Herzen der Mutter spielen könntest," rief sie bitterlich weinend aus. —
„Bist Du denn so ganz aller edleren Gefühle bar? Fühlst Du denn in Dir nicht wenigstens einen Funken menschlichen Rührens? Ist denn dein Herz so sehr verhärtet, daß Du nicht einmal mehr die eigene Mutter erhörest, die, flehentlich bittend, reuig und in wahnsinniger Mutterliebe zu Dir entbrannt, vorZDir steht? O, so erbarme Dich doch meines unsäglichen namenlosen Schmerzes!"
Der Junker schritt zum Schnellzuge und klingelte heftig.
„Sie zwingen mich, Madame," erwiderte er rauh, „einem Auftritte ein Ende zu machen, der mich anekelt. Ich bin ein Feind aller Sentimentalitäten, aller Fußfälle und zwecklosen Jeremiaden."
Die Dame richtete sich stolz auf; sie stand da in ihrer ganzen ehrfurchtgebietenden Hoheit. Purpurgluth hatte ihr Antlitz übergossen; die einst unwiderstehlich funkelnden Augen sprühten Zornesflammen, und stürmisch wogte der Busen, als wollte die Brust zerspringen im Uebermaße namenlosen Wehs.
„Du willst mich hinauswerfen lassen wie eine Wegelagerin," rief sie entrüstet aus und ihre Stimme bebte. „Gib Dir keine Mühe, ich bin nur ein schwaches ohnmächtiges Weib und gehe schnell verächtlichen Roh- Heiten aus dem Wege, denen ich die Stirn nicht bieten kann. Ich werde gehen und Du sollst niemals mich Wiedersehen."
„Das wünsche ich von Herzen!" rief der Junker, sich mit kaltem Spotte verneigend.
Die Unglückliche wandte sich der Thür zu, ihre Kniee wankten, der Körper zitterte von innerer Erregung, und die Füße drohten ihren Dienst zu versagen. Doch sie raffte ihre letzten Kräfte zusammen, um in diesem Augenblicke stark zu erscheinen. Da aber siegte noch einmal die göttliche Mutterliebe und in der Thür sich umwendend, rief sie flehentlich aus: „Erbarmen, Hugo, Erbarmen!"
Doch der Ruf prallte ab an einem Herzen von Stein; der Junker drehte sich verächtlich um und indem er schweigend die Achseln zuckte, zündete er eine frische Cigarre an. Bei diesem Anblicke brach der Armen vollends das Herz, und wie von Furien gepeitscht, floh sie aus dem Hause ihres Sohnes, ohne Ziel von Straße : zu Straße, bis ein reißender Strom ihre Schritte hemmte. : Da durchzuckte plötzlich ein gräßlicher Gedanke ihr armes i Hirn, der Entschluß, einem gequälten Dasein gewaltsam t ein Ende zu machen.
, Ueber ihr flimmerte der dunkle mit tausend Sternen ; besäete Himmel und der Mond sandte seinen Silberschein : milde auf die Erde nieder, sich spiegelnd und tanzend . auf den schwarzen dunklen Fluthen des Stromes zu ihren - Füßen. Ein Sprung in die Tiefe und ein nutzloses Dasein wäre geendet, gestillt die Folterqualen eines ge= e quälten Herzens. Der Glaube nur hielt sie vor diesem 1 Verbrechen zurück. Noch einmal zogen die Bilder einer , schönen sorgenlosen Jugendzeit voll Lust und Liebe an i ihrem Geiste vorüber, noch einmal beklagte sie die 3 Verirrungen eines schwachen Herzens und durchkostete f ganz die Höllenqualen, die das Bewußtsein eines ver- r fehlten Lebens nach sich zieht; dann aber verließen ii sie die Kräfte, die Sinne schwanden und Nebel umflorten s ihr Auge. Mit Gewalt wollte sie noch einmal sich - aufraffen, aber es war zu spät. Ein letzter gräßlicher
Aufschrei und ohnmächtig stürzte sie vornüber in die Fluthen, die zischend über dem Körper der Unglücklichen zusammenschlugen.
Ueber die schwankende Kettenbrücke marschirte in geschlossenen Gliedern ein Trupp Soldaten, zwischen denen ein Gefangener stolz und ruhig einherschritt. Es war Reinhold, Graf Palfy von Niekolsburg. — In diesem Augenblicke vernahmen Alle einen markdurchdringenden Angstschrei; Reinhold blieb auf der Stelle stehen und mit ihm der ganze Trupp. Er sah einen dunklen Körper in den Strom stürzen und mit einem Sprunge schwang er sich blitzschnell auf die Brüstung der Brücke. Die Soldaten stürzten ihm nach, allein ein donnerndes „Zurück, Leute, hier gilt es ein Menschenleben zu retten!" ließ sie momentan stutzen. Reinhold aber sprang, ohne auch nur einen Augenblick sich zu besinnen, von der Brücke kopfüber in den Strom hinab. Wenige Augenblicke nachher sah die herbeigeeilte, lautlos gaffende Menge, wie der muthige Schwimmer, mit kräftigem Arme das Wasser theilend, glücklich das Ufer erreichte und die Gerettete sanft auf den Rasen niederlegte. Ein weithin schallender Beifallsruf und Hurrah belohnte den Kühnen für sein glückliches Wagestück. Aber schon staub auch wieder der Commissar der Polizei mit seinen Soldaten hinter ihm und ersuchte ihn dringend, den Umstehenden die weiteren Wiederbelebungsversuche zu überlassen und ihm zu folgen. Mit einem bitteren Lächeln schickte Reinhold sich an, dem Befehle nachzukommen, als eine Hand sich auf seine Schulter legte. Sich um- drehend, erkannte er den Grafen Hatzfeld.
„Brav gehandelt, mein Sohn," sagte der Greis, ihm auf die Achsel klopfend; „Sie haben gehandelt wie ein echter Edelmann. Empfangen Sie meinen innigsten Glückwunsch und erzeigen Sie zugleich mir die Ehre, mich zu meinem in nächster Nähe befindlichen Hotel zu begleiten, um dort die Kleider zu wechseln. Sie werden auch die Gerettete da finden, die ich in meiner Kutsche cbendorthin zu fahren soeben Befehl gegeben habe."
„Herr Graf, ich bebaute sehr, von Ihrer freundlichen Einladung keinen Gebrauch machen zu können," entgegnete Reinhold, indem er mit bitterem Lächeln auf sein Gefolge zeigte. „Der Herr Commissar hier hat mich vorher schon dringend eingeladen und zwar zu einem längeren Aufenthalt im Staatsgefängniß."
„Sie scherzen?"
„Leider nein. Erschrecken Sie und fliehen Sie von mir, denn ich bin der berüchtigte Mörder Palfy von Niekolsburg. Lange habe ich unter der Maske eines schlichten Hauslehrers, unter der Niemand mich gesucht, mich verborgen, bis endlich der Arm der zürnenden Gerechtigkeit mich erreichte. Die Falle war ein Spielclub, der Köder Lutz von Donnersberg. — Vorwärts, Soldaten, laßt uns weiter gehen. — Leben Sie wohl, Herr Graf, und bewahren Sie einem schuldlos Elenden Ihr Mitleid!"
Und ehe der Graf noch von seiner Bestürzung sich erholt, hatte Reinhold mit seinem Geleit sich schon entfernt.
VII.
Matt brannte die Lampe unter der schmutzigen Decke; zuweilen nur flackerte sie heller auf, von einem scharfen Luftzuge erreicht, der durch das einzig stark vergitterte Fensterchen in die düstere Zelle drang.
Auf einem hölzernen Schemel saß Reinhold gesenkten Hauptes und mit kummervollen Zügen; neben ihm stand ein Wasserkrug und ein Stückchen schwarzen Brodes lag unberührt auf dem wacklichen dreibeinigen Tische.
„O mein Gott," rief der Unglückliche im Uebermaße namenlosen Schmerzes verzweiflungsvoll aus, „wie sehr hast Du mich gezüchtiget! Wodurch habe ich das verdient, wodurch es verschuldet? Stets habe ich gesucht, Dir zu dienen, und wie sehr ich schuldig bin an dem Verbrechen, welches die Welt zur Last mir legt, o, das ist nur Dir allein bekannt. Soll ich denn so verlassen, so schmählich sterben, ungeliebt, verachtet und mißkannt? O, sähe ich doch ein theures Wesen, käme doch ein Tröster mir in dieser Stunde tiefsten Grames!"
Er schwieg: an der schweren Thür vernahm er ein Geräusch und er hörte deutlich, wie der Riegel zurück geschoben wurde. Sollte sein Gebet so bald schon erhört sein?
Knarrend öffnete sich die eisenbeschlagene Pforte, eine dicht verschleierte Dame trat über die Schwelle und im nächsten Augenblicke lag Hella schluchzend an seinem Halse. Stürmisch wild preßte er sie an sew Herz, bedeckte ihr Antlitz mit Küssen und nannte sie mit tausend zärtlichen Namen. _ .
„Wer hätte das gedacht, Geliebte!" rief er endlich schmerzvoll aus, nachdem die leidenschaftlichen Freuden- ausbrüche der Erinnerung an die trostlose Gegenwar Platz gemacht hatten, „wer hätte je gedacht, daß wir p uns Wiedersehen würden!" „. «
„Harre aus, Theurer, in dieser schweren Prüfung, entgegnete Hella ermuthigend, „noch ist nickt aller 4ag Abend gekommen, und glaube fest, ich werde nur I Dich handeln und leben. Meine Zuversicht, ist u schütterlich felsenfest und was auch immer S^^L, * kommen mag, vertraue auch Du mir und unserem Mu» -