Schlüchterner Zeitung.
Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen des Kreises Schlüchtern.
Erscheint Mittwochs und Samstags. - Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
amstag, den 29. September.
1888.
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Schlüchtern, im September 1888.
Die Wedaction und Spedition.
jy Umzugshalber füllt die nächste Ur. d. Kl. aus. ^
Bekanntmackuna.
Am 14. Juni 1888 ist über das Vermögen des Handelsmannes Simon Maas von Mardorf das Konkursverfahren eröffnet und in der Folge gegen den Gemeinschuldner wegen betrügerischen Bankerotts, gegen die Schwester desselben, die ledige Regine Maas von Mardorf wegen Beihülfe zu diesem Verbrechen, unter gleichzeitiger Verhängung der Untersuchungshaft über beide die gerichtliche Voruntersuchung eingeleitet worden.
Der Vermögensverfall wird von dem rc. Maas zu erheblichem Theile auf fortgesetzte größere Verluste zurückgeführt, welche er in dem von ihm betriebenen Biehandel erlitten haben will, ohne daß eine nähere Auskunft, bei welchen einzelnen Geschäften solches der Fall gewesen sei, von ihm gegeben werden konnte. Hiernach und nach den sonstigen Ergebnissen der Untersuchung ist der Verdacht unabweisbar, daß die Angaben deS rc. Maas auf Erfindung beruhen und daß in
Amtlicher Theil.
Wirklichkeit sein Aktivvermögen seiner mitangeschuldigten Schwester, mit welcher er allem Anscheine nach den Viehhandel auf gemeinschaftliche Rechnung betrieben hat, zurückgewiesen worden ist oder anderweitig verheimlicht wird.
Die genaue Feststellung der Vermögenslage des rc. Maas ist für die Untersuchung aber von größter Wichtigkeit
Wir ersuchen deshalb alle diejenigen, welche nähere Kenntniß von den Geschäfts- und Vermögensverhältnisfen des rc. Maas, sowie diejenigen seiner vorgenannten Schwester und seines am 25. Januar 1887 zu Mardorf verstorbenen Vaters, Handelsmanns Moses Maas besitzen und nicht bereits vernommen sind, sowie insbesondere alle diejenigen, welche über Viehankäufe und Verkäufe des Maas während der letzten 3 Jahre Auskunft zu geben vermögen, ihre Wissenschaft entweder unmittelbar zu den
Verzeichnis
der am 19. September der Körungs-Commission vorgeführten und angekörten Bullen in Gundhelm.
UntersuchungSakten F. 1/88 bei uns zur Anzeige zu bringen oder sich bei der nächsten Polizeibehörde darüber vernehmen zu lassen.
Von besonderem Wert für die Untersuchung werden diese Mittheilungen sein, wenn zugleich bei Angaben über Ankäufe von Vieh über den weiteren Verbleib desselben, bei Angaben über Verkäufe über den Ursprung des verkauften Viehs nähere Auskunft gegeben wird.
Amöneburg, den 13. September 1888.
Königliches Amtsgericht:
Greib.
J. Nr. 5823. Wird hiermit veröffentlicht mit dem Ersuchen, etwaige Anhaltspunkte mir mittheilen zu wollen.
Schlüchtern, den 20. September 1888.
Der Königliche Landrath:
I. V. Berta.
Standort.
Besitzer.
Abstammung.
Alter.
Farbe.
Haar.
Haut.
Kopf.
Horn.
Hals.
Bug.
Rumpf
Rückenlage.
Schwanzlage.
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Beine.
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Mutig
Bemerkungen.
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Festtage.
Schlüchtern. Die erste Hälfte der vorigen Woche war für unsere Gegend hier im oberen Kinzigthale reich an kirchlichen Festen. Da war zuerst die General- Kirchen-Visitation in Schlüchtern am Sonntag, den 16. September, verbunden mit einer Klassenvisitation. Ihr folgte am Dienstag, den 18. die Feier des 35. Jahrcsfcstcs der Rettungsanstalt zu Hof Reich bei Schlüchtern und dieser wieder am 19. die Einweihung der neu erbauten evangelischen Kirche zu Salmünster. — Seit 25 Jahren hatte unsere Gemeinde keine Kirchen- Visitation gehabt, und nun war für den 16. September eine solche auf Grund der neuen Presb.- u. Synodal- Ordnung von dem Herrn Generalsuperintendenten Fuchs angeordnet. Im einfachen, aber würdigen Schmuck prangte unser Gotteshaus, und als zur gewöhnlichen Zeit, um r/r 10 Uhr, die Glocken riefen: „Kommt, es ist Alles bereit," da folgten Viele aus Stadt und Land ihrem Rufe und füllten das Gotteshaus. Nach dem Gesang: „Komm Heil'ger Geist" hielt Herr Superintendent Heck die Liturgie, worauf die Gemeinde das Lied: «Meinen Jesum, laß ich nicht" anstimmte. Hierauf predigte Herr Superintendent Heck über die Epistel des Sonntags, Ephcs. 3, 13—21. Nachdem er einleitend die Bedeutung einer Kirchenvisitation hervorgehoben hatte, die zugleich auch einem jeden Gemeindegliede Veran- lassung geben müsse, eine Visitation bei sich selbst zu ^iten, ging er auf den Text näher ein und hielt der Gemeinde in eindringlicher und erbauender Weise „das Gebet Pauli für seine Ephesier" als einen Spiegel vor, daraus wir lernen sollen: „Wie wir beten und um 10 0 6 wir beten sollen." Wie wir beten sollen? In aller Demuth sollen wir die Kniee beugen gegen den ^ater unseres Herrn Jesu Christi — und weil Er der Dichte Vater ist, so sollen wir bitten im kindlichen vertrauen, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater "'Pn. Ja solchem Beten wurde Paulus als Vorbild p"Wellt, vor Allem den Seelsorgern und Lehrern,
aber auch den Eltern, den Vorgesetzten, überhaupt Allen, welchen Seelen anvertraut sind. — Und u m was sollen wir beten? Nun um Alles, darum auch Paulus hier betet für seine Ephesier, daß wir stark werden an dem inwendigen Menschen, daß Christus wohne durch den Glauben in unsern Herzen, daß wir zu der Erkenntniß kommen, wie Christum lieb haben besser sei, als alles Wissen. Zwischen den beiden Theilen der Predigt sang der Seminarchor zwei Verse des Liedes: „Befiehl Du Deine Wege," worauf der erste Theil der Predigt hingeleitet hatte. Nach der Predigt und dem Kanzelgebet sang der Seminarchor zwei Verse des Liedes: „Eins ist Noth." Beide Lieder kamen unter der Leitung des Herrn Musiklehrers Löwe in voller Vollendung zum Vortrage. Darauf trat der Herr Generalsuperintendent Fuchs vor den Altar und richtete an die Gemeinde eine Ansprache auf Grund des Wortes Johs. 6, 67—69, da der Herr die Frage an die Zwölfe richtet: „Wollt ihr auch weggehen?" und Petrus im Namen der Zwölfe antwortet: „Herr, wohin sollen wir gehen! Du hast Worte des ewigen Lebens und wir haben geglaubt und erkannt, daß Du bist Christus der Sohn des lebendigen Gottes." Der Hochwürdige Herr hob hervor, er sei gekommen in das Kirchspiel Schlüchtern, um eine Visitation zu halten, d. h. zu fragen und zu prüfen, ob die Gemeinde sich fleißig halte zu den Gnadenmitteln der christlichen Kirche, zu Wort und Sakrament und ob ein christliches, gottwohlgefälliges Leben in der Gemeinde geführt werde. Er ermähnte aber auch, daß diese Visitation einen jeden auch zu einer Selbstvisitation treiben müsse, zu einer Prüfung des eigenen Herzens und Lebens, ob ein jeglicher auf die Frage des Heilandes: „Willst Du auch weggehen?" in allen Lagen des Lebens von Herzen auch die Antwort geben könne: „Herr, wohin soll ich gehen, Du hast Worte des ewigen Lebens — wohin soll ich gehen, wenn die Sünde mir zu schaffen macht, als zu Dir, der Du sie getragen und mir Vergebung und Leben erworben hast; wohin soll ich gehen iri Leid und Trübsal als zu Dir- denn Du hast Worte
des ewigen Lebens, Worte des Trostes und der Er- qnitfiing; — wohin soll ich gehen in der letzten Stunde meines Lebens, wenn das Auge mir erlöschen und das matte Herz mir brechen will, als zu Dir, der mich sicher hindurchleitet durch's finstere Todesthal." Die Ansprache, die aus einem warmen Herzen kam, sie ist gewiß auch Allen zu Herzen gegangen und hat eines heilsamen Eindrucks sicher nicht entbehrt. Nach Absingen des letzten Verses vom Hauptlied wurde die Gemeinde vom Herrn General-Superintendenten mit dem Segen des Herrn entlassen. Unmittelbar an den Gottesdienst schloß sich eine Presbyterialsitzung an, — und was hier über die Gemeinde und ihre Pfarrer verhandelt wurde, gehört nicht vor die Oeffentlichkeit. —
Nachmittags um 4 Uhr riefen die Glocken abermals zum Gottesdienst. Hierzu waren auch die Pfarrer der Klasse Schlüchtern und ihre Gemeinden eingeladen, und viel Landvolk war denn auch herbeigekommen, sodaß unser geräumiges Gotteshaus wohl noch nie eine so große Anzahl Andächtiger gesehen hatte. Nachdem der Scminarchor zwei Verse von dem Liede: „Wachet auf, ruft uns die Stimme" gesungen, hielt Herr Superintendent Heck eine kurze Liturgie, in welcher der Seminar- chor eine Motette (Psalm 103) mit gewohnter Präzision zum Vortrag brächte. Darauf sang die Gemeinde vier Verse des Liedes: „Schasset, schaffet Menschenkinder" und nun betrat der Herr Generalsuperintendent die Kanzel, um auf Grund von Matth. 5, 13 eine aus warmen Herzen strömende und daher auch zu Herzen gehende Predigt zu halten. In der Einleitung wies er darauf hin, wie hier schon vor 700 Jahren mit der Gründung des Benediktinerklosters das Evangelium von Christo verkündigt, wie dann in der Reformationszeit schon frühe durch den Abt Lottichius das Kloster refor- mirt worden sei und wie dieser Lottichius von hier aus evangelische Prediger entsandt habe in die umliegenden Orte, wie er dadurch ein Salz geworden sei für die ganze Gegend und damit zugleich ein Vorbild für Prediger und Seelsorger, die auch ein Satz sein sollen