Zeugen die beispiellose Nohheit des Angeklagten bei dem in Rede stehenden Delict festgestellt wurde, sah sich das Schöffengericht veranlaßt, von einer Geldstrafe überhaupt abzuschen und Derart!)eilte denselben zu sechs Wochen Gefängniß. Der Mann kann auch sagen, daß er mit seinem Widersprucherheben in dieser Sache aus dem Regen unter die Traufe gekommen ist. (W. Z.)
Die Preffe.
Die Presse ist ein Proteus, der in 1000 Gestalten erscheint, um 10000 zu gefallen, 10000 zu necken, 10000 zu Boden zu werfen.
Die Presse ist der Elefant, der alle Sorgenlasten eines Volkes auf seinem Rücken trägt, aber auch eine Maus, welche in die verborgensten Schlupfwinkel ein- dringt und vieles benagt.
Die Presse ist ein Löwe, vor dessen Stimme große und kleine Tiere zittern, nur der denkende Mensch darf ihr ohne Furcht ins Auge sehen, sie ist aber auch gleich einer Gazelle, die von den Wünschen der Leute wie von Hunden gejagt wird.
Die Presse ist eine Nachtigall, welche Lust und Leid der Menschheit allnächtlich tönen läßt, aber auch ein Kuckuck, der täglich seinen eigenen Namen der Welt veÄündet.
Die Presse ist ein Dromedar, das viel Ballast durch die Wüste des Lebens schleppt, aber auch ein Ackergaul, der täglich dieselbe Furche zu ziehen hat.
Die Presse ist ein treuer Hofhund, der bellt, wenn das Vaterland in Gefahr ist, sie muß aber als S ch m eichet kätzchen die Krallen der Sammelpfoten einziehen, um nicht zu verwunden.
Die Presse ist eine Henne, welche immer neue Küchlein ausbrütet, aber auch ein Hahn, welcher die Morgensonne aukündigt.
Die Presse ist der Vogel Strauß, der mit raschem Fuß alle Erdtheile durchrennt, aber auch ein S p a tz, der auf allen Dächern sitzt.
Die Presse ist ein Adler, welcher über den Gewitterwolken der Ereignisse schwebt, aber auch eine Mücke, welche diejenigen sticht, welche in der Sumpfluft leben.
Die Presse ist ein Schwan, der über die Flut der Neuigkeiten dahinrauscht, aber auch ein mit Druckerschwärze gefärbter Unglücksrabe.
Die Presse ist ein Phönix, welcher täglich verbrannt wird, um täglich neu aus den Flammen hervorzugehen,
Vermischtes.
— Vor einiger Zeit waren Sardellen ganz ungewöhnlich theuer. Um so angenehmrr wird es der Hausfrau sein, durch die „Voss. Ztg." zu erfahren, daß noch in keinem Jahre die Ergebnisse des Sardellenfauges so überreiche gewesen, wie diesmal an den Küsten der Bretagne. Es sind derartige Massen gefangen worden, daß die Fischer, um ihren Fang nur los zu werden, gezwungen sind, die Sardellen als Mastfutter und Dünger mit 3 Fcs. per Kubikmeter zu verkaufen. Die sämmtlichen Fabriken des Bezirks Audierne lehnen jeden Ankauf von Sardellen auch zu den niedrigsten Preisen in Folge ihrer übergroßen Vorrüthe ab. Man erwartet in Folge dessen eine starke Preisherabsetzung.
— Der böse Trompeter. Kapellmeister Stöcker erzählt im Kreise seiner Bekannten: „Denken Sie nur meine Herren, was mir heute passirt ist: Ich dirigire in der Probe eine Ouvertüre und bemerke, daß mein erster Trompeter falsch einsetzi; ich sehe ihn scharf an, klopfe ab und beginne von vorn. An der nämlichen Stelle setzt der Mensch wieder falsch ein; ich fixire ihn zum zweitenmal, da steht der Kerl aus und sagt: „Herr Kapellmeister, wenn Sie mich noch einmal so angucken, schmeiß ich Ihnen die Trompete an den Kopf!" „Unglaublich," bemerkt einer der Zuhörer nach dieser Erzählung, „was haben Sie denn da gethan?" „Na,^ ich habe ihn eben nicht mehr angeguckt!"
— Im südlichen Rußland ist eine wahre Heirathmanie ausgebrochen. Es war dort plötzlich das Gerücht entstanden, daß alle unvcrheiratheteu Bauernmädchen zwischen 20 und 30 Jahren bei dem nächstbesten Krieg als „Sappeurs" in Thätigkeit treten müßten oder auch als „Soldatinnen" in letzter Reserve. Seitdem heirathen die entsetzten Jungfrauen in Menge, um nicht von ihrer Heimath getrennt zu werden. Kein Junggeselle ist vor mehr oder weniger direkten Anträgen sicher.
— Der Odessaer Berichterstatter der Londoner „Daily News" gibt eine Beschreibung des russischen Sträflingsschisfes Nischnei-Nowgorod, welches vor einigen Tagen mit 460 Sträflingen nach der Sträflings-Jnsel Sachalin an der Ostküste von Sibirien im Stillen Ocean abfuhr. Das Schiff ist auf 652 Verbrecher eingerichtet. Ihre mit zolldicken Eisenstangen vergitterten Käfige laufen an beiden Seiten des Zwischenverdeckes entlang, sind durchschnittlich 7 ^2 Fuß hoch und gewähren dem Insassen einen 5 Fuß breiten Spaziergang. Die gefährlichsten Sträflinge sind au eiserne Krampen gefesselt; die übrigen behalten wenigstens ihre Leibketten und Fußkugeln bei. Allen wird das Haar von vorn bis hinten halbseitig glatt abrasirt. Um allen Flucht- uud Selbstmordversuchen vorzubeugen, bleibt kein Kochgeschirr im Käfig; selbst das Trinkwasser haben die Sträflinge aus einem Gummimundstück an der Wand zu saugen. Zu bestimmten Zeiten werden sie in einen eisenumgitterten Waschzuber auf Deck geführt und abgespült; nur die gefährlichere Sorte bleibt auch baun angeschmiedet. An den Käfigen entlang läuft ein mit dem Dampfkessel in Verbindung stehendes Dampfrohr mit Schrauböffnungen in Zwischen- räumen von je 12 Fuß. Sobald eine Empörung unter den Sträflingen ausbricht, wird durch einen an diese Ocsfnungen festgeschraubten, Hitzefesten Schlauch ein heißer Strahl auf die Sträflinge abgegeben und werden sie so zur Ruhe abgebrüht, nachdem es sich herausgestellt, daß sie sich durch noch so starke kalte Wasserstrahlen nicht abkühlen lassen. Von den 460 Sträflingen an Bord des Nischnei-Nowgorod waren 160 Mörder, unter ihnen ein Verwandter des Schah von Persien, der Prinz Khanalam Mirza, der seinen Bruder in Rußland umgebracht hat. Die Mörder werden bei ihrer Ankunft in Sachalin noch mit 50 bis 125 Knotenhieben bedacht. Zur Todesstrafe werden sie selten verurtheilt, indessen würden die meisten Sträflinge den Tod ihrer Pein auf der Insel bei Weitem verziehen. Daher die verzweifelten Versuche, die sie während der Fahrt machen, um sich selbst das Leben zu nehmen.
— Bestrafte Götter. Aus Fuchu wird ein eigenthümlicher Fall von der Bestrafung der Götter gemeldet. Es hatte sich eine Anzahl Leute au die Götzenbilder eines gewissen Tempels gewandt, um Rache an ihren Feinden zu nehmen. Die Götzen sollten den Todt dieser Feinde veranlassen. Nun starb der tartarische Befehlshaber des Militärs plötzlich und die Einwohner fingen an zu glauben, daß die Götter diesen gelobtet hätten. Daraufhin gab der Vizekönig der Provinz den Befehl, die Götzenbilder zu verhaften und zu bestrafen. Der Präfekt begab sich, mit dem Befehl des Vizekönigs bewaffnet, in den Tempel und verhaftete 15 hölzerne, 5 Fuß hohe Götzenbilder. ES wurden ihnen die Augen ausgestochen, damit sie ihren Richter nicht erkennen und an ihm später Rache nehmen könnten. Nach gründlicher Untersuchung des Falles wurde ein Bericht an den Vizekönig eingesand, welcher darauf befahl, die Götzenbilder zu köpfen und sie in einen Teich zu werfen, der Tempel aber sollte anf ewige Zeiten geschlossen werden, damit die Stadt in Zukunft Ruhe habe.
— (Verfehlte Wirkung.) Kostwirthin (mit scheelen Augen einen ihrer Kostgänger beobachtend, der sich sein Brod übermäßig dick mit Butter bestreicht): „Wissen Sie auch, was diese Butter kostet, Herr Schmidt ? 1 Mark 75 das Pfund!" — Herr Schmidt: „So? (Sich abermals ein großes Stück abschneidend.) Sie ist es aber auch werth!"
Mchruf an die Geschiedenen!
Zu Ende ist unsere Theatersaison und verlassen sind die Räume, in denen unsere Theatergesellschaft zu Nutz und Frommen Schlüchterner Theater-Freunde und Freundinnen ihre Gastspiele aufführte. Wohl mancher wird jetzt bei den schon ziemlich langen Abenden das Theater herbeiwünschen in Erinnerung an so manche genußreiche Stunde, die ihm durch die „Staunen erregenden" Aufführungen der schönsten Kunstproducte geboten wurde. Mit Wohlgefallen wird er noch der Leistungen hiesiger Kunstfreunde gedenken, namentlich jenes Dieners Franz in „Schloß am Meer", der in dieser seiner vorzüglichsten Rolle für sein geistvolles und entzückendes Spiel mit brausendem Hervorrnfen und jubelndem Beifallsgeschrei belohnt wurde. Von den eigentlichen Schauspielern wäre wenig zu sagen: Die Damen spielten durchgängig gut, nur die zeitweilig engagirte „Fräulein" Osgord (später als „Frau" Osgord sich entpuppend) that des Guten zuviel und übertrieb. Die Herren standen den Damen im Spielen nicht nach, nur hätte Herr Richard manchmal seine Rolle besser auswendig lernen dürfen. Besonders zu erwähnen wären noch die Herren Hohen- berg und Schild, die so bald einer Bühne den Rücken wandten, an der sie nicht allein mit Lob, sondern auch mit liebeschmachtenden Blicken aus manchem schönen Auge und mit trefflichen Gaben aus unbekannter zarter Hand überhäuft wurden. Ihre Thätigkeit auf dem Theater hat man nicht vermißt, da bald andere Kräfte an ihre Stelle traten, aber immerhin gab es für manche einen Anziehungspunkt weniger. Zum Schluß mag noch Director Schubert Erwähnung finden, der, wenn er mit seiner Theatertruppe später wiederkommen sollte, eine wenig empfehlende Erinnerung zurückgelassen haben dürfte, indem er, der Director, für sein Zettelherumtragen eine Vergütung (alias Trinkgeld) von den Leuten geradezu erhob. Wahrscheinlich hat er dadurch eine gute Einnahme gehabt, aber es dürfte doch für seinen nächsten Besuch nicht ohne schädliche Folgen bleiben. Hoffentlich dienen ihm diese Zeilen zur Warnung und geben wir ihm und seiner Truppe unsere besten Wünsche zu fröh- lichem Gedeihen mit auf den Weg.___________________
Wetterbericht für den Monat September.
Während des Monats September war die Luft im Allgemeinen ruhig, nur an drei Tagen war sie stärker bewegt; vorherrschend waren Nord- und Ostwinde. Der mittlere Barometerstand des Monats war 762,8 mm, während er im September v. I. 760,9 mm war. Die Temperatur war so ziemlich normal, die mittlere Monatstemperatur war 14,3° 0—11,5° R, während sie im September v. I. 13,9°C=11,1°R war. Die höchste Temperatur hatten wir am 23., Vormittags 2 Uhr, nämlich 27°C=21,6°R, die niedrigste Temperatur war am 28., Morgens 7 Uhr, nämlich 2°C=1,6°R. Das erste Eis dieses Jahres hatte sich in der Nacht Dom 18. zum 19. gebildet, Reif hatten wir am 27. und 28. Die Niederschlüge des Monats waren gering, die Ge- sammtregenmenge betrügt 24,8 mm, während dieselbe im September v. I. 75,9 mm betrug, geregnet hat es an 10 Tagen. Elektrische Erscheinungen waren 3 zu verzeichnen, davon war die eine ein eigentliches Ge- witter. An 4 Tagen hatten wir Nebel.______________
Witterungsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 T agen mutlj' maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur sich nicht verändern; der Himmel wird bedeckt sein; es werden ziemlich starke Süd- bis Westwinde vorherr- scheu; es sind Niederschläge in Form von Schauern zuerwarten.
Kirchlicher Anzeiger für Schlächtern.
Sonntag, den 7. Oktober 1888;
Morgengottesdienst: Herr Superintendent Heck. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Hartmann. Wochendienst in der Stadt: derselbe.
Analisirte Medicinal-u. Dessert-Weine.
Menescher- u. Ruster-Ausbruch
» per Flasche Mk. 2 — “iwein, orientalisch aus der Gegend von Jerusalem, per Flasche Mk, 2.— Malaga alt, Marke „Delcus“
per Flasche Mk. 2.— Carlowitzer, ungarischer Süsswein,
per Flasche Mk. 1.60
Samos, grichischer Süsswein, p per Flasche Mk. 1.50 tieardon, südfranzösischer Süsswein (weiss), per Flasche Mk. 1.20
Ferner bringe mein Lager in reingehaltenen deutschen u, französisch .Rothweinen, Kheln-, Mosel- und Pfälzer-Weinen, sowie deutschen u. franz. Champagner p . a^en Preislagen in empfehlende Erinnerung,
1 Gäii Finger.
Neuheit in licht berfiKirrtm Tisch- u. Dausgeräthen (u. A. Büsten der drei deutschen Kaiser.)
'"'"""'" Jacob W.K (Kupfervitriol
ober
Galizienstein
zum Anmachen des Weizen empfiehlt
Ferd. Fenner.
Dürsten!
jeder Art, billigste Preise bei
Jacob Wolf.
Bettfedern
empfiehlt billigst Abr, Sichel,
empfiehlt
Insektenpulver, Schwobenpulver, Mottenpulver, Raupentod, Wanzenpnlver, Fliegenpulver, Fliegenleim, Fliegenholz,
Ungeziefer-Salbe und ähnliche Präparate
Ferd. Fenner.
B E S T F
Dabersche oder wie hier genannte Erfurter Speise-Kartoffeln
empfiehlt zur Lieferung in 8—14 Tagen billigst
Ferd, Fenner,
Kageöutten
kauft auch in diesem Jahre jedes Quantum ein __________Ferd. Fenner.
Coursbericht von
Abrah. Sichel, Bank- u. Wechselgeschäft.
Schlächtern, den 5. Oktober. 1888.
4u/o Deutsche Reichsanleihe . . . 4% Preuß. consol. StaatSobligat. 3yo"/o do. do. do. 4°/o Kurhessische StaatSobligationen 4°/o Nassauer do. 4"so Oesterreichische Goldrente . . e/s’/o do. Silberrente . . 4°,o Ungarische Goldrente. . , . d"/o Russische Obligation, von 1887
Mk. 108 107 104 102
»f0.
80 90 80
80
80
30
4"/o unif. Egypter . .... .st 4°/» Raab-Grazer 100 Thaler Loose.
92
68
84
99
84
100
80
80
Der An- und Verkauf aller sontigen Werth-
paviere und Loose wird billigst besorg Auszahlung von Coupons unentgeltlich. Einlösung verlooster Obligationen »nd Loose, Wechsel und Auszahlungen auf Amerika billigst. Briefliche Anfragen und Auf- träse finden ansmerksame nnd prompte Erledigung.