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sei und dabei gedacht in dankbarer Liebe der Männer, die vor 35 Jahren das Liebeswerk begonnen und derer, welche seitdem ihr vorgestanden, sowie der Hausväter und Hausmütter, welche in Treue gearbeitet und all ihre Kraft aufgewendet, ja theilweise ihr Leben geopfert Hütten im Dienste der Liebe. Auch wurde gedacht in dankbarer Liebe all' der Freunde und Freundinnen der Anstalt, welche durch Gabe und Fürbitte das Werk unterstützt und gefördert hätten. Der höchste Dank aber gebühre dem treuen Vater im Himmel, der die Liebe Christi so reichlich ausgegossen habe in die Herzen Seiner Gläubigen, daß sie solche Liebeswerke thun könnten. Deshalb schloß sich auch unmittelbar an die Predigt der Lobgesang der Zöglinge:Lobe den Herrn den mächtigen König der Ehren!" Nach einem Gebet folgte Gemeindegesang und darnach der Segen. Leider war der Gottesdienst von der hiesigen Gemeinde nur schwach besucht, obschon wiederholt dazu eingeladen war möglich, daß die Erntearbeiten Viele vom Besuch abgehalten haben.

Gegen hs3 Uhr versammelten sich die Festtheilnehmer draußen in der Anstalt. Das Haus selbst prangte im schönsten und reichsten Fahnen- und Guirlandenschmuck und unter den Bäumen im Garten waren weißgedeckte Tische ausgestellt mit Tassen und Kuchen schwer beladen. Nach einem Gesang der Zöglinge bestieg Herr Superin­tendent Heck die für die Redner erbaute Tribüne, um im Namen des Vorstandes eine Begrüßungsansprache an die Versammlung zu richten, in welcher er besonders der Freude Ausdruck gab, einen der Gründer der An­stalt, den Herrn Generalsuperintendenten Fuchs, in unserer Mitte begrüßen zu können, und in welcher er alle lieben Gäste aufs herzlichste willkommen hieß mit dem Wunsche, daß sie alle das Fest recht fröhlich mit uns feiern möchten und zuletzt mit dem scherzhaften Hinweis, daß gewiß Alle, nicht nur die Damen, sondern auch die Herren sich nach einem Täßchen Kaffee sehnten, weshalb er seine Rede schließen wolle. Die allgemeine Heiterkeit der Versammlung war die Bestätigung dafür, daß der Redner die geheimsten Gedanken der Anwesenden errathen habe. Als dann die Gäste sich erquickt und die Zöglinge das Lied:Ich bete an die Macht der Liebe" gesungen halte, bestieg Herr Pfarrer Sardemann, der Hausgeistliche vom Hessischen Diakonissenhans in Wehlheidcn, der mit der Frau Oberin zn unserer großen Freude hierhergekommen war, um mit uns zu feiern, die Tribüne und erzählte, nachdem er seiner Freude Ausdruck gegeben hatte, mit uns feiern zu können, einige ergreifende Erlebnisse aus der Rettungsanstalt fürMädchen in Treysa, sowie aus dem Kinder-Krankensaal im Diako- nissenhause, die gewiß Allen und besonders den Kindern zu Herzen gingen, erzählte z. B. von einem Mädchen, das in der Anstalt erzogen jetzt in Kassel im Dienste sei upd eines Tages 2 Mk. gebracht und erklärt habe, von nun an einen regelmäßigen jährlichen Beitrag von seinem Verdienste geben zu wollen aus Dankbarkeit für die christliche Erziehung, die es im Hause genossen; erzählte von einem kleinen sechsjährigen Mägdlein, das viele Stunden weit gewandert und nach Treysa gekommen sei, weil es gehört habe, hier würden arme Kinder aus­genommen und erzogen, und zuletzt von einem jüdischen Mägdlein, das im Kinderkrankensaal des Diako- nissenhauses den Herrn Jesum kennen gelernt und lieb gewonnen habe und im festen Glauben an Ihn gestorben sei. Nach einiger Zeit betrat auch der Herr General­superintendent die Tribüne, und nachdem er einen kurzen Rückblick auf die Gründung unserer Anstalt geworfen, wandte er sich insonderheit an die Zöglinge und erzählte ihnen eine rührende Geschichte von einem kleinen frommen Knaben in London, wie er einmal einen ihm lieben Missionar durch sein kindliches Gebet vor einem Eis­bären errettet habe. Der Redner wandte diese Geschichte nun auf die Kinder an, wie auch gegen sie ein Eisbär die Tatzen ausstrecke, um sie zu packen und zu erwürgen, das sei der Teufel und die Welt mit ihren Versuchungen, wie sie aber anch diesen Eisbären überwinden könnten durch Beten, sodaß er ihnen nichts anhaben könne. Ferner wies der Herr Generalsuperintendent die Kinder hin auf die Bäume ringsum, die jetzt so voll schöner Früchte hingen, so sollten sie auch fruchtbare Bäume werden, wenn sie einmal hinauskämen ins Leben, und auf die Frage:Wollt ihr das?" antwortete die ganze Schaar wie aus Einem Munde:Ja!" Gott segne sie dafür und gebe ihnen Kraft dazu!

Unter Singen und Spielen der Kinder, sowie unter fröhlichen Gesprächen der Festgäste war allmählich die Besperzeit Herangckommen. Da trotz des prächtigen Wetters man doch schon die Nähe des Herbstes spürte, wurden die Tische im Innern der Anstalt gedeckt, allwo dem einfachen Vesperbrod von allen Seiten tapfer zu­gesprochen wurde. Hierbei richtete Herr Pfarrer Fritsch- Gclnhau;en eine begeisterte Ansprache an die Versamm­lung, besonders an die Frauen und Jungfrauen, ihre : Aufmerksamkeit hinlenkend auf ein Gebiet der inneren

Mission, auf welchem noch viel geschehen könne und müsse, auf das der Krankenpflege. Die Zahl der vor- handenen Diakonissinnen reiche nicht hin, um allen An- forderungen und Aufforderungen zur Krankenpflege in i den Gemeinden zu genügen. Daher möchten doch i Mädchen sich bereit finden lassen, sich in der Kranken- i pfirgr MsZudilde», um dann fei es unter Leitung

in ihren Gemeinden. Auf Grund des Textes führte s dann der Herr Generalsuperintendent aus:Wie auch i wir ein Salz werden können und wodurch wir es i bleiben." Die Predigt richtete sich besonders an die i Geistlichen und sollte zugleich der Gemeinde zeigen, wie i ein rechter Pfarrer und Seelsorger beschaffen sein müsse, I um wie ein Salz in seiner reinigenden, erhaltenden, i vor Fäulniß bewahrenden Eigenschaft, in der Ge- l meinde wirken zu können. Nicht hohe Gaben des Ver- i standes, nicht großes Rednertalent seien die ersten Er- i fordernisse, obwohl diese Dinge nicht zn verachten seien, ! sondern auf die eigene Herzensstellung des Seelsorgers ' zu Gott und seinem Heilande komme es an. Darauf 1 komme es an, ob er selbst ein bekehrter Christ sei, der 1 durch Buße zum Glauben gekommen sei und nun auch i selber Buße predigen könne, der es selber wisse, was s es heiße, geistlich arm sein, Leid tragen über die Sünde, i hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit und der die s Verheißungen, die der Herr daran knüpfe, an sich selbst erfahren habe. Und wodurch bleiben wir ein Salz? i Wenn wir treu sind, treu in dem uns anvertrauten Pfund, indem wir ohne Menschenfurcht und Menschen­gefälligkeit unseres Amtes warten, das Wort Gottes ' rein und lauter verkündigen und die Sakramente rein : und unverfälscht verwalten, treu namentlich in der Selbst- ' losigkeit, indem wir nicht das Unsere suchen, unsere ' Bequemlichkeit, sondern die Ehre Gottes und das Heil : der uns anvertrauten Seelen. Gar schön und erbaulich war der Hinweis auf den Apostel Paulus, der auch Thränen hatte, nicht nur für seine Ephesier, als er Abschied von ihnen nahm, sondern auch für die Feinde des Kreuzes Christi, denen der Bauch ihr Gott ist und deren Ende ist die Verdammniß. So muß auch der Seelsorger Thränen haben für seine Gemeinde, besonders für die, welche auf dem Wege des Verderbens cinher- gehen Thränen, die wie ein Salz brennen in dem Herzen und Gewissen des Sünders. Zuletzt wies der Herr Generalsuperintendent noch mit eindringlichen Worten darauf hin, daß jeder in seinem Beruf, in seiner von Gott ihm angewiesenen Stellung ein Salz werden müsse, z. V. der Hausvater in seinem Hause, wie auch namentlich der Beamte in seinem Wirkungskreise. Nach Absingen eines Liederverses empfahl der Oberhirte die GemeindenGott und dem Wort Seiner Gnade" und entließ sie mit dem Segen des Herrn.

Am Btontag, den 17. Septbr. fand eine Konferenz der Pfarrer der Klasse Schlüchtern unter Leitung des Herrn Generalsuperintendenten statt, in welcher zunächst Herr Pfarrer Junghaus-Steinau einen kurzen, aber recht gediegenen Vortrag über den Confirmanden-Unter- richt hielt, an welchen sich eine lebhafte Diskussion an- schloß. Darauf wurden vom Herrn Generalsuperinten­denten die verschiedenen Schäden und Mängel in den einzelnen Gemeinden zur Sprache gebracht und möglichste Abstellung derselben den Pfarrern ans Herz gelegt.

Wie oben schon erwähnt, war diese Kirchenvisitation seit 25 Jahren wieder einmal die erste. Nach unserer neuen Verfassung aber wird nunmehr eine solche öfter wiederkehren. Mögen von dieser ersten seit langer Zeit die Geistlichen unserer Klasse eine neue Stärkung für ihren Beruf, unsere Gemeinden aber einen bleibenden Segen empfangen haben!

Am Dienstag, Vormittags 11 Uhr riefen die Glocken wiederum zum Gottesdienst. Es galt, das 35. Jahres­fest unserer Rettungs-Anstalt zu Hof Reich zu feiern. Schon viele Tage vorher hatten unsere Zöglinge auf das Fest gerüstet und sich darauf gefreut, und nun war der ersehnte Tag gekommen. Im Zug ging es zur Kirche, voran der Herr Generalsupeuntendent und die beiden Ortsgeistlichen, dann kam der Hausvater mit den beiden Gehülfen, sowie den beiden Collectanten und dann folgten die 47 Zöglinge. Nach Absingen des Liedes:Herr Jesu send uns Deinen Geist" hielt der Hausgeistliche, Hr. Pfarrer Hartmann, eine kurze Liturgie, wobei die Zöglinge die Motette aus dem 23. Psalm in einer Reinheit und mit einer Präcision sangen, die allgemeine Bewunderung erregte. Der Predigt, vom Hansgeistlichen gehalten, lag zu Grunde Match.18,111.

Sie handeltevon der inneren Mission an den Kindern", die der Heiland uns Allen aus Herz lege in den Mah­nungen: °Verachtet die Kleinen nicht, ärgert sie nicht, sondern nehmt sie auf in Meinem Namen!" Es wurde ausgeführt, daß, wenn alle christlichen Eltern diese Mahnungen recht beherzigen wollten, es nicht so viele, oder wohl gar keine verwahrlosten Kinder gebe, die in Gefahr seien, an Leib und Seele verloren zu gehen. Allein, weil nun einmal so viele Eltern ihre heiligste Pflicht an den Kindern versäumten und in Folge dessen so viele verwahrloste Kinder in der Welt umherliefen, so müßten wir Gott danken, daß Er Mittel und Wege gefunden habe zur Rettung solcher Kinder, daß Er Rettnngsanstalten habe gründen lassen durch die christ­liche Liebe, in welchen die Mahnungen des Herrn noch beherzigt würden:Verachtet die Kleinen nicht, ärgert sie nicht, sondern nehmt sie auf in Meinem Namen." Das geschehe eben auch in unserer Anstalt, die gegründet sei auf die Liebe Christi und auf das Wort:Wer ein solches Kind aufnimmt in Meinem Namen, der nimmt mich auf." Es wurde erinnert au den Segen im Leiblichen und im Geistlichen, der seit 35 Jahren in der Austalt gxwMt habe und von ihr ausgegangen

einer Schwester, sei es auch selbstständig Kranken­pflege in der Gemeinde zu üben. Hoffentlich sind die warmen Worte des Redners nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen.

Während bald nach dem Vesper einen Theil der Fest- gäste die Pflicht schon nach Hause rief, blieb doch der größte Theil noch draußen vor dem Hause versammelt und lauschte noch lange Zeit den Gesängen der Zöglinge, die sich auf der Treppe aufgestellt hatten und die uner­müdlich waren im Singen, sowie auch im Vortragen ernster und scherzhafter Gedichte. Hier hielt auch Herr Metropolitan Hartmann aus Bischofsheim, der als ein­ziges Mitglied vom großen Ausschuß in Hanau er­schienen war, eine warme Ansprache, worin er dem Hausvater, sowie den Zöglingen dankte für die große Freude, die sie heute allen Festtheilnehmern bereitet, besonders durch ihren so frischen, fröhlichen Gesang und worin er letztere herzlich ermähnte zur Liebe zu ihrem Hausvater und zu ihrem Herrn und Heilande, Jesu Christo. Diese Dankesworte waren gewiß allen Fest­theilnehmern aus dem Herzen gesprochen. Denn in der That gebührt dem Herrn Hausvater Kreiselmeier unser Aller Dank und neben ihm dem ganzen Hauspersonal, da sie Alles aufgeboten hatten, um das Fest zu einem schönen und fröhlichen zu gestalten. Und was der Ge­sang der Kinder aulangt, so muß wohl Jedermann ge­stehen, daß er wohl nirgends einen so frischen und fröh­lichen dreistimmigen Kindergesang vernommen hat, als hier in unserer Anstalt. Alles in Allem: Wir haben ein schönes Fest gefeiert. Möge es der Anstalt und allen Festtheilnehmern zu einem rechten Segen gereichen.

Abends nach Anbruch der Dunkelheit zogen die Zög­linge s-lbstgefcrtigte Lampions tragend und singend nach der Stadt und durch die Hauptstraßen der Stadt, um dann wieder nach Hause zurückzukehren und in der Nacht zu träumen von all den Herrlichkeiten des vergangenen Tages.

Es wäre nun noch übrig, über die Festlichkeiten zu Salmünster zu berichten. Es ließe sich da viel erzählen von erbaulichen Reden und Predigten, von ernsten und heitern Tischgesprächen und Toasten und von vielem Anderen. Allein das mögen ander Federn besorgen. Nur soviel sei gesagt: Beide Feste, die Einweihung der neuen evangelischen Kirche, sowie das Gustav-Adolffest verliefen programmmäßig, und zwar so, daß jeder Fest­theilnehmer den Eindruck mitnehmen mußte, die evangl. Kirche wenn sie auch vielfach in unserer Zeit dem Aschenbrödel gleicht ist doch noch da und ist noch eine Macht, und:

Gottes Wort und Luther's Lehr Vergehen nun und nimmermehr!

Deutsches Reich.

Berlin. Bei den Offizieren sind dieWadenkneifer" völlig verschwunden; die Herren tragen jetzt Beinkleider von gefälligem Schnitt. Ebenso sind die Schnabel­schuhe, welche in Berlin mehrfach von Offizieren ge­tragen wurden, beseitigt, seitdem der Kaiser einen dieser Offiziere sarkastisch gefragt hat, ob er Plattfüße zu verbergen habe.

Tages-Ereignisse.

Schlüchtern, 15 .Sept. Die gestrige Konferenz der Seminarlehrer unserer Provinz, welche unter dem Vorsitz des Herrn Provinzial-Schulraths Kannegießer hier tagte, verlief in schönster Weise. Derselben wohnten an als Vertreter der Königlichen Regierungen in Kassel und Wiesbaden die Herren Regierungs- und Schulräthe Dr. Falckenheiner, Hasse, Dr. v. Fricken und Risch. Verträge wurden gehalten von den Herren Branden­burger ans Fulda, Dilger aus Schlüchtern (an Stelle des Direktors Wieacker) und Willig aus Homberg. Sowohl am Vorabende als am Tage der Hauptver­handlung hatte eine gehobene Stimmung Platz gegriffen, vernahm man den Ton einer ernsten aber ungezwun­genen Unterhaltung. Die nächstjährige Konferenz wird in den Mauern unserer Bonifaziusstadt tagen.

H. M.

Frankfurt, 23. Sept. Auf dem Apfelmarkt wurde gestern das Malter Aepfel zu 5 M. verkauft. Aus Ungarn sind hier Angebote für Pflaumen eingelaufen, 100 Kilo 4 fl., aus Tirol für Aepfel 100 Kilo 4 fL franco Frankfurt.

Zum öffentlichen Wettb ewerb um den Preis der Schönheit haben sich in Brüssel mehr als 300 Fraueu und Mädchen eingestellt. Die Ausstellung und Preisvertheilung findet in den nächsten Tagen statt. Unter den 300 sind Frauen, Mädchen, Witwen und Strohwittwen aus Deutschland, Frankreich, Holland, Oesterreich-Ungarn, Rußland, Schweden, Norwegen, aus der Türkei, Spanien, Tunis, Algier und Amerika, manche haben ihre Männer mitgebracht, die anderen wollen sich welche holen; sehr stark sind vertreten die Putzmacherinnen, Büglerinnen, Schauspielerinnen und Kellnerinnen.

Madrid. Der frühere französische Marschall Bazawe, der im deutsch französischen Kriege mit seiner Armee in Metz eingeschlossen und zur Kapitulation gezwungen wurde, von den Franzosen diesrrhalb als Verräth» erhärt worden, ist am 23, er, hier gestochen,