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SchWemerMmg

Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen des Kreises Schlüchtern.

Erscheint Mittwochs und Samstags. - Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

^82.

Mittwoch, den 17. October.

1888.

Amtlicher Theil.

Nr. 6165. Es wird hiermit zur öffentlichen Kennt­niß gebracht, daß an Stelle des Königlichen Landraths Roth hier auf Grund des § 26 der Verordnung vom 30. Mai 1849 über die Ausführung der Wahl der Abgeordneten für die zweite Kammer der Königliche Regierungsassessor Schulze-Pelkum zu Cassel zum Wahl­kommissar für den XIII. Wahlbezirk (bestehend aus den Kreisen Schlüchtern und Gelnhausen) ernannt worden ist. Schlüchtern, den 13. October 1888.

Der Königliche Landrath:

I. V.: Berta.

Nr. 6137. Bewerber um die mit dem 1. November d. Js. vacant werdende 2. evangelische Lehrerstelle zu Oberzell, mit welcher neben freier Wohnung und Feuerung ein jährliches Einkommen von 750 Mark verbunden ist, werden hiermit aufgefordert, ihre mit den vorgeschriebenen Zeugnissen versehenen Meldungsgesuche binnen 14 Tagen an den Königlichen Lokalschulinspector Herrn Pfarrer Adam zu Oberzell oder an den Unter­zeichneten einzureichen.

Schlüchtern, den 8. October 1888.

Der Königliche Schulvorstand.

J. B-:

Der Kreis-Deputirte: Berta.

Die Zukunft der nationalliberalen Parthei.

Im Juni 1886 fand in dem Saale des Palais Restaurant zu Cassel eine Versammlung der National- liberalen des Regierungsbezirks Cassel statt, in welcher Miquel eine seiner großen geistvollen Programmreden hielt. Derselben wohnten auch mehrere couservative Abgeordnete des Provinziallandtags bei. Miquel sprach über die Nothwendigkeit des Ausgleichs zwischen Staat und Rom und rechtfertigte in glänzender Weise seine mehrfach angefochtene. Abstimmung im Herrenhause über die bekannte Versöhnungsnovelle. Seine Rede erntete den allgemeinen Beifall der Versammlung und die be­sondere Anerkennung der anwesenden Conservativen. Zum Dank für dieselbe brächte Professor Eneccerus ein Hoch auf Miquel und auf die Zukunft der national­liberalen Parthei aus. Einer der anwesenden Conser- vativen, welcher Bedenken trug, diesem Toaste in seinem letzteren allgemeinen Inhalt beizupflichten, wandte sich an Miquel mit den Worten:Gestatten Sie einem alten Conservativen auf Ihr p ersö nli ch e s Wohl mit Ihnen anzustoßen!" Miquel reichte dem Conservativen dankend die Hand und stieß an mit den Worten:Wo sind die Zeiten geblieben, wo wir uns als Feindegcgenüberstanden,woConscrvative und Nationalliberale als unversöhnliche Gegner erschienen!"

Das prophetische Miquelsche Wort hat bis heute den Einsender dieser Zeilen nicht verlassen. Damals wohl von Vielen noch bestritten, von den Meisten nicht ver­standen, haben 2 Jahre weiterer deutscher und preußischer Geschichte genügt, seine Wahrheit auch dem blödesten Auge zu enthüllen. Ja in Wahrheit, aus den Feinden sind Freunde aus den Gegnern Bundesgenossen ge­worden, der frühere Unterschied zwischen dUationalliberal und Conservativ ist fast bis zur Unkenntlichkeit ver- ichwunden. Die Hauptziele der großen nationalen Partheien sind heut dieselben und selbst in den Wegen, sie zu erreichen, lassen sich kaum noch wesentliche Ab­weichungen feststellen. Wer die letzten Wahlprogramme derselben mit einander vergleicht, wird wahrhaft verblüfft fein von ihrer inneren Uebereinstimmung und abgesehen von Einzelfragen den verschiedenen Pcogramm- lützen fast blind seine Zustimmung geben können, welcher Parthei er bisher auch angehörte.

Noch größer wie in den Programmen ist die Ueber­einstimmung aber im Volke selbst und es würde oft sehr schwer halten, wenn die politische Tradition nicht ihre Nachwirkungen übte, im einzelnen Fall festzustellen, wer ^e»t nationalliberal, wer conservativ ist. Ueberall haben stch die Gegensätze abgeschwächt und wo früher ver­schiedene Prinzipien sich gegenüberstanden, handelt es stch heut nur um landsmannschaftliche Schattirungen "chlbcn Grundgedankens/ der sich in den verschieden

gestalteten socialen Gliederungen der einzelnen Pro­vinzen und Landestheile Deutschlands verschieden reflectirt.

So wird der ständisch aristokratisch gegliederte Osten den GedankenFreiheit und Fortschritt" stets in einer anderen Färbung reproduziren und auszugestalten suchen, wie der industrielle Westen Deutschlands mit seiner hochgebildeten vielfach weltmännisch geschulten Bourgeoisie, und beide wieder anders als die mehr kleinstaatlich bürgerlich - bäuerlich organisirten Bevölkerungen der deutschen Mittelstaaten Thüringen, Oldenburg rc. Alle aber werden von demselben Grundgedanken bewegt: Vaterland, K a i se r, Freiheit und Fortschritt! Die Unterschiede in dem politischen Denken und Fühlen der Bevölkerung sind nicht mehr prinzipieller Natur, es sind eigentlich nur noch landschaftliche Schattirungen eines und desselben Gedanken. Mit anderen Worten: Was der Conservatismus im Osten, das ist der National- liberalismus im Westen. Derselbe staatserhaltende Ge­danke, der sich im Osten als Conservatismus ausgestaltet, gewinnt im Westen und Süden von Deutschland als Nationalliberalismus Gestalt und Form, da zwischen die zahlreichen Uebergangsschattirungen von Freiconser- vativ, Reichsparthei rc.

Hat es dann aber überhaupt einen Sinn, daß sich Nationalliberale und Couservative aus alter schlechter Anwöhnung noch heute häufig als Gegner betrachten und zu bekämpfen suchen? gewiß nicht! Es ist nicht bloß ein politischer Fehler, sondern ein Vergehen gegen die gemeinsame Sache, der alle dienen, gegen das eine große herrliche Vaterland, die alma mater Deutschland, der unser letzter Blutstropfen geweiht ist. Wie lange soll dieses thörichte verhängnißvolle Gebühren sich noch wiederholen. Ist es denn absolut nöthig, daß zwei Brüder derselben Familie, zwei Söhne derselben Mutter, welche durch gleiche Liebe und gleichen Haß, durch gleiche Ueberzeugung und gleiches Interesse mit einander unauflöslich verbunden sind, sich endlos be­fehden, bloß weil der eine von Natur mehr idealistisch, der andere mehr realistisch angelegt war! Nie und nimmermehr! Es ist die höchste Zeit, daß dies unsinnige brudermörderische Beginnen sein Ende findet!

Möge immerhin was sich bisher nationalliberal nannte, auch in Zukunft der Autorität so bewährter Führer wie von Bennigsen und Miquel folgen; möge andererseits der Conservatismus sich wie bisher um seine eigenen Führer schaaren Sache der Führer wird es sein, ohne Engherzigkeit und Vorurtheil das Licht der Ver­ständigung und Versöhnung ihrer noch im Banne einer überwundenen Zeit lebenden Parteigenossen zu tragen.

Wem verdanken wir es aber, daß die Sonne endlich anfängt, die künstlichen Nebel des kleinen beschränkten Partheifanatismus zu durchleuchten? Wem gebührt das Verdienst, die früheren Gegensätze versöhnt, die Parthei- Unterschiede ausgeglichen und die künftige Einheit des politischen Denkens, Wollens undHandelns in den großen Nationalen Partheien angebahnt zu haben? Sind die Nationalliberalen den Conservativen mehr entgegen ge­kommen? oder haben die Conservativen die Prinzipien ihrer früheren nationalliberalenGegnerallmählich adoptirt? Unnützer Streit dies entscheiden zu wollen. Beide sind durch die große Zeit größer geworden, beide sind gewachsen zu Füßen des gemeinsamen großen Lehrmeisters aller Politik, des Fürsten Bismarck. Freuen wir uns vielmehr der Thatsache und danken wir laut, daß der Nationalliberalismus in der Schule ernster politischer Arbeit seinen früheren allzu jugendlichen überschäumenden Idealismus an den R-alitäcen des Lebens auszureifen verstanden hat und ebenso, daß es dem Conservatismus gelungen ist, endlich die Schranken zu durchbrechen, welche die dunklen Zeiten seiner Geburtsstunde seiner Entwickelung gesetzt hatten. Beide haben sich verändert, aber der Couservative mehr als der Nationalliberale denn der W.'g von Stohl und Wagener zu dem heutigen Deutsch-Conservativen ist unendlich weiter wie der Weg von dem Bennigsen und Miquel de 1859 zu dem heutigen Oberpräsidenten von Hannover.

Ein Umstand war es, der die äußere und innere Verschmelzung des Nationalliberalismus und Conser- vatismus bisher verlangsamt hat. Das ist die That­sache, daß der Nationalliberalismus vielleicht nicht theo­retisch, aberjedenjalls thatsächlich die kirchliches

Frage von der politischen nicht zu trennen wußte. Derselbe repräsentirte nicht allein die politisch-libe­rale Richtung des gebildeten Bürgerthums, sondern auch die kirchlich und rel ig iös-liberale Anschauung dieser Kreise. Unseres Erachtens mit Unrecht. Eine politische Parthei kann nicht gleichzeitig eine kirch­liche Parthei sein, sonst gelangt sie unaufhaltsam dahin wie das Centrum zu einer rein kirchlichen Parthei zu werden, weil der religiöse Gedanke mächtiger im Menschenherzen ist als der politische. Der Conserva­tismus hat diese Klippe besser vermieden und aus diesem Umstand den besten Theil seiner Kcäfte gezogen. In der deutsch-conservativen Parthei finden wir Männer aller religiösen Richtungen nebeneinander, Orthodoxe, Lutheraner neben enragirten Unionisten, streng-gläubige Christen neben Anhängern der kirchlich-freisten Anschau­ungen, Katholiken neben Protestanten rc. Wer hätte aber jemals einen strenggläubigen Lutheraner auf den Bänken des Nationalliberalismus gefunden? Die kirch­liche Rechtgläubigkeit fand bisher keine Stätte im Natio­nalliberalismus, da dieser ob mit Recht oder Unrecht, bleibe unentschieden thatsächlich als der correcte Aus­druck des kirchlichen und religiösen Freisinns galt. Dieser Umstand hat demselben alle Männer der streng­kirchlichen Richtung entzogen, hat die evangelische Geist­lichkeit in das Lager des Conservatismus gedrängt und was das schlimmste für den National­liberalismus war eine f a st unüber­st e i g l i ch e Schranke zwischen National­liberalismus und Katholiken gezogen. Ich frage einfach: Soll das ewig dauern? Will sich der Nationalliberalismus für immer den 18 Millionen deutscher Katholiken verschließen?

So lange derselbe dabei beharrt, seine Parthei mit der kirchlich-religiösen Freisinnigkeit thatsächlich zu iden- tifiziren, wird derselbe davon abstehen müssen, die politische Führung des deutschen Volkes zu übernehmen. Erst wenn thatsächlich die kirchliche und religiöse Ueberzeugung für die nationalliberale Parthei keine Fractionssache mehr ist, wie der Freihandel aufgehört hat, eine solche zu sein, erst dann ist die Zeit gekommen, wo National und Conservativ Synonima sein werden, wo beide Partheien nur noch Unterfractionen der großen nationalen Majorität sein werden, welche die Geschicke unseres Vaterlandes sicher und unentwegt weiter zu lenken vermag.

Hier Herr Miquel schließt ihreAufgabe für dieZukunft: Machen Sie den Nationalliberalismus genießbar auch für den kirchlich Strenggläubigen! Solange das nicht gelöst werden Hunderttausende der Besten unseres Volkes sich darauf beschränken müssen zu sagen:

Wir achten die Nationalliberalen, aber wir können i h n en nicht a n g e h ö r e n !

Deutsches Reich.

Berlin. Durch zahlreiche Blätter lief kürzlich die nachstehende Meldung:Das jetzigeHonneur" der Schildwachen vor Offizieren wird nach Einführung des neuen Reglements nicht mehr erwiesen werden, da der GriffAnfassen" völlig in Wegfall kommt. Die Posten stehen fortan vor Offizieren vom Hauptmann abwärts mitGewehr über" still, während sie vor Stabsoffizieren nach wie vor präsentiren. An den Wachen selbst wird ebenfalls mitGewehr über" rangirt uud diesHonneur" auch geschlossenen, unter Führung von Offizieren vor- beimarschirenden Abtheilungen erwiesen werden. Im klebrigen bleiben die militärischen Ehrenbezeugungen unverändert." Wie nun jetzt von unterrichteter Seite mitgetheilt wird, sind sämmliche Ausführungen durchaus unzutreffend. Das Prinzip des neuen Reglements: Herbeiführung größerer Einfachheit kommt auch bei den Ehrenbezeigungen zur Geltung. In Zukunft wird dem jüngsten Lieutenant dasselbeHonneur" vom Wacht­posten erwiesen werden, wie dem Kaiser selbst, nämlich es wird präsentirt. Damit fällt für den Posten auch die anerkannte Schwierigkeit weg, die so manchem zu Arrest verholfen hat, daß er Stabsoffiziere von Haupt­leuten rc., wenn sie den Mantel anhaben, noch unter­scheiden soll, obwohl kein Merkmal dazu vorhanden ist. Daß die Wache nicht mitGewehr über" rangirt wird, bedarf wohl kaum einer Widerlegung. Das neue