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bereits an die Mannschaften des 83. Jnsant.-Regiments vertheilt worden.

alles Volk in deutschen Landen, weß Glaubens und Standes es auch sei, Heil und Segen empfangen soll. Daß ein Candidat, der einem solchen Ziele nachjagt, der ultramontanen Wählerschaft, behagt, auch wenn er mit einem conservativen Aushängeschild erscheint, finden wir nur allzu begreiflich. Unmöglich aber scheint es uns, daß die wirklich conservativen Wähler einem solchen Manne ihre Stimme geben. Wir glauben vielmehr er­warten zu dürfen, daß sie lieber mit den National- liberalen einen gemeinsamen Candidaten aufstellen, als sich unter das Gefolge des Nuntius einreihcn lassen. Der Wahlkreis hatte, so lange gewisse Beeinflussungen nicht stattfanden, einen nationalliberalen Vertreter in dem Consul Schöffer-Gelnhausen. In der letzten Wahl­periode hat ein kleiner Kreis wieder einen national- liberalen Candidaten aufgestellt, dazu aber einen Mann ausersehen, der zwar in seinem engeren Wirkungskreis das ungeteilte Vertrauen genoß, jedoch über diesen Kreis hinaus der größeren Wählerschaft kaum dem Namen nach bekannt war und auch nichts that, tun sich bekannt zu machen. Es war dies entschieden ein tactischer Fehler. Wenn man diesmal frühzeitig einen im Wahlkreis all­gemein bekannten Candidaten nationalliberaler Richtung aufstellt, so wird diesem gewiß ein großer Theil der conservativen Stimmen zufallen.

Ein Freund der Katholiken scheint dies gerade nicht geschrieben zu haben. Auch weiß man in Frankfurt offenbar mehr als hier über die im Kreise Schlüchtern bestehenden Wahlabsichten. Wenn wir richtig unter­richtet sind, ist man im Kreise Schlüchtern nicht abge­neigt, einen Candidaten aufzustellen, bei dem auch die „Hanauer Zeitung" nicht das Gruseln zu überfallen braucht.

— Mit Rücksicht auf die bevorstehenden und bereits stattfindenden militärischen Uebungen der Reservisten und Landwehrmänner wird wiederholt darauf hingewiesen, daß Unteroffiziere und gemeine Soldaten der Reserve und Landwehr für jeden Monat, in welchem sie sich bei den Fahnen befinden, von der Klassen- und Kom- munaleinkommenstcuer befreit sind. Für die betreffenden, hierbei in Betracht kommenden Mannschaften genügt die Vorzeigung des Militärpasses zur Steuerbefreiung.

— (Für B e a in t e.) In einer neuerlichen an sämmtliche königlicheProvinzial-Schulkollegien ergangenen Verfügung hat der preußische Kultusminister sich damit einverstanden erklärt, daß die Söhne der bei den staat­lichen höheren Lehranstalten angestellten Beamten und Unterbeamten (Rendanten, Schuldiener) mit Rücksicht auf die geringere Höhe der Besoldungen der Letzteren nach wie vor von der Zahlung des Schulgeldes befreit werden. Auf die lediglich gegen Remuneration beschäf­tigten Beamten und Unterbeamten bezieht sich dieser Entscheid nicht. Für die Söhne der in Zukunft anzu- stellenden Beamten resp. Unterbeamten ist dasselbe Ver­fahren innezuhalten, wie solches durch den bekannten kultusministeriellen Erlaß für die Lehrersöhne ange­ordnet ist.

Fulda, 13. August. Ein hiesiger Metzger brächte sich vor etwa vierzehn Tagen an der Hand eine Schnitt­wunde bei, die er mit einem bunten Taschentuche verband und Anfangs nicht für gefährlich hielt. Erst als es mit der Wunde schlimmer wurde, nahm er die Hilfe zweier Aerzte in Anspruch. Der arme Mensch starb jedoch ge­stern Morgen unter großen Schmerzen an Blutvergiftung. Er hatte erst vor Kurzem seine dreijährige Militärzeit bei den Husaren in Bockenheim beendigt.

Bam Röhngebirge, 15. August. In Buttier wurde vor Kurzem eine Genossenschaftsmolkerei in Betrieb gesetzt, deren Anlage 15000 Mark kostete. Es werden daselbst täglich zwischen 4000 und 5000 Liter Milch verarbeitet.

Weisungen, 19. August. Die Wahlbewegung kommt nun auch in unserm Kreise in Fluß. Erfreulicher Weise sind diesmal die Aussichten für die national liberale Partei recht günstig. Es ist ganz unerkennbar, daß in der Wählerschaft ein förmlicher Umschwung zu Gunsten der Nationalliberalen ftattgefunben hat, ein Umstand, der die weiteste Beachtung verdient. Auch ist es bereits gelungen, in der Person des Herrn Fabikauten Franz Gleim einen der städtischen wie der ländischen Wählerschaft gleich willkommenen Kandidaten zu finden, welcher übrigens schon bei der vorigen Wahl kaudidirte und nur mit wenigen Stimmen gegen den konservativen Gegner, der übrigens alle Sympathien im Kreise ver­loren hat und wohl nicht wieder auftreten wird, unterlag. Berücksichtigt man, daß die Wahlen diesmal in Sinne des bekannten Erlasses weiland Sr. Majestät des Kaisers Friedrich von Stätten zu gehen haben werden, so scheint der Erfolg der nationalliberalen Kandidatur von vorn­herein außer Zweifel zu stehen.

Gaffel 16. August. Der von Hamburg angekündigte Extrazug, welcher die Kriegervereine zum Besuch der Schlachtfelder und Ausschmückung der Gräber der ge­fallenen Kameraden nach Metz bringen sollte, ist nicht, wie gemeldet war, um 2 Uhr heute Nachmittag ein= getroffen. Wie wir erfahren, ist derselbe wegen der geringen Betheiligung in Folge des zweifelhaften Wetters wieder abbestellt worden; ob der Extrazug nunmehr später abgelassen wird, ist noch nicht bestimmt.

— Die neuen aus wasserdichtem Stoff verfertigten Schuhe, welche im Manöver erprobt werden sollen, sind

Ausland.

New Uork, 17. Aug. Zwischen den Dampfern Thing- Valla und Geiser hat am 14. August Nachmittags 4 Uhr bei der Sandiuset ein Zusammenstoß ftattgefunben. Der Dampfer Geiser ist gesunken. 72 Passagiere und 33 Matrosen ertranken. Die Ueberlebeuden wurden vom Dampfer Wieland ausgenommen, ebenso wurden auch 455 Personen vom Dampfer Thingvalla an Bord genommen.

Was ich erzählen will, begab sich vor vielen Jahren.

Sebastopol war im Frühling gefallen; der Pariser Frieden seit dem Mai geschlossen, unsre Handelsver­bindungen mit Rußland eben wieder ausgenommen und ich kam von meiner ersten Geschäftsreise aus dem Norden wieder nach England zurück. Mein vortrefflicher Freund Jonathan Jelf, ein echter und rechter Engländer von der alten Schule, hatte mich eingeladen, den Dezember bei ihm in Schloß Dumbleton zu verleben. Als jüngerer Theilhaber einer wohlbekannten Firma war ich von meinen Handelsgesellschaften dazu ausersehen, die oben erwähnte erste Geschäftsreise ihrer Wichtigkeit wegen selbst zu machen und hatte nicht blos St. Petersburg, Moskau und Warschau besucht, sondern auch die Handels­häfen au der Ostsee. Deshalb landete ich so spät in England, ohne, wie ich früher hoffte, mit meinen Bekannten in Ostangeln schon im Oktober Fasanen geschossen zu haben.

Ein paar Tage hielt mich noch geschäftliche Ab­wicklung in Liverpool und London zurück; dann aber war ich frei und fühlte mich so glücklich, wie ein Schul- knabe, der in die Ferien geht. Mein Weg führte mit der Eisenbahn bis zur Station Clayborongh, wo mich ein Wagen von Dumbleton erwartete, mit dem ich die Reise, zwei starke Stunden, weiter zu machen hatte.

An dem nebligen und eigenthümlich warmen Nach­mittag des vierten Dezember schickte ich mich an, London mit dem Nachmittag-Schnellzug zu verlassen. Die frühe Dunkelheit eines Muttertages war angebrochen; die Lampen in den Waggons angezündet; die Fenster be­schlagen ; die Thürgriffe feucht und das Gas machte die allgemeine Finsterniß nur sichtbarer. Ich kam sieben Minuten vor der Abgangszeit an und erhielt von dem dienstfertigen Schaffner ein leeres Cvupä; steckte meine Cigarre an, dann meine Reiselampe, machte mir es be­haglich und wollte nun in gemüthlicher Ungestörtheit ein Buch vornehmen. Man denke sich meine freundlichen Gesinnungen für einen Herrn, der im allerletzten Augen­blick noch über den Perron lief und nach einem flüchtigen Blick auf die leeren Plätze zu mir einstieg.

Gleich auf den ersten Blick kam er mir bekannt vor — es war ein schlanker magerer Mann mit dünnen Lippen und blauen Augen, mit hohen Schultern und dünnen grauen Haaren, die ziemlich lang auf den Rock­kragen zurücksieten. Ueber den Arm hatte er einen Regenmantel geschlagen; in der einen Hand trug er einen Schirm, in der andern einen großen braunen Aktenkasten, den er unter den Sitz schob. Darauf fühlte er vorsichtig in die Brusttasche seines Rockes, als ob er sich vergewissern wollte, daß er Börse und Taschenbuch bei sich habe, legte den Regenschirm in das Netz unter der Decke, breitete den Mantel über die Knie und ver­tauschte seinen Hut mit einer schottischen Reisemütze. Indessen fuhr der Zug aus der Halle in die Winter- dämmerung hinaus.

Ich erkannte meinen Reisegefährten in dem Augen­blick, wo er den Hut absetzte, an seiner tief gefurchten, hohen, aber schmalen Stirn und erinnerte mich deutlich, daß ich ihn vor etwa drei Jahren, in eben dem Hause gesehen hatte, welches jetzt mein und wahrscheinlich auch sein Reiseziel war. Er hieß Dwerrihouse, war Advokat und, wenn ich nicht sehr irrte, ziemlich nahe mit der Frau meines Freundes verwandt. Als Jurist und Geldmensch war er „außerordentlich gut ab", wie der Kaufmann sagt. Die Jelfs behandelten ihn, wie man reiche Verwandte behandelt: zuvorkommend; die Kinder waren um ihn herum und der würdige Kammerdiener, der im großen Ganzen nicht so freundlich war, that, was er dem alten Herrn an den Augen abscheu konnte. Als ich ihn bei dem verschwindenden Tages- und Lampen­licht betrachtete, fand ich daß die letzten drei Jahre ihn bedeutend „mitgenommen" hatten. Er war blaß und hatte einen unsicheren Blick, den ich früher nicht wahr­nahm. Die Falten um seinen Mund hatten sich vertieft und die Backen und Schläfen waren eingefallen, wie von Krankheit ober Gram. Beim Einsteigen erkannte er mich nicht, aber jetzt sah er mich augenscheinlich forschend an und als sich der Blick wiederholte, sagte ich höflich;

„Herr John Dwerrihouse, wenn ich nicht irre?" „So ist mein Name," antwortete er.

«Ich hatte die Ehre, vor drei Jahren in Dumbleton Ihre Bekanntschaft zu machen."

„Ihr Gesicht kam mir bekannt vor, aber ich erinnere mich leider. ."

Eine Gespenstergeschichte

Nach dem Englischen.

„Ich heiße Langfort, William Sangfort,11 unterbrach ich. „Ich bin mit Jonathan Jelf in der Schule ge­wesen und verbringe gemeiniglich einige Wochen des Jahres in Dumbleton. Sie reisen auch dahin?"

„Nicht zum Schloß", erwiderte er. „Ich reise in unangenehmen Geschäften und Sie wahrscheinlich nur zum Vergnügen."

„Freilich, ich habe mich schon gewöhnt, diesen Besuch für meine drei glücklichsten Wochen von den zweiund- fünfzig zu halten."

„Es ist ein prächtig Haus," sagte er.

„Ich kenne kein besseres."

„Und Jelf ist so gastfrei."

„Der beste Bursche in der weiten Welt Gottes." „Ich habe auch eine Einladung auf Weihnacht," fuhr Mr. Dwerrihouse nach einer kurzen Pause fort.

„Kommen Sie?"

„Ich weiß noch nicht, es hängt von der Vollendung meiner Arbeiten ab. Vielleicht haben Sie gehört, daß wir eine Zweigbahn von Blackvater nach Stockbrioge bauen ?"

Ich setzte ihm auseinander, daß ich längere Zeit außer Landes gewesen sei und deshalb noch nicht von der beabsichtigteuErgänzung desEisenbahnnetzes gehört habe

Er lächelte wohlgefällig und meinte:

„Es ist entschieden eine Verbesserung. Stockbridge blüht auf und bedarf nichts als eine direkte Verbindung mit der Hauptstadt, um sich zu einem bedeutenden Handelsplatz zu entwickeln. Diese Zweigbahn ist meine eigne Idee. Ich legte den Plan dazu dem Verwaltungs- rath vor und überwache die Ausführung selbst."

„Sie sitzen im Verwaltungsrath?"

„Mein Antheil an der Gesellschaft," entgegnete er, „ist dreifach. Ich bin Direktor und Syndikus und endlich Eigenthümer vieler Aktien."

Herr Dwerrihouse war geschwätzig, voll von seinem Lieblingsprojckt und seiner Persönlichen Wichtigkeit und aus diesem Grund augenscheinlich außer Stande, von irgend etwas anberm zu sprechen. Deshalb redete er weiter von dem Widerstand, den er gefunden hätte und von den Hindernissen, die er überwand; von einer Menge lokaler Kleinigkeiten und lokaler Beschwerden; von der Geldgier des einen Grundbesitzers und von der Dummheit des zweiten. Er ging über zu dem Aerger des Pastors, weil sein Land durchschnitten wurde, und redete ausführlich von der sträflichen Gleichgültigkeit der Krämer in Stockbridge, die mit sehenden Augen nicht begreifen wollten, daß Leben oder Tod für sie an einer direkten Verbindung mit der Hauptbahn hing; von den einfältigen Artikeln in der Provinzialpresse, und den unerhörten Schwierigkeiten in der Auseinander­setzung über das Gemeindeland. Diese Auseinandersetzung hatte wohl das umfänglichste Interesse für meinen Gefährten, aber für mich gar keins. Zu meiner Ver­zweiflung verbreitete er sich ferner über noch verwickeltere Probleme. Er setzte auseinander, wie hoch die Bau­kosten per Meile geschützt seien, was die verschiedenen Unternehmer und Handwerker forderten, wieviel aus der Güterbeförderung auf der neuen Bahn wahrscheinlich eingehen würde u. s. w., weiter, weiter, bis mir der Kopf weh that und trotz aller Anstrengungen die Augen zufielen. Plötzlich schreckten mich die Worte auf:

„Fünfmalhunderttausend Thaler haar,“

„Fünfmalhunderttausend Thaler baar," wiederholte ich in dem lebhaften Ton, den ich für den Augenblick annehmen konnte, „das ist viel Geld."

„Hier," entgegnete Air. Dwerrihouse und wies nachdrücklich auf seine Brusttasche, „inzwischen ist das nur ein Bruchtheil von dem was wir schließlich zahlen müssen."

Ich rief aus: „Sie haben eine halbe Million in der Tasche?"

„Lieber Herr, das predige ich Ihnen ja seit einer halben Stunde vor. Ich soll sie heut Abend Schlag neun Uhr bei der Bank als Anzahlung auf den Kauf­preis und als Sicherheit für die von uns übernommenen Verpflichtungen hinterlegen."

„Aber wie können Sie mit diesem ungeheuren Betrag bei Nacht von Blackwater nach Stockbridge kommen?'

„Nach Stockbridje," echote der Advokat. „Ich muß mich schrecklich unklar ausgedrückt haben. Ich dachte, ich hätte Ihnen schon auseinaudergesctzt, daß das Geld nur bis Mallingford reicht — die erste Station für unser Werk so zu sagen — und daß unser Weg von Blackwater nach Mallingfort ganz und gar durch den Besitz von Sir Thomas Liddell führt."

„Bitte tausendmal um Entschuldigung," stammelte ich. „Sie gehen also heute Abend nur noch bis nach Mallingford?"

„Natürlich. Im „grünen Ochsen" nehme'ich einen Wagen. Und Sie?"

„Jelf läßt mich von Clayborongh abholen. Darf ich etwas für Sie bestellen?"

„Sagen Sie, bitte, ich hätte gern gleich die ganz« Strecke mit Ihnen zusammen gemacht und komme noä vor Weihnacht, wenn irgend möglich."

„Weiter nichts?"

Er lächelte halb bösartig.

„Doch," brummte er. „Sagen Sie meiner Cousine sie brauchte „dieses" mal mir zu Ehren das Haus w