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so eher Und mehr kann man seine Thätigkeit den Schwer­verwundeten zuwenden, die nur vermittelst der Trage oder des Wagens dem Sammelplätze und von da dem Hauptverbandplätze, der ersten Stelle der geordneten ärztlichen Hülfe, können zugeführt werden.

Die Verwendung der freiwilligen Krankenpfleger auf dem Kriegsschauplatze wird indeß die seltenere sein. Für die aus der Stadt Cassel gewonnenen Mitglieder ist seitens der maßgebenden Stelle in anerkennenswerther Weise nachgelassen worden, daß diese in den Lazarethen Cassels und nur auf besonderen Wunsch im Felde oder bei den Kranken- und Lazarethzügen sollen verwendet werden.

Die Thätigkeit der freiwilligen Krankenpfleger bei den zuletzt genannten Zügen ist ungefähr dieselbe, wie in den Lazarethen selbst. Sie ist eine vielseitige und erfordert ein großes Theil Gewissenhaftigkeit. Hier ist der Pfleger als Privatperson Gehülfe des Arztes und Diener oder Beobachter der Kranken und Verwundeten. Er hat dem Arzte beim Verbinden und Operiren Hülfe zu leisten, hat die ärztlichen Anordnungen selbst aus- zuführen oder deren Ausführung durch Andere zu über­wachen, er hat den Patienten zu pflegen, ihn zu beob­achten, ausfallende Erscheinungen festzustellen und wenn erforderlich diese zu melden, kurz gesagt alles dasjenige im vollsten Maße zu thun, was an einem Kranken- und Sterbebette zu thun ist, unter steter Berücksichtigung des Umstandes, daß der in der Regel im Kriegsfalle mit wichtigen Dingen über und über beschäftigte Arzt nicht durch Sachen belästigt oder in Aufregung versetzt wird, die an und für sich unbedeutend sind, aber ver­möge der Aengstlichkeit oder Unkenntniß des Kranken­pflegers für wichtig und gefährlich gehalten werden.

Die Mitglieder des Vereins vertreten die allgemeinen Interessen desselben, werben neue Mitglieder, zahlen jährliche Beiträge und gewinnen diejenigen Kräfte, welche sich zu freiwilligen Krankenpflegern wollen ausbilden lassen. Zu Krankenpflegern können nur ausgebitdet werden Personen, die entweder militärfrei sind oder der Ersatz-Reserve II angehören oder aber das 40. Lebens­jahr überschritten haben, nebenbei körperlich rüstig und geistig frisch sind.

Die Ausbildung, die die Krankenpfleger in den Militär» Lazarethen oder Civil-Krankenhäusern genießen, ist theils eine theoretische, theils eine praktische. Der Unterricht ist ein sehr interessanter und umfaßt die allgemeinen Dienstverhältnisse der freiwilligen Krankenpfleger, die Lehre von dem Bau des menschlichen Körpers und von den Verrichtungen seiner Theile, von den Krankheiten und der ersten Hülfeleistung bei denselben, die Verband­lehre, den Krankentransport und den Krankenpflegerdienst.

Es liegt aus der Hand, daß die durch den Unterricht gewonnenen Kenntnisse auch für das bürgerliche Leben von großer Bedeutung sind und zum Vortheile der Mitmenschen in mancherlei Nothfällen Verwerthung finden können. Mögen sich , darum recht viele und tüchtige Männer finden, die bereit sind, diesem Liebeswerk helfend und fördernd die Hand zu reichen.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. September. Eine soeben ausgegebene besondere Nummer desReichsanzeigers" macht die heute in Potsdam mit Bewilligung des Kaisers und unter Zustimmung der Kaiserin Friedrich und der Kaiserin Augusta erfolgte Verlobung der Prinzessin Sophie, Schwester des Kaisers, mit dem Kronprinzen von Griechen­land bekannt.

Der Entwurf eines neuen bürgerlichen Gesetzbuches für Deutschland, welchen seit vielen Jahren eine Reihe hervorragender Juristen ausgearbeitet hat, findet, wie bereits mehrfach erwähnt, viele Gegner und wird in seiner jetzigen Gestalt schwerlich zur Annahme gelangen. Einer der schärfsten Kritiker ist der Reichsgerichtsrath Bähr in Leipzig.

Der Kaiser hat bekanntlich angeordnet, daß die Geburts- und Sterbetage der Kaiser Wilhelm und Friedrich als Gedenktage in den Schulen begangen werden. Der Kultusminister hat dies nun durch Rund­schreiben dahin erläutert, daß der Unterricht nicht etwa aussallen, sondern nur eine Stunde am Anfänge oder Schlüsse des Unterrichts diesen Feiern gewidmet sein solle.

Limburg, 5. Sept. In mehreren Orten auf dem Westerwald kamen am verflossenen Sonntag Ausschrei­tungen von Civilisten gegen Manöver-Soldaten mit blutigem Ausgang vor. Einem Infanteristen wurde das Gesicht mittelst Messers fürchterlich zugerichtet, einem anderen ein Auge ausgestochen. Am schlimmsten ging es aber in dem Dorfe Mahren her, wo mehrere Husaren, die angeblich ruhig ihres Weges spazieren gingen und keine Waffen bei sich führten, von Bauern­burschen überfallen und dabei derartig verwundet wurden, daß drei Husaren gestern in das Hospital zu Limburg transportirt werden mußten. Schwerverwundet ist ein Husaren-Unteroffizier, der einen Schuß in die Brust erhielt, die Kugel hat er noch im Körper stecken. Von den beiden anderen Husaren erhielt einer neben anderen Verletzungen einen Stich in den Arm, der andere einen Stich in den Kopf. Die beiden letzteren Soldaten sind heute Morgen nach dem Lazareth ihres Garuisonortes Docke »tztim abgereist, während der Unteroffizier hier

verpflegt und behandelt werden. Ein Assistenzarzt und ein Lazarethgehilfe begleiteten die Verwundeten hierher. In der Nacht von Sonntag auf Montag fanden bereits Verhaftungen mehrerer der Thäterschaft verdächtigen Burschen statt, und wird die Untersuchung hoffentlich Licht in diese grauenhafte Geschichte bringen.

Tages-Ereignisse.

Schlüchtern. Hat bei demVerkauf oder derAuflassung eines Grundstücks der Verkäufer dem Käufer die unwahre That­sache vorgespiegelt, daß die sämmtliche Zinsen der auf dem Grundstück eingetragenen Hypotheken bis zu dem Quartal der Auflassung gezahlt seien, während thatsächlich noch aus den vorhergegangenenQuartalen Zinsrückstände bestanden, für welche das Grundstück haftete, so ist nach Urtheil des Reichsgerichts der Verkäufer wegen Betrugs zu bestrafen, selbst wenn er später die Zinsrückstände bezahlt oder der Käufer durch Zurückhaltung oder Verrechnung der von ihm noch nicht gezahlten Kausgelder sich gegen die Zinsrück­stände decken kann! Die zur Strafbarkeit des Betrugs vorhandene Dermögensschädigung würde auch dann vor­handen sein, wenn der Käufer das Grundstück unter dem Werth gekauft hat.

Salmünster. Vergangenen Sontag fand der letzte Gottesdienst in dem hiesigen ev. Betsaale statt, da die neue Kirche nunmehr völlig fertiggestellt ist. Es ist ein schöner, massiver Sandsteinbau im gotischen Stile, der unserer Stadt im wahren Sinne des Wortes zur Zierde gereicht, ein allen äußeren Prunkes entbehrendes, in schlichter Schönheit dastehendes Gotteshaus. Die Ein­weihung wird am 19. September d. I. stattfinden. Um 1'29 Uhr begeben sich die Festtheilnehmer von dem seitherigen Betsaale aus in geordnetem Zuge zur Kirche, wo die Uebergabe des Schlüssels durch den Baumeister und die Oeffnung der Kirche erfolgt, worauf die An­wesenden zu dem Festgottesdienst in derselben Platz nehmen. Dem Programm nach erfolgt die Einweihung durch Absingen des Liedes:Komm heiliger Geist", die Weihrede und das Weihgebet. Den Schluß bildet, unter Orgelbegleitung und dem Läuten der Glocken, der Gesang:Nun danket alle Gott." Hieran schließt sich der erste Gottesdienst und nach einer lstündigen Pause der Festgottesdienst der Jahresversammlung des Hanauer Bezirksvereins der Gustav-Adolf-Stiftung. Nachmittags 2 Uhr findet ein Festessen in dem Kursaale des 10 Minuten entfernten Bades Soden-Stolzenberg statt und kostet das Couvert ohne Wein 2 Mark. An­meldungen zur Theilnahme an demselben nimmt bis spätestens zum 15. September Herr Pfarrer Ruhl in Aufenau entgegen und ist derselbe auch zu jeder Aus­kunft gerne bereit.

Hanau, 2. Sept. Ein schrecklicher Unglücksfall er­eignete sich gestern Nachmittag in unserer Nachbarge­meinde Bruchköbel. Der Untertertianer B. von Hanau, Sohn des Rentmeisters daselbst, besuchte seinen Kollegen, den Sohn des Stationsvorstehers in Bruchköbel. Während der Unterhaltung nahm der Gymnasiast eine in der Ecke stehende Flinte, nicht ahnend, daß solche geladen sei. Die Flinte entlud sich und traf den Sohn des Stations­vorstehers, so daß er leblos zusammenstürzte. Dieser traurige Unglücksfall erregt in allen Kreisen die größte Theilnahme.

Frankfurt, 4. Septbr. Seit Sonntag gibt es in der Stadt den ersten süßen Aepfelwein. Die Stadt ist augenblicklich mit Vertretern von Gemeinden, darunter auch Bürgermeister, überschwemmt, welche deren Apfel­kreszenz verkaufen wollen. Bei den Produzenten finden sie indeß keine Geneigtheit, sich schon jetzt die Hände zu binden. Zu 56 Mk. das Malter wurde allgemein erklärt, wolle man sich auf ein Geschäft einlassen.

Einen frechen Schwindel verübte ein etwa 23 Jahre alter, anständig gekleideter junger Mann, der sich hier als Chambregarnift einlogirt hatte. Derselbe aunoncirte gestern in derOder-Zeitung", daß sofort ein zuverlässiger Cassenbote zu engagiren gesucht werde mit 100 Mk. monatlichem Gehalt, daß jedoch Cautions- zahlung erforderlich sei. Die Anzeige blieb nicht ohne Berücksichtigung; es meldeten sich im Laufe des heutigen Vormittags drei Personen, von denen einer 200 Mark Caution, der andere 100 Mk. erlegte, der dritte aber, schlauer, wie die Anderen, Sicherheit verlangte. Dem Ersterwähnten wurde gesagt, daß er für die Reichsbank engagirt, dem der 100 Mark gezahlt, daß der Posten eines Cassenboten bei einer Lebensversicherungsgesellschaft offen sei und ihm zu Theil werden würde. Die ver­trauensseligen Leute, die dem Gauner ihre Ersparnisse zugetragen, wurden zu heute Nachmittag 3 Uhr zu demselben bestellt, um die Reverse resp, die Sparcassen- bücher über die Kautionssummen in Empfang zu nehmen. Als sie um 3 Uhr sich in der Wohnung des Schwindlers einfanden, war derselbe nicht mehr anzutreffen. Unter Zurücklassung eines großen Reisekosfers, in dem nach seiner Oeffnung nur Stroh enthalten war, hatte derselbe das Weite gesucht.

Fritzlar, 3. Sept. Vorgestern wurde ein Unteroffizier von der 5. Batterie zu 3 Wochen strengen Arrest und zur Degradation verurtheilt, weil er ohne Vorwissen eines Soldaten in dessen Namen vom Vormund desselben 50 Mark, die er sich rechtswidrig aneignen wollte, an einen hiesigen Einwohner schicken ließ, der aber die ÄsmhM perweigertr.

Cafsel, 4. Septbr. Wie es heutzutage bei Concursen zugeht, das zeigt folgende Thatsache: Eine hiesige größere Firma erhielt dieser Tage für ihre nicht unbeträchtliche Forderung an ein in Concurs gerathenes auswärtiges Geschäft als den auf sie entfallenden Antheil fünf Pfennige mittelst Postanweisung ausgezahlt. Der Antheil war auf 25 Pfg. normirt, wovon 20 Pfg. für das Porto abgingen.____________________________________

Delta.

Eine Erzählung von H. Sch oene.

Aus dem rauhen Kriegsgetümmel Kehrte ich geehrt zurück, Suchte sehnsuchtsvoll die Meinen Und der theuren Heimath Glück.

Ach, die friedlich stille Hütte, Die ich hoffnungsvoll erbaut,

War zerstört, dem falschen Glücke

Hatte ich zu leicht vertraut.

Meine Herden, meine Früchte

Fortgetrieben und zerstört, Meine Saaten all' zertreten,

Meine Fluren all' verheert.

So fand ich die Heimath wieder,

Todt mein Weib, die Kindlein zart

Von des Feindes Hand erschlagen

Und gemordet roh und hart.

Alles ist mir nun verloren,

Keine Heimath hab' ich mehr,

Für mich ist die Welt verödet,

Und die Erde wüst und leer.

So will ich denn weiter streiten,

Kämpfen bis ich Ruhe find',

Dann wird endlich mich ein Engel

Führen einst zu Weib und Kind.

Hoch oben an dem offenen rebenumrankten Fenster seines Zimmers im Erker der Burg Hohenstein saß er da, den fernen Klängen eines Waldhornes lauschend, deren letzte Schwingungen, mit dem eben verstummenden, schwermüthigen Gesänge des nordischen Volksliedes ver­schwommen, von sanften Lüften getragen, des Horchenden Ohr erreichten.

Vor ihm lag ein aufgeschlagenes Buch mit wunder­lichen Schnörkeln und Buchstaben; allein er schaute darüber hinaus träumerisch in die herrliche Welt, auf die sonnigen Fluren nieder, die in ihrer Pracht und Blüthe bis zum fernen, von blauen Bergen umsäumten Horizont dalagen, und auf die dichtbelaubten Wipfel der Bäume des Parks, die beinahe bis zu seinem, bei Schlosses höchstem Fenster, emporragten. Sanft und leise säuselte der milde Zephir, und die Luft war vom Wohlgcruche lieblich duftender Blumen reich geschwängert.

Unter ihm lag der Park ruhig und schweigsam. Statuen aus Stein, deren Piedestal von Epheu umrankt und von fremdländischem Grün umwuchert war, warfen, von den Strahlen der Sonne erreicht, ihre langen Schatten über wohlgepflegte Schlangenpfade.

Wie herrlich, o wie schön ist doch die Welt! rief er enthusiastisch aus, der Schwärmer am Erkerfenster; ach, daß ich ewig lebend mich erfreuen könnte an den Schönheiten der Schöpfung, ewig schwelgen im Hoch­genüsse paradiesischer Freuden. Doch ach, es ist mir nicht vergönnt! Nur eine Spanne Zeit ist uns gegeben, die Welt anzustaunen und zu bewundern. Kaum be­greifen wir sie schätzen, dann werden wir plötzlich hinab­gestürzt auf ewig in die schwarzgähnende Tiefe, in jene enge kalte Gruft, die mitleidlos uns alle umschließt, Arme und Reiche ohne Ansehen der Person, Jünglinge und Greise, ohne Unterschied Jungfrauen und Matronen. Da liegen wir dann und unser Leib zersetzt sich in seine Urbestandtheile; über uns wuchern die Blumen, die Bäume, und ziehen aus unseren Körpern den Stoff ihrer Nahrung; sie, die wir bei Lebzeiten angestaunt, sie leben dann von den Todten. Wir aber werden über Kurz oder Lang von Niemandem mehr beweint, von Keinem mehr betrauert, ein Tropfen im Meer der Vergessenheit! Wie muß es da unten so unendlich dunkel sein, ohne Hoffnung, daß je der Morgenstern uns wieder leuchtet, daß je ein schönerer Tag uns einst erwecken wird. Doch wohin verwirren sich meine Gedanken! Jener mächtige alles vermögende Geist, jenes heilige Feuer, welches in uns glüht und uns zu hohen Thaten antreibt, es solle je verlöschen zugleich mit der elenden Hülle, die es umgeben ? Nein, o nein; wenn gleich der Leib zu Staub wird, der Geist wird entfesselt sich hinaufschwingen zu jenen lichteren Höhen, von wo er gekommen. Er, der keinen Anfang je gekannt, keinen Ursprung je gesehen, er wird nie ein Ende nehmen. Nicht sehen wir die Seele, aber wir fühlen doch ihr Dasein; so wird sie fortleben, wenn unsere Leiber längst nicht mehr sind. Alle Dinge kehren dahin zurück, woher sie entstanden, in ein ewiges Nichts; die Seele aber wird ewig weiter leben, sie, die weder greifbar sich zeigb wenn sie zugegen ist, noch wenn sie naht, oder sortgeht- Sagte doch mit Recht schon jener Unsterbliche . - -

Lautes Pochen an der Thür schreckte den Sinnende g»s seinen Träumen auf-