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die lachende Menge auf Hays Seite war, daß er nie den Sieg davon getragen, wenn er nicht die Kuhhaut und Trompete benutzt hätte, deren Gebrauch auf der Rennbahn die Richter nicht hätten erlauben dürfen. Hays behauptete jedoch, daß er ohne Kuhhaut und Trompete den Sieg davon tragen wurde, wenn die Pferdebesitzer noch einmal 100 Dollars gegen seinen Gewinn wetten wollten. Dies ward angenommen und nochmals nahmen die Reiter und Hays mit seinem Ochsen den Anlauf, diesmal aber ohne Kuhhaut und Trompete; doch kaum hatte Hays dem Ochsen die Sporen gegeben, als dieser wieder unter wüthendem Gebrüll davonstürzte und alle Pferde, welche sich des vorigen Spektakels noch erinnerten, von der Reitbahn trieb. Aus jene Weise gewann Hays auch die zweite Wette und zu einer dritten wollte sich dann Niemand herbeilassen.

(Aus demUlk.") Verordnung.

Nachdem bereits die wahlweise Polizei zu Fran- kenthal in der Pfalz einen Kohlenträger und einen Schiffskuecht wegen Sittlichkeitsvergehen hat festnehmen lassen, weit, um zwei Menschen vom Ertrinken zu retten, jene Leute nach Ablegung ihrer Kittel, mit entblößtem Oberkörper (!!!) in's Wasser gesprungen waren, so warnen wir hiermit alle unsere Getreuen und thuen ihnen kund und fügen zu wissen, was folgt.

8 1.

Es soll Personen desselben Geschlechts jederzeit unbenommen sein, einander in geschlossenem Raum, resp, hinter mattgeschlissenen Fensterscheiben, aus Wassersge­fahr zu erretten, (vergl. § 5.)

§ 2.

Weibliche Personen dürfen von Mannsleuten aus Gründen der Sittlichkeit nicht gerettet werden, sobald die Dunkelheit eingetreten ist. Auch der Ver­such ist strafbar.

§ 3.

Die zu errettende Person darf in ihrem Anzüge nicht gegen die öffentliche Ordnung verstoßen. Personen, welche sich, von Allem entblößt, aus Verzweiflung in's Wasser stürzen, dürfen daher überhaupt nicht gerettet werden.

§ 4.

Der Retter soll den Rettungsakt in seinem Sonn- tagsgewande vornehmen. In Ermangelung von Glacee- Handschuhen hat er wenigstens baumwollene anzulegen, ehe er zur That schreitet.

8 5.

Während der Kirchenstunden an Sonn- und Feier­tagen ist das Retten streng verboten. Anträge auf Aufhebung dieses Verbotes können eintretenden Falles an die Polizei in Frankenthal oder im Beschwerdeweg an den Vorstand derinneren Mission" in Berlin ge­richtet werden.

Die Sittenpolizei desUlk", Abtheilung für Rettungs-Angelegenheiten.

Im Auftrage M. E.

Vermischtes.

(Was soll der Junge werden?) Gegen das Ende des Semesters in Tausenden von Familien eine der ernstesten und am meisten erwogenen Fragen! Alle Tanten und Pathen und sonstige Angehörige des Familienrathes haben ihr Votum abzugeben, und rathen nach besten Wissen und Nichtswissen, bald etwas Ge- scheidtes bald etwas nicht Gescheidtes. Nur wenige ergeben ein positives Resultat. Man kennt zwar eine lange Reihe von Berufsarten, die der von der Schulbank Scheidende nicht ergreifen soll, aber keinen einzigen Beruf, der nicht seine Bedenken hätte. Den Vorzug geben die Versammlungen des Familienrathes namentlich all den Beschäftigungen, die sich, sozusagen, im Frack, weißer Weste und Glacehandschuhen verrichten lassen. Nur ja nicht ein Schurzfell umgehängt oder eine blaue Blouse ^gezogen! Wie schlecht würde es dem lieben Jungen stehen! Soll der Junge nicht auf der Schulbank bleiben und einem gelehrten Berufe oder wenigstens dem Ein- jahrigenzeugniß zusteuern, so muß er mindestensKauf­mann" werden, geringe, Salz, Petroleum rc. zu ver­laufen, gilt (sonderbar genug) allemal als ein anständigerer Wtruf als mit Hammer, Feile oder Bügeleisen sein Brod ju verdienen. Daß aber Tausende von Knaben auf diese Art in eine Bahn gelenkt werden, auf der sie kein sicheres Fortkommen finden, wird im Familienrathe leider recht fll übersehen. Intelligenz, tüchtige Schulbildung und gesellschaftliche Kultur thun besonders dem Gewerbtrei- dcuden dringend noth, wenn das Handwerk sich wieder zu feiner einstigen Blüthe emporringen soll, und es ist f Thatsache, daß Fleiß, Ausdauer, Geschick und geistige Begabung im gewerblichen Leben in der Regel ihren batisten Entgeld finden, während die liebe Mittelmäßigkeit am besten einen Beruf wählt, in welchem die eig ne Verantwortlichkeit möglichst gering ist. Freilich ist in einem einzigen Berufe ein ewiges Recht und eine un- ^i«8t sichere Aussicht auf lohnenden Erwerb geboten. . ^em Wandel der Zeiten wiedersteht nichts, und nur j ^enige geht gesichert der Zukunft entgegen, der auch

"en Wechsel der Dinge mitzumachen im Stande ist.

<« «arr ganzen Anzahlvon Schriften ist die Frägt

der Berufswahl an der Hand thatsächlicher Angaben, statistischer Uebersichten, historischer Ueberblicke rc. be­handelt : aber sie liegen unbegehrt im Buchladen oder werden doch nur von Berufspädagogen gelesen. Die Schulen würden sich ein großes Verdienst erwerben, wenn sie Bücher und Schriften dieser Art in mehreren Exemplaren in die Schülerbibliotheken aufnehmen und den abgehenden Knaben im letzten Schulsemester statt der gewöhnlichen Lektüre in die Hand gaben. Ebenso würde es der Bedeutung der Angelegenheit durchaus entsprechen, wenn in der Zeit vor dem Semesterschlusse in den V o l k sb ib li oth cken derartige Schriften in einer in die Augen fallenden Stelle aufgelegt und da­durch dem Lesepublikum bekannt gemacht würden. Wenn außerdem im Schulunterrichte selber einige anregende Besprechungen über die Berufswahl eine Stelle fänden, so würden die häuslichen Berathungen eine sehr werth­volle Ergänzung finden. In recht vielen Fällen mürbe dann die Frage:Was soll der Junge werden?" die einzig sachgemäße Beantwortung erfahren. Jeder Knabe erwähle einen Berns, zu dem er Neigung und Geschick besitzt, und der ihm nach den gegenwärtigen wirthschaft- lichen Verhältnissen ein gutes Fortkommen verspricht. Ob der Junge dann vor die rauchende Esse tritt oder hinter den Ladentisch oder das Schreibpult, oder ob er auf der Schulbank bleibt, ist gleichgiltig. Jeder Beruf, der auf die gegenwärtigen Bedürfnisse sich gründet, ernährt seinen Mann, wenn dieser seiner Aufgabe ge­wachsen ist und mit der Erfüllung seiner Pflichten es ernst meint.

Ein einfaches Mittel. Ueber die Entfernung von fremden Körpern aus dem Auge theilt ein ameri­kanischer Arzt Folgendes mit: Derselbe befand sich auf einer Lokomotive, als ihm ein Stückchen Asche ins Auge flog, welches sogleich den heftigsten Schmerz ver­ursachte. Durch Reiben mit der Hand versuchte er dasselbe zu entfernen, als ihm der Führer der Lokomotive den Rath gab nicht das betroffene Auge, sondern vielmehr das andere Auge zu reiben. Der Arzt befolgte nun den Rath, und nach minutenlangem Reiben bewegte sich das Aschcnkorn nach dem inneren Augenwinkel zu, wo es leicht entfernt werden konnte. Der betreffende Arzt hat diese einfache Weise nachher oft angewendet und versichert niemals einen Mißerfolg gehabt zu haben, wenn nicht der fremde Körper so scharf war, daß er den Augapfel geritzt hatte und nur mittelst Operation ent­fernt werden konnte.

Der Norddeutsche Lloyd hat abermals einen großartigen Sieg über einen seiner englischen Ri­valen, diesmal die Jman-Linie, davongetragen: Der neue DoppelschraubendampferCity of Newyork", dieses Weltwunder", das bereits vor seiner Fertigstellung von englischen, amerikanischen und auch einigen deutschen Blättern als dasschnellste Schiff der Welt" bezeichnet wurde, ist auf seiner ersten Reise nach Newyork von dem Schnelldampfer des Nordd. LloydAller", Capitän Christoffers, um 4 l/s Stunden geschlagen worden. Die Aller" ging am 2. August, 4 Uhr Nachmittags, von Southampton in See und langte am 10. August, 10 Uhr Vormittags, in Newyork an. DieCity of Newyork" verließ Queenstown (Irland) am 2. August S1^ Uhr- Abends und erreichte Newyork am 10. August, 1 Uhr Morgens. Berücksichtigt man, daß Queenstown um 18 Stunden näher bei Newyork liegt als Southampton, so ergiebt sich, daß das Bremer Schiff seinen Liverpooler Nebenbuhler um 4*/2 Stunden geschlagen hat. Man darf dem Norddeutschen Lloyd zu diesem wirklich bedeut­samen Erfolg gratuliren.

Bierstudien. Gemeiniglich war bisher der Ansicht, der größte Feind des Bieres sei die Wärme. Wer sich an einem heißen Sommertage vor der Thür eines einladenden Wirthshauses zur Rast niedersetzte, hat es wohl mehr als einmal erfahren, daß die erste Hälfte des ihm dargereichten Getränkes wohl vortrefflich mundete, daß jedoch, sobald er nach einigen Minuten auch den Rest in Angriff nehmen wollte, die Lieblichkeit des braunen Getränks sich verflüchtigt hatte. Und er sagte achselzuckend, die Wärme sei schuld an der Schalheit des Bieres. Nun aber legt Dr. W. Schultze in den Mittheilungen der Versuchsstation für Brauerei und Mälzerei in Wien" die Resultate seiner Untersuchungen über diese Frage nieder und eröffnet einen überraschenden Einblick in dieses Gebiet. Es handelt sich um das Sonnen- und Tageslicht, welches uns so freundlich hinaus- lockt ins Freie, um uns nachher hinterücks unsere schönsten Genüsse in unverantwortlicher Weise zu vergällen. Denn Dr. Schultze, welcher seine Versuche mit Münchener, Wiener und Pilsener Bier angestellt hat, konstatiert, daß das Sonnenlicht ein Todfeind des Bieres ist, der un­ermüdlich vom Morgen bis Abend über jedes Bier herfällt, das ihm in durchsichtig gläsernem Gewände ausgesetzt wird. Wir möchten uns schließlich vielleicht darüber trösten, wenn es dem Sonnenlichte gefiele, uns unser Getränk in so und so viel Stunden erst zu ver­derben; dagegen wüßte man sich eben zu helfen, indem man dem Lichte die Zeit nicht gönnte. Allein die Eile, mit welcher die Zerstörung vorgenommen wird, ist wirklich arg. Dr. Schultze findet, daß der durch Sonnen­strahlen hervorgebrachte üble Geruch und Geschmack beim Münchener Bier schon in 3*/2 und beim Wiener Bier in 4 Minuten deutlich wchrMehmeu ist, Wer such

das zerstreute Tageslicht wirkt ziemlich schnell auf die Qualität des Getränkes ein. Bleibt ein mit Bier ge­fülltes Glas selbst an einem trüben, dicht bewölkten, regnerischen Tage eine halbe Stunde am Fenster stehen, so ist es mit dem Duft und der Zartheit des Getränkes dahin, auch wenn das Gefäß mit einer Glasplatte ge- schloßen war. Wunderbarerweise erfordert Pilsener Bier eine längere Einwirkungsdauer des Lichtes, um denselben unangenehmen Veränderungen zu unterliegen. Nach 45 Minuten Besonnung war hier der üble Geruch und Geschmack noch lange nicht so stark wie beim Münchener und beim Wiener Bier in 5 Minuten. Diese Thatsache entspricht wohl auch der allgemeinen Erfahrung. Pilsener Bier bleibt im Trinkglase frischer als anderes. Um nun alle diese Uebelstünde zu umgehen, liegt der Gedanke nahe, den auch Dr. Schultze empfiehlt und des Weiteren ausgeführt: Man nehme zur Aufbewahrung von Bier niemals farblose Flaschen, sondern verwende lediglich tief rauchbraune und daher nahezu undurchsichtige Ge­fäße. Dunkelheit ist das billigste Konservirungsmittel des Bieres. Wider die Natur des Bieres sind daher auch alle durchsichtig gläsernen Trinkgefäße; ihr entspricht einzig und allein der in Bayern seit jeher übliche Deckel- Steinkrug. Er bietet den wichtigenVortheil,daß er denTrin- kenden den würzigen Geruch eines guten Bieres wahr­nehmen läßt was bei offenen Trinkgefäßen nicht der Fall ist und dadurch das Behagen am Biertrinken ganz wesentlich erhöht. Das bierwiederigste aber ist nach Dr. Schultze das deckellose weise Glas.

Angenehmes Gest ändniß. Emma zu ihrem Bräutigam:Denke Dir, Edgar, der dicke Doktor, der wahrscheinlich nichts von unserer Verlobung weiß, hat heute Morgen um meine Hand angehalten!" Edgar Bräutigam: Nun was sagtest Du ihm darauf?" Emma:Es thät mir leid, ich sei schon verlobt!"

Aus derJn st ruktions stunde. Einjährig- Freiwilliger:Nach den Naturgesetzen müßte das Geschoß doch ..." Unteroffizier:Schweigen Sie mir doch mit Ihren dummen Naturgesetzen. Beim Miltär giebt's keine Naturgesetze, sondern blos Milit är g es e tz e. Merken Sie sich das Einjähriger!"

Kabale und Liebe.

Am Freitag Abend ging SchillersKabale und Liebe" über die Bühne. WieDie Räuber", so wurde auch dieses schöne Meisterwerk des großen Dichters von der hier rasch beliebt gewordenen Schauspielertruppe vor­züglich gegeben. Das Spiel der Damen war ein in jeder Hinsicht fertiges und forderte stürmischen Beifall heraus, und daß die Herren mit nicht geringerem Ver­ständniß und weniger Fertigkeit ihre Rolle durchführten, bewiesen die von zarten Händen geworfenen Lorbeer­kränze. Besonderes Lob verdient Herr Hohenberg, der sich nicht allein durch seine sympathischen Stimmmittel, sondern auch durch das bezaubernde Spiel seiner Augen schon lange die Verehrung des jungen Theaterpublikums erworben und auch an diesem Abend als Stadtmusikus Miller frenetischen Jubel hervorrief. Mit Bedauern vernehmen wir, daß dieser ausgezeichnete Künstler die Absicht habe, unser Städtchen in den nächsten Tagen zu verlassen. Sollten es die dringendsten Bitten in ungestillter Sehnsucht vergehender Herzen nicht vermögen, diesen Herrn dauernd hier zu fesseln?! Rührend war die Theilnahme des Publikums, welches, nachdem es schon das Theater verlassen hatte, in Folge eines von Herrn Levi zur Unzeit gegebenen Alarms wieder in Thaliens Hallen zurückkehrte, um auch noch der Be­stattung der Leichen Ferdinands und Louisens beizu- wohnen. Auch der vorzüglichen Leistungen des Souffleurs soll an dieser Stelle anerkennend gedacht werden.

Mehrere Theaterfreunde.

Witternngsbericht für den Monat August.

Während des Monats August war die Luft im All­gemeinen ruhig, Sturm war nur an zwei Tagen zu verzeichnen, am 6. und 13., Nachmittags; vorherrschend waren Süd- und Westwinde. Der mittlere Barometer- tand war 760,6 mm, während er im August v. I. 762 mm war. Die Temperatur während des Monats war so ziemlich normal; sie betrug im Durchschnitt 17,1°C=13,7°R, im August v. I. war sie 18,4°C = 14,7°R. Die höchste Temperatur hatten wir am 10. und 12., Nachmittags 2 Uhr, nämlich 31°C=24,8°R; die niedrigste Temperatur war in der Nacht vom 3. zum 4., nämlich 5°C=4°R. Niederschläge fanden an 14 Tagen statt, die Gesammtregenmenge für den Monat war 54,2 mm, während sie für August v. I. 51,7 mm war. Die größte Regenmenge fiel am 1., nämlich 16,9 mm. Elektrische Erscheinungen hatten wir 6, davon waren eigentliche Gewitter 3. Nebel war an 4 Tagen zu verzeichnen.

Witterungsbericht.

Das Wetter wird in den nächsten 23 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird ich nicht wesentlich verändern; die Bewölkung wird wechseln; es werden mäßige Süd- bis Westwinde vor­herrschen; es liegen einige Anzeichen für das Eintreten von Niederschlägen vor, wahrscheinlich werden dieselben nicht bedeutend fein.