Kassel, 28. August. Heute Vormittag ereignete sich in einem Hause am Steinweg ein höchst beklagenswerther Unfall. Die Frau des Bahnhofsschreiners Zielberg wollte sich mit einem Korb in der Hand auf den Wochen- markt begeben. Beim Betreten der Treppe hatte dieselbe aber das Unglück auszugleiten und herabzustürzen. Dabei schlug die Frau so unglücklich mit dem Kopf auf die Treppe auf, daß sie das Genick brach und im Augenblick todt war. Dieser so eigenartige Unglücksfall erregt in weiteren Kreisen aufrichtige Theilnahme.
— In der Generalversammlung der Casseler Schmiede- meister war die Rede auf die Schnelligkeit der Anfertigung von Hufeisen gekommen und veranlaßte diese Unterhaltung schließlich die Eingehung einer Wette. Schmiedemeister und Wagenbauer Herr C. S ch o l z (Siechenhof) wettete mit mehreren Casseler Schmiedemeistern, daß er in einer Stunde 20 brauchbare Hufeisen mache und wurde dabei eine größere Geldsumme von den Wettenden aufs Spiel gesetzt. Es wurde bedungen, daß die Anfertigung der Eisen in Gegenwart einer Prüfungscommission stattfinden müsse. Am vergangenen Sonnabend Nachmittag von 5 7a bis 67a Uhr wurde nun in der Scholz'schen Schmiede zu Siedenhof die Wette ausgemacht. Nachdem sich die Commission, bestehend aus den Herren Schmiedemeistern Bachmann, Köhler, Oetzel und Frankrone, sowie Junungsboten Arend, Restaurateur F. W. Mendel und noch mehrere Zeugen eingefunden hatten, ging es aus Werk. Scholz machte in einer Stunde 26 brauchbare Hufeisen, ferner 2 englische je aus eine Hitze, also 28 Stück. Durch Kettenbruch trat noch eine Störung ein, sonst würde Scholz auf die Zahl 30 gekommen sein. Nachdem Scholz damit die Wette glänzend gewonnen hatte, wurde von den anwesenden Herren in der Mendel'schen Restauration zur Ehre dieser meisterlichen Leistung ein Trunk gethan.
Kassel, 29. August. (Besetzung der Schulstellen.) In einem Erlaß hat der Kultusminister darauf aufmerksam gemacht, daß bei Schulstellen, die nicht dem landesherrlichen Patronat unterworfen sind, nach § 18a der Regierungsinstruktion vom 23. Oktober 1817 der Regierung nur das Bestätigungsrecht, nicht das Recht der Besetzung der Stelle oder der Ernennung des Lehrers gebührt. Eine Bezirksregierung hatte nämlich, anstatt die von einem städtischen Magistrath ausgestellte Bestellung
zu bestätigen, eine besondere Erkennungsurkunde für den Lehrer ausgefertigt und ihn mittelst derselben zum Lehrer an der städtischen evangelischen Volksschule ernannt. Der Minister führt aus, daß, so lauge die Vorschrift des Artikels 23 der Verfassungsurkunde, nach welcher der Staat unter gesetzlich geordneter Betheiligung der Gemeinden die Lehrer der öffentlichen Volksschulen an- VIstellen hat, nicht aktuelles Recht geworden, obenerwähnte Geschäftsinstruktion, worin zwischen dem Rechte der Regierung zur Besetzung der dem landesherrlichen Patronatsrechte unterworfenen Lehrerstellen und dem Rechte der Regierung zur Bestätigung der von anderen (Privatpatronen und Gemeinden) dazu gewählten Personen deutlich unterschieden wird, zweifellos in Kraft bleibe.
H. M.
In Homberg im Regierungsbezirk Cassel ist die Rektorstelle zu besetzen. Zu derselben haben sich nicht weniger als 40 Bewerber gemeldet.
Langenstein (Kreis Kirchhain), 26. August. Dem 20jährigen Kourad Groß von hier, der seinen Eltern schon vielen Kummer bereitet hat, wurde am 21. b. M. von seinem Vater über Ungehörigkeiten Vorhalt gemacht. Er warf wüthend auf dem Feld die Sense weg und gab an, er gehe ins Wasser. Der trotzige Mensch führte seine Drohung mit einem wahren Raffinement aus; gestern fand man ihn bei der Wallbrücke vor demVrücker- wald in der Klein; er hatte mit einem Riemen sich einen schweren Stein am Hals befestigt.
Ausland.
London, 28. August. (Ein Schönheitspreis zu gewinnen.) Wie dem „B. T." aus London geschrieben wird, begibt sich eine Anzahl weiblicher Schönheiten demnächst von England nach Spa, wo im September um einen Schönheitspreis geworben werden soll, der werthvoller als der mythologische Apfel des Paris sein soll. Jede Nationalität und, mit Ausnahme der Negerdamen, jede Rasse, ob weiß, malayisch gelb, chinesisch weißgrau, indisch kaffeebraun u. s. w., ist feierlichst geladen. Die Ausstellung wird Vormittags und Abends in gewissen Stunden geöffnet sein — jede Schönheit wird in einem eigenen kleinen Prunkgemach, das nach dem Geschmack ihrer Heimath ausstasfirt, „ihre Erschein ung machen", des Vormittags in anderer Garderobe, als nach Sonnenuntergang. Wie die Londoner „Pall
Mall Gazette" vernimmt, ist außerdem Vorbedingung, daß jede Preisbewerberin sich eines makellosen Rufes erfreuen muß, ebenso sind Schönheiten ausgeschlossen, die schon vor dem Publikum auf öffentlichen Vorstellungen erschienen sind, also die ganze weibliche Theaterwelt!
Vermischtes.
— An s Erfahrung. Junges Mädchen: Anträge sind mir genug gemacht worden, aber es fällt mir so schwer, Ja zu sagen. — Freundin: (junge Frau); O, probir's nur mal. Wenn du erst angefangen hast, nachher möchtest du immerfort heirathen.
— I n einer Münchener Kneipe. Hausirer: „Kaufen Sie schöne Uhren?" Käufer: „Nun, sind die Uhren denn gut und dauerhaft " Hausirer: „Und ob: Sehen Sie mit dem Kasten hier bin ich heute fünf mal die Treppe hinabgeworfen worden und die Uhren gehen alle noch."
— Leiser Wink. Unteroffizier: „Kerls! Funkeln müssen Eure Knöpfe, daß ich mir die Cigarre daran anstecken kann, — — (mit gehobener Stimme) die ich morgen zum Geburtstag bekommen werde!
200 todte Russen und Schwaben fand ich beim einmaligen Einstüuben mit Ihrem Strubelin, nichts hat sich seitdem wieder gezeigt. Auch gegen sonstiges Ungeziefer erwies sich ihr Insektenpulver als das Beste.
O. Pifani,
München. Allein ächt bei: Ferd. Fenner.
Witterungsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Nächte werden kühl sein, bei Tage wird die Temperatur steigen; der Himmel wird heiter sein, morgens wahrscheinlich Nebel; es werden mäßige Nord- bis Ostwinde vorherrschen; Niederschläge sind nicht zu erwarten.
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Sonntag, d e n 2. September 1888:
Morgengottesdienst: Herr Pfarrer Hartmann.
Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent Heck.
Wochendienst in der Stadt: derselbe.
Ludwig Lins,
Schlüchtern.
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