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Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen des Kreises Schlüchtern.
Erscheint Mittwochs und samstags Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
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Amtlicher Theil.
Nr. 6161. Den nach meinen Bekanntmachungen voll! 19. Sept. und 8. Detober d. J. —^Schlüchterner Zeitung Nr. 76 uuD 80 — zu Waylvorstehern für die Wahl der Wahlmänner ernannten Herrn Bürgermeistern werden in diesen Tagen die auf Grund der Urwähler- listen für die Urwahlbezirke ausgestellten Abtheilungslisten zur öffentlichen Auslegung gemäß §^ 4 und 10 des Reglements vom 4. September 1882 — Amtsblatt Seite 218 — zugehen. Die Abtheilungsliste ist nach Eingang in dem Geschäftslokale des zum Wahlvorsteher ernannten Bürgermeisters während dreier Lage und zwar am 17., 18. und 1». d. Mts. zu Jedermanns Einsicht öffentlich auszulegen.
Die Herren Bürgermeister der zu den Urwahlbezirken gehörenden Gemeinden haben in ortsüblicher Weise sofort, jedenfalls vor dem 17. o. Mts. zu veröffentlichen, daß die Abtheilungsliste während der oben bezeichneten Zeit zur Einsicht aufgelegt ist, und hierbei zugleich das Lorat, in welchem die AbtheilUngsliste ausliegt, zu bezeichnen, auch dein Wahlvorsteher ungesäumt eine Bescheinigung hierüber zuzusenden.
Die Herren Wahlvorsteher werden darauf aufmerksam gemacht, daß über Reclamationen gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Abtheilungslisten in den Städten die Gemeinde-Verwaltungsbehörde und in den Landgemeinden Unterzeichneter Entscheidung zu treffen haben. Die Herren Wahlvorster in den Stadtgemeinden haben deshalb die Verhandlungen neust der Entscheidung der AbtheilUngsliste beizufügen, während die Herren Wahl- vorsteher der Landgemeinden die Reklamationen mir zur Entscheidung vorzulegen haben.
Die Bescheinigung der für die Städte aufgestellten Abtheilungslisten über die öffentliche Auslegung derselben — K 4 und 10 des Reglements — ist von der Ge- meindeverwaltuugsbehörde zu bewirken, während die Bescheinigung der übrigen Abtheilungslisten durch mich erfolgt.
Nach Ablauf der Osf-ulegungsfrist, also am 20. d. Mts. sind mir die Avthesiungslisten nebst den oben bezeichneten Bescheinigungen über die Veröffentlichung des Sennin» für die Auslegung der Abtheilungslipen, sowie die in den Landgemeinden etwa erhobenen Reklamationen ungesäumt einzusenden. Abtheilungslisten nebst den dazu gehörenden Schriftfkückm, welche am 22. b. Mts. Hier nicht vorliegen sollten, werden durch einen Warteboten -aus Kosten des Wahlvorstehers aog holl werden. Auch die Abtheilungslisten aus den Städten sind mir bis zu diesem Termine zur Einsicht vorzulegen.
Schlüchtern, den 11. Octoder 1888.
Der Königliche Landrath: I. V.: Berta.
Deutsches Reich.
Berlin. Wie „unser Fritz» einst auf Wohnungssuche ging, darüber lesen wir in einer bei Dunker und Hum- Mot soeben erschienenen Schrift „Kaiser Friedrich als Freund des Volkes" eine allerliebste, aus einem Sieben« bürgischen Blaue entnommene Anekdote. „In den siebziger Jahren," so lautet die naive Erzählung, „als Berlin auf einmal eine yJMionenftabt wurde, war eine große Wohnungsnoth. Da hörte Kaiser Wilhelm, wie es so schwer hatte, eine Wohnung zu bekommen, namentlich tö^m ein Hausvater wenig Geld und viel Kinder hätte; die Hausbesitzer wären sehr grob, wüßten gar nicht, ivas sie fordern sollten, und seien gegen die Miethslculc »och unverschämt dazu. „Wenn ich nur wüßte, was s davon wahr ist," sagte der alte Kaiser. Der damalige [ Kronprinz aber sagte nichts, sondern zog einen schlichten , bürgerlichen Rock an und ging hin, las, wo eine Wohnung ausgeschrieben war, ging hinein und fragte dies und das, als wollte er selber eine Wohnung miethen für hch und seine Familie. Da betam er mancherlei zu ichen und zu hören, was ein Prinz nicht all: Lag: sieht und hört. Z.i Yi kam er in eine Wohnung zu ebener Erve. Du stand ein dicker Rentner mit feistem Bäachlein und rothem Gesicht, dem sah man's an, daß kr keine Karren zu schieben hatte, und sein Gesicht hatte krauch nicht vom trockenen Brotessen und Wassertrinken. As wollen Sie?" fuhr er den Kronprinzen an, und
Samstag, den 13. Oktober.
behielt das seidene Käpplein auf, obgleich der Kronprinz seinen Hut höflich abnahm und ihn bescheiden in der Hand trug. „Was wollen Sie?" —- „Nur die Wohnung ansehen, die Sie zu vermietheu haben.» —- „Unter 1000 Thalern wird nichts draus, sagte der Hausdrache barsch, „wenn Sie nicht soviel ausgeben wollen, so brauchen Sie garnichts anzusehen." — „Nun, nun, man kann's ja mal probiren." Mißtrauisch machte der Dicke die Thüre aus. „Aber das ist nicht einmal frisch tavezirt und soll tausend Thaler kosten?" — „Keinen Pfennig weniger! Wenn's Ihnen nicht gut ist, so packen Sie sich!" — „Und nur fünf Zimmer? Wo soll ich denn da mit meinen sechs Kindern unterkommen?" — „Wa — was? auch noch Kinder und gleich ein halbes Dutzend auf einmal? Das ist ja unverschämt von Ihnen, gleich hinaus aus meinem Haus!" — „Aber lieber Mann!» — „Hinaus, sage ich, oder ich rufe die Polizei, da draußen steht ein Posten!" — „Na na, nur ein Bischen gemach!" — „Was, gemach! So, er will nicht gleich? — Schutzmann, kommen Sie einmal herein und verhaften Sie mir den Menschen da wegen Hausfriedensbruch!" Der Schutzmann kommt herein, guckt den zu Verhaftenden an, legt die Hand an den Helm und stottert: „Königliche Hoheit!" Jetzt sperrte der Rentner Mund und Augen auf, starrte den Fremden au und meinte, in die Erde versinken zu müssen; fast hätte ihn der Schlag gerührt. Er konnte nicht einmal eine Entschuldigung stammeln und brächte kaum seine Mütze herunter, die er noch immer auf dem Kopfe hatte. Der Kronprinz aber lächelte ihn spöttisch an und dachte: „Du wirst künftig auch höflicher gegen Deine Miether sein» — ging nach Hause und erzählte seinem Vater, dem Kaiser, was er erlebt hatte.
Primkenau, 9. Oktober. Leutseligkeit der Kaiserin. In hiesigen Kreisen cirkulirt ein hübsches Geschichtchen, das die Leutseligkeit der Kaiserin in ein helles Licht setzt. Die hohe Frau promenirte vor einigen Tagen im Herzoglichen Parke und gelangte bei dem Ipaziergange zu einigen im Park arbeitenden Garten- frauen. Sie erkundigte sich bei diesen nach dem Be- sinden einer ihr schon von früher her bekannten Arbeiterin. Zufällig erschien dieselbe gleich daraus und gab ihrer Bewunderung über.das Aussehen der hohen Frau mit den Worten Ausdruck: „Nee, Froo Kaisern, sind Sie aber d i ck geworden!" Die Kaiserin lachte gar herzlich über diese Naivetät und versprach, diese Worte dem Kaiser, ihrem Gemahl, mittheilen zu wollen.
Ncumünstcr, 4. Okt. Auf der Strecke zwischen Neu- münfter und Kiel. beim Dorfe Voorde, fand gestern ein entsetzlicher Selbstmord statt. Ein Mann stellte sich beim Heranbrausen des Schnellzuges mitten auf das Schienengleis, und als der Zugführer seine Pfeife ertönen ließ, legte sich der Mann mit dem Hals auf die eine Schiene und ließ sich überfayren, worauf sein sofortiger Tod erfolgte. An ein Halten des Schnellzuges war nicht mehr zu denken.
Minden, 8. Oktober. (Eine Gattenmörderin.) Heute wurde hierselbst eine Frau aus dem Nachbar-! Dorfe Barkhausen gefänglich eingebracht, welche eingestandenermaßen vor längerer Zeit ihren trunkenen Ehemann, den man todt beim Hause gefunden, mit dem Strick erwürgt hat.
Tergcs-Ereitpnssc.
Schlüchtern. Diejenigen Ersatz-Reservisten, welche im Jahre 1883 der Ersatz-Reserve 1. Klasse überwiesen worden sind und nicht geübt haben, sind daran zu erinnern, daß sie ihre Ersatz-Reservepässe nunmehr unverzüglich an ihre Bezirksfeldwebel behnfs Ueber« führung zumLandsturm erstenAufgebots einzureichen haben.
— (ReiDgerichtseutscheidung vom 9. April d. I.) Das Plaudern in der Kirche beim Gottesdienst ist als Störung des Gottesdienstes zu bestrasen, auch wenn der Geistliche dadurch nicht unterbrochen wird. Jeder bewußt Mitwirkende ist strafbar.
— Unsere verehrten Leser machen wir auf die Beilage zu unserer heutigen Nummer, betr. Boonekamp o 's Maag - Bitter, bekannt unter der Devise: „Occidit qui non servat" von dem Erfinder und alleinigen Destillateur H. Un d erbe rg- A lbr e ch t in Rhein- berg am Niederrhein ganz besonders aufmerksam.,
1888.
Fulda, 9. Oct. Zwischen Bauern von Eiters und beim Milseburg-Tunnel beschäftigten Arbeitern kam es letzten Samstag Nachts im Wirthshaus zu Elters zu einer argen Rauferei, wobei die meisten Betheiligten Hieb- oder Stichwunden davontrugen. Fast alle Fensterscheiben des Lokals wurden zerschlagen, das Inventar demolirt und mehr als 60 Biergläser, welche als Wurfgeschosse dienten, zerstört. Der Bürgermeister von Eiters, welcher die Ruhe und Ordnung pflichtgemäß wieder herstellen wollte und sich zu Diesem Zwecke unter die Wüthenden mischte, erhielt dabei solch gefährliche Verletzungen, daß sein Zustand das Schlimmste befürchten läßt. Noch in Derselben Nacht wurde für die zahlreich Verwundeten der Arzt aus Hofbieber gerufen und die Gensdarmerie requirirt, welche die Streitenden zerstreute und den Thatbestand feststellte.
. Hanau, 8. Octbr. Wie Die „H. Ztg." hört, wird demnächst von einem liberalen Komitee mit Unterstützung der freisinnigen und der demokratischen Partei unser Reichsabgeordneter, Herr Joh. Heinrich Nickel, auch für die Wahl zum Abgeordnetenhause unserer Bewohnerschaft in Stadt und Land in Vorschlag gebracht. Die vereinigten Parteien der Konservativen und Nationalliberalen wollen wieder unsern seitherigen Landtags- Abgeordneten Herrn Kommerzienrath Zimmermann aufstellen.
Kassel, 10. Octbr. Zu Wah lkommissarien bei der bevorstehenden Abgeordnetenwahl sind im Regiernngs- bezirk Kassel bestimmt worden: für den ersten Wahlbezirk (Kreis Rinteln) Landrath Krüger zu Rinteln, für den zweiten Wahlbezirk (Kreise Hofgeismar und Wolsenhagen) Landrath Beckyaus zu Hofgeismar, für den dritten Wahlbezirk (Stadtkreis Kassel) Oberbürgermeister Weise, für den vierten Wahlbezirk (Landkreis Kassel und Kreis Witzenhausen)Landrath v. Schenk zu Witzenhausen, für den fünften Wahlbezirk (Kreise Eschwege und Schmäh' kalben) Landrath Flieduer zu Schmalkalden, für den sechsten Wahtbezirl (Kreise. Rotenburg und Hersfeld,) Landrath Freiherr v. Schleinitz zu Hersfeld, für den 7. Wahlbezirk (Kreise Melsungen und Fritzlar) Landrath v. Eschwege zu Fritzlar, für den achten Wahlbezirk (Kreise Homberg und Ziegenhain) Landrath v. Schwertzell zn Ziegenhain, für den neunten Wahlbezirk (Kreise Kirchhain und Frankenberg) Landrath Freiherr Schenk zu Schweinsberg zu Kirchhain, für den zehnten Wahlbezirk (Kreis Marburg) Landrath Dr. Wentzel zu Marburg, für den elften Wahlbezirk (Kreise Hünfeld und Gersfeld) Landrath von Wegnern zu Hünfeld, für den zwölften Wahlbezirk (Kreis Fulda) Landrath v. Trott zu Fulda, für den dreizehnten Wahlbezirk (Kreise Gelnhausen und Schlüchtern) Landrath Roth zu Schlüchtern, für den vierzehnten Wahlbezirk (Stadt- und Landkreis Hanau) Landrath Geheimer Regierungsrath Graf v. Bismark zu Hanau.
Ausland.
Wien, 10. Oct. Laut brieflichen Nachrichten aus Mürzsteg wurde am Sonntag Dort ein junger Mann, angeblich ein Student aus Graz, verhaftet, weil er beim Gang Kaiser Wilhelms in Die Kirche ein freches Benehmen zeigte, den Kaiser zudringlich fixirte, auch den Kalabreser auf dem Kopf behielt, während alle Uebrigen Die Häupter entblößten. Der Verhaftete ist wegen Verdachts der LNajestülsbeleidigung dem Kreisgericht Leoben eingeliefert, soll jedoch, als harmlos und nicht ganz bei Sinnen, bald freigelassen werden.
Bella.
Erzählung von H. Schoene.
(Fortsetzung.)
Ueber Halla's Angesicht flog ein Schatten tiefen Mißbehagens; doch nur Reinhold hatte ihn bemerkt. Man stieg ein, von tactgcmüßcn Ruderschlägen getrieben flogen die Gondeln über Den See, und nach einer Stunde hatte man das jenseitige Ufer erreicht. Nachdem sämmtliche Gäste den Gondeln entstiegen waren, gingen sie auf eine Eremitage zu, Die in wunderschöner Lage auf einer Anhöhe erbaut war. Hier wollte man das Souper einnehmen und Den Abend mit Belustigungen