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Ich danke Ihnen," entgegnete Hella artig.Abge­sehen von den Nachempfindungen des Schreckens be­finde ich mich ganz wohl."

Diese Worte beruhigen mich völlig. Darf ich Sie bitten, auszusitzen?"

Hella folgte der Weisung Reinholds, der ihr die Zügel des Zelters übergab.

In diesem Augenblicke lief ein gräflicher Diener, mit Staub und Schmutz bedeckt, des Weges daher. Als er Hella und den Hauslehrer bemerkte, stutzte er und wollte eiligst zurückfliehen. Allein Hella befahl ihm, Rede zu stehen und forschte nach dem Grunde seines seltsamen Benehmens.

Verzeihung," stammelte der Diener verwirrt.Vor einer Stunde verließ ich eigenmächtig meinen Posten, als ich die traurige Nachricht erhielt, daß meiner Schwester Gatte, ein ehrlicher Bergmann, der seine starke Familie durch seiner Hände Arbeit ernährte, im Innern des Bergwerks verschüttet sei. Die Noth der Meinen ließ mich augenblicklich meine Pflicht vergessen, ich eilte zur Unglücksstätte, um retten zu helfen. Die unglückliche Schwester war zur Stelle, als man ihren Gemahl mit gebrochenem Arme und Beine vor Schmerz wimmernd, aus Tageslicht beförderte. Man schleppte ihn in's Spital, ich aber eilte, da ich ja nicht helfen konnte von bannen, um nicht länger Zeuge des namen­losen Jammers zu sein."

Fortsetzung folgt.

Vermischtes.

Als Professor Stahl 1848 sagte, die Wissenschaft muß umkehren, hatte er nicht einmal seine Äffenabstam- mung von Darwin nachgewiesen erhalten, halte nichts von Morse's Schreibtelegraph, noch viel weniger von Edisons Phonograph erlebt, hatte nichts von Pasteurs Jmpfungsvorschlägen gegen Schwindsucht, Hundswuth, Pest und Liebeswuth, Pocken und Schwiegermütter ver­nommen, hatte nichts von Kochs Cholera-Bakterien und Boulanger'scher Revanche-Manie erfahren! Was würde er sagen, wenn er die stets weitergehenden Forschungen der Wissenschaft letzter Tage erlebt aber glücklicher Weise ist der gute Mann längst todt und kann höchstens noch im Grabe mit der Wissenschaft Umkehr halten. Im internationalen Congreß der Aerzte und Natur­forscher, welcher in Paris abgehalten wurde, ist besonders gegen den Kuß gedonnert worden, der Kuß als der schädlichste Träger von Krankheit und Vernichtung der Menschheit verdammt worden! Der Kuß als Ver- nichter der Menschheit! Jm Gegentheil! Die Herren Gelehrten sollten doch wissen, daß gerade im entgegengesetzten Sinne der Kuß eine Rolle spielt! Mit allen ihren Analysen gegen den Kuß werden die Anna Lisen noch immer geküßt werden. Den Kuß verdammen und das in Paris!! Die Doctoren müssen noch älter als Methusalem sein, daß sie nichts mehr vom Küssen wissen wollen. Wird da nicht die Menschheit in einen Rachechor ausbrechen und schreien:Die

Wissenschaft muß umkehren!" Die Judasküsse, die! Küsse scheinheiliger Brüder und Schwestern mögen auf­hören, aber die andern Küsse nicht,Küsse in Ehren" sollen diese schrecklich gelehrten Mediziner nicht wehren! Lieber kaun Pasteur noch ein Anti-Kußgift einimpfen. Vorläufig wollen wirs noch mit unserm großen Schiller halten:

Seid umschlungen Millionen, Diesen Kuß der ganzen Welt!"

Eine ergötzliche Geschichte wird aus einem Kanton der Schweiz berichtet. Der Schulinspektor entdeckt, daß das Schloß an der Karzerthüre fehlt. Er erstattet sofort bei der Erziehungsdirektion entrüstet Anzeige. Die Erziehungsdirektion macht Mittheilung an die Baudirektion, die Baudirektion an das Bau-Jnspektorat. Das Bau- Jnspektorat untersucht den Thatbestand und findet das Schloß an seinem Platze und die Sache ganz in Ordnung. Das Schloß war nämlich einer Reparatur wegen weg­genommen und andern -Tags wieder befestigt worden. Das Bau-Jnspektorat macht alsbald von diesem Sach- befunde der Baudirektion, und diese der Erziehungs­direktion Mittheilung, von wo die beruhigende Erklärung an den Schul-Jnspektor gelangt, daß das Karzer-Thür- schloß wieder an seinem Orte sei. Schließlich schreibt der Schul-Jnspektor in seinem Bericht an den betreffenden Lehrer, es habe unangenehm berührt, daß s. Z. das Schloß an der Karzerthüre gefehlt habe. Das amtliche Schulblatt endigt diesen getreuen Bericht mit den höflichen Worten:Sollte irgend eine Instanz vergessen worden sein, so bitten wir um Entschuldigung, indem es nicht in unserer Absicht lag, jemand durch Uebergehung wissentlich oder unwissentlich" zu beleidigen."

Vorsicht beim Ausgeben von Visitenkarten. Daß man mit dem Spenden von Visitenkarten immerhin vorsichtig sein soll, beweist nachfolgender Fall, der sich nach denFr. N." in Frankfurt ereignete: Ein junger Italiener, der hier stets mit Söhnen sog.besserer" Familien verkehrte, schwindelte auf deren Visitenkarten und Namen nicht blos Juwelen und Goldsachen, sondern auch Weine und Zigarren aus. Auch einen Wechsel über 1900 Mark brächte er auf solche Weise an den Mann; hierauf hielt er es aber, nachdem er noch Schneider und Schuster geprellt hatte, an der Zeit, von hier zu verschwinden.

Boshaft. Ein bekannter Weinhändler giebt vielfach Erzählungen aus dem letzten Kriege zum besten, die er bei Besuchen von Militärpersonen, wenn diese bei einer Flasche Wein sich gegenseitig ihre Kriegser­lebnisse erzählten, gehört und sich ins Gedächtniß ein­geprägt hat. Einer seiner neuen Gäste fragt ihn daher Sind Sie denn mit im Felde gewesen?" Ehe der Befragte noch zu Antwort kommen kann, erwiedert ein alter Gast:Das nicht; aber bei ihm geht es doch immer recht kriegerisch zu. Er selbst hat einen Schuß, seine Gäste haben gewöhnlich einen Hieb und seine Weine einen St i ch".

Gründliche Kur. A: ^,Herr Doktor, bitte helfen Sie mir doch, sobald ich auf meine linke Schulter fasse, thut es mir furchtbar weh." Doktor:Thut es auch weh, wenn Sie nicht hingreifen? A.:Nein, nicht im geringsten." Doktor:Na, denn greifen Sie doch nicht hin."

Verhindert.Millern, Millern!" (Aus dem Fenster:)Was denn?"Kummen Se Heike mit betteln? Nee, Heike kann ich nich fort."Worum denn nich?" Meine Amalie hat heite Tanzstunde."

Rücksichtsvoll.Wie, schon drei Uhr- Morgens und Du kommst jetzt erst nach Haus?" Ja, weißt' liebes Weiber'l, ich hab' Dich im ersten Schlaf nicht stören wollen."

(Au s der guten alten Zeit.) Fremder: Hören Sie, mein Lieber, hier in der Stadt ist ja keine einzige Droschke zu sehen?" Nee, heute giebt's hier keine. Die Bürgercavallerie hat Parade.

Fürchte die Zwietracht," sagte der Schusterlehrling, da hatte er zwei Trachten Prügeln erhalten, eine vom Meister, eine vom Gesellen.

Für die Errichtung eines Denkmals für Kaiser Friedrich bei Wörth gingen ferner bei uns ein:

Von Herrn Herm. Reis in

Schlüchtern 2 Mark.

Weitere Beiträge nimmt entgegen

Die Expedition.

Ansz eichnung!

Die seit ihrem mehr als 40jährigen Bestehen auf fast allen Welt-Ausstellungen preisgekrönte Firma H. U n d er­be rg-Albrecht in Rheinberg amNiederrhein hat für den von ihr erfundenen und allein echt fabrizirten Boonekamp of Maag-Bitter

zwei neue Auszeichnungen und zwar auf der Interna­tionalen Jubiläums-Ausstellung in Adelaide die

Verdien st- Medaille er st er Klasse nnd auf dem Großen Internationalen Wettstreit zu Brüssel 1888 die

Goldene Medaille als höchste Auszeichnungen erhalten.

Witterungsbericht.

Das Wetter wird in den nächsten 23 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird etwas zunchmen; der Himmel wird meist bedeckt sein; es werden zunächst noch ziemlich starke Süd- bis West­winde vorherrschen, wahrscheinlich wird aber der Wind nach Nord drehen, und dann würde sich das Wetter etwas aufhellen! auch die Niederschläge werden nach­lassen, möglich ganz aufhören.

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.

Sonntag, den 14. October 1888:

Morgengottesdienst: Herr Pfarrer Hartmann.

Nachmittagsgottesdienst: HerrPfarrcr H a r t m a n n-Elm.

Wochendienst in der Stadt: Herr Superintendent Heck.

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