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Kaisers Friedrich bei dem dritten Sr. Majestät unseres allverehrten, allerdurchlauchtigsten Kaisers Wilhelm IL, den Gott uns lange erhalten möge! Ich fordere die Festversammlung auf, unserem großmüthigen, theueren Kaiser als Zeichen unserer ehrfurchtsvollen Liebe und Treue ein dreifaches Hoch zu bringen: Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Deutsche Kaiser, König Wilhelm II., erlebe hoch! hoch! hoch!" Jubelnd stimmte die Versammlung ein, es brauste ein nicht enden wollendes Hoch durch die alten Mauern der Steckelburg und mit den KlängenHeil Dir im Siegerkranz" schloß die erhebende Feier. Leider hatte das Wetter dieselbe wenig begünstigt, trotzdem zogen die Jugend, der Sänger­und Kriegerverein zu einem im benachbarten Buchen- walde geschmackvoll hergerichteten Festplatze und bei der trefflichen Bewirthung, welche der Stifter des Denkmals freigiebig spenden ließ, entwickelte sich trotz der Unbill des Wetters eine fröhliche Feststimmung. Die Anwesenden und vor Allem die Bewohner der Herrschaft, in denen das Andenken an Ulrich von Hütten, dem einstmaligen Herrn ihrer geliebten Steckelburg, in treuem Herzen fortlebt, werden die Feier lange in der Erinnerung behalten.

Fulda, 22. Aug. Vor fünf Jahren wurden dem Schreinermeister Härtung dahier 200 Mark gestohlen, ohne daß man dem Thäter auf die Spur kam. Gestern nun erhielt der Geschädigte von unbekannter Hand einen Brief mit 20 Mark als Abschlagszahlung, in dem ver­sichert wurde, der Absender werde die ganze Summe, welche er im Dränge äußerster Noth s. Z. entwendet, nach und nach heimzahlen.

Frankfurt a. M., 25. August. Der Silberdieb ist entlarvt! Der wegen der Silberdiebstähle in Unter­suchungshaft befindliche angebliche Carl Bergmann ist von zwei Beamten der Strafanstalten in Köln als der frühere Hausknecht Carl Werner aus Danzig wieder­erkannt worden und hat seine Identität mit der letzteren Persönlichkeit anerkannt. Werner hat in den Jahren 18741880 eine 6jährige Zuchthausstrafe in Köln wegen Einbruchs-Diebstahls verbüßt.

Aus der Rhön, 24. August. Gestern fand auf der am 15. September zu eröffnenden neuen Röhnbahn Fulda-Gersfeld die erste Fahrt von der Anfangs- bis zur Endstation mit günstigem Resultate statt. Die Lokomotive war dicht bekränzt und trug die Ausschrift: ES lebe die Röhnbahn!" Auf allen Stationen gab es für die Arbeiter und Beamten freie Bewirthung. Die Freude der Rhönbewohner ist groß.

Gersfeld, 24. August. Gestern traf hier die erste Maschine auf der BahnFulda-Gersfeld ein. Das Krsbl. schreibt dazu: Der gestrige Tag war für Gers- feld ein bedeutungsvoller. Das erste Dampfroß, wenn auch nur eine Arbeitsmaschine, fuhr gestern Nachmittag 4 Uhr, nachdem um diese Zeit das Schienenlegen vollendet war, unter donnerndem Hoch der dabei beschäftigten Arbeiter auf den hiesigen mit zahlreichen Neugierigen angefüllten Bahnhof ein. Die größte Arbeit ist somit an unserer Rhönbahn vollendet und dieselbe wird nun ihrer baldigen Eröffnung entgegengehen. Heute Morgen um 9^s Uhr lief ebenfalls ein festlich geschmückter Zug die Maschine trug die Aufschrift:Es lebe die Rhönbahn!" in Gegenwart von vielen hiesigen Ein­wohnern, die sich schon lange nach dem Erscheinen der ersten Lokomotive sehnten, hier ein.

Hersseld, 24. August. Im Allgemeinen scheint die Kornernte doch nicht so schlecht auszufallen, als man anfangs 'glaubte. So hat beispielsweise Herr Lehrer Römer von 5 Metzen Aussaat 56 Metzen Korn geerntet. Auch von verschiedenen anderen Seiten hört man, daß die Leute mit dem Ausdrusch zufrieden sind.

Eschwege, 23. August. Das Kreisblatt ist vom Land­rath Herrn Grimm ermächtigt, dir Erklärung abzugeben, baß er auf das Bestimmteste die Annahme einer Kan­didatur für die bevorstehenden Landtagswahlen abgelehnt habe.

Cassel, 23. August. Vor einigen Tagen miethete sich in einem Hause der Orleansstraße ein elegant ge­kleideter Herr ein. Er bezeichnete sich als einen Mediciner und nannte sichvon Bardeleben". Der Herr Doctor trat sehr selbstbewußt und sicher auf und so fiel es der Frau des Hauses nicht einmal sonderlich auf, als er am anderen Morgen zu einem medicinischen Experiment, wie er sagte, mehrere silberne Löffel verlangte. Mittags ging der Herr Doctor aus und nahm außer den silbernen Löffeln auch noch mehrere werthvolle Bücher mit, die in einem offenen Nebenzimmer lagen, was die bestohlene Familie erst am Abend merkte, als der neue Zimmer­herr nicht znrückkehrle. Dieser hatte die Löffel und die Bücher verkauft, War darauf in eine hiesige Restauration gegangen und hatte, während die Gäste an der Mittags­tafel saßen, in einem unbewachten Augenblicke mehrere wcrthvollc Reise-Effecten gestohlen. Er entkam auch unbemeikt und eilte zum Bahnhöfe, löste ein Billet nach Frankfurt und saß bereits im Zuge, als die inzwischen benachrichtigte Polizei erschien und den Gauner verhaftete. Der adelige Mediciner entpuppte sich nun als ein aus Amerika kommender Hochstapler, dessen Metierdrüben" wahrscheinlich nicht mehr einträglich genug war. Von Haus aus ist er ein Deutscher, angeblich ein Kaufmann Namens Kattmuß aus dem Städtchen KoSwig in Anhalt, Hn wie weit dieser amerikanische Hochstapler in anderen

Städten des Continents Schwindeleien begangen hat, wird wohl die eingeleitete Untersuchung an's Licht bringen.

Cassel, 27. August. Mit Genehmigung des Königs behalten die bisherigen Hoflieferanten König Wilhelms I. und Friedrichs III. das Königliche Hofprädikat. Das­selbe dürfen auch die früheren Hoflieferanten des Kron­prinzen oder des Prinzen Wilhelm führen.

Cassel, 22 Aug. (Hessischer Volkss chul- lehr er-Verein.) Die 19. Jahres - Versammlung des Hessischen Volksschulvereins findet wie bekanntlich im Herbst d. Js. in Hanau statt. Vor träge sind bis jetzt angemeldet: Stellung und Aufgabe des Lesebuches in der Volksschule, nachgewiesen am Lesebuch des Hess. Volksschullehrervereins-" Ref. Herr Zieprecht-Kassel. Zur Reform des naturgeschichtlichen Unterrichts in der Volksschule." Ref. Herr Schneider-Marburg.Ein Lehrmittel für den Religonsunterricht." Ref. Herr Martin-Kassel.Welche Mittel stehen der Schule zu Gebote, körperlicher und geistiger Gebrechlichkeit entgegenzuwirken?" Ref. Herr Traudt-Rauschenberg. W: Hey, ein Freund unserer Kinder." (Sektions- vortrag.) Ref. Herr Knauf-Kassel.Die sittliche Wirksamkeit der deutschen Volksschule," Ref. Herr Belting - Kassel.Unsere Pilze." Ref. Herr Schlitz- berger- Kassel. Anträge sind bis jetzt u. a. gemeldet: Zum Hauptausschuß: Den pensonirten Lehrern soll der Beitrag zur der Kasse des Hess. Volksschullehrvereins erlassen werden."

(Fortsetzung.)

Mit einem gewissen jemand, von dem ich Dir sagen soll, daß er Dich noch vor Weihnacht Heimsucht, wenn es seine Geschäfte gestatten."

Wer kann das sein?"

Major Thorpe?" forschte Frau Jelf.

Ich schüttelte den Kopf.

Nicht der. Ein Verwandter von Ihnen, Verehrte."

Das kann ich nicht rathen," behauptete die Frau vom Hause.Bitte, spannen Sie uns nicht auf die Folter und sagen Sie gerade heraus, wer es war."

Kein geringerer, als Ihr Vetter, Herr John Dwerrihouse."

Jonathan Jelf legte Messer und Gabel hin: die Frau sah mich mit einem eigenthümlich verwunderten Blick an und schwieg.

Und er ersuchte mich seiner Cousine mitzutheilen, sie brauch: diesesmal ihm zu Ehren das Schloß nicht anzuzünden, müsse jedoch vor seiner Ankunft den Schorn­stein im blauen Zimmer fegen lassen."

Ich hatte den Satz noch nicht vollendet, als die Gesichter der Tischgenossen länger und immer länger wurden und schließlich ganz verhängnißschwer dreinsahen. Jnstinktmäßig fühlte ich, daß Schweigen nicht nur Gold, sondern Diamanten und Perlen für mich gewesen wäre; ich saß da, als ob der Blitz neben mir eingeschlagen hätte und mochte den Mund nicht mehr aufthun.

Rittmeister Prendergast half mir aus der ver­zweifelten Lage; mit dem verzweifelten Muth eines Mannes, der sich in eine Bresche stürzt, rief er über den Tisch:

Ich höre, Langford, Du bist ein paar Monate in Rußland gewesen; erzähle uns mal, wie es dort drüben nach dem Kriege aussieht."

Dieser Einfall des tapferen Gardehusaren war der Helfer in der Noth. Ich antwortete allerdings zögernd, aber er hielt die Unterhaltung im Gang; einer oder der andre betheiligte sich und wir kamen alle über die Schwierigkeit weg, obgleich sich ein sichtbarer Zwang nicht verwischen ließ. Bisher waren die Gäste schlichtweg langweilig gewesen, jetzt dagegen offenbar verlegen und ungemüthlich.

Als die Damen sich zurückgezogen hatten, setzte ich mich auf einen leeren Stuhl zu Prendergast.

Zum Teufel, alter Freund, was ist denn los?" Du hast John Dwerrihouie erwähnt."

Was liegt daran? Ich traf ihn ungefähr vor drei Stunden."

Sonderbar!" erwog der Rittmeister.War er es auch wirklich?"

So gewiß ich hier sitze. Wir haben zwischen London und Blackwater in einem fort geplaudert. Warum wundert Dich das?"

Weil," dehnte mein Freund in seinem leisesten Ton,weil John Dwerrihouse sich vor einem Viertel jahr mit fünfhunderttausend Thaler von dem Geld seiner Gesellschaft aus dem Staub machte und seitdem kein Mensch von ihm das allergeringste gehört oder gesehen hat."

* *

John Dwerrihouse war also seit drei Monaten heimlich davongegangen und nichtsdestoweniger hatte ich ihn vor drei Stunden gesehen; er hatte seiner Gesell­schaft eine halbe Million gestohlen und mir erzählt, daß er das Geld bei sich habe. Stimmten solche Wider­sprüche zusammen? Wie durfte er sich an das Tages­licht wagen und gar auf seiner eigenen Bahn sich zeigen;

Eine Gespenstergeschichte

Nach dem Englischen.

insbesondere fragte es sich jedoch, wo war er im letzten Vierteljahr gewesen?

Derlei Bedenken warfen wir auf; aber die Lösung war für mich nicht leicht und für den Rittmeister noch schwerer; der Hausherr freilich war noch schlimmer daran als wir, denn er war förmlich außer sich, als ich ihm in einer Stubenecke ausführlich mittheilte, was ich wußte. Nachdem am Spätabend der Besuch Abschied genommen, kam Jonathan noch in mein Zimmer hinauf und wir betrachteten die Geschichte von jedem Stand­punkt, ohne zu einem Resultat zu gelangen.

Du hast Dich nicht in der Person geirrt; weil das unmöglich ist?'

Ich antwortete:

Eben so unmöglich, als Dich mit einem beliebigen Dritten zu verwechseln.

Es handelt sich zunächst nicht um das Aussehen im allgemeinen, sondern um nähere Thatsachen. Seine Persönlichkeit ist hinreichend dadurch festgestellt, daß er von dem Feuer in der blauen Stube sprach. Aber wie schaute er aus?"

Ich glaube älter, bedeutend älter, blaß und vergrämt."

Vergrämt soll er schon drein sehen," sprach düster mein Freund,ob er nun schuldig ist oder nicht schuldig."

Ich halte ihn für nichtschuldig," entgegnete ich. Er war nicht verlegen, als ich ihn ansprach, auch nicht, als der Schaffner die Billets einforderte. In der Unterhaltung erwies er sich offenherzig bis zur Geschwätzigkeit."

Sehr eigenthümlich, denn in Geschäften ist er sonst zugeknöpft, meistens stumm wie ein Fisch. Er sprach ausdrücklich von fünfhunderttausend Thalern, die er in der Tasche hätte?"

Fv."

Hm! meine Frau hat darüber nachgedacht und ich meine, sie könnte recht haben."

Was schließt sie denn?"

Sie denkt (Du weißl, alter Freund, die Weiber versetzen sich in den Geist Dritter viel leichter, als die gescheutesten Mannsleute), daß er mit dem Geld sich während der letzten drei Monate in irgend einer abge­legenen Gegend des Landes versteckte und daß seine Ge­wissensbisse ihm weder erlaubten, seine Beute über das große Meer in Sicherheit zn bringen, noch dieselbe den rechtmäßigen Eigenthümern zu erstatten."

Aber er ist ja wieder da?"

Da liegt's. Sie meint, er hat sich mit der Gesellschaft ausgeglichen, das Geld zurückgegeben und seine amtlichen Obliegenheiten mit Erlaubniß des Ver­waltungsraths stillschweigend und ohne weiteres wieder ausgenommen.

Das letztere ist durchaus unwahrscheinlich," be­hauptete ich.Deine Frau beurtheilt die Sache nach der Art ihres Geschlechts und nicht aus dem Gesichts­punkt eines Eisenbahndirektors, bei denen hat vergeben und vergessen eine bestimmte Grenze."

Deiner Meinung! Trotzdem finde ich keinen Ausweg, als in der Erklärung jener Frau. Inzwischen wollen wir morgen nach Clayborough fahren und nach Neuigkeiten umhören. Ich erinnere mich, Prendergast sagte, Du hättestseine" Cigarrentasche ausgenommen."

Da liegt sie."

Jelf erkannte das Ding, weil er es in den Händen von Mr. Dwerrihouse öfter gesehen hatte und fügte hinzu:

Zum Ueberfluß ist hier auch noch sein Namens­zug I und D verschlungen, wie auf einem Briefpapier."

Da habe ich zum wenigsten nicht geträumt."

Nein; aber es ist schon lange Zeit zum Träumen. Nimm es nicht übel, daß ich Dich so lange aufgehalten habe; schlaf' wohl!"

Du auch! nur vergiß nicht, daß ich herzlich gern allerwärts hingehe, nach Cleyborough, Blackwater, London oder wo es sonst ist, wenn ich Dir den geringsten Dienst damit erweise."

Danke sehr; ich weiß, Du meinst es, wie Du sprichst und nehme Dich vielleicht in Anspruch. Nochmals gute Nacht!"

Er ging und um acht Uhr früh fanden wir uns im Eßzimmer wieder, aber es war ein hastiges, un- gemüthliches Frühstück. Niemand hatte geschlafen. Frau Jelf hatte geweint, ihr Mann wollte fort; und der Rittmeister und ich befanden uns in der bedenklichen Lage Fremder, wenn sie in einen Ehezwist hineinplatzen.

Zwanzig Minuten später waren wir auf der Straße nach Clayborough und als unsre schwarze Stute scharf austrabte zwischen den entlaubten Zäunen, sagte mein Nachbar:

Der Kukuk hole es, Liebster, ich habe verteufelt wenig Lust, in dem Nest da unten Dwerrihouse zu er­wähnen. Jeder Lampenputzer kennt unsre Verwandt­schaft und, wie die Sachen liegen, ist das für mich ein verdammtes Bewußtsein. Laß uns mit dem nächsten Zug nach Blackwater fahren; da ist viel mehr Verkehr und also auch weit größere Wahrscheinlichkeit, etwas zu erfahren."

So geschah es, wir kamen um dreiviertel zwölf Uhr an's Ziel, und machten uns ohne Zögern an unsre Arbeit.

Zuerst fragten wir nach dem Bahnhofsperwasttk