an dem Mittagsmahl (2 Mk. ohne Wein) theilnehmen wollen, werden gebeten, bis zum 15. September cr. sich bei dem Ortsgeistlichen, Herrn Pfarrer R u h l zu Aufenau, anzumelden. — Dieses Fest giebt unseren evang. Glaubensgenossen wieder einmal Gelegenheit zu beweisen, daß sie alle im Glauben eins, stark sind in der Bruderliebe, daß unsere evang. Kirche durch ihren reinen Glauben, ihre unverfälschte Bruderliebe und ihr treues Gottvertrauen auch ohne äußeren Glanz doch eine große Macht ist. So folget denn der freundlichen Einladung, alle von Nah und Fern! Freuet Euch mit unserer evang. Gemeinde, danket mit ihr dem Herrn für alle Güte und Treue, welche er unserer evang. Kirche bis dahin erwiesen hat!
Fulda, 5. Sept. Der seit dem 1. August vermißte Hüttner und Leinenhündler von Schmalnau wurde am 1. d. M. 10 Minuten von Stadlauringen in Unterfranken todt in einer Erlenstaude aufgefunden. Wie sich jetzt herausstellt, ist seine Frau, welche vvr circa 8 Tagen sich auf die Suche nach ihrem vermißten Mann begab, damals nur circa 150 Schritte an der Stelle vorübergegangen, an welcher man die Leiche jetzt gefunden hat. Auf welche Weise der Leinenhändler seinen Tod gefunden, bczw. wie man vernimmt in momentaner Geistesstörung gesucht haben dürfte, ist bis jetzt noch unbekannt.
— 7. Septbr. Die 21jährige Theresia Glüh von Großenlüder erhängte sich heute Nachmittag an der Thüre ihrer Wohnung beim Gerichtsdiener Ritzel, woselbst sie zur Pflege untergebracht war. Die Unglückliche zeigte schon seit längerer Zeit im Hause ihrer Eltern Symptome religiöser Schwärmerei und ihre Angehörigen glaubten, durch ihre Versetzung in einen fremden Menschenkreis und dessen Einwirkung sie von diesen Skrupeln heilen zu können. Statt dessen aber ging sie in den Tod.
Gelnhausen, 8. September. Eine ganze Anzahl Zigeunerfamilien haben sich gestern und heute in der hiesigen Gegend zusammengezogen, um, wie man vernimmt, eine Hochzeit zu feiern. Heute Morgen geriethen beim Durchzuge einige Familien in Streit, an welchem besonders die Weiber lebhaften Antheil nahmen. Nachdem zwei Männer eingesteckt worden waren, kehrte die Ruhe allmählich wieder unter die Gesellschaft, welche zum Rötherthore hinaus weiterzog.
Hanau, 7. Sept. Um dem großen Andrange von Außerhalb genügen zu können, hat sich das Komitee entschlossen, im Laufe der nächsten Woche noch 4 Aufführungen des „Luther" von Hans Herrig im Stadttheater zu Hanau stattfinden zu lassen. Dieselben finden am Dienstag, Donnerstag und Freitag, Abends 7 Uhr statt, am Mittwoch um 4 Uhr ist die letzte Nachmittags-Vorstellung.
— Wie die H. Zlg. erfährt sind Vorarbeiten im Gange, um ein Proviantamt und eine Feldbäckerei für das 11. Armee-Corps hier zu errichten.
Frankfurt, 5. Spt. In nächster Nähe des Hauptbahnhofes werden wie man bestimmt versichern kann, mächtige Hotels erbaut werden. Die Nachfrage nach Bauplätzen ist eine sehr rege. Es wurden für den Quadratfuß bis jetzt schon 24 Mark geboten.
— 9. Septbr. Der Silberdieb Bergmann alias Werner ist nach den neuesten polizeilichen Ermittelungen auf das Bestimmteste recognoszirt als der Weber August Wilhelm Miller von Lauenburg, geboren am 25. Sept. 1835. Derselbe ist, wie nunmehr festgcstellt ist, auch identisch mit dem Diebe, welcher im Jahre 1882 in Trier mehrere Einbrüche begangen hat und nach seiner Verhaftung ausgebrochen ist. Er nannte sich damals Gustav Birr aus Stoienthin in Pommern. Eine Person dieses Namens kannte er aus seiner Heimath her, indem er als Kind in ein und demselben Hause mit Birr gewohnt hat, und wußte, daß der letztere als Soldat im deutsch-französischen Kriege 1870|71 vermißt worden ist.
Offenbach, 8. Septbr. Einen Fund von geradezu enormer Bedeutung machte Herr Neubecker auf seinem Grundstück an der Ludwigstraße, als er nach Wasser- für den Betrieb seiner Eismaschine bohrte. Die dreijährige mühsame Arbeit wurde endlich mit einem überraschenden Erfolg gekrönt, denn aus einer Tiefe von nahezu 300 Meter entstieg dem Schooße der Erde eine klare und überaus reichliche Mineral-Quelle. Nach angestellten Versuchen war man keinen Augenblick im Zweifel, daß es sich um eine werthvolle Natron-Lithion- Quelle handele und die Analyse des Geheimen Hofraths Professor Dr. Fresenius lautete nach der Off. Ztg. dahin, daß die Quelle quantitativ und qualitativ den besten in Europa gleichzuachten sei. — Auch in Bezug auf ihre Heilkraft ergaben Proben sehr erfreuliche Resultate, gleichfalls darf nicht unterschätzt werden, daß die Quelle in Folge ihrer Tiefe von den Einwirkungen der Niederschläge ganz unabhängig ist.
Marburg, 6. Sept. Das dieser Tage tu hiesiger Stadt umlaufende Gerücht, daß eine Mutter ihr Kind getödtet habe, stellt sich als unwahr heraus und ist darauf zurückzuführen, das ein eines natürlichen Todes gestorbenes Kind in einem Korbe unter das Bett gestellt und hier von einer Katze angefressen wurde.
Großalmerode, 31. August. Am 27, August fand im Felsenkellersaale dahier ein Abschiedsessen zu Ehren -es »ach Salmünster versetzten Postverwalters Huhn
statt, an welchem über 40 Personen Theil nahmen. Welche Liebe und Achtung sich Herr Huhn durch seine etwas länger als 6jährige amtliche Thätigkeit dahier erworben hat, ergiebt am besten die seltene zahlreiche Betheiligung aus allen Ständen und aus den meisten Orten des hiesigen Post-Amtsbezirks an diesem Abschiedsessen.
Casscl, 3. Sept. (Ueber das muntere Treiben der Soldaten im Manöver) schreibt ein gelegentlicher Berichterstatter, welcher dieser Tage einen Ausflug nach Witzenhauseu, von da über Schloß Berlepsch, Hermannrode, Marzhausen und Friedland unternommen hat, Folgendes: Ueberall rühmte man das freundliche und gefällige Auftreten der in jener Gegend jetzt manöve- rirenden Mannschaften, und war selbst Zeuge davon, wie in allen Feldmarken am Nachmittage die Soldaten rüstig und geschickt Hand anlegten, den reichen Erntesegen einzuheimsen. Am späteren Abend trafen wir sie in den Dörfern überall damit beschäftigt, die Dorfstraßen mit dem Besen zu säubern oder der Wirthin beim Schälen der Kartoffeln und Schneiden der Bohnen be- hülflich zu sein. Wir meinen, eiu solches familiäres Verhältniß zwischen Volk und Herr ist nur in Deutschland denkbar.
— (Ueber die Zigeunerplage), welche namentlich bei uns in Hessen recht groß ist — wir erinnern nur an die jüngsten Vorfälle im Fuldaischen — ist an dieser Stelle schon oft Klage geführt worden. Jetzt vernehmen wir zu unsrer Freude, daß man im Reichsamt des Innern gegenwärtig mit der Feststellung von administrativen Abwehr- und Eindämmungsmaßregeln gegen die Zigeunerplage beschäftigt ist. Es ist in der That hohe Zeit dazu. Das Gesinde! stiehlt und betrügt, wo es nur immer eine Gelegenheit findet. Am Rhein, in Ober- schlesien und in anderen Provinzen sind auch in diesem Jahre Kinder-Entführungen vorgekommen, welche zweifellos auf das Konto von Zigeunern zu schreiben sind. Es hat sich sogar ereignet, daß stärkere Banden in kleineren Ortschaften Geschenke an Geld und Naturalien erpreßten. Von einer Ausweisung mußte vielfach deshalb Abstand genommen werden, weil ein nicht geringer Theil dieser Wandervögel auf deutschem Boden geboren und mithin bei uns heimathsberechtigt ist. Ernstliche Schwierigkeiten erwuchsen auch bei dem Abschub aus der nicht immer übereinstimmenden Haltung der in Betracht kommenden Landesbehörden. In dieser Hinsicht soll jetzt in allen Bundesstaaten ein einheitliches Programm vereinbart werden.
Rintel«, 5. Septbr. Aus Echte wird berichtet: Schon seit einiger Zeit fließt in unserem Orte am Fuße eines Hügels, auf welchem sich ein Obstgarten befindet, eine Petroleumquelle. Dieselbe machte sich zuerst durch ihren Geruch Kindern bemerklich, auf deren Aussagen die Erwachsenen indessen nichts gaben, bis ein Junge einen Damm um die Quelle baute und auf dem sich in diesem kleinen Teiche sammelnden Wasser klares Petroleum schwamm. Jetzt wurden auch die Erwachsenen aufmerksam und holten sich in Masse Proben in Flaschen, wobei sich herausstellte, daß in einer Flasche Wasser das Petroleum ungefähr drei Finger hoch oben auflag. Das Petroleum brennt hell und klar.________________________
Hella.
Eine Erzählung von H. Sch oene.
(Fortsetzung.)
„Und darf man erfahren, was Sie da zeichneten?"
„Gewiß! Seit lange schon suchte ich vergebens nach dem Motiv einer vollkommen richtig aufgefaßten plastischen Darstellung der stolzen, noch durch das später über sie hereinbrechende Unglück nicht gebeugten Niobe als Gegenstück zu der so unvergleichlich schönen Darstellung der Unglücklichen. Was ich lange vergebens gesucht, soeben habe ich es gefunden, einen Anhalt, um dem Charakter dieser Niobe in Bezug auf Stellung, Gesichtsausdruck und Haltung eine bestimmte Form zu geben".
Sie stand da in ihrem ganzen unnahbaren Stolze, nur um ihre Mundwinkel zuckte es kaum merklich.
„Mein Herr!" sagte sie, die Lippen kräuselnd, mit eisiger Kälte, „Sie werden hoffentlich einsehen, daß ich gerechten Grund habe, mich beleidigt zu fühlen. Sie werden mir daher auch die Gelegenheit nicht verweigern, durch einen meiner Verwandten die mir angethane Beleidigung zu ahnden.
„Thun Sie das nicht, ich bitte!" entgegnete Reinhold ruhig.
„Und warum nicht?" fragte die Dame spottend, und wieder zuckte es in ihr auf wie von mühsam verhaltenem Frohlocken. „Sie fürchten sich doch nicht etwa vor der Kugel oder dem Degen?"
„Eine Rechtfertigung in diesem Sinne würde unter meiner Würde sein", entgegnete der Hauslehrer. Es wäre jedoch höchst peinlich für mich, einen Ihrer hochgeborenen Vettern ohne jeden Grund in's Jenseits senden zu müssen.
„Sie reden ja mit einer unbezwingbaren Zuversicht; haben Sie schon je ein Rappier gesehen?"
„Ich war in der That schon so glücklich; auf der Hochschule schmeichle ich mir, einer der besten Pauker gewesen M sei»,"
„Ihren Worten nicht zu glauben wäre unhöflich. Haben Sie aber in Ihrem Leben schon ein Pistol abgedrückt ?"
„Man behauptet, ich sei ein guter Schütze und ich bin augenblicklich in der glücklichen Lage, Ihnen sofort mit einer Probe meiner Fertigkeit dienen zu können. Sehen Sie über Ihrem Haupte dort jenen goldgelben Apfel?"
„Was ist mit dem?"
„Ich werde ihn sogleich herunterholen. Zufällig habe ich vom heutigen Ausfluche her noch den Revolver in der Tasche."
Reinhold war gewohnt, schnell zu handeln. Im nächsten Augenblicke krachte der Schuß und die Kugel pfiff über dem Haupte der gnädigen Dame her, die mit einem lauten Angstschrei zurücksank; — der plötzliche Schreck hatte sie betäubt.
Fast bereute Reinhold seine vorschnelle und unbedachte Handlungsweise; zu einem in der Nähe sprudelnden Springquell eilend, schöpfte er Wasser in eine Scherbe, besprengte damit die Ohnmächtige und netzte, neben ihr niederknicend und ihr Haupt in seinen Händen haltend, ihre Stirn.
Wie schön war sie, wie entzückend engelgleich! Schneller freiste das Blut in seinen Adern, wie er sie so umfangen hielt. Das Haupt mit dem Seidenhaar ruhte sanft an seinem laut pochenden Herzen; die Augenlider waren wie im Schlafe geschlossen und der kleine Mund hatte sich zu einem kleinen Lächeln verzogen. Ein nie geahntes unbeschreiblich wonniges Gefühl durch- bebte das Innere des jungen Mannes, seine Pulse schlugen stärker und das Herz schwoll ihm vor namenloser Seligkeit. Berauscht und hingerissen von dem ihn übermannenden Hochgefühle beugte er sich über sie und drückte einen Kuß auf ihre rosenrothen Lippen. Aber in diesem Augenblicke schlug sie die Augen auf und begegnete dem glühenden Blicke Reinholds. Wie electrisirt sprang sie anf und schaute hinter sich in die Höhe. Der Apfel da oben war verschwunden, aber einzelne Stückchen desselben lagen zerstreut auf der Erde umher.
„Sie sind außerordentlich kühn, mein Herr!" wandle sie sich zürnend nach dem Hauslehrer um, „und Ihr Zerstörungssinn scheint ein unglaublich ausgebildeter zu sein, da sie ihn mit staunenswerther Rücksichtslosigkeit zur Schau tragen.
Was war das? Sie loderte nicht auf in gerechtem Zorn über jene maßlose Unverschämtheit, mit der er es gewagt hatte, ihre hochadeligen Lippen durch einen Hauch seines plebejischen Mundes zu beflecken; sie unterließ es gerade hier, ihm mit scharfer Ahndung zu drohen, hier wo sie allein ein Recht dazu gehabt hätte! Statt dessen warf sie ihm seinen ausgeprägten Zerstörungssinn vor? Das hieß ja, den gewissen Sieg verscherzen, die einzige Schlappe des Feindes unbenutzt lassen und statt dessen ihn in einer fast uneinnehmbaren Position angreifen !
„Was aber Ihre Schießkunst betrifft", fuhr die Dame fort, „so werden gewiß meine Freunde hocherfreut sein in Ihnen einen geübten Gegner zu finden und sollten Sie sie alle besiegen, so werde ich selbst nicht einen Augenblick anstehen, mich mit Ihnen zu messen.
Sie? fragte Reinhold und es gelang ihm nicht ganz, ein spöttisches Lächeln zurückzudrängen,
Ich selbst, mein Herr! bekräftigte die Dame selbstbewußt.
Aber mit welchen Waffen sollen wir denn kämpfen; doch nicht etwa mit Pariser Stecknadeln, oder Knall- büchsen ?
Die Dame kräuselte beleidigt die Lippen und war im Begriffe, eine herbe Antwort zu geben, als ein stutzerhaft gekleideter Herr im knapp anliegenden Jagd- anzuge, von einem Jagdhunde in großen.Sätzen umkreist, in den Laubgängen des Parks erschien und, sie gewahrend, eilenden Schrittes auf sie zukam.
Ach, Comtesse! rief er schon von fern, indem er mit einem süperben Katzenbuckel sich verbeugte; freut mich unendlich, Sie wohl zu sehen; erlauben Sie mir, ein wenig Ihre kostbare Gesellschaft zu theilen.
Die Dame wandte sich nach dem Angekommcnen um.
„Guten Morgen, Vetter", entgegnete sie, ihm kühl die Hand reichend, die er galant an seine Lippen preßte; „wie haben Sie es nur über’S Herz bringen können, die glänzenden Damen der Residenz Ihrer liebenswürdigen Gegenwart zu berauben, um uns in unserer patriarchalischen Lebensweise zu überraschen?"
„Patriarchalische Lebensweise, ha, ha, famos!" entgegnete der Junker lachend in jenem näselnden Tone, indem er mit beispielloser Grazie sein Augenglas ein» klemmte. „Pyramidale Ausdrucksweise, parole d'honneur.
„Sie sind entzückend, theure Hella in ihren reizenden Vergleichen. — Ah da ist ja auch, wenn ich nicht irre, der Philosoph, der Vernunftlehrer, Seelenarzt, medicin d’esprit, wandte er sich nach Reinhold nun indem er ihn mit einem unbeschreiblich anmaßenden Blicke vom Kopfe bis zu den Füßen musterte. Parbleu, Herr Doctor, wo sitzt denn eigentlich unsre Seele, haben Sie sie schon gesehen; wie sieht sie wohl aus? Wisse Sie auch bestimmt, daß sie nicht nur dem Namen nach ’ ’ „Allerdings, Herr Baron," entgegnete der MraM